Ich las grad das Eröffnungsposting aus Pommesbudes Thread und stolperte darüber:
Wann ist das eigentlich aufgekommen? Wir müssen an uns arbeiten? An unseren emotionalen und sozialen Fähigkeiten? An unseren Beziehungen? An unserem Sexualleben?Zitat von Inaktiver User
Ich bin gerade auch angefixt durch diesen in einem anderen Strang verlinkten Artikel: Nicht immer auf dem Boden bleiben! - Liebe & Partnerschaft - Süddeutsche Zeitung Magazin
Waren die Menschen früher denn besser? Anders? Oder waren es nur ihre Lebensbedingungen? Die natürlich auch die Dauer von Bindungen diktierten und feste Bindungen selbstverständlicher machten? Ich vermute ja Letzteres...
Und abgesehen davon: Was soll der Quatsch? Je wichtiger es einem ist, im Leben wirklich glücklich mit dem Partner zu sein, desto schwerer ist es, einen Partner dafür zu finden. Und jetzt kann man natürlich sagen "alle Männer/Frauen sind scheiße", wahlweise "bindungunfähig". Man kann auch dafür plädieren, die eigenen Ansprüche runterzuschrauben. Oder natürlich dafür - ganz politisch korrekt - an sich selbst zu arbeiten. Und an der Beziehung. Und am Sexleben.
Oder auch einfach anerkennen, ohne Fremd-, aber auch ohne Selbstvorwurf: Es ist schwierig. Und das ist manchmal traurig, aber auch ok. Das ist das Leben.
Wieso also werden einem gleich Muster aufgeschwatzt, wenn man vielleicht auch einfach nur Pech hatte?
Und zuletzt: selbst wenn man Muster hat - wieso soll man unbedingt daran arbeiten? Sind es nicht unsere individuellen Persönlichkeitsstrukturen, die uns einzigartig machen? Einzigartig unglücklich vielleicht, vielleicht aber auch einzigartig glücklich? Lieben wir nicht alle AllyMcBeal, und liebt sie sicht nicht selbst auch und ihr Leben, auch und gerade weil sie daran verzweifelt?
Wer gerne wahnsinnig liebt und leidet - auch der hat das Recht dazu. Und ist damit vielleicht glücklich. Glücklich unglücklich und unglücklich glücklich vielleicht, aber was macht das schon?
Sin
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Thema: An sich arbeiten
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14.12.2010, 20:44Inaktiver User
An sich arbeiten
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14.12.2010, 21:01
AW: An sich arbeiten
Ich beschreibe das so. Ich bin ein eckiger Tisch. Damit andere sich an meinen Kanten nicht allzu viele blaue Flecken holen,
feile ich die Ecken ein bisschen runder. Trotzdem wird aus mir nie ein runder Esstisch.
Also wer auf runde Esstische steht, muss in ein anderes Möbelhaus


Damit fahre ich inzwischen sehr gut...Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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14.12.2010, 21:07Inaktiver User
AW: An sich arbeiten
Hübsches Bild, Lilith.
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14.12.2010, 21:19Inaktiver User
AW: An sich arbeiten
Ich habe auch lange an mir gearbeitet und Beziehungsmuster durchbrochen .... immer zu dem Zeitpunkt wenn ich älter und reifer geworden war... Nein, ich himmle nicht mehr meinen Englischlehrer an, auch wenn das mit 12 noch total okay war...
Seit ein paar Jahren weiß ich aber was ich will, eine glückliche Beziehung - zumindest am liebsten. Ich war sehr nahe dran, bis ER dachte, nein er will doch nicht jetzt nicht mich zumindest nicht zu DEM Zeitpunkt, dabei war er das Musterexemplar aller Schwiegermütter UND ich war verliebt.
Also, mehr kann man nicht tun, als sich in ein Musterexemplar zu verlieben, mit ihm eine tolle Zeit verbringen und dann trotzdem sitzen gelassen zu werden aus diversen Gründen, die in IHM
begründet waren.
Darum bin ich jetzt ganz entspannt und kann einfach abwarten was das Leben noch so bringt... eigentlich zumindest.
