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Thema: Unpünktlich verliebt
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10.01.2012, 00:18
AW: Unpünktlich verliebt
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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10.01.2012, 01:03Inaktiver User
AW: Unpünktlich verliebt
Lieber Cygnus,
vielen Dank dafür, dass du uns deine Weisheit zur Verfügung stellst.
Ich werde noch ein bisschen darüber nachdenken …
Und wehre mich bis zur großen Einsicht etwas (grenze mich ab), damit es auch Spaß macht.
Ich hoffe, das ist erlaubt und du verträgst das!
Ich fürchte, meine Seele braucht direkter formulierte Sätze, um sie verstehen zu können. Ich glaube, "Zu spät!
" versteht sie.
mir ging es im gemeinten Posting (#189) tatsächlich vor allem darum, kein Missverständnis im Raume stehen zu lassen - womöglich in die Richtung "Wer keine(n) abkriegt oder immer bei den falschen landet, dem mangelt es wohl an Verstand und Intellekt."

Ein Glück! Wir Frauen sind nicht allein so.Irgendwoher müssen dem Gehirn ja Bewertungskriterien in den entscheidenden Momenten zur Verfügung stehen. Umgekehrt geht es Männern mit ihrem Frauenbild natürlich ebenso.
Gut ist natürlich, wenn man in Bezug auf den geliebten Menschen eine selbsterfüllende Prophezeiung hegt, die er von seinem Wesen her auch in der Lage ist zu erfüllen bzw. zu verwirklichen.Trotzdem darf man m. E. dem Partner bei gewissen Gelegenheiten "phantastische" Eigenschaften andichten (sich ihn so vorstellen), die man gerne erleben würde, die er aber nun mal nicht oder noch nicht erfüllen kann oder mag.
Lebt in dir eine Frau, die auch aussieht wie ein Frau? Die du zeichnen und als Steckbrief aushängen könntest?Da kraucht also nichts Fremdes in Dir herum - zumindest dann nicht, wenn Du es annimmst und nicht aufgrund eines psychischen Problems, verkrampfter Moralvorstellungen, religiöser Dogmatik oder gar Missbrauchs- und Gewalterfahrung abspaltest bzw. abspalten musst.
Und das erschreckt dich nicht?
Der Mann in mir trägt ja komplett seine Züge.
Mich erschreckt das ja nur deshalb, weil ich es immer wieder mit der real existierenden Person verwechseln könnte.
Manche sagen ja auch: "Er (sie) ist ein Teil von mir". Das klingt nicht ganz so erschreckend. Falls es sich dabei um das Gleiche Phänomen handelt.
Okaaayy …Es ist aber sicher klar, dass man sich dazu (noch) gegenseitig zugetan sein muss und dass man möglichst viele Erinnerungen an Gemeinsamkeiten haben sollte, auf die man diesen Tagtraum (das Richten der Gefühle) gründen kann, sozusagen als Beweis, dass er nicht unrealistisch ist...
Manche nennen so etwas in der Wirkung dann "selbsterfüllende Prophezeiung".
P.S. Hast du es schon einmal geschafft einen Beitrag zu schreiben, der länger als eine Seite hier im Forum war?
Das geht vermutlich gar nicht … Schade eigentlich.Geändert von Inaktiver User (10.01.2012 um 01:22 Uhr) Grund: Weil ich immer etwas verbessern muss.
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10.01.2012, 10:25
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10.01.2012, 19:52
AW: Unpünktlich verliebt
Hi Fenimi,
Weisheit? Eher wohl ein ziemlich verkrampfter Versuch, Gefühle in Worte zu fassen - ich verstehe mittlerweile besser, was eine Bekannte mir mal zu einer ziemlich speziellen Foren-Diskussion über Frauen und Männer schrieb: "Ich hätte soviel dazu zu sagen, aber irgendwie fehlen mir die Worte." Das Blöde war, dass sie in dem speziellen Kontext wohl immer an Typen geriet, denen sogar die "unspeziellen" Gefühle fehlten - auch eine Form von Einsamkeit.
„Wir wissen mehr, als wir zu sagen wissen.“ schrieb Michael Polanyi schon 1966 über implizites Wissen.
Ich erwähnte hier kürzlich Bücher von Oliver Sacks und André Stern und stoße jetzt zufällig auf Polanyi, der ebenfalls als Kind einer liberalen jüdischen Familie aufwuchs. Ist übrigens eine meiner Lieblingsstrategien: die Suche nach Informationen über Personen nach spontaner Sympathie für sie.
