Hallo ihr Lieben,
ich bin ganz neu hier, weil ich gerne mal eine objektive Meinung zu einer bestimmten Situation hören würde. Achtung, ziemlich langer Text.
Ich habe vor drei Monaten im Urlaub einen Mann kennengelernt, der mir auf Anhieb sehr gefallen hat. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass er mich toll und faszinierend fände, aber nicht offen für eine neue Frau sei, weil er über seine Ex noch nicht hinweg ist. (Zum damaligen Zeitpunkt waren sie ein halbes Jahr getrennt; sie waren nicht sehr lange zusammen, sie hat ihn dann für ihren Ex verlassen.)
Ich habe das zähneknirschend akzeptiert, wir hatten dann zwei Wochen eine Art Urlaubsaffäre und ich war mir eigentlich sicher, dass es keinerlei Sinn hat, sich mehr zu erwarten - auch wenn es mich damals schon traurig gemacht hat. Überraschenderweise hat sich dann aber kurz nach dem Urlaub ein reger Kontakt entwickelt, über Telefon, Skype, SMS und so weiter. Weil wir ziemlich weit von einander entfernt wohnen, konnten wir uns nicht einfach unverbindlich treffen. Vor etwa eineinhalb Monaten haben wir dann dennoch begonnen, uns regelmäßig übers Wochenende zu besuchen, ausgehend von ihm. Zu dem Zeitpunkt hatte ich große Hoffnung, dass sich daraus etwas entwickeln könnte.
Allerdings haben wir, je mehr klar wurde, dass unser Verhältnis tiefer wird und auf eine Beziehung hinausläuft, unsere Lockerheit komplett verloren - das ist zumindest mein Erklärungsversuch. Er hat mir immer gesagt, dass er sich nicht so schnell verliebt, dass er es sich aber sehr wünscht und zuversichtlich ist, dass ich ihm sehr wichtig geworden bin etc. Allerdings wurde auch immer mehr ein Ungleichgewicht zwischen uns spürbar. Ich wollte eine Beziehung, obwohl ich ihn nie unter Druck gesetzt habe und ihm alle Zeit der Welt gegeben hätte, er hatte zunehmend ein schlechtes Gewissen, dass er mir nicht das zurückgeben kann, was ich will; außerdem häuften sich depressive Schübe wegen seiner Exfreundin, verbunden mit der Überlegung, dass er mich aus den falschen Gründen vermissen könnte (weil er Trost will) und ob alles dann überhaupt noch Sinn hätte.
Letztendlich hat das Thema Exfreundin alles andere überschattet. Immer, wenn wir zusammen waren, stand im Raum, dass es eigentlich ein Problem gibt, so dass wir alle schönen Momente im Keim erstickt haben. Vor ein paar Tagen hat er mir nun gesagt, dass seine Gefühle einfach nicht stimmen und dass er auch nicht mehr glaubt, dass sie sich bald ändern könnten. Es würde ihn sehr traurig machen, weil er mich so toll findet und sich das so sehr gewünscht hätte, und weil ihn überhaupt nichts an mir oder unserer Beziehung stört, aber er hätte das Gefühl, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen kann. Im selben Gespräch hat er mir versprochen, sich Hilfe zu holen. (Weil diese schlechte Verarbeitung der Exthematik, die ja mittlerweile schon ein dreiviertel Jahr zurückliegt, und dieses ständige Selbstmitleid sicher nicht nur mit ihr zu tun haben.) Ich habe daraufhin natürlich erstmal den Kontakt abgebrochen. Einen Tag danach hab ich eine kurz angebundene 'organisatorische' SMS geschickt, darauf kam ein sehr weinerlicher Text zurück, dass er sich schon nach der Illusion zurücksehnt, dass es mit mir was werden könnte und dass es noch viel schlimmer ohne mich ist, dass alles scheiße ist und so weiter. Außerdem hat er noch mal bekräftigt, dass er eine Therapie machen will.
Ich habe darauf nicht geantwortet und habe das in nächster Zeit auch nicht vor (seitdem natürlich auch nichts mehr von ihm gehört), allerdings wird es noch ein paar praktische Dinge zu besprechen geben.
