Antworten
Ergebnis 1.201 bis 1.210 von 1226
Thema: Darf Liebe weh tun?
-
12.01.2012, 17:48Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
-
12.01.2012, 19:03Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
...um es mal vorweg zu nehmen: Ich bin nicht sonderlich eifersüchtig...
Eifersucht hat etwas mit Neid, mit Konkurrenz, mit Geltungskampf mit Vergleichen und auch mit Ehrgeiz zu tun. In einer Leistungsgesellschaft, in der Leistung zählt, Wettbewerb gilt und Ehrgeiz als eine wichtige Charaktereigenschaft angesehen wird, an dem der Mensch gemessen wird, läßt der Neid auf andere und auch die Eifersucht nicht lange auf sich warten.
Eifersüchtig muß ich ja nicht nur in der Liebe sein, die ausschließlich mir gelten soll. Eifersüchtig kann ich auch auf jemanden sein, dem es vermeintlich besser geht als mir, der schöner ist und mehr hat als ich. Dann befällt mich nämlich der Neid.
(und manchmal sogar auch Hass)
Fazit: Je eifersüchtiger jemand ist, um so besitzorientierter und haben-fixierter ist er, er ist egoistisch eingestellt, er besitzt kein starkes, sondern - im Gegenteil - ein schwaches Ego.
Unweigerlich wird die Zuwendung des Liebespartners zu einem anderen Menschen in neuer Liebe als persönliche Kränkung und Egoschwächung aufgefasst.
Eifersucht gilt als normal, weil sie von jedem mehr oder weniger heftig erlebt wird. Die Eifersucht kann nur in Gesellschaften auftreten, die in ihrem Denken besitzorientiert sind, die ihr Leben nach dem Haben-Modus einrichten.
"Solange wir die Wahrung des Phänomens Liebe nicht erkennen wollen, werden wir immer wieder in den Schmerz der Eifersucht gelangen, werden wir die Angst vor dem Verlust des 'Besitzes' nicht los, werden wir unfrei sein und uns vor der Lebendigkeit des Augenblicks verschließen, werden wir Liebe suchen und immer wieder seelisches Leid erfahren. [...]
Der eifersüchtige, besitzorientierte Partner behindert uns mehr, als daß er uns fördert; auf diese Weise entwickelt sich der Hass..."
Quelle: "Die Liebe" Psychologie eines Phänomens
-
12.01.2012, 22:25Inaktiver User
-
12.01.2012, 22:55Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
@shadow
Eifersucht halte ich für eine ganz normale Empfindung in dem Sinne, dass wir eben alle nicht perfekt sind und auch solche Gefühle zum Menschsein gehören.
Eifersucht kann auch etwas Gutes haben: sie kann unsere Sinne schärfen für einen möglichen Verlust und kann uns motivieren, diesen zu vermeiden. Alles in einem gewissen Rahmen... und das ist das Problem, nicht das Gefühl, sondern das Ausmass.
Ich selbst empfinde selten Eifersucht. Manchmal finde ich das selbst merkwürdig.
Wenn, dann entsteht Eifersucht bei mir aus einer Empfindung des "gefühlten Mangels": wenn ich sehe, dass mein Partner in Menschen oder Dinge Zeit investiert, die ich gerne von ihm hätte und die er mir verweigert, ohne dass ich verstehe, warum.
Entweder sind meine Ansprüche zu hoch - oder ich habe eben keine besonders hohe Priorität für den Menschen, der mir offensichtlich wichtiger ist, als ich ihm.
Weil ich diesen Zusammenhang erkannt habe, ist Eifersucht für mich ein gutes Warnsignal für: hier läuft gerade was schief!
-
13.01.2012, 12:21
AW: Darf Liebe weh tun?
Auch ich bin in der Beziehung zu meiner Frau ein Stück weit Romantiker, aber die Emotionalität ist eingebettet in ein Leben voller "Normalität" - die Liebe zu unseren Kindern, unser Alltag, schöne und weniger schöne Stunden, Stress und Frust. Ich denke, der Unterschied zu einem echten Romantiker ist, daß ich diese Normalität als zu unserem Leben dazugehörig empfinde, sie annehme, sie als Quelle des Glücks und der Zufriedenheit betrachte. Also unter (temporärer) Langegeweile und lauen Gefühlen nicht leide, kein Himmelhochjauchzend und ZuTodebetrübt anstrebe (für das "wahre" Leben halten). Das Überschäumen der Emotionalität nur ausnahmsweise anstrebe.