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14.12.2010, 21:22
AW: An sich arbeiten
Geändert von Lilith10 (14.12.2010 um 21:26 Uhr)
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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14.12.2010, 21:44
AW: An sich arbeiten
Man sollte an sich arbeiten, wenn einen selbst diese "Muster" unglücklich machen und man leidet. Natürlich nicht, weil in der Bri mal wieder Jemand "die Gebetsmühle auspackt" und einem das Leben erklären will oder sonstwie missionarisch unterwegs ist. Ich denke, es ist immer wichtig, aus dem eigenen Inneren heraus zu handeln. Dann kann es sehr positiv sein. Letztendlich werden aber eh die wenigsten aufgrund fremder Einwirkung "an sich arbeiten". Der Mensch hat da schon eine innere Sperre eingebaut.
AllyMcBeal finde ich übrigens ganz ganz furchtbar. Die tötet mir den letzten Nerv weg, selbst wenn ich nur 2 Minuten hingucke. Daher kann ich persönlich mit dem Vergleich natürlich nicht wirklich was anfangen. Vll sollte ich hier mal an mir arbeiten, damit ich offener und toleranter werde?
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14.12.2010, 21:47
AW: An sich arbeiten
Hallo Original Sin!
Ich bin ganz froh dass das mal jemand aufs Tablett bringt!
Seit 8 Wochen bin ich aus einer Beziehung zu einem Mann raus, der - wie er sagt - permanent an sich arbeitet und sich weiterentwickelt. Im Gegensatz zu mir. Der glücklich ist. Im Gegensatz zu mir. Wie ER findet.
Am Anfang habe ich das ja noch alles positiv gesehen, aber mit der Zeit entstand ein Riesen-Druck dem ich nicht standhalten konnte.
Ich kann das Gesülze darüber nicht mehr hören. Im Umgang mit anderen Menschen hat er sich nämlich nicht weiterentwickelt, war gemein und unberechenbar.
Ich finde es schön wenn man sich auch mal für andere Dinge und Themen als normal interessiert.
Aber letztendlich bin ich so wie ich bin.
Ich möchte mich nicht zwanghaft weiterentwickeln wenn ich nicht dahinter stehe.
Und schon gar nicht um die Erwartungen von anderen Leuten zu erfüllen.
Das kommt mir aber immer mehr so vor: wenn man das nicht von sich behauptet wird man schnell so hingestellt wie man definitiv nicht ist.
Viele Grüsse
Ammernixe
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14.12.2010, 21:54Inaktiver User
AW: An sich arbeiten
Ich fand die Serie lange, lange Jahre furchtbar - bis ich sie mir tatsächlich einmal (komplette erste Staffel) angeschaut habe.
Herrlich!
Und im Übrigen hast Du damit natürlich völlig recht:
Man sollte an sich arbeiten, wenn einen selbst diese "Muster" unglücklich machen und man leidet. Natürlich nicht, weil in der Bri mal wieder Jemand "die Gebetsmühle auspackt" und einem das Leben erklären will oder sonstwie missionarisch unterwegs ist.
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14.12.2010, 21:56
AW: An sich arbeiten
Hallo,
ich sitz grad mit einem Glas Wein da, und lese auf dem Etikett den Werbespruch: "Modern gemachte, fehlerlose Weine". Ist das nicht ein bescheuerter Spruch? Da klingt genau derselbe Machbarkeitswahn raus, der mich bei Beziehungen stört. Ein Wein muss nicht fehlerlos sein, er muss Charakter haben und schmecken. Und er wird auch nicht "gemacht", sondern es ist eine Mischung aus Natur und Kultur, und die Natur ist unberechbar, da nützen auch die modernsten Herstellungsmethoden nichts.
Zum Strangthema hab ich noch einen Buchtipp, geschrieben von einer israelischen Soziologin. Sie beschreibt wie seit Freud die therapeutische Kultur immer mehr unser Denken durchdrungen hat und den Umgang mit unseren Emotionen bestimmt, im Berufsleben und in Beziehungen. Sehr empfehlenswert.
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14.12.2010, 21:56


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Danke. Ich mag einfach keine profillosen Menschen, und die, die alles "perfekt" regeln können, sind mir unheimlich.
