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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Latona
    Es wird uns vorgegaukelt, dass das totale Glück für jeden machbar sei, und wer es nicht schaffe, das für sich hinzukriegen, mit dem stimme was nicht. Das stimmt aber nicht.
    Die Tendenz zum "Machbarkeitswahn" ist aber nicht zu leugnen. Als Folge der Individualisierung determiniert nicht mehr die Herkunft im Großen und Ganzen den Lebenslauf sondern der individuelle Gestaltungswille. Aus "Schichtzugehörigkeit" wird "Bastelbiographie", aus Fatalismus wird Rechtfertigungszwang. In der Multioptionsgesellschaft ist jede Entscheidung einer Begründung unterworfen und Lebensumstände spiegeln Erfolg oder Versagen. Jeder hat die Verantwortung für sein Leben individuell zu tragen.

    Das setzt uns alle unter unheimlichen Druck (oder genauer, wir setzen uns unter Druck). Und so kann leicht das Gefühl entstehen, mit mir stimme etwas nicht, wenn ich selbstgesteckte Ziele nicht erreiche. Und persönliches Glück haben wir sicher alle auf unserer Ziele-Liste.

    Daher halte ich das Gefühl des Versagens für eine fast zwangsläufige Folge unserer modernen Lebens. Ein Preis der Freiheit (neben der Einsamkeit).

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  2. Inaktiver User

    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Hans,

    deine Beitrge beindrucken mich immer wieder !

    Sehr klug auf den Punkt gebracht

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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    @ HansDampf

    Du hast es sehr gut analysiert. Aber man hat es dennoch selbst in der Hand, ob man sich von diesem Machbarkeitswahn derartig terrorisieren lassen will, dass man sich mies fühlt, wenn man kein Bilderbuchleben führt. Individualität schließt unabhängiges Denken mit ein.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  4. Inaktiver User

    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Latona
    Aber man hat es dennoch selbst in der Hand, ob man sich von diesem Machbarkeitswahn derartig terrorisieren lassen will
    Latona, es ist ein hehres Ziel, sich von äußerlichen, kulturellen oder zeitgenössischen Strukturen gänzlich emanzipieren zu wollen, nur scheitert das leider nicht nur an unserem Willen, sondern noch dazu an unseren Genen,
    denn dem Sozial-Wesen Mensch anhaftendes Bedürfnis nach Individualität steht auch immer das Bedürfnis nach Konformität entgegen.
    Und darum kann (und will) sich niemand, weder kognitiv noch affektiv, gänzlich gesellschaftlichen Systemen entziehen.
    Muss auch nicht unbedingt was nachteiliges sein, denn darauf basiert ja nunmal unser Zusammenleben und auch unser Selbstverständnis, nämlich entweder auf Identifikation oder auf Abgrenzung.

    Ein gewisses Freimachen- und -denken, und mit ihm Reflexion darüber, warum ich mich so und nicht anders verhalte,
    jedoch anzustreben kann nicht unbedingt schädlich sein...

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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Latona
    @ HansDampf

    Du hast es sehr gut analysiert. Aber man hat es dennoch selbst in der Hand, ob man sich von diesem Machbarkeitswahn derartig terrorisieren lassen will, dass man sich mies fühlt, wenn man kein Bilderbuchleben führt. Individualität schließt unabhängiges Denken mit ein.
    Da fält mir jetzt ein ganz böser Satz ein:
    "Spießiger als ein Leben als Spießer ist nur die Angst, ein Spießer zu sein."

    Du hast natürlich Recht. Aber zum Individualisten ist der Mensch nicht geboren. Das ist ein lebenslanger Kampf mit sich selbst, und immer ist man der Gefahr ausgesetzt, die sozialen Bindungen, die man ja braucht, zu überstrapazieren.

    In diesem Sinne ist Individualität ja kein folgerichtiges Ergebnis von Individualisierung. Letztere kann völlig un-individuell wirken und ohne unabhängiges Denken auskommen.

    Gruß

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  6. Inaktiver User

    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Was für schöne, kluge und wahre Beiträge!!

    Den Machbarkeitswahn finde ich auch schrecklich, gilt ja inzwischen für viele Bereiche des Lebens. Oder die These, dass man alles verdient hat, was einem begegnet im Leben, oder dass man das dann eben für seine Entwicklung braucht.

