Guten Morgen,
als Kennenlernmoderatorin les ich mich ja nun durch alle hier vorhandenen Stränge (ja, ich nehme meinen Job ernst).
Was mir hier - und nicht nur mir - aufgefallen ist, ist dass heute anscheinend nicht mehr telefoniert wird. Und selbst das Kommunikationsmittel Mail anscheinend nicht so häufig genutzt wird wie das "Kommunikations"mittel SMS. Ich setze das "Kommunikation" absichtlich in Anführungszeichen, weil ich als hoffnungslos altmodische Frau SMS für eine richtige Kommunikation für völlig ungeeignet halte.
Hier tauchen zwei Szenarien häufiger auf:
1. Da wird während des Kennenlernens eine SMS geschickt, um sich für ein Date zu bedanken, um Interesse zu signalisieren, um das nächste Date abzusprechen. Dann meldet sich der Angesimste erst einmal nicht. Dann wird hier in der Bri herumgehirnt, warum derjenige sich nicht meldet. Warum nimmt man da das Telefon nicht gleich zum Telefonieren in die Hand? Vergibt man sich mit einem Anruf soviel mehr als mit einer SMS? Lehnt man sich damit mehr aus dem Fenster? Oder ist es die Angst vor der unmittelbaren Reaktion? Aber ist das nicht besser als diese ständige Unsicherheit, die das Nichtbeantworten einer SMS hervorruft?
2. Da werden ganze Gespräche per SMS simuliert. Für mich ist das tatsächlich nicht mehr als eine Simulation, denn sie verhindern fast alles, was für ein richtiges Gespräch essentiell ist. Schon Telefonieren hat den Nachteil, dass man Mimik und Gestik nicht sieht, aber die reale Stimme verrät einem mit Sicherheit mehr als ein paar Buchstaben per SMS, die ja naturgemäß auch meist noch recht knapp gehalten sind. Eine Userin schrieb es gerade so schön: "dann hat er geschrieben, dann hab ich geschrieben, dann hat er geschrieben"...und was bringt das? Mir erscheint das in diesem Szenario noch abstruser, nicht einfach mal miteinander zu telefonieren. Warum tut man das nicht?
Vielleicht könnt ihr mir da ja weiterhelfen, dass ich das endlich mal verstehe. Und wenn nicht, dann setz ich meinen langgehegten Plan in die Tat um und nehme das folgende in meine Signatur auf:
RUF IHN EINFACH AN!!!!
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Thema: SMS statt Telefonieren
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16.09.2011, 08:32
SMS statt Telefonieren
Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
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16.09.2011, 08:40Inaktiver User
AW: SMS statt Telefonieren
Tut mir leid, ich kann das auch nicht verstehen.

Meinetwegen könnte es Handys ohne SMS Funktion geben, dann hat sich dieses Kennlernproblem gelöst.
Am besten sind noch eilig geschriebene SMS mit T9 Funktion. Dann hat der Empfänger der SMS erstmal ein paar Denksportaufgaben.
Selbst habe ich in der Hinsicht keine Probleme gehabt. Mein Mann und ich haben stinknormal und altmodisch telefoniert oder persönlich miteinander gesprochen. Maximal eine SMS kurz vorm Einschlafen.
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16.09.2011, 08:42Inaktiver User
AW: SMS statt Telefonieren



Du sprichst mir aus der Seele...
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16.09.2011, 08:46
AW: SMS statt Telefonieren
Super!! Stimmt vollkommen. Obwohl ich persönlich auch vom Telefonieren grad die Nase so richtig voll hab...