Ich hänge ziemlich in der Luft, weil ich nicht weiß, ob es sich lohnt, auf ein Happy End zu hoffen. Zu dem Zustand von vorher könnte ich ja jederzeit zurück - aber dann (erstmal) ohne die Aussicht auf eine Beziehung. Ich versuche mich gerade von meinen Erwartungen zu verabschieden und das zu verarbeiten, in der Hoffnung, dass man vielleicht jungfräulich noch einmal anfangen könnte, dann auch ohne dieses schlimme Ungleichgewicht.
Im Raum steht natürlich jetzt, dass er rein gar nicht in mich verliebt ist, wie er sagt. Das glaube ich aber nicht so richtig - hilft aber ja nichts, ich muss es so hinnehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Geschichte noch nicht vorbei ist, für uns beide nicht. Fragt sich was tun. Ich weiß nicht, ob ich es im Moment auf irgendeine Weise schaffen kann, dass es bei ihm so richtig funkt - kann es wahrscheinlich einfach wegen der Ex nicht. Deshalb setze ich natürlich viel Hoffnung auf diese Therapie. Soll ich jetzt trotzdem für ihn da sein, sofern ich das kann, ohne mich selbst aufzugeben oder "warten", bis er darüber hinweg ist, selbst wenn es ewig dauert und auch dann nicht sicher ist, ob es funktionieren kann?
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13.12.2010, 00:19
Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
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13.12.2010, 00:41
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Vor etwa einem Jahr war ich in einer ähnlichen Situation und habe hier um Rat gefragt.
Da wurde mir sehr einhellig geraten, mich nicht mit der Rolle als "Trostpflaster" zufrieden zu geben und außerdem eindringlich geschildert, wie sehr es runterzieht, immer im Schatten der Ex zu stehen. Es wurde von keinem einzigen ähnlichen Fall berichtet, bei dem es noch ein Happy End gab.
Das hat mir sehr eingeleuchtet und ich habe den Rat schweren Herzens befolgt - vom Kopf her war mir sowieso klar, dass das keinen Sinn hat und dass ich bloß Zeit verliere, vom Herzschmerz und vom Dämpfer für's Selbstbewusstsein einmal ganz abgesehen.
Heute bin ich sehr froh, dass ich diesen Rat so konsequent befolgt habe. Ich habe das Jahr für mich genutzt und fühle mich sehr gut mit mir selber, und ich bin gerade in einer sehr zarten Kennenlerngeschichte mit einem Mann, der im Grunde viel besser zu mir passt - und der mich toll findet, so wie ich bin.
Alles Gute
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Raratonga
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13.12.2010, 02:22
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13.12.2010, 08:39Inaktiver User
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Ich hab meinen Mann unter ähnlichen Bedingungen kennengelernt, die allerdings dann wieder ganz anders waren.
Seine letzte Beziehung lag 3 Monate zurück, als ich ihn kennenlernte. Sie hatte ihn verlassen.
Er hat mich schon reingelassen und rangelassen und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ihm wichtig bin.
Und ich habe ihn nicht bedrängt. Wir haben die Zeit einfach genossen und waren zusammen.
Und Stück für Stück hat er die Sache hinter sich gelassen und ja, Happy End.
Er hat mir aber auch nie erzählt, dass er sich nicht vorstellen könnte usw.
Das wäre mir in deinem Falle zu viel. Man kann es ja auch erstmal laufen lassen und gucken was passiert, ohne den Anderen verbal derartig aufs Abstellgleis zu stellen.
Nee, würde ich mir nicht antun. Hört sich nach Schmerzen an. Und bei 0 anfangen, das geht doch nicht mehr.
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13.12.2010, 08:47Inaktiver User
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Klar - wenn du ein Helfersydrom hast immer zu. Hilf ihm, steh ihm bei, pflege ihn wenn er mal wieder traurig ist wegen Ex.
Und irgendwann bist du dann ein kleines vertrocknetes Blümchen ohne jeden Selbstwert und er ist unter bei seiner Ex.
Keine Ahnung ob es das ist was du willst. Aber wenn du nicht bei dir bleibst und sagst was du willst, was du dir wünscht und nur Rücksicht auf seine Befindlichkeiten nimmst - dann wird das nichts.
