Ich finde die Liste jetzt noch nicht so Kunst-spezifisch. All die Dinge gelten auch für Soziologen, Journalisten, Historiker, Politologen, Literaturwissenschaftler und andere, oder sind das für dich die "Konsorten"?
Gerade das Interesse an Externem finde ich typischer für die von mir genannten Berufe als für Künstler, bei denen sich viel mehr um die eigene Gefühlswelt dreht. Außerdem ist in der Kunst die Ästhetik das Entscheidenende und weniger der dargestellte Inhalt.
Was ich sehr gut verstehen kann, ist deine Situation: du sagst, du hast eine künstlerische Ader, hast dich aber (aus naheliegenden Gründen) für einen anderen Beruf entschieden und jetzt fehlt dir das. So geht es bestimmt vielen Menschen.
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16.01.2011, 22:11
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
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16.01.2011, 22:14Inaktiver User
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Geändert von Inaktiver User (16.01.2011 um 22:18 Uhr)
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16.01.2011, 22:35
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Liebe Pyra,
ich habe nicht den ganzen Strang gelesen, konnte mich aber in Deinem Post insofern wiederfinden, als dass mir auch schon mehrere Leute gesagt haben, dass sie sich für mich einen "Künstlertyp, der etwas älter ist" gut vorstellen könnten.
Warum? So ganz genau sagen kann ich es nicht und etwas verwundert war/bin ich darüber auch, meine Nachfragen "warum denn ein Künstler zu mir passen sollte" haben aber folgendes ergeben:
- ich wäre ziemlich offen und tolerant und kann mit vielen "verschiedenen" Menschen etwas anfangen
- unkonventionelle Menschen machen mich neugierig
- ich kann tendenziell gut mit Selbständigen
- ich mag meine Freiheit sehr gern
- ich lerne gerne Neues kennen
- mit Freizeitbeschäftigungen, die andere Leute in meinem Alter interessieren, kann ich eher weniger anfangen (Party, Clubs)
- ich mag eher Einzelgänger als Cliquenmenschen
- ich kann mich gut in andere Menschen einfühlen, auch in solche, die etwas "anders als andere" sind.
So, das war das, was ich zu hören bekommen habe
Vielleicht trifft davon auch etwas auf Dich zu? Oder Du fragst einfach mal nach, warum Deine Freunde das von Dir denken?
Tatsächlich war dann übrigens mein letzter Freund auch sehr künsterisch veranlagt (und dazu noch 10 Jahre älter
) und hatte auch ein entsprechendes Fach studiert, obwohl ich es NICHT darauf ausgelegt hatte
Und: ich muss sagen, dass auch dieser Mensch genauso seine Vorzüge und Macken hatte wie jeder andere Mann, den ich davor kennen gelernt hatte, auch!
Tendentiell war er tatsächlich ziemlich Ich-Bezogen und ich wurde auf diverse Veranstaltungen mitgeschleppt, was ich am Anfang toll fand, später oft auch ziemlich anstrengend. Andererseits war er auch oft sehr konservativ, was man bei einem "Künstler" so wohl nicht vermutet hätte
Alles in allem würde ich sagen, dass man nicht so sehr auf den Beruf achten sollte - auch ein BWLer kann freiheitsliebend und unkonventionell sein genauso wie ein Künstler engstirnig und pedantisch sein kann - letztendlich kommt es wohl immer auf den jeweiligen Menschen an
Liebe Grüße vom
Wassernixlein
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16.01.2011, 22:43
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Wer ist Herr Friedrich?
Meine letzte Ausstellung.... hm, das war eine Ausstellung in München über den Fotokünstler Jeff Wall
Dieses Bild war auch dabei. Es heißt "Morning Cleaning" und man sieht einen Mann (dunkelhäutig, wahrscheinlich Südamerikaner) beim Putzen in einem merkwürdigen Raum. Das Bild hat eine ganz eigenartige Stimmung, finde ich. Dazu trägt vor allem die Statue bei, die hinter der eingeseiften Glaswand steht und hereinschaut, aber eben nur verschwommen sichtbar ist. Für mich ist das so eine Art Glücksgöttin, die dem Putzmann Glück spenden will. Da sie aber so verschwommen ist, ist es vielleicht auch nur ein Traum von ihm.
Das meine ich mit Gefühlswelt.
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16.01.2011, 23:12Inaktiver User
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Caspar David...
Achso! Das ist natürlich total schön so an die Kunst ranzugehen und nicht irgendwas zu suchen, was vermeidlich in einem Kunstwerk eins zu eins übersetzt werden müssteDas meine ich mit Gefühlswelt.
OT:
Es ist auch ein schönes Beispiel, dass du da anbringst...ich mag seine Bilder auch sehr. Insofern bezieht sich die Irritation natürlich auf die Gefühlswelt, allerdings die des Betrachters und nicht die des Künstlers. Sie dient sozusagen als Tür. Jeff Wall hat viele sozialkritische Bilder gemacht mit vielen Bezügen zu damals aktuellen Ereignissen. ...und gerade bei ihm gibts oft sehr sehr viel, auf das er anspielt, z.B. der Architekt von dem Raum in dem er den Schwarzen inszeniert hat.
bla bla sorry!
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17.01.2011, 00:04
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Ja, so kann man es sagen. Wobei ich sagen würde, es ist beides, die Gefühlswelt des Künstlers und die des Betrachters. Künstler und Betrachter kommunizieren über die Bildsprache miteinander.