    Ich finde das oft zynisch, und es lässt völlig außer Acht, dass man eben nicht alles in der Hand hat, bei aller Liebe zur Selbstverantwortung.

    Für mich selber finde ich es oft hilfreich, sich nicht so von der Fassade blenden zu lassen. Ich bin überzeugt, alles im Leben hat seinen Preis, und niemand hat alles. Natürlich darf man sich auch selbst mal leid tun, und trauern, aber dann kann man doch auch mal wieder schauen, was man eigentlich hat im Leben und sich nicht nur auf das focussieren, was fehlt.

    Man neigt ja dazu, das eigene Leid als das allerschlimmste zu sehen, das kann man sich aber abtrainieren. Singles finden es schrecklich, ohne Liebe zu leben, ungewollt Kinderlose haben zwar eine Beziehung, finden das Leben aber ohne Kinder unerträglich, wer krank ist meint vielleicht manchmal, alle anderen wären gesund, wer keinen Job hat, neidet anderen die gute Position, wer mit dem Gewicht kämpft sieht nur selbstverständlich Schlanke - aber wer hat denn wirklich alles im Leben und noch dazu die Fähigkeit, das auch zu erkennen und zu genießen? Doch fast niemand.

    Und nicht jeder, der eine Beziehung hat, ist deswegen tatsächlich glücklicher oder hat es besser getroffen als ein unfreiwilliger Single.

    So schlimm es ist, wenn man etwas Wichtiges vermisst im Leben - man sollte doch akzeptieren lernen, dass nichts selbstverständlich ist und man auf nichts Anspruch hat.

    Dann kann man sich vielleicht auch wieder mehr über das freuen, was man geschenkt bekommen hat, und das ist bei den meisten doch auch eine Menge Schönes.

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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    @ Lunaticbreeze
    Latona, es ist ein hehres Ziel, sich von äußerlichen, kulturellen oder zeitgenössischen Strukturen gänzlich emanzipieren zu wollen, nur scheitert das leider nicht nur an unserem Willen, sondern noch dazu an unseren Genen,
    denn dem Sozial-Wesen Mensch anhaftendes Bedürfnis nach Individualität steht auch immer das Bedürfnis nach Konformität entgegen.
    Nichts gegen Vergemeinschaftung, sie ist ohne Zweifel für jeden wichtig, da wir Gemeinschaftswesen sind. Aber auch da entscheidet man selbst, mit wem man sich vergemeinschaften will. Man muss sich ja nicht unbedingt bei denjenigen anbiedern, die dem gesellschaftlich herrschenden Machbarkeitswahn frönen.

    Es gibt keine genetische Determination des Homo sapiens sapiens, grundsätzlich dem gesellschaftlichen Mainstream hinterher zu rennen. Wir sind schließlich vernunftbegabte Wesen (sapiens sapiens!) und keine Lemminge.
    Ein gewisses Freimachen- und -denken, und mit ihm Reflexion darüber, warum ich mich so und nicht anders verhalte,
    jedoch anzustreben kann nicht unbedingt schädlich sein...
    Ich halte das sogar für absolut notwendig, wenn man in der heutigen Welt psychisch und geistig einigermaßen unbeschadet überleben will.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  8. gesperrt

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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Man kann doch nicht sein ganzes Leben auf der Suche sein. Ich finde das mittlerweile fast schon schlimmer als das Alleinsein an sich. Es ist irgendwie ein dauerndes Getriebensein..Versteht jemand, was ich damit meine??
    Ich würde diesen Wunsch nach einer Beziehung gerne endlich loslassen. Wie kann man wenigstens seinen Frieden für sich finden, wenn es offenbar nicht mit einer Beziehung klappt?

    Hast du schonmal jemanden befragt, warum es dann mit der Beziehung nichts wurde oder eine Freundin, ob sie sich Gründe für deine Situation vorstellen kann ?


  9. Inaktiver User

    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Latona
    Es gibt keine genetische Determination des Homo sapiens sapiens, grundsätzlich dem gesellschaftlichen Mainstream hinterher zu rennen. Wir sind schließlich vernunftbegabte Wesen (sapiens sapiens!) und keine Lemminge.
    Auch wenn ich hier in das Horn einiger, in meinen Augen zu dogmatischer und weltfremder Pädagogen tute-
    ich denke eine große Geißel unserer Zeit ist das Fernsehen.