Meine Güte - die Ex ist die Ex und wenn er nicht drüber weg ist soll er das sagen und sich solange eingraben bis er drüber weg ist.
Von einem Mann wie du ihn beschreibst würde ich Abstand halten - lange und weit!
Und ihr wohnt zudem auch weit auseinander die Ex wahrscheinlich in seiner Nähe oder?
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13.12.2010, 08:54
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Warum solltest du für ihn dasein? Aus alter Freundschaft/Verbundenheit?
Meine Güte, drei Monate...
Weil man ja lieb ist und hilft?
Du bist nicht seine Freundin, auch nicht seine Krankenschwester. Mir wäre es entschieden zu anstrengend, das ganze Geschwurbel. Soll er eine Therapie machen, oder auch nicht. Zieh weiter, Karawane!
Man hört es immer wieder: Frauen, ihr müsst zuhören am Anfang, was ein Mann sagt. Das ist das, was er wirklich meint. Das ist Fakt.
So auch in deinem Fall: Er ist nicht soweit. Es bleibt leider so. Er zieht Energie ab. Tödlich!
Weinerlich...trostsuchend...lass dich nicht reinziehen. Soll seine Ex ihn trösten.
Du brauchst doch selbst Trost jetzt! 
Die "Tröstende", weil er nicht wußte...nicht konnte...depressiv war...- diese Rolle habe ich (schwer verliebt) auch mal gegeben. Zeitverschwendung war es, reine Zeitverschwendung. Danach wußte ich: Nie mehr einen Mann, der ir-gend-wie nicht genau weiß, ob er mich nun will mit Haut und Haaren oder nicht, womöglich therapiebedürftig ist... Nie mehr! Und das war genau richtig so! In der Zeit habe ich gelernt, ich klopf mir lieber selber mit dem Hammer auf den Daumen, wenn ich Schmerzen will, als mir von Leuten, die es nicht gebacken kriegen, wehtun zu lassen und die dafür noch zu trösten.
Ich hoffe, du kannst dafür sorgen, dass du viel Schönes erlebst rund um Weihnachten. Es gibt so viele nette Söhne da draußen!
Irgendwann ist der Passende dabei. Das Leben ist bunt und sprudelnd, lass es dir nicht kaputtmachen von jemandem, der dich "benutzt".
Kopf hoch, das schaffst du !
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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13.12.2010, 09:13
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Der Gutste kommt über die Ex nicht hinweg und die Ursachen liegen so tief in ihm selbst, dass er erstmal eine Therapie machen will.
Üblicherweise rennt er da nicht fünfmal hin und dann ist er wieder heile.
Und selbst wenn er wieder mit sich selbst klar kommt ist nicht gesagt, dass dann der Hebel für "euch" umgelegt wird.
Es könnte sogar genau das Gegenteil eintreten: Er wird eine Weile für sich bleiben.
Das ist bei solchen Prozessen meist angeraten.
Im weiteren würde ich seinen Worten glauben.
Männer reden meist nicht einfach so was daher wie, dass da keine richtigen Gefühle sind usw.
Das muss man schon ernst nehmen.
"Manchmal ist das einzige, was man für einen geliebten Menschen tun kann, ihn ziehen zu lassen".
Wenn er emotional angeschlagen und therapiebedürftig ist, dann würde ich dir raten, die Finger von ihm zu lassen.
Zumal es auch das ist, was er will.
Er will jetzt nix.
Und weil er jetzt nix will, brauchst du dir auch kein weiteres Gejammer von ihm anhören.
Das bringt dir nichts und ihm auch nicht.
Mit seinen Problemen muss er selbst klarkommen, da musst du auch nicht den seelischen Mülleimer spielen, derartige Leistungen haben noch nie die große Liebe ausgelöst.
Lass los.
LG
HexlThe difference between try and triumph is just a little "umph"
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13.12.2010, 11:26
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Hallo shoreline,
was mich an dem Typen gewaltig stören würde, ist, dass er einerseits noch nicht über seine Freundin hinweg ist, aber andererseits mit Dir durchaus Vollgas gibt: erst die Urlaubsaffäre und dann weiter in Richtung Beziehung, nur anscheinend ohne echten Beziehungswunsch.
