Liebe BriCom,
Es geht um eine Geschichte, die fast 15 Jahre zurückliegt und mich aber bis heute beschäftigt.
Um mir einen Reim darauf zu machen und die Sache endlich endgültig zu den Akten legen zu können, würde ich gerne Eure Interpretation hören.
Also, Sommer 1995. Ich war 21, gerade aus meinen christlich-konservativen und gleichzeitig jedoch wenig liebevollen Elternhaus ausgezogen, in eine 300 km entfernte Grossstadt. Diese Distanz war gewollt.
Völlig unbedarft mit Männer, war ich in eine komplett ungesunde Beziehung mit einem damals 32-jährigen hinein geschlittert. Dieser Mann war ein manipulatives A...loch. Die Beziehung war eine Achterbahnfahrt von süßer Umschmeichelung und demütigender Zurückweisungen.
Ich war jung und dumm. Mein Selbstbewusstsein stand und fiel je nach dem wie ER zu mir stand.
Inzwischen liegt es 14 Jahre zurück, dass ich ihn zum letzten Mal gesehen habe.
Heute bin heute bin ich glücklich verheiratet und bin eigentlich über die Demütigungen hinweg.
Hier aber kommt die Episode, über die ich bis heute nachdenke:
Also, er arbeitet meisten am Wochenende abends (am Theater) und ass Mittags meist in einem bestimmten Restaurant. An einem Montag-Mittag hatte er dort eine Frau kennengelernt und sich mit dieser prompt für den Abend desselben Tages verabredet.
Ich arbeitete zu ganz normalen Zeiten tagsüber. Nachdem meine Versuch, ihn in meinem Freundeskreis vorzustellen ein Schlag ins Wasser war (er hatte mich mehrmals versetzt - meine Freuden spotteten, ER sein meine Erfindung) hatte ich an meinem Arbeitsplatz meine "Beziehung" nie erwähnt.
Direkt nach der Begegnung mit dieser Frau in dem Restaurant (die später seine Freundin wurde) fuhr er mit dem Bus direkt zu meiner Firma.
Er wusste in welcher Firma ich arbeitete. Welches Gebäude und Abteilung habe ich nie erzählt (er hatte sich auch nie dafür interessiert).
Jedenfalls erkundigte er sich beim Empfang nach mir. Er sagte er sein mein Lebenspartner und muss dringend mit mir persönlich sprechen.
Entgegen jeder Regel wurde er ohne telefonische Ankündigung in mein Gebäude geschickt (die unfähige Dame vom Empfang sagte mir später, sich dachte es ginge um einen Unglücksfall in der Familie und wollte nicht näher fragen).
Dort, in meinem Gebäude, fragte er sich durch (durch Zufall u.a. bei meinem Chef!) und landetet schliesslich in meinem (Grossraum-) Büro.
Ich war völlig geschockt und fragte ihn was er wollte.
Er: er wolle mich von der Arbeit abholen.
Ich: Aber ich habe doch erst in drei Stunden Feierabend!
Er: ich werde mir doch wohl mal einen Tag freinehmen können.
Ich: Aber doch nicht so!
Er: ob er mal mit meinem Chef reden soll?
Ich: Nein, das kommt nicht in Frage. Geh jetzt bitte und wir reden heute Abend.
Er rastete völlig aus und schrie mich an - in meinem Büro, vor allen Kollegen - Warum denn bitte alle in meiner Firma überrascht seien, dass ich einen Partner habe.
Ich hätte ihn wohl vor meinen Kollegen verleugnet.
Das lasse er sich nicht bieten, schon gar nicht von "jemanden wie mir".
Ein beherzter Kollege geleitete ihn schliesslich hinaus.
Ich hatte zwar meinen Arbeitsplatz behalten. Aber aus Scham über die Sache wechselte ich bald darauf die Firma.
Ich war zu doof, die Beziehung wenigsten an diesem Punkt direkt zu beenden. Das Ende kam kam dann erst Wochen später, durch die Frau, die er an jenem Tag kennengelernt hatte.
Die Geschichte liegt fast 15 Jahre zurück. Aber es beschäftigt mich bis heute.
