Hallo an alle im Forum,
nachdem ich jetzt schon längere Zeit Eure Beiträge gelesen habe, möchte ich mich auch einmal melden.
Ich bin seit 9 Monaten getrennt und komme noch immer nicht damit zurecht. Wir haben den gemeinsamen Wohnsitz aufgegeben, wir arbeiten jedoch gemeinsam - also sehen wir uns unter der Woche jeden Tag.
Die letzten Tage hatte ich wieder einen Zusammenbruch - in der Nacht von vorgestern auf gestern hatte ich wieder furchtbare Träume und bin um 3 Uhr Früh weinend munter geworden. Ich habe nur mehr geheult und mich gefragt, warum ich das alles durchmachen muss und warum es mir nicht gelingt, dass es mir endlich besser geht. Ich war dann so verzweifelt, dass ich begonnen habe, meine Sachen zu ordnen und habe mir Gedanken gemacht, wie ich aus dem Leben scheiden könnte.
Schlaftabletten habe ich keine zu Hause, mit einem Messer habe ich dann bei meinen Pulsadern herumgekratzt, mich aber dann doch nicht getraut, tiefer zu schneiden.
In "lichten Momenten" habe ich schon überlegt, dass ich mir psychologische Hilfe suche, habe dazu aber nicht genügend Geld. Zu einem Psychiater mag ich nicht gehen, oder habe Angst davor, ich möchte nicht eingewiesen werden und auch keine starken Medikamente nehmen.
Eigentlich bin ich nur mehr verzweifelt. Seit Monaten habe ich Schlafstörungen, bin unkonzentriert und lebe einfach in einem schwarzen, tiefen Loch.
Wenn es mir halbwegs "normal" geht, lese ich positive Bücher, schreibe mir gescheite Sätze heraus und versuche diese zu verinnerlichen. Aber es bleibt leider bei den Versuchen.
Im Bekanntenkreis und in meinem näheren Umfeld versuche ich so zu tun, als ob es mir eh schon gut geht, weil ich niemanden mehr auf die Nerven gehen möchte. Ich tu' es aber trotzdem - ich merke es am Verhalten der Leute.
Alle möglichen Ratgeber habe ich schon gelesen, habe auch versucht, einiges davon umzusetzen, war bei Seminaren "loslassen", doch richtig geholfen hat mir nichts davon.
Ich habe jetzt schon furchtbare Angst vor dem Weihnachtsfest oder vor der Silvesternacht, eigentlich fürchte ich mich derzeit vor allen möglichen Situationen.
Das furchtbare für mich daran ist eigentlich, dass ich immer eine "taffe" Person war, die durch nichts zu erschüttern war. Ich war immer der Ratgeber für mein Umfeld, konnte alles lösen, hatte für alles und jeden Ratschläge - und jetzt passiert mir das mit einer solchen Kraft und Intensität!??!!! Ich kann damit nicht umgehen.
Körperlich ist mir die meiste Zeit schlecht, ich vertrage kein Essen und würde mich am liebsten unter der Decke verstecken, wochenlang schlafen und dann irgendwann wieder munter werden und alles ist schöner.
ich habe versucht, mich mit mir auseinanderzusetzen - ich habe mir neue Hobbys gesucht, ich habe auch einen neuen Bekanntenkreis, ich habe alles ausprobiert, was man nur probieren kann.
aber:
- meine lust zu leben ist nicht mehr vorhanden
- ich möchte manchmal "unsichtbar" sein
- ich mag den Schmerz nicht mehr aushalten müssen
- ich kann niemanden mehr an mich heranlassen
- ich kann mit meiner Hilflosigkeit nicht umgehen
könnt ihr mir bitte irgendwelche tipps geben, die ich noch nicht ausprobiert habe. es ist unerträglich, "nicht zu leben" sondern jeden Tag so irgendwie hinter mich zu bringen.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich auf andere Gedanken bringen könnten.
Eine sehr, sehr verzweifelte
wiegehtesweiter
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12.09.2007, 07:34
komme noch immer nicht damit zurecht
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12.09.2007, 07:53
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Such Dir ganz dringend psychologische Hilfe. Du kannst hier tausende von Beispielen von Verlassenen lesen, denen es genau so beschissen geht wie Dir (oder mirich begonnen habe, meine Sachen zu ordnen und habe mir Gedanken gemacht, wie ich aus dem Leben scheiden könnte.
Schlaftabletten habe ich keine zu Hause, mit einem Messer habe ich dann bei meinen Pulsadern herumgekratzt, mich aber dann doch nicht getraut, tiefer zu schneiden
) aber schmeiß Dein Leben nicht weg; Du weißt doch überhaupt nicht welche Überraschungen es noch für Dich bereit hält (auch wenn Du das jetzt nicht glauben magst).
Wie sieht es aus?
Wuestenmotte
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12.09.2007, 08:13
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
@wuestenmotte
ich weiß, dass dies keine Lösung ist - nur momentan habe ich keine Kraft um irgendetwas zu tun. Ich versuche gerade in Wien eine Selbsthilfegruppe zu finden, aber das ist anscheinend nicht so einfach. Aber momentan finde ich gar nichts einfach.
Ich habe mir so viele Beiträge durchgelesen, dann denke ich mir, ich werde vielleicht auch wieder die Kraft bekommen, das alles durchzustehen. Nur momentan ist alles nur düster, schwarz und traurig. Und ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo zu sitzen und mit einer für mich fremden Person darüber zu reden oder meine Gefühle in Worte zu fassen.
Es hat schon lange gedauert, bis ich hier etwas schreiben konnte.
Aber vielleicht ist das hier für mich der richtige Weg "zurück" in ein normales Leben.
Ich bin früher so gerne weggegangen. Momentan bin ich froh, wenn ich den Weg aus dem Bett heraus in die Arbeit schaffe. An manchen Tagen kann ich nicht einmal sagen, welchen Weg ich genommen habe. Ich sitze dann halt irgendwann an meinem Schreibtisch. Ich sehe am Abend TV - kann 1 Stunde später aber nicht sagen, was ich mir angesehen habe.
An manchen Tagen versuche ich mir selbst Kraft zu geben und mit mir zu sprechen. Mich an früher zu erinnern, mir zu sagen, dass es ja wieder besser werden MUSS. Das ich ja nicht die einzige Person bin, die verlassen wurde.
Nur der kleinste Windhauch löscht das alles wieder aus und ich bin wieder dort, wo ich vor vielen Monaten war.
Damit komme ich nicht klar. Damit kann ich nicht umgehen. Es MUSS doch nach einigen Monaten besser sein oder ich müßte mich besser fühlen. Damit habe ich ein Problem - und dann kommen eben die Gedanken, dass ich keine Kraft mehr habe, die nächsten Monate das alles nochmals zu überstehen.
Aber danke, dass Du mir gleich geantwortet hast.
Traurige Grüße
w
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12.09.2007, 08:19
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Liebe wiegehtesweiter
Auch ich kann mich Wuestenmotte nur anschließen und dir raten, das du dir dringend Hilfe bei einem Fachmann suchen solltest.
So wie du deine Tiefen beschreibst, könntest du an einer Depression leiden und die ist behandelbar.
Es gibt immer wieder Phasen im Leben, von denen wir meinen, das es