Antworten
Ergebnis 521 bis 530 von 1226
Thema: Darf Liebe weh tun?
-
04.12.2011, 00:22
AW: Darf Liebe weh tun?
-
04.12.2011, 00:50
AW: Darf Liebe weh tun?
Natürlich ist das nicht nur eine individuelle Kiste, aber die gesellschaftlichen Einflüsse lassen sich eben auch nicht auf eine Handvoll Faustregeln runterbrechen. Die ökonomischen Randbedingungen spielen zweifellos in mancher Hinsicht eine Rolle, und ein Buch, in dem das mal ausgeleuchtet würde, fände ich sehr lesenswert, im Gegensatz zu den üblichen Newsweek-Schablonen.
-
04.12.2011, 13:10
-
04.12.2011, 14:19
AW: Darf Liebe weh tun?
Es gibt viele legitime Wünsche, nur sind die nicht alle gleichzeitig erfüllbar. Männer können ebenso wenig wie Frauen 90% ihrer Zeit mit dem Job und 50% ihrer Zeit mit der Familie verbringen. Frau kann sich einen ähnlich gebildeten Mann suchen, der etwas mehr oder etwas weniger als sie verdient, dann ist es eine realistische Forderung, daß man die Kindererziehung gleichmäßig aufteilt. Wenn Mann/Frau sich jemanden mit einem viel höheren Einkommen sucht, dann ist es nicht erstaunlich, wenn der Hase anders läuft. Wie viele Männer partnerschaftsorientiert sind, und wie viele davon sich mit Akademikerinnen zusammentun, hängt davon ab, welche Partnerschaftsformen für sie tatsächlich umsetzbar sind, also unter anderem vom Partnerwahlverhalten der Frauen, vom Jobangebot oder von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, aber nicht davon, was in Sonntagsreden gefordert wird.
Es gibt aber unter den partnersuchenden Singles nicht nur Akademikerinnen und ungelernte Männer. Und es mag sein, daß Paare, bei denen die Frau mehr als der Mann verdient, gesellschaftlich noch nicht so akzeptiert sind, aber vor gar nicht so langer Zeit war es auch nicht allgemein akzeptiert, wenn Frauen überhaupt erwerbstätig waren. Danach darf man nicht gehen, wenn sich etwas ändern soll.
-
04.12.2011, 15:03
-
05.12.2011, 00:45
-
05.12.2011, 06:00
AW: Darf Liebe weh tun?
Bei den Männern, die ich etwas näher kenne, habe ich nicht den Eindruck, daß die durch irgendein "Überangebot" an Interessentinnen eine Wegwerfmentalität gegenüber Frauen entwickelt hätten.
-
05.12.2011, 08:41Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Dann hast du das Thema Bindungsangst nicht richtig verstanden.
Bindungsangst hat natürlich niemand, der sich nicht für eine Beziehung mit jemand entscheidet, weil es dafür einfach nicht reicht - und das dann auch so ausspricht und lebt.
Bindungsangst zeigt sich viel mehr in einer großen Ambivalenz - einerseits eben doch eine Bindung zu wollen, andererseits aber zu fürchten, was zu total widersprüchlichen Signalen und Verhalten führt und jeden "normalen" Menschen verzweifeln lässt, weil man das nicht einordnen kann.
Dass jemand kein Interesse an einer Bindung hat ist etwas völlig anderes.
-
05.12.2011, 08:43Inaktiver User
-
05.12.2011, 12:08
AW: Darf Liebe weh tun?
@ Fraudieliest: Das sehe ich genauso, deshalb habe ich ja "Bindungsangst" in Anführungszeichen gesetzt.
So, ich habe inzwischen weitergelesen und bin recht angetan von dem Buch. Im nächsten Kapitel geht es genau um dieses Problem, das Latona angesprochen hat:
Grundsätzlich ist es typisch für die (Spät-) Moderne, dass wir (Frauen und Männer) unser Selbstwertgefühl entscheidend davon abhängig machen, ob wir Erfolg in der Liebe haben. Wir suchen in der romantischen Liebe Anerkennung und Bestätigung unseres Selbstwertes, viel mehr als früher. Diese Behauptung ist erstmal ungewöhnlich, weil viele ja glauben, dass die Frauen früher emotional noch abhängiger waren, aber da argumentiert sie dagegen. Früher war der Selbstwert stärker vom Status abhängig (Herkunft der Eltern, gute Erziehung bei Frauen, Beruf bei Männern usw.). Das waren vergleichsweise objektive Faktoren, die den Selbstwert stabilisierten, auch wenn man in der Liebe kein Glück hatte.
Illouz sagt, Liebe habe immer schon weh getan, aber es gab einen kulturellen Bezugsrahmen, der erlaubte, mit dem Liebesleid so umzugehen, dass es den Selbstwert nicht minderte. In der mittelalterlichen Minne verhalf das Liebesleid dem Minnesänger sogar zu einer Erhöhung und Läuterung, bei den Romantikern wurde das Liebesleid in Melancholie umgewandelt, ihre Leidenfähigkeit wurde als Zeichen für Tiefe gesehen.
Diese kulturellen Bezugsrahmen fehlen uns heute. heute ist es das Ziel, Liebesleid möglichst schnell zu überwinden oder noch besser gar nicht erst zuzulassen. Denn wir brauchen die Anerkennung und Bestätigung in der Liebe. Die Erfahrung, nicht begehrenswert zu sein, hat eine vernichtende Wirkung auf Männer und Frauen. Und diese Erfahrung wirkt sich auch auf das übrige Leben aus, man traut sich auch im Beruf viel weniger zu (bzw. wenn man geliebt wird, traut man sich mehr zu). Sie spricht von ontologischer Unsicherheit. Das obsessive Beharren auf Selbstachtung ("Lerne erstmal, dich selbst zu lieben", "Ein Mann muss mir guttun, was soll ich sonst mit ihm" usw., alles hier häufig zu lesen) sei nichts anderes als ein Zeichen dieser Unsicherheit.
Und schüchterne Singles sind sozusagen der Prototyp unserer Zeit, sie reagieren stärker auf die beschriebene Situation, ihre Ängste sind unvermeidlich, wenn man sensibel ist.Geändert von Ditha (05.12.2011 um 21:02 Uhr)



Zitieren