Es ist also die Temperierung der Gefühlslage (positiver und negativer) bezogen auf meine Erwartungshaltung. Ich unterstelle dem Romantiker nämlich, daß er lieber intensiv leidet als wohltemperierten Alltag zu erleben. Und ich ziehe eben den Alltag vor.
Aber vielleicht ist mein Verständnis für Romantik (so wie wir das hier diskutieren) zu plakativ.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
-
13.01.2012, 12:43
AW: Darf Liebe weh tun?
Hans

ich habe zwei längere Beziehungen in meinem Leben gehabt, die wohl dem eher dem Romantikbild entsprechen: riesengroße Gefühle, Achterbahnfahrten, unglaublich hohe Berge, aber auch tiefe Täler des Leidens dabei. Verzehrend, aufwühlend und voller Sehnsucht, immer wieder wie auf stürmischer See fahrend.
Meine Beziehung mit meinem Mann ähnelt eher einem langen ruhigen Fluß. Die Ausreißer nach oben sind nicht so hoch (aber es gibt sie) und die Täler nicht so tief. Aber wer weiß, vielleicht wirkten die Spitzen in den beiden oben genannten Beziehungen auch nur deswegen so hoch, weil die Täler so tief sind. Wenn ich an die Jahre früher zurückdenke, hat das auch viel mit Kampf zu tun, es war auch oft ein Gegeneinander. Heute bewege ich mit meinem Mann an der Hand eher in eine gemeinsam gewählte Richtung. Das ist ruhiger, aber fühlt sich für mich aber sehr viel besser an und gibt mir Kraft, im Gegensatz zu den anderen Männern, die mich eher Kraft gekostet haben. Trotzdem waren die beiden Beziehungen wichtig und richtig, die Erfahrungen haben mich erst reifen lassen für eine Beziehung, wie ich sie jetzt führe.Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
-
13.01.2012, 12:59
AW: Darf Liebe weh tun?
Hallo Shadow,
ich würde gern unterscheiden in Eifersuchtsgefühle und Eifersuchtshandeln.
Eifersuchtsgefühle gehören zum normalen Emotionshaushalt der Menschen. Letztlich lassen sie sich auf Verlustangst zurückführen. Je stärker jemand auf Verlustangst reagiert, umso eifersüchtiger wird er sein. Bis hin zu pathologischen Eifersuchtsgefühlen, wenn die Person unter panischen Verlustängsten leidet.
Eifersuchtsverhalten halte ich allerdings wie Du eher für einen Ausdruck des Besitzdenkens, des Kontrollwunsches.
Ich halte daher ein (normales) Eifersuchtsgefühl bei einem konkreten Anlass für normal und wünschenswert. Permanent und ohne Anlass aber ist ein solches Gefühl eher ein Ausdruck psychischen Ungleichgwichts. Eifersuchtshandlungen lassen Respekt dem Partner gegenüber vermissen und gehen daher für mich überhaupt nicht (und da muß ich mich ab und zu auch an die eigene Nase fassen...).
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
-
13.01.2012, 15:23Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Vivena, das kenne ich auch.
Nur mit dem Unterschied, daß ich auch dann weniger Eifersuchtsgefühle verspüre. Ich empfinde da mehr Traurigkeit und auch Enttäuschung in mir, was insofern ja auch ein Warnsignal ist. Ich nehme also auch sehr wohl wahr: Hier läuft etwas schief. (und zwar genau in dem Sinne "ich habe eben keine besonders hohe Priorität für den Menschen, der mir offensichtlich wichtiger ist, als ich ihm..." - und da erübrigt sich für mich auch die Frage nach dem WARUM)
Mein nächster Schritt ist: Ich thematisiere das. Und dann warte ich einfach nur ab, welche Entwicklung dieses Ansprechen auslöst, ob es ihn auf irgend eine Weise "berührt" und ob sich dann "gefühlt" für mich in dieser Beziehung zu dem Menschen etwas positiv (ver)ändert.
Aber anstatt eben dann zu klammern und zu kämpfen und etwas erzwingen zu wollen neige ich viel eher dazu, loszulassen. Und so kommt es, daß ich mich ziemlich schnell auch wieder anders orientieren kann. Ohne starke Verlustängste haben zu müssen.
-
13.01.2012, 15:28Inaktiver User
-
13.01.2012, 15:30----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.



Zitieren


