Inspiriert durch einen Wortwechsel in einem anderen Forum habe ich eine Frage an euch, wie ihr das seht, ich bin mir da selbst unschlüssig.
Was glaubt ihr, wie viel die Wortwahl eines Menschen über ihn verrät?
Es gibt doch diese Floskeln, die "man" so benutzt, ein drastisches Beispiel "ich gehöre nur dir!" Klar, ein Mensch gehört niemals einem anderen Menschen, ich selbst würde das wohl auch eher satirisch benutzen, allerdings würde ich jemandem, der so etwas sagt, nicht automatisch unterstellen, er ginge - wenn auch unterbewusst - davon aus, dass Menschen anderen Menschen gehören könnten.
Überhaupt habe ich kein wirkliches Problem damit, wenn jemand sich nicht 100 % exakt ausdrücken kann, was soll's, wenn man einigermaßen gutmütig zuhört/liest, dann begreift man doch den Kern der Aussage.
Glaubt ihr, dass die genaue Wortwahl etwas über den Grundcharakter eines Menschen aussagt? Wie wirken auf euch Menschen, die sich eher vage ausdrücken? Geht ihr grundsätzlich davon aus, dass jemand etwas, das er nicht ausdrücklich erwähnt, auch nicht gedacht hat, also erscheint euch so jemand unreflektiert?
Wie wichtig ist euch das bei der Sympathiefindung, wenn ihr jemanden kennenlernt?
Wie würdet ihr euch selbst einschätzen, wenn ihr Floskeln oder vage Behauptungen hört/lest, versteht ihr die eher wohlwollend oder eher misstrauisch? Glaubt ihr, dass dieses Verständnis etwas über euch aussagt und eure eigene Ausstrahlung beeinflusst?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 58
Thema: Wortwahl
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11.03.2009, 18:38
Wortwahl
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11.03.2009, 18:48
AW: Wortwahl
Wenn ich jemanden mag: eher wohlwollend, wenn nicht: eher misstrauisch.
Es hängt einfach von zu vielen Faktoren ab, die die Kommunikation bestimmen.
Richtige Floskeln mag ich aber wirklich nicht, da wäre ich im falschen Film.
Lieben Grußflying is the art of falling to the ground without touching
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11.03.2009, 18:51Inaktiver User
AW: Wortwahl
wie schön, mal wieder was zum ernsthaft sein.
ich selbst finde wortwahl schon ziemlich wichtig.
gar zu viel modewörter zum beispiel finde ich abtörnend (huch, das ist ja auch eins...
).
ganz schlimm fand ich zum beispiel das langgedehnte okeee.
"ich hab meine brieftasche verloren - okee...
da prügeln sich zwei - okeee...
meine frau hat krebs - okeee..."
und wenn jemand schlurig und phrasenhaft formuliert, finde ich das alles andere als attraktiv - und ich ziehe da schon rückschlüsse...vermute dann schon mal gedankenlosigkeit oder schlichtes gemüt.
und wenn jemand besonders gestelzt oder fremdwortgespickt redet, gibt mir das auch zu denken (kann mans nicht einfacher sagen, willszu t du uns durch deine wortwahl beeindrucken?)
ich denke, es ist gut, "situationsangemessen" sprechen.
und wortspielereien und wortwitz gefallen mir... aber die setzen natürlich auch ein bisschen grips voraus...
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11.03.2009, 19:11
AW: Wortwahl
Welche Faktoren sind das für dich?
Dein erster Satz sagt ja aus, dass du die Entscheidung, ob dir jemand sympathisch ist oder nicht, schonmal nicht davon abhängig machst, welche Wortwahl er hat ;-D
Ich grüble die ganze Zeit, wie das bei mir selbst ist, ich weiß es gar nicht so genau.
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11.03.2009, 19:13
AW: Wortwahl
etwas OT:
Natürlich einen lieben Gruß zurück.
Ist das hier unhöflich, am Ende des Postings nicht zu grüßen? Ich kenne das überhaupt nicht, ich meine das also in keinster Weise böse, wenn ich das unterlasse. Ist das hier Usus (ich hab' noch extra ein Fremdwort eingebaut für toocurious :D)?
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11.03.2009, 19:22
AW: Wortwahl
Schönes Thema!
Wortwahl bzw. die Art, sich mitzuteilen, finde ich sehr wichtig beim Kennenlernen.
Es widerspiegelt m.E. direkt, wie jemand denkt und auch (vollkommen vom Inhalt abgesehen), womit er sich vorrangig beschäftigt (also z.B. eher Zwischenmenschliches oder eher Technisches - und man kann auch poetisches Herangehen an Naturwissenschaftliches finden oder technisierte Betrachtungen sozialer Themen)
Vorsichtig kann man vielleicht auch Vermutungen über andere charakterliche Vorzüge anstellen.
Wer etwa besonders häufig sprachlich verschraubt mit sich selbst ringt, wird möglicherweise eher weniger zu forschen Entscheidungen und Handlungen neigen.