Das ist so eine wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass-Haltung, die ich heute nicht mehr hinnehmen würde. Aber ich wäre da auch von Anfang an konsequenter, eben weil ich schon vermuten würde, dass eine Beziehung, die so halbherzig und schwurbelig anfängt, sich nicht eine für beide Seiten gute Richtung bewegen wird.
Ich würde da definitiv die Notbremse ziehen und aussteigen. Ich bin über meine Ex noch nicht hinweg ist eine bequeme Entschuldigung für jede Halbherzigkeit, die man sich nur erlauben möchte. Man hat ja schließlich nie was versprochen. Für solche Spielchen wäre ich mir zu schade. Wenn jemand noch nicht hinweg ist, soll er sich gefälligst auch so verhalten und auf Abstand bleiben. Und wenn er sich doch annähert, dann sollte die Ex-Geschichte für ihn auf jeder Ebene geklärt sein, und er sollte ohne wenn und aber ja zu mir und der Beziehung mit mir sagen.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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13.12.2010, 12:39
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13.12.2010, 18:27
AW: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben?
Danke für eure Beiträge!
Zu der Sache, dass er keinen echten Beziehungswunsch hat: Das glaube ich nicht. Er hat es auch immer wieder gesagt, er hätte es sich sehr gewünscht, sein Satz ist immer wieder: Ich will sehr, aber ich kann nicht. Darauf habe ich immer wieder (vor allem zuletzt gesagt), dass er könnte, wenn er nur wirklich wollte, wobei ich da nicht so ganz weiß, ob ich damit wirklich recht habe. Er hat mir von Anfang an aber auch gesagt, dass er mir nichts versprechen kann, das wusste ich und habe mich trotzdem drauf eingelassen, weil ich es wenigstens versuchen wollte. Gleichzeitig kamen aber auch sehr ermutigende (und sicherlich ernst gemeinte) Aussagen wie zum Beispiel, dass er außer dieser aktuellen Ex und seiner langjährigen Beziehung davor noch nie jemandem so nahe stand und ihm noch nie jemand so wichtig war.
Zu euren anderen Beiträgen:
Ja, die Ex wohnt natürlich in der Nähe, ist aber ja wieder zurück bei ihrem Exfreund. Sie sehen sich regelmäßig (arbeiten auch mehr oder weniger zusammen) und anscheinend steht sie auch nicht zu selten bei ihm auf der Matte, um ihm zu sagen, dass sie ihn noch will, ohne allerdings Konsequenzen zu ziehen. Was auch dazu führt, dass er es bis heute nicht geschafft hat, einfach mal den Kontakt abzubrechen oder so weit wie möglich zu reduzieren. Zum Schluss meinte er nun, dass auch in der Beziehung mit der Ex immer deren eigener Ex im Raum gestanden habe und ihn unsere Situation daran erinnert hat, nur mit anderen Rollenverteilungen, also ich diejenige, die um Anerkennung kämpft usw und er derjenige, der eigentlich noch an jemand anderen denkt. Insofern muss man ihm wahrscheinlich schon anrechnen, dass er jetzt so klar war, er hätte das auch noch ewig so weiterlaufen lassen können.
@Peppi:
Ich habe ihn auch nicht bedrängt, er setzt sich einfach selbst viel zu sehr unter Druck, deshalb denke ich ja, dass es funktionieren könnte, wenn man's wirklich einfach laufen lassen würde, dazu müsste ich natürlich meine Erwartungen extrem herunterschrauben, weiß nicht, ob ich das könnte oder ob mir das dann überhaupt irgendwas bringt. Ich bin mir trotz allem schon sehr sicher, dass ich ihm jetzt sehr fehle und ich glaube ihm, wie gesagt, auch, dass er sich das wirklich sehr wünscht.
Ansonsten: Falls man das jetzt nochmal aufwärmt, dann sowieso nur zu meinen Spielregeln, die da wären: Er macht diese Therapie, er kann gerne mit mir darüber reden, aber ich bin nicht seine Therapeutin, Stimmungsschwankungen werden von mir ferngehalten ebenso wie Selbstmitleidsanfälle wegen der Ex - und natürlich müsste er sich dann klar dazu bekennen, dass er es nochmal versuchen will.


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