Das mit der Lebenserwartung ist so nicht richtig: diese Zahl kam vor allem durch die enorme Säuglings-und Kindersterblichkeit zustande. Der Durchschnittsbürger ist nicht mit 35 gestorben, das war die durchschnittliche Lebenserwartung. Und für jeden toten Säugling ist dann eben jemand anderes 70 geworden. Statistik halt.
Auch damals gab es schon viele Menschen, die 60, 70, 80 und noch älter wurden.
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Thema: Darf Liebe weh tun?
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27.12.2011, 16:45Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
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27.12.2011, 17:23
AW: Darf Liebe weh tun?
Genau, Goethe z.B. wurde 82 Jahre alt, aber von seinen 5 Kindern überlebte nur eins.
Geändert von Ditha (27.12.2011 um 17:41 Uhr)
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27.12.2011, 19:19Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Wenn man sich mal romantische Geschichten in Literatur, Film und Fernsehen anschaut - dann liegt doch der Hauptteil der Romantik im Stadium des sich sehnens bevor das Happy End kommt. Die ganzen Verwicklungen, in denen das romantische Paar geprüft wird. Sich sehnen, über Zeit und Raum hinweg.
Und mit dem Happy End endet die Geschichte dann auch (es sei denn, die Liebe bleibt unerfüllt). Für die Zeit danach hält das romantische Ideal eigentlich kein Modell bereit.
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27.12.2011, 23:16
AW: Darf Liebe weh tun?
Es stimmt, dass für die Romantiker die Liebe hauptsächlich in der Sehnsucht nach dem Geliebten bestand, aber sie glaubten, dass dieser Zustand auch in der Ehe (also nach dem Happy End) anhält. Die "romantische Ehe" ist leidenschaftlich, verzehrend, inspirierend und endlos, und sie wurde verstanden als Einheit von sinnlicher und geistiger Lebensgemeinschaft.
Am besten wird das in dem Briefroman "Lucinde" von Friedrich Schlegel (1799) beschrieben. Allerdings ist das ein 500 Seiten dickes Buch. Empfehlen kann ich es in einer gekürzten Hörbuchversion, gelesen von Nina Hoss.
Hier ein paar Zitate:
"... eine Frau, die zugleich die zärtlichste Geliebte und die beste Gesellschaft und auch die vollkommenste Freundin ist ... in Dir habe ich alles gefunden."
"Du gehst mit mir durch alle Stufen der Menschheit, von der ausgelassensten Sinnlichkeit bis zur geistigsten Geistigkeit."
"Nur in der Sehnsucht finden wir die Ruhe."
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27.12.2011, 23:54Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Da bin ich mir jetzt nicht so sicher, ob das nicht eher der Entwurf für ein romantisches Liebesideal ist? Ein Versuch, das romantische Ideal zu verbürgerlichen? Eine Utopie...
Denn eigentlich ist das doch ein Widerspruch - die Sehnsucht und die Erfüllung schliessen sich doch gegenseitig aus? Ich kann mich doch kaum nach etwas sehen, was da ist.
Die blaue Blume der Romantik scheint mir eher ein melancholisches, unerfülltes Pflänzchen zu sein...
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28.12.2011, 01:32
AW: Darf Liebe weh tun?
Ja, aber es ist genau dieses Ideal, das wir auch heute noch in der Liebe suchen. Wir drücken uns nur anders aus: der Traummann soll uns gefallen (also unser Geliebter sein) und er soll zu uns passen (also der vollkommene Freund und die beste Gesellschaft sein). Also auch wir suchen die sinnliche und geistige Gemeinschaft. Und wir wollen die nicht endende Leidenschaft. Wir haben dieses Ideal so verinnerlicht, dass es uns einerseits total selbstverständlich und andererseits zum Verzweifeln unerfüllbar erscheint.
Das stimmt. Das ist ja auch das Problem bei vielen Langzeitbeziehungen, dass die Vertrautheit und die Sicherheit die Sehnsucht (und damit auch das Begehren und die Erotik) killt. Es ist im Grunde ein Widerspruch. Wie soll ich etwas begehren, was ich schon habe? Aber die Romantiker waren offensichtich der Meinung, dass dieser Widerspruch irgendwie unschädlich gemacht werden kann.
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28.12.2011, 02:11Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
???
Ich denke, der Schlüssel liegt im eigenen Empfinden.