    Ich habe diesem Medium schon in meiner Jugend abgeschworen (genauso wie den Süßigkeiten- dadurch dass meine Eltern mir unbegrenzt Zugang gewährten- allerdings auch zu Alternativen hatte es wohl kuam einen Reiz auf mich*gg*)

    Dadurch war ich- mainstreamig geshen- nie up to date,
    was mir so einiges erspart und gebracht hat.

    Wenn ich mich in meinem näheren Umfeld so umschaue, wie sehr die Menschen durch die dort vermittelten "Werte" geprägt sind kann ich nur mit dem Kopf schütteln- und es erklärt wiedrum so einiges.
    Nicht nur das dort gezeichnete romantische Ideal, ebenso das hinterherhecheln hinter diversen Konsumgütern (die sich wiederrum nur durch entsprechende berufliche Leistungen oder Verschuldung) anschaffen lassen.

    Und auch hier greift eins ins andere.

    Um den eigenen Liebesmarktwert mutmaßlich zu erhöhen wird den unrealistischen Modellmaßen nachgeeifert, werden monatlich wechselnde Modetrends kopiert, inklusive Frisur, Nagelkosmetik etc.
    Nicht dass ich nicht auf mein äußeres achten würde- nur pflege ich seit etwa 15 Jahren meinen eigenen Stil-
    und der ändert sich gottlob nicht im Minutentakt.
    Was man da alles spart
    Und für Bücher, Reisen, umfangreiche Heim-und Hoftierprojekte ausgeben kann...

    Alternativ wird der Rest des sauer verdienten geldes in Zeittodschlags-sprich unterhaltungselektronik investiert, auf dass man ja keine Muße mehr hat, sich noch nen eigenen Kopp zu machen, sondern als Zeichen seiner Individualität einen nervenzersägenden, hochaktuellen Klingelton nebst Abbo sein eigen nennt.

    Ich glaube die Gefahr des Fernsehkonsums wird nach wie vor stark unterschätzt, weil wir uns doch stets mit dieser (künstlich erzeugten) Umwelt ver- und abgleichen, die bei vielen menschen wirklich einen nicht unbeträchtlichen Prozentsatz ihrer Freizeit auf sie einflimmert.

    Und da werden eben Bilder vermittelt, die sich tatsächlich in unserem Denken und Streben verankern und irgendwann als "Normalität" betrachtet und kaum noch hinterfragt werden.
    Die einzige Frage, die sich viele stellen ist- warum ist das bei mir nicht so und wie kann ich das abstellen?
    Nicht das TV-
    sondern den mangel, der bei mir offenbar herrscht.

    Nur mal so als eine der möglichen "Fehlerquellen", die einem eine eigene Unzulänglichkeit oder wertlosigkeit glauben machen können...

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    AW: Dauersingle-weitersuchen oder Frieden mit dem Alleinsein schließen?

    Zitat Zitat von Latona
    Weise Worte von unserem Matze.
    Sind aber nicht neu.
    Wie lange versuche ich hier schon zu erklären, dass man von dem Bild loskommen soll, in einer Ehe/Beziehung zu leben sei die allein glücklichmachende Lebensform?
    Wie oft habe ich schon gesagt, dass ich keine Beziehung will und (inzwischen) trotzdem ganz zufrieden bin so, wie mein Leben läuft?

    Nicht selten wurde mir Verbitterung vorgeworfen, oder gesagt der Fuchs zu sein, dem die Trauben zu hoch hängen und er sie sich deshalb sauer redet.

    Wie viele hier suchen in schier endlos aneinandergereihten Beziehungen ihr Glück, ohne sich auf IHR Leben zu konzentrieren, machen ihr Glück vom Vorhandensein eines "tollen" Partner abhängig?

    Beziehung ist das Sahnehäubchen. Ein Leben allein die Normalität.
    So sollte die Sichtweise in unserer von Individualismus geprägten Zeit sein.
    Es geht nicht, einerseits in modernen freiheitsliebenden Strukturen leben zu wollen, gleichzeitig aber die durchaus auch angenehmen Nebenprodukte einer wirtschaftlich erforderlichen Lebensgemeinschaft haben zu wollen. Natürlich nicht deren Zwänge...

    Gruß

    Matthias

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