(Nur ein paar unsortierte Morgengedanken...)
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Der von Dir kritisierte verklausulierte Satz war eigentlich ironisch gemeint - mir ist das mit der verpassten Chance zur falschen Zeit nämlich schon zu kompliziert. Es braucht m. E. überhaupt keine Erklärung, es reicht einfach, dass da nichts war und nichts mehr sein wird, warum auch immer. Als Faktum. Mag sein, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, in denen der Große Experimentator alle "Was wäre gewesen, wenn..."-Szenarien ablaufen lässt oder man könnte einen SciFi-Roman darüber schreiben. Aber sonst?
Oh, mit etwas Mut und Zeit bzw. Geduld kann und möchte man manchmal mehr erfüllen, als man je gedacht hätte - das ist ein gegenseitiges Sich-Befruchten, dass richtig Spaß machen kann. Wohlgemerkt: Bei gewissen Gelegenheiten und angelegentlich starker Zuneigung...
Außerdem ist das auch sonst garnicht so unwahrscheinlich, weil ja doch manche das Glück haben, den Menschen an ihrer Seite so zu erwählen und sich so mit ihm weiterzuentwickeln, dass es erfreulich gut passt, ohne dass einer sich irgendwie verbiegen müsste. Andere kommen vielleicht auch nur unglücklicherweise über einige Probleme nicht hinaus?
Interessant - so "praktisch" habe ich noch nie darüber nachgedacht. Oder doch: Einem Freund versuchte ich neulich mal zu erklären, dass ich im Gegensatz zu seinen Bekundungen eigentlich keinen Frauentyp erkenne, auf den ich explizit abfahren würde, sondern eher "Ausschlusskriterien" benennen könnte. Ok, meine große Schwester würde ich immer noch heiraten - aber ich habe noch nie eine Freundin gehabt, die ihr auch nur ungefähr entsprochen hätte.
Ich denke, bei mir ist die Anima eher eine Sammlung aus Details, die sich zum Teil auch noch ausschließen, zumindest nicht gleichzeitig "gehen", kein Steckbrief. Meine Beuteschemata sind wohl - primitiv Mann - bestimmte körperliche Merkmale und möglichst deren Betonung - quasi milde pervers - aber das Gesicht und die persönliche Ausstrahlung mitsamt der Stimme müssen unbedingt mit "uns" zusammenpassen, sind aber nicht (zumindest auf keine mir offensichtliche Weise) stereotyp. Im Gegenteil - ich glaube, mich fasziniert eine gewisse Non-Konformität besonders.
Wenn ich es mir recht überlege, haben meine Traumfrauen sozusagen garkein (bestimmtes) Gesicht und keine (bevorzugte) Frisur oder Haarfarbe, aber immer eine ganz eigene Persönlichkeit und Stimmung. Und sind damit - in meinen Augen zumindest - besonders stimmig. Lass' mir vielleicht einen Punkt, der mein Helfersyndrom triggert oder meine "Ich nehme Dich an die Hand und zeig' Dir was"-Gefühle? Die letzten scheinen mir auch diejenigen zu sein, die in einer Partnerschaft (durch den Alltag und die Vertrautheit?) am schnellsten zu kurz kommen.
Vielleicht ist ein so genaues inneres Spiegelbild, wie Du es dagegen beschreibst, auch ein Zeichen von wundervoller Übereinstimmung? Oder bist Du etwa gerade frisch verliebt? Aber vergiss dann nicht, es immer wieder der Realität anzupassen oder neue "Beobachtungen" auch hinzuzufügen, denn sonst könntest Du damit Deinen Partner - völlig ungewollt - letztlich einengen und Menschen ändern sich nun mal, müssen sich sogar ändern.
Tja, warum sollte das alles nicht auch so unterschiedlich funktionieren können? Jeder kennt die (Wider-) Sprüche "Gleich und gleich gesellt sich gern" und "Gegensätze ziehen sich an".
Aber was Du mit "verwechseln" meinst, habe ich bisher nicht verstanden...
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P.S.: Ich habe es in "meinem" ersten Forum, das sich mit den oben erwähnten spezielleren Beziehungsfragen beschäftigte, tatsächlich geschafft, den ersten ausführlicheren Beitrag so umfangreich zu gestalten, dass er dann von der Forensoftware garnicht angenommen wurde. Ich musste dazu erst einige Formulierungen stark verkürzen.
Den nächsten so langen Beitrag habe ich wegen der damit verbundenen Verlustgefahr dann offline verfasst und gaaanz vorsichtig hineinkopiert. Den hat die Admine eines anderen, ähnlichen Forums gefunden und mit meiner Erlaubnis "geklaut" (was dann später eine nette virtuelle Freundschaft und besondere Teilhabe an deren Forum begründet hat). Tja - seitdem überkommt es mich immer mal wieder...
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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10.01.2012, 23:26Inaktiver User
AW: Unpünktlich verliebt
Hallo Cygnus!
Ich fürchte wir reden etwas aneinander vorbei.
Schade.
Ich geh noch einmal zu dem Punkt zurück, an dem wir überhaupt auf das Thema kamen.
(Liest hier eigentlich noch irgend jemand außer uns beiden mit?)
Wie war das?
Es ging um die Gefahr, einen fernen, unerreichbaren Geliebten zu stark zu idealisieren und als die "große Liebe" in Erinnerung zu behalten, die einen glücklich machen würde, würde sie sich nur erfüllen.
Dabei gibt es diese Person, an die man denkt, an sich gar nicht, weil man sie sich Stückchen für Stückchen selbst erdacht hat.
Du hast geraten, diese "Eigenleistung" zu erkennen und anstatt auf eine Erfüllung der Liebe in der Realität hoffen, doch besser in sich selbst etwas Gutes mit dem Liebesgefühl zu bewirken. (Letzter Absatz deines Beitrags #147)
Ich fragte: "Wie soll das gehen?"
Für mich verbindet sich das schöne Liebesgefühl untrennbar mit dem Bild des Geliebten, der mir so nah ist, dass er als verkleinerte "Ausgabe", als inneres Bild immer bei mir ist.
Ich denke, der Animus ist etwas anderes?
Auf welchen Männertyp ich optisch reagiere , weiß ich. Der sieht ganz anders aus und ähnelt auch meinen Brüdern
Von denen würde ich aber keinen heiraten wollen!
Vielleicht kommen wir auch zu keinem Ergebnis. Ich wollte den Werdegang der Debatte nur noch einmal rekonstruieren.
Oh. Du schriebst sie zumindest um 19.52 nieder.
Das war nur die Ausgangsidee, die übrigens nicht von mir stammte.Der von Dir kritisierte verklausulierte Satz war eigentlich ironisch gemeint - mir ist das mit der verpassten Chance zur falschen Zeit nämlich schon zu kompliziert.
Genau, eben "Zu spät!" Unpünktlich verliebt.Es braucht m. E. überhaupt keine Erklärung, es reicht einfach, dass da nichts war und nichts mehr sein wird, warum auch immer.
Milde pervers, was ist das?Meine Beuteschemata sind wohl - primitiv Mann - bestimmte körperliche Merkmale und möglichst deren Betonung - quasi milde pervers - aber das Gesicht und die persönliche Ausstrahlung mitsamt der Stimme müssen unbedingt mit "uns" zusammenpassen, sind aber nicht (zumindest auf keine mir offensichtliche Weise) stereotyp. Im Gegenteil - ich glaube, mich fasziniert eine gewisse Non-Konformität besonders.
"Ich nehme Dich an die Hand und zeig' Dir was"-Gefühle ist etwas sehr Schönes! Ich entdecke ein Stück Welt, was ich ohne den anderen übersehen hätte. Ein Geschenk!Lass' mir vielleicht einen Punkt, der mein Helfersyndrom triggert oder meine "Ich nehme Dich an die Hand und zeig' Dir was"-Gefühle?
Das hat für mich aber nichts mit einem Helfersyndrom zu tun, schüttel.
Frisch verliebt bin ich nicht und die Realität (das wunderbare Wesen) ist weit weg und nicht zu sprechen.Vielleicht ist ein so genaues inneres Spiegelbild, wie Du es dagegen beschreibst, auch ein Zeichen von wundervoller Übereinstimmung? Oder bist Du etwa gerade frisch verliebt? Aber vergiss dann nicht, es immer wieder der Realität anzupassen oder neue "Beobachtungen" auch hinzuzufügen, denn sonst könntest Du damit Deinen Partner - völlig ungewollt - letztlich einengen und Menschen ändern sich nun mal, müssen sich sogar ändern.



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