Mir ist bewußt, dass ich nichts und niemand im Leben "habe", außer im Moment, und wenn ich mit offenen Sinnen durch die Welt gehe werde ich auch nichts für selbstverständlich halten, sondern immer in der Lage sein es wertzuschätzen. Alles was ich erlebe ist dann langweilig, wenn ich selbst nicht tief empfinden kann und, das seh ich auch oft, wenn es neben dem Paar/Familienleben kein Eigenleben mehr gibt - da schwindet natürlich das Bewußtsein, dass der andere immer ein fremder Mensch ist und bleiben wird.
Wer das nicht fühlt, der braucht eben den immer neuen Kick von außen. Und das wird auf Dauer nicht funktionieren, fürchte ich. Und ich frage mich ob denen, die sich so schnell langweilen, nicht allein genauso langweilig wäre. Und warum genau sie dann mit ihrem Partner überhaupt zusammen sind, wenn der ihnen so wenig spannend scheint.
P.S. Geradezu fassunglos macht mich in dem Zusammenhang der Strang: BeschäftigungsTipps für den Abend zu zweit...Geändert von Inaktiver User (28.12.2011 um 02:16 Uhr)
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28.12.2011, 08:25Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Ja, gut beobachtet. Die Frage ist: welchen Schluß ziehst du daraus? Man kann ein Ideal auch relativieren oder aufgeben. Besonders dann, wenn es mit anderen Zielen nicht vereinbar scheint. Der Frust entsteht doch nur dann, wenn man ALLES haben will (in einer Beziehung, für immer).
Hm... den Widerspruch hab ich jetzt nur auf die Sehnsucht bezogen. Ob das dann in Folge für das Begehren und die Erotik so sein muss, möchte ich nicht behaupten. Für mich hängt das nicht so direkt zusammen.Das stimmt. Das ist ja auch das Problem bei vielen Langzeitbeziehungen, dass die Vertrautheit und die Sicherheit die Sehnsucht (und damit auch das Begehren und die Erotik) killt.
Zeit für neue Wege? Die Romantik als Liebesideal ist ja nun auch schon etwas... äh.... angestaubt?
Ich glaube nicht, dass das Festhalten am romantischen Ideal ein Beleg dafür ist, dass es ein guter, gangbarer Weg für alle/viele ist, Liebe und Leidenschaft zu (emp)finden. Es ist für m.E. paradoxerweise eher ein bequemes Ideal, solange es den desillusionierenden und oft langweiligen Alltag ausblenden kann. Romantik lebt von einer gesteigerten Gefühlswelt, alles ist größer, bunter, intensiver: die Sehnsucht, die Leidenschaft, der Sex.
Die Liebe? Ich weiß nicht.... geht es nicht mehr um die Intensität von Emotionen als um den Inhalt der Gefühle? Weil wir in der reizüberfluteteten Welt immer stärkere Impulse brauchen, um zu fühlen? Nur mal so als Gedanke....
Tja, da könnten sie sich auch geirrt haben, die Romantiker!Aber die Romantiker waren offensichtich der Meinung, dass dieser Widerspruch irgendwie unschädlich gemacht werden kann.
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28.12.2011, 09:57Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Ich glaube, beim Romantiker war die Liebe der Sehnsucht untergeordnet.
Er liebte alles( sogar die Liebe) was seine Sehnsucht fördern konnte.
Diese Sehnsucht war eine allgemeine Melancholie der Sinne, ein leicht wehmütiges Gefühl – das der Geliebte zwar mit ihm teilen, aber keinesfalls „erfüllen“ sollte.
(hm, so´n bissel romantisch bin ich wohl auch…
)
Der nüchterne Mensch von heute verwechselt Sehnsucht fast immer mit Begehren und "etwas zu begehren" heisst für ihn meist „es-haben-zu-wollen“.
Sei es einen Mann, eine Frau oder ein saftiges Stück Torte.
Und nach dem "Gehabt-haben" beklagt er dann erstmal sein Sättigungsgefühl.
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28.12.2011, 10:24Inaktiver User
AW: Darf Liebe weh tun?
Übrigens: Nicht nur die etwas schwülstigen Romantiker haben die Macht der Sehnsucht erkannt.
Sogar ein Bert Brecht war sich ihrer noch sehr bewusst und litt darunter, wenn sie ihm abhanden kam.


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