"Das simsen als Form der Kommunikation"-wäre das nicht mal ein tolles Thema für eine Doktorarbeit??
Interessant ist auch, dass es sich durch alle Schichten und Altersstufen zieht-keinesfalls ist simsen nur eine Jugendmode, sogar ganz "Hochgestellte" organisieren sich bisweilen durch ihre Handy-Tastatur.Die Schöpfung hatte mit allem einen Plan: Frauen sind anmutig, bezaubernd und schön, Männer sind...nun ja, machen wir weiter: Blumen sind bunt und riechen gut...
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16.09.2011, 08:48
AW: SMS statt Telefonieren
marylin, du hast meine volle zustimmung.
ich wundere mich auch immer wieder darüber, wie sich manche hier
das hirn zermattern, warum er nicht auf eine sms antwort und wann
er wohl antworten wird, oder ob er gar nicht mehr antworten wird ect. pp.
und wenn einer sich 24 stunden nicht meldet, dann kann man ihn eh in
den mond schießen... manchmal ist es doch sehr amüsant, welche psychologischen
weisheiten dann zu tage kommen.
und die bricom hier soll dann noch schnell mal in ihre glaskugeln schauen
um neueste erkenntnisse zu geben.
liegt wohl an meinem fortgeschrittenen alter, dass ich solche dinge
nicht mehr verstehe.
ich schließe mich deiner signatur an: ruf ihn einfach an!!
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16.09.2011, 08:54
AW: SMS statt Telefonieren
Ich denke, es ist zum einen Feigheit - man muss sich dem Gegenüber und seiner Reaktion, der Gestik, Mimik und vor allem den Worten (wenn es denn ablehnende Worte wären) nicht direkt aussetzen - und zum anderen Beuqemlichkeit - man kann die SMS während der Arbeit tippen, mitten in der Nacht, in der Bahn.
Und dann ist es auch einfach eine Entwicklung.
Früher fanden wahrscheinlich die Leute das Telefon doof und haben sich gefragt, warum man denn nicht einfach zum Nachbarn rüberläuft, wenn man was zu sagen hat.
Grundsätzlich finde ich SMS ok, auch wenn ich nicht gerade der Vieltipper bin.
Ich nutze das Medium. Meist für normale Übermittlung von kurzen Infos.
Bei der Beziehungs- oder Kontaktanbahnung wird damit meist eine Kette von Missverständnissen und Magenschmerzen und Wartezuständen und Angstzuständen und Verwirrtheiten losgetreten und ausgelöst, wie man ja täglich hier in der Bri eindrucksvoll nachlesen kann.
Jedenfalls sind geschriebene und auch nicht geschriebene, beantwortete und nicht beantwortete SMS der Nährboden dieses Forums, das ohne dieses Phänomen zumindest im Kennlernforum wohl ein einsames, ödes Dasein fristen würde.
So aber entsteht durch die Möglichkeit des SMS-Schreibens eine grenzenlose Bandbreite an Spekulationen, Unterstellungen, Hoffnungen und Enttäuschungen und Theorien.
Ob das zielführend ist weiß man nicht, hier in der Bri führts ja meistens am Ziel vorbei direkt ins Aus.
Wenn dieses Verhalten dann noch mit der in der Bri so hochgehaltenen Männer-wollen-Jagen-ich-bin-das-Wild-Theorie vermengt wird (was ja allen Unsicheren und Verwirrten vermeintlich sehr entgegen kommt), kommt dabei meist nur ein ungutes Konglomerat verschiedenster Gefühle heraus.
Aber eben keine Liebesbeziehung.
(Was natürlich nicht an der SMS an sich liegt, aber man hätte sich ohne diese eben viel Kummer und sinnlose Hirnereien ersparen können. Letztlich ein emotionaler Luxus).
LG
HexlGeändert von Hexl (16.09.2011 um 08:58 Uhr)
The difference between try and triumph is just a little "umph"
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16.09.2011, 09:05Inaktiver User
AW: SMS statt Telefonieren
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16.09.2011, 09:07Inaktiver User
AW: SMS statt Telefonieren
Vorteile einer SMS:
1) schnell
2) jederzeit (ausser Akku ist leer oder kein Netz
)
3) man muss sich nicht zeigen
4) bequem
Nachteile einer SMS:
1) kein direktes Feedback
2) keine wirkliche Sicherheit ob sie angekommen ist bzw. ob sie gelesen wurde
3) sehr schnell missverständlich weil meist aufs wesentliche konzentriert
4) trügerische Sicherheit z. B. bei wichtigen Informationen oder Zeitabsprachen
5) SMS können verloren gehen
6) SMS können verzögert ankommen (bei mir war das längste mal 3 Tage!)
7) man begibt sich freiwillig in eine Warteposition, für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Gau schlechthin
Die zentrale Frage ist doch, wieso machen das Menschen, vor allem beim Kennenlernen, bei dem die natürliche Unsicherheit sowieso schon da ist und verstärken sie dadurch?
Oberflächlich betrachtet ist es bequem und einfach aber für mich ist die Ursache bei dem Vorteil 3) zu suchen.
Es ist eine Konfliktvermeidungsstrategie SMS zu benutzen. Um das nicht falsch zu verstehen, solange jemand damit umgehen kann stellt das Medium kein Problem dar aber ich spreche hier von dem was marilyn angesprochen hat.
Früher musste man sich noch treffen, man musste aus dem Haus raus, sich mit seiner Angst konfrontieren, die jeder kennt wenn er ein OdB hat, sich damit auseinandersetzen, dass der andere am Telefon oder direkt einem sagt, hey mit uns wirds doch nichts.
Und weil man sich mit SMS so gut verstecken kann, auch keine direkte Reaktion vom anderen sich anhören muss ist es so verführerisch.
SMS sind im Grunde ein Instrument beim Kennenlernen um sich nicht zeigen zu müssen, sich verstecken zu können hinter seiner Angst.
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16.09.2011, 09:14
AW: SMS statt Telefonieren
ich denke, das ist der springende Punkt, Feigheit sich direkt auseinanderzusetzen.
Man riskiert in einem persönlichen Gespräch oder Telefonat, dass es dem Gegenüber - aus welchem Grund auch immer - einfach im Moment nicht passt. Und es scheint genügend Menschen zu geben, die nie gelernt haben ein Nein zu akzeptieren.
Ich werde es nie verstehen, vielleicht bin ich einfach zu alt geworden.
Ich will ja nicht davon erzählen, dass ich in jungen Jahren noch Liebesbriefe geschrieben habe, die bestenfalls nach einer Woche beantwortet wurden. Das muss noch zur Zeit der Märchenerzähler gewesen sein, finsteres Mittelalter.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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16.09.2011, 09:18Inaktiver User


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