Hallo,
hat jemand von euch Erfahrung bezüglich sozialer Phobien?
Ich bin selber nicht betroffen, habe aber ein Auge auf einen Mann mit einer solchen Phobie geworfen. Und das macht schon alleine den Weg zum Kennenlernen sehr schwierig. Denn bis zu einem ersten Treffen ohne berufliches Umfeld sind wir noch gar nicht gekommen. Es gab zwar schon drei Versuche, aber kurz vorher stellte sich ihm jedes Mal seine extreme Schüchternheit in den Weg. Das mailte er mir auch jedes Mal; er könne nichts dafür, er wäre eben so. Ich steh ziemlich auf den Typen, habe jetzt aber Angst, dass sich da bei mir jetzt mehr ein "Helferleinsyndrom" entwickelt als tatsächliche Zuneigung.
Wäre schön, wenn jemand mir vielleicht ein paar Tipps geben könnte, wie ich ganz vorsichtig Kontakt zu diesem Mann aufbauen kann.
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Thema: Und jetzt?
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22.02.2009, 21:04Inaktiver User
Und jetzt?
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22.02.2009, 21:09Inaktiver User
AW: Und jetzt?
hallo eisblume,
spricht er selbst von einer sozialen phobie oder ist das jetzt ein ausdruck,den du jetzt nur verwendest?
und kennengelernt habt ihr euch auf arbeit?
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22.02.2009, 22:13Inaktiver User
AW: Und jetzt?
ich könnte mir denken, dass es ein selbsthilfe-forum für sozial-phobiker gibt, und da gibt es dann sicher auch ein forum für angehörige bzw. welche, die es werden wollen...
viel erfolg beim googeln
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22.02.2009, 22:24Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Das ist eine behandlungswürdige Krankheit an der man nicht in Selbstregie rumdoktern sollte.
Es gibt allerhand Therapien etc, die er wenn er das in den Griff bekommen will, absolvieren kann.
Deine Position derzeit hmmm....sicher derzeit ein großer ansporn dem Mann zu "helfen" um ihn zu "erobern".
Aber wenn es sich echt nur um nen Arbeitskollege derzeit handelt würde ich mich da zurückhalten.
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22.02.2009, 22:39
AW: Und jetzt?
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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22.02.2009, 22:48Inaktiver User
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22.02.2009, 23:09
AW: Und jetzt?
Ein hilfreiches Taschenbuch zum Thema, für Betroffene und Interessierte, ist:
"Das Buch für Schüchterne" von Borwin Bandelow (ISBN 9-783-499-62254-0)
Der Autor forscht selbst auf diesem Gebiet und behandelt Betroffene, das Buch ist sehr verständlich und praxisnah geschrieben.Hans_Dampf ist nicht HansDampf.
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22.02.2009, 23:24
AW: Und jetzt?
Wichtig ist, dass man soziale Phobie nicht mit prinzipieller Feigheit oder Unmännlichkeit gleichsetzt - die Betroffenen sind keine "Luschen" oder "Weicheier", die man später als Beziehungspartnerin wie ein Kind an die Hand nehmen müsste. Gerade Frauen ziehen gerne diesen Fehlschluss, weil (krankhafte) Schüchternheit nicht in ihr Männlichkeitsstereotyp passt.
Meistens besteht das Problem nur darin, die als unüberwindlich empfundene Grenze in den Nahbereich eines fremden Menschen zu überwinden. Ist diese Hürde genommen und der Andere somit nicht mehr fremd, sondern vertraut, dann kann eine ganz normale Beziehung entstehen.
Im oben genannten Buch werden der Südpolfahrer Robert Falcon Scott und der Astronaut Neil Armstrong als soziale Phobiker genannt, welche nun wirklich keine Feiglinge waren, aber in ganz bestimmten, eng begrenzten Gebieten stark gehemmt.
Es gibt unterschiedliche Therapieansätze, auch mit medikamentöser Unterstützung. Ebenso eine gute Hilfe ist sicher eine verständnisvolle Partnerin, die nicht jeden Rückzug gleich als Desinteresse wertet, und deren Zuneigung das Selbstwertgefühl in diesem Teilbereich aufbaut.
Eine Ursache ist, wenn ich das richtig erinnere, dass ein bestimmer Angst-Regelkreis im Hirn überempfindlich eingestellt ist und zu laut Alarm schlägt, wenn eine für normale Menschen lediglich anspannende soziale Situation, wie ein erstes Date oder ein öffentlicher Vortrag, ansteht. Dadurch kann man nicht anders, als sich dieser "Gefahr" zu entziehen, selbst wenn dadurch schöne Erlebnisse und Erfolge verhindert werden. Jede neue Flucht verstärkt natürlich die Angst bei zukünftigen Situationen gleicher Art, weil das Gehirn lernte, dass es an diesen Stellen immer mit Flucht reagiert hat und die Angst dann erstmal kurzfristig behoben war. Behandelbar ist das u.a. mit einer Mischung aus Konfrontationstherapie und Medikamenten, welche bestimmte Botenstoffe hemmen und diese Angstfehlfunktion daher mildern.Geändert von Hans_Dampf (22.02.2009 um 23:44 Uhr)
Hans_Dampf ist nicht HansDampf.
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23.02.2009, 13:45Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Wow, danke, da hilft doch schon so einiges.
Kurz zur Aufklärung: Wir kennen uns über SEINE Arbeit, ich bin da die Privatperson. Und wenn ich dort bin, können wir auch ganz normal miteinander reden. Dann hat er sich Anfang des Jahres meine Handynummer "organisiert", und ab da liefen die "privaten Kontakte" nur noch über SMS. Der Kontakt über seinen Job lief weiter...nur einmal sprachen wir kurz privat. Und da habe ich schon gemerkt, wie er sich wahnsinnig schwer tut. Per SMS erklärte er mir später, dass er extrem schüchtern, sozial phobisch sei. Mailen war da nicht ganz der richtige Ausdruck - ich hau das ganze "technische" immer in die gleiche Ausdruckstonne.
Derzeitiger Stand der Entwicklung: letzter SMS-Kontakt vor zwei Wochen von meiner Seite aus, bei ihm im Laden war ich Samstag zuletzt. Er kümmerte sich da auch sehr um mich (viel auch anderen auf, die mit mir dort waren). Ich denke ich werde das jetzt einfach "aussitzen", ihn nicht mit SMS oder anderer Kontaktaufnahme bedrängen, und ansonsten weiter in den regelmäßigen unregelmäßigen Abständen bei ihm im Laden auftauchen; dabei natürlich immer gut aussehen und Blicksignale verstreuen. :-)


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