Warum ausgerechnet an dem Montag, an dem er begann mich zu betrügen?
War das Übermut durch die Begegnung mit dieser Frau? Übermut, in meinem Leben auch noch im Lebensbereich "Arbeit" (den ich wohlweislich von ihm ferngehalten hatte) die Kontrolle zu übernehmen?
Warum tut jemand so was?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 24
Thema: Warum tut jemand so was?
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26.03.2010, 14:47
Warum tut jemand so was?
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26.03.2010, 15:07
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26.03.2010, 15:07Inaktiver User
AW: Warum tut jemand so was?
Wie lange wart ihr danach noch zusammen?
Wie kam das Ende?
Hast Du heute noch Kontakt zu ihm, bzw. ist er heute noch in irgendeiner "physischen" Form in Deinem Leben?
Wie hast Du von der anderen Frau erfahren?
Sorry für die Fragen, aber eine Antwort kann ich Dir im Moment nicht liefern... ich finde es nur schade, dass Du nach wie vor gedanklich an dieser Situation und an diesem Menschen festhältst....
Warum jemand was Schlimmes tut ist wohl oft nicht beantwortbar, da spielt sich was in der Blackbox ab, was für andere (und oft für den Menschen selbst) nicht nachvollziehbar ist... keine Ahnung. Sorry.
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26.03.2010, 15:17
AW: Warum tut jemand so was?
Hallo Faba,
das war damals sicher Dein erster fester Freund, oder?
Ich kann sehr gut verstehen, wenn Du noch zurück denkst oder auch diese Situation hinterfragst. Selbst habe ich es so empfunden, dass gerade die erste Beziehung sehr lange nachwirkt. Es war eben alles neu und hat sich sehr stark eingeprägt.
Du sagst selbst, Du möchtest die Sache zu den Akten legen, also war sie die ganzen Jahre bei Dir. Dann ist auch nachvollziehbar, wieso Du noch daran denkst - Du hast schließlich nie damit aufgehört. So sind also keine 15 Jahre vergangen, sondern es gab keine Unterbrechung.
Es gibt eben Leute, die entpuppen sich als Ärsche. Da machst Du nichts dran.
Es ist schwierig, wenn man noch sehr jung ist. Es fehlt die Erfahrung, die einen schützen könnte.
Heute würdest Du sicher gar nicht mehr in so eine kranke Beziehung hinein geraten.....
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26.03.2010, 15:39
AW: Warum tut jemand so was?
Warum so schnippisch, SinnundUnsinn? Andere Menschen beginnen Therapien wegen weitaus länger zurückliegenden Demütigungen.
Also, Faba, ich könnte mir das Verhalten des Mannes so erklären:
Er ist "eigentlich" in einer Beziehung, lernt mittags eine Frau kennen und verabredet sich mit ihr für abends. Er hat ein schlechtes Gewissen und möchte das abwälzen auf Dich. Damit nicht er Schuld ist an etwas, sondern Du. Deshalb muss er einen Streit vom Zaun brechen, damit er als Opfer dasteht und nicht Du.
Nach diesem komischen Auftritt konnte er mit der Gewissheit abdampfen, dass Du sowieso die Allerletzte bist. Er hat sich entlastet.
Aber ob es wirklich so war, weiß natürlich kein Mensch.
Auf jeden Fall ist sowas natürlich der Hammer und Du fragst Dich zu Recht warum Du Dir sowas hast bieten lassen. Aber Du weißt es ja selbst: Du warst sehr jung und auf der Suche nach Zuneigung.
Super, wenn Du es heutzutage nicht mehr nötig hast, Dich von einem solchen Hirnbefreiten niedermachen zu lassen.
Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt – und nicht, was wir ersehnt haben. Arthur Schnitzler
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26.03.2010, 15:42Inaktiver User
AW: Warum tut jemand so was?
Alles nur Spekulation, aber das könnte vielleicht DER Grund gewesen sein:
Mittags lernt eine Frau kennen, in die er sich verliebt - sie wird ja später auch seine feste Freundin, wie du schreibst. Am selben Tag will er dich von der Arbeit abholen; sein Verhalten war sehr spontan. Entweder wollte er durch "Schicksalseingebung" die Beziehung zu dir retten oder suchte einen Grund, den Absprung gerechtfertigt zu bekommen.