Ich meinte ja auch nicht, dass in der Kunst keine Bezüge zur Realität vorhanden sind. Aber im Gegensatz zur sozialkritischen Reportage kommt es bei der Umsetzung auf die ästhetische Idee oder die Entwicklung einer Bildsprache an.
Ist das denn ein besonderer Architekt, auf den Jeff Wall hier anspielt? Das würde mich interessieren, ist aber leider OT.
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17.01.2011, 11:22Inaktiver User
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Also wenn ein Künstler das selber so sagen würde, gerne. Aber ich bezweifle, dass solch einer als relevant eingestuft würde, weil er subjektive Themen bearbeitet. Wenn du es schaffst ein Bild zu finden von Wall, das keine direkte Anspielung zur Geschichte, Literatur oder Kunst ist, glaube ich dir das gerne.
Die Relevanz kommt aus der vielschichtigkeit der Verständnisweisen, die entweder interlektuell, ästhetisch (also auch interlektuell), wissenschaftlich (den Wahrnehmungsapparat betreffend), oder politisch/soziologisch sind. Gefühlstechnisch sind sie wahrscheinlich nur, weil sie für dich ein Thema berühren, das dich eben beschäfftigt. So stößt es eins der vielen Türchen auf, die eine Diskussion ermöglichen.
Nachschlagen macht bei Jeff Wall macht besonders Spaß, da man mit Hilfe seiner Bilder ein Hopping durch die Kunst, Geschichte und Literatur des 20 Jahrhunderts machen kann und Bezüge aufdeckt. Der wusste warum er wann welche Glühbirne reindreht.
Ich persönlich finde es genial dreist in dem deutschen Pavillion von 1929 von dem kleinen Modernisten Meinungshitler Mies van der Rohe (hust schulligung!) einen schwarzen Putzen zu lassen. Der Wall anektiert damit den ganzen Modernisten Stolz der Deutschen und übersetzt ihn ins Amerikanische. Naja, vielleicht auch aus Grund, Mies ist in die USA und hat dann für die Oberschicht berühmte hochglanz Bürohäuser gebaut.
Kunst muss man nicht mit dem Samthandschuh anfassen, aber allein auf Gefühlen beruht gesellschaftlich relevante Kunst mit Sicherheit nicht.
Geändert von Inaktiver User (17.01.2011 um 11:47 Uhr)
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17.01.2011, 12:05
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
z.b. jener künstler, der die auffassung pyras teilt, nämlich seinen erfolg daran bemisst, wie gut ihm der selbstausdruck gelingt (was z.b. für den tanz allenfalls beschränkt gelten kann, denn die dargestellte empfindungsqualität z.b. muss seitens des produzenten durchaus nicht vorliegen*, sondern bloß die beherrschung der ausdrucksmittel).
ich kenne übrigens einen zeichner, der sich die begleittexte zu seinen werken von einem geisteswissenschaftler hat schreiben lassen, um ihnen mehr gehalt zu verleihen, ihre theoretische sättigung zu erhöhen.
auf die idee, mich an einen romancier oder gar maler/ bildhauer zu wenden, wenn ich philosophische themen ertragreich zu diskutieren beabsichtige, würde ich übrigens nur dann kommen, wenn er/ sie philosophie studiert hat. bildende künstler würde ich eher in eine kunstausstellung schleppen, da meine bildsprachliche kompetenz unzulänglich ist. einen kunsthistoriker kenne ich leider nicht, sonst wollte ich diesen auch dabeihaben.
ich möchte ja ein gesellschaftskritisches/ -reflexives potential der kunst nicht in abrede stellen, aber die bildende kunst kann derlei eben allenfalls illustrieren, nachdenken anregen, ggf. diskussionen initiieren, die sich dann aber eben eines anderen, im engeren sinne sprachlichen mediums bedient. sie ist m.e. eher für die sinne denn für den sinn zuständig [ooops, glatteis].
*in der barockdichtung, bes. bei opitz, galt ihr vorliegen - soweit ich mich entsinne - sogar als dem produkt abträglich. allerdings gab's da auch noch keine künstler im heutigen sinne.Geändert von nebenschauplatz (17.01.2011 um 12:12 Uhr)
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17.01.2011, 13:50
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Nein, Kunst ist weder intellektuell, noch wissenschaftlich, noch politisch, sondern nur ästhetisch.
Es werden Erfahrungen versinnbildlicht, die man in einer diskursiven Sprache gar nicht ausdrücken kann. Es ist eine andere Form der Kommunikation.
Bei manchen Künstlern ist der gesellschaftliche Bezug stärker als bei anderen, aber auch da gilt, dass die künstlerische Aussage nicht einfach in eine politische Botschaft übersetzt werden kann.
Meine Formulierung, dass es um Gefühlswelten geht, war nur eine Krüke, um den Unterschied zur wissenschaftlichen Diskussion klarzumachen. Es geht nicht nur um Gefühle, das wäre tatsächlich zu subjektiv.
Oh vielen Dank für diesen Hinweis! Das ist wirklich interessant. Ich finde Jeff Wall auch "genial dreist", herrlich!Geändert von Ditha (17.01.2011 um 13:54 Uhr)
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17.01.2011, 13:55Inaktiver User
AW: Künstler, Schriftsteller und Konsorten ;-)
Du hast es erkannt..
Ja, nicht Gerhard Richter und nicht Damien Hirst..
nicht Jonathan Franzen und auch nicht Benjamin von Stuckrad -Barre oder Diedrich Diederichsen..
eher so ein Klischee-Tralllala-Mädelsgesprächwesen..
Frauenbuchautorfrauenversteher mit verwuscheltem Haar und "Tiefe"..:-)



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