Und bei Leuten, die zu besonders hübschen und vielfältigen Assoziationen im Gespräch finden, glaube ich eher an ein besonders reiches Innenleben - kurz, ich finde sie interessant.
Eine durchaus charmante "Kategorie" an sprachlichen Freuden eröffnet der von mir (extra für toocurious) "Checker" genannte Typus des männlichen Helden, der so fein ziseliert Süßholz hobelt, dass die Dame seiner momentanen Begierde den Quatsch gern übersieht und sich von ihm ins Körbchen sülzen lässt.
Die machen durchaus Spaß, auch wenn man sie durchschaut hat. Und ich bin sicher, dass eine spezifische soziale Begabung dahinter steckt.
Ich persönlich liebe es, wenn ein scheinbar zurückhaltender und womöglich verunsicherter Mann mit dem Drechseln der entscheidenden Worte immer mal wieder (qualvoll) ins Stocken gerät und sich dann doch unter Aufbietung aller Kräfte dazu durchringt, in gleicher Weise fortzufahren, ohne je wirklich ausm Quark zu kommen.
Das sind die wahren Romantiker, in die ich mich nach 3 Tagen unsterblich verknalle und mit denen ich dann ein halbes Jahr abwarten muss, dass der endgültige Moment des Genervtseins mich wieder erlöst.Geändert von Aglaja11 (11.03.2009 um 19:25 Uhr)
Handeln Sie mit Leidenschaft, aber denken Sie klar!
Hannah Arendt
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11.03.2009, 19:30
AW: Wortwahl
Also ich achte schon auch darauf, wie sich jemand ausdrückt.
Vorallem seit ich mir vorgenommen hab, bei der Kommunikation so wenig wie möglich zu interpretieren, fällt mir bei einigen Leuten auf, wieviel Interpretationsspielraum ihr gewählten Worte lassen.
Hab mir schon sagen lassen, ich wäre in der Beziehung etwas hart mit meiner Umwelt, aber Worte sind doch mal wichtiger Bestandteil, sich mitzuteilen, deshalb halte ich es schon für wichtig sich so präzise wie möglich auszudrücken.
Furchtbar finde ich Floskeln wie z.b. wenn das Gespräch ins stocken gerät und mein Gegenüber sagt "und sonst?"
Was und sonst? Bin ich hier der Unterhalter? Soll derjenige doch Fragen, was ihn interessiert.
Finde schon, dass die art der Kommunikation etwas über denjenigen aussagt, zumindest vermittelt mir präzise Wortwahl ein gewisses Selbstbewusstsein.
Vorallem bei Geschriebenem, hat man ja Zeit sich Gedanken zu machen.
kommt auf die Situation an. Entweder hab ich das Gefühl, derjenige hält sich ein Schlupfloch offen oder ist sich selbst unsicher z.b.Wie wirken auf euch Menschen, die sich eher vage ausdrücken?
Eine gewisse Grundstimmung des kommunizierenden lässt sich sicher auch erahnen, kommt halt auch immer darauf an wie Aufmerksam ich lese oder zuhöre.Move your ass and your mind will follow
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11.03.2009, 19:33Inaktiver User
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11.03.2009, 19:51
AW: Wortwahl

Das erinnert mich an einen Kumpel von mir aus Jugendzeiten. Der war Türke und hat es sich immer ganz einfach gemacht: Der hat sich als großer Poet ausgegeben und den Damen seines Herzens dann "Gedichte" geschrieben. Diese bestanden aus den Übersetzungen von irgendwelchen türkischen Liebesliedern, die hier natürlich gänzlich unbekannt waren. Mann, der hat ein Süßholz geraspelt, manchmal standen wir so beieinander mit ein paar Leuten, und eine seiner Lieblingsmaschen war natürlich auch, ihr zu demonstrieren, dass er in aller Öffentlichkeit zu seiner endgültigen Entscheidung, sie heiraten zu wollen, steht! Oh Gott, oh Gott, ich musste mich so oft lachend abwenden...
Leute, die nicht auf den Punkt kommen, kann ich überhaupt nicht vertragen, da bin ich zu ungeduldig für. Ich stehe auf klare Ansagen.
Bei Kommunikation fällt mir noch etwas ein, worauf ich (inzwischen) wirklich unbedingt achte, wenn ich jemanden kennenlerne, und wovon ich ganz klar wirklich abhängig mache, ob ich den/diejenigen besser kennenlernen will: Verbindlichkeit der Aussagen. Wenn jemand sich nicht auf seine Aussagen festnageln lässt, sondern sich lieber im Wind dreht wie ein Fähnchen, die Vagheit der Aussagen also geplant ist, das finde ich ganz grässlich.
Säuselnde Männer sind mir ein Graus. Das bezieht sich jetzt aber nicht auf die Wortwahl, sondern eher auf den Inhalt.
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11.03.2009, 19:52
AW: Wortwahl
Nachtrag:
Besagter Kumpel hatte übrigens pro Woche 2 neue Freundinnen, das ist ja eigentlich der Gag an der Geschichte *gg*


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