Was es auch gewesen ist: Es lag in seiner Macht!
Kann es sein, dass diese Beziehung alles andere als abgehakt ist in deinem Herzen?
Schlaflos
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26.03.2010, 15:53Inaktiver User
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26.03.2010, 18:48
AW: Warum tut jemand so was?
Liebe Faba,
ich kann Dich gut verstehen. Manchmal hat man das Gefühl, Sachen nie richtig abgeschlossen zu haben - etwas offen gelassen zu haben. Ich habe z.B. schon vor Jahren den Leitspruch "Man trifft sich immer zweimal im Leben" für mich entdeckt. Das nehme ich zwar nicht wörtlich, aber manchmal ist es tatsächlich so, dass sich der Kreis erst schließt, wenn man die Möglichkeit dazu bekommt. Bei anderen Dingen hält man es irgendwann nicht mehr für nötig, es verschwindet von ganz alleine.
Ich glaube, jeder von uns hat das ein oder andere Erlebnis, was einen nie oder lange Zeit nicht loslässt. In Deinem damaligen Alter mit dem geringen Selbstbewusstsein und zusätzlich an Deinem Arbeitsplatz war das mit Sicherheit ein absolutes Horror-Erlebnis für Dich. Ich hatte in etwa diesem Alter auch mal so einen Freund, der mir übel mitspielte, von dem träumte ich noch jahrelang nachts - obwohl das eigentlich nur ne kurze Affaire/Beziehung war. Ich ärgerte mich maßlos über diese Träume, aber es muss mich unterbewusst wohl immer noch beschäftigt haben. Irgendwann war es dann (Gott sei Dank!
) weg.
Beantworten wird Dir Deine Fragen bestimmt niemand. Er war ein Schwein, der seine Überlegenheit Dir gegenüber ausgenutzt hat und andererseits auch wieder ein Feigling, der Dir eine solche Szene machen musste, um seinen Abgang zu rechtfertigen. Ich glaube das nämlich auch, was die Vorschreiberinnen schon vermuteten.
"Neid ist die Religion der Mittelmäßigen..... Selig der, den die Idioten anbellen, denn seine Seele wird ihnen nie gehören. (C.R. Zafón)
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26.03.2010, 19:08Inaktiver User
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26.03.2010, 20:09
AW: Warum tut jemand so was?
Deswegen:
Oder deswegen:
Ganz sicherlich aber deswegen:
Ich glaube, man muss so einen Menschen mal erlebt haben (habe ich), um zu glauben, dass es sowas wirklich gibt und dass solche Leute so handeln, EGAL wie nett und ehrlich und aufrichtig man zu ihnen ist.
Zu welchen Theaterinszenierungen solch manipulative Charaktere fähig sind nur um ihr dummes Ego, ihr schlechtes Gewissen, oder ihr Überlegenheitsgefühl zu retten oder ihre Angst zu verbergen ist unglaublich.
Die Frage ist jetzt, warum machst du dir jetzt immer noch darüber Gedanken?
*Kannst du es immer noch nicht glauben, dass er sowas scheinbar Absurdes wirklich getan hat?
*Grübelst du immer noch, ob du nicht vielleicht doch irgendwie Schuld hattest an der Misere und ihm Unrecht tust?
*Erinnerst du dich immer noch mit Wehmut daran, wie schön die "Einschmeichelphasen" mit ihm waren?
Wenn ja:
>>> DAS GEHÖRT ALLES ZUR MANIPULIER-MASCHE
und zum Persönlichkeitsbild solcher Menschen.
Alles Gute
Lottofee
PS: Ist deine Ehe vielleicht gerade etwas langweilig, dass du über sowas nachdenkst?
Denn eins ist auch klar: LANGWEILIG ist die Achterbahnfahrt mit solch einem Manipulier-Typen ganz sicherlich nie.Geändert von Lottofee (26.03.2010 um 20:42 Uhr)


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