Tja - womöglich gibt es auch den Effekt, dass die 'vermeintlich defizitären Menschen' erkennbarer sind in ihrer Persönlichkeit für die potentiellen Partner.
Ich für mich kann diesen Effekt jedenfalls bestätigen ...
Na ja klar - in diese Richtung denke ich ja auch.
VanDyck
Antworten
Ergebnis 541 bis 550 von 1226
Thema: Darf Liebe weh tun?
-
06.12.2011, 15:23
AW: Darf Liebe weh tun?
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
-
06.12.2011, 22:32
AW: Darf Liebe weh tun?
Die Frauen sind ohne jeden Zweifel Gewinner der Moderne: vor gerade mal 60 Jahren konnte von Gleichberechtigung noch keine Rede sein. Und es war ja auch umgekehrt so, daß Männer existenziell wichtig für Frauen waren, und das Ausleben der Sexualität war bei Frauen eher noch stärker reglementiert als bei Männern. Die Kontrolle der Männer war außerdem ziemlich vordergründig, ob die Ehe für die Frau sonderlich angenehm war, war den Kontrollinstanzen doch herzlich egal.
Prostitution ist keine Erfindung der Neuzeit.
Nicht nur Männer, sondern auch Frauen können sich heute erfreulicherweise gegen Partnerschaftsmodelle entscheiden, die ihnen nicht zusagen. Der zwangsläufige Preis dieser Freiheit ist nun mal, daß manche Frauen ebenso wie manche Männer ihr bevorzugtes Modell nicht mehr leben können, wenn sie niemanden finden, der da mitmacht. Soziale Kontrolle ist nach wie vor möglich und auch nach wie vor vorhanden, wenn auch nicht gleichermaßen in allen Milieus. Nicht sozialkonformes Verhalten ist eine Folge von Anonymität, Frau hat auch heute die Möglichkeit, sich die potentiellen Partner erst mal näher anzusehen, an ein paar Monaten ohne Sex ist noch niemand gestorben.Geändert von glaux (06.12.2011 um 22:35 Uhr)
-
07.12.2011, 11:58
AW: Darf Liebe weh tun?
Das Erstaunliche ist ja, dass dieses Bild, von dem alle alle überzeugt sind (ich bisher auch) eben doch nicht so stimmt. Politisch und ökonomisch haben Frauen natürlich an Freiheiten dazugewonnen, aber auf einer anderen Ebene, mit der niemand gerechnet hat, sind sie nun doch wieder die Verlierer - das finde ich total traurig. Und diese andere Ebene, die emotionale, geht womöglich noch mehr ins Mark als die politisch-ökonomische, deshalb ist der Satz, die Frauen seien die Verlierer der Moderne, nicht so verkehrt.
Nein, es muss heißen "viele Frauen und einige Männer"
-
07.12.2011, 12:14
AW: Darf Liebe weh tun?
Wie meinst du das?aber auf einer anderen Ebene, mit der niemand gerechnet hat, sind sie nun doch wieder die Verlierer - das finde ich total traurig. Und diese andere Ebene, die emotionale, geht womöglich noch mehr ins Mark als die politisch-ökonomische, deshalb ist der Satz, die Frauen seien die Verlierer der Moderne, nicht so verkehrt.
Inwiefern hat man als Frau emotional etwas verloren, das früher da gewesen wäre?
Lg
HexlThe difference between try and triumph is just a little "umph"
-
07.12.2011, 12:16
AW: Darf Liebe weh tun?
Vielleicht müsste man da auch eher mit dem (umstrittenen) Begriff der 'Postmoderne' arbeiten, wenn man meint, Frauen seien da eher die Verlierer.
Die Herangehensweise, Frauen seien die Gewinner hinsichtlich der letzten 60-80 Jahre, finde ich ja etwas schräg.
Dass nun schon lange bspw. gleiche Bürgerrechte, oder auch (zunehmend) berufliche Möglichkeiten usw. auch für Frauen gelten, und also Frauen in vielerlei Hinsicht die gleichen Rechte haben, wie sie Männer schon immer hatten ... na gut - das kann man dann so sehen, dass Frauen die Gewinner der letzten Jahrzehnte sind ...
Aber wenn bspw. seit hunderten von Jahren die Spielregel gilt, dass bei einem Fußballspiel die blaue Mannschaft immer mit 11 Leuten auf dem Feld steht, die rote Mannschaft aber nur 8 Spieler aufs Feld schicken darf und dann kommt es irgendwann dazu, dass auch die Roten mit 11 Leuten aufs Spielfeld dürfen ... kann man dann auch 'einfach mal so' davon sprechen, dass die Roten die Gewinner/Profiteure der neuen Spielregel sind?
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
-
07.12.2011, 12:28
-
07.12.2011, 12:44
AW: Darf Liebe weh tun?
Auf die Sahnehäubchentheorie reagiere ich inzwischen auch allergisch. Ich glaube nämlich auch, dass die Bedürftigkeit eine unentbehrliche Motivation ist, um eine Beziehung einzugehen. Deshalb wird ja von manchen Paartherapeuten eine Phase der Einsamkeit empfohlen, nicht um alleine glücklich zu werden, sondern um seine Bedürftigkeit zu spüren und die Sehnsucht nach einem Partner aufzubauen, also den inneren Druck zu erhöhen - das ist das Gegenteil von der Sahnehäubchentheorie.
Geändert von Ditha (14.12.2011 um 01:57 Uhr)
-
07.12.2011, 13:02
AW: Darf Liebe weh tun?
Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu und möchte ergänzen:
Ich finde dieses Argument des Verlusts der emotionalen "Karte" (und Sicherheit) sehr interessant. Abgesehen davon finde ich, dass durch das Hinzukommen an politischen und ökonomischen Freiheiten die Frau zwar gewonnen hat, aber gleichzeitig ist damit der Druck auf die Frau gestiegen, alle diese Bereiche, zusätzlich zur traditionellen Mutterrolle, unter einen Hut zu bringen und positiv und erfolgreich auszufüllen. Das Wunschselbstbild der heutigen Frau (sowie der Anspruch, der von außen an sie herangetragen wird) ist doch, beruflich erfolgreich (und finanziell unabhängig), Mutter, und last but not least, gutaussehend zu sein. Das sind ziemlich viele Bälle, mit denen frau heute jonglieren muss. Und das ist für mich alles andere als ein "Gewinn". Natürlich möchte auch ich die "guten alten Zeiten" nicht mehr zurück, wo man noch die Unterschrift des Ehemannes benötigte, um ein Bankkonto eröffnen zu dürfen, aber ich wünsche mir, dass sich die Frauen heute wieder mehr und mehr aus dieser Anforderungsspirale herausnehmen und sich selbst mehr "Unperfektheit" zugestehen, bzw. ihnen das auch von außen so zugestanden wird.
-
07.12.2011, 13:06
AW: Darf Liebe weh tun?
Eva Illouz führt das in ihrem Buch aus. Sie beschreibt wie in früheren Jahrhunderten die gesellschaftliche Benachteiligung der Frauen durch eine gewisse Verehrung "ausgeglichen" wurde, d.h. Frauen wurden von Männern zwar gesellschaftlich benachteiligt, aber im Bereich der Liebe idealisiert. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Liebe und die Beschäftigung damit so attraktiv für Frauen war, und bis heute ist. Aber die Verehrung ist nun der typischen männlichen "Bindungsangst" gewichen.
-
07.12.2011, 13:28
AW: Darf Liebe weh tun?
Ganz richtig. Da gibt es auch eine neue Generation Femininistinnen, die genau das kritisiert, z.B. Susan Pinter in ihrem Buch "Das Geschlechterparadox". Frauen können jetzt nicht nur Karriere machen, sondern sie müssen es irgendwie auch. Pinter beschreibt wie Frauen aufgrund sehr guter Studienabschlüsse Karriere gemacht haben, z.B. als Anwältin, und nach Jahren merken, dass sie eigentlich ganz andere Bedürfnisse haben, z.B. gerne (mehr) Kinder gehabt hätten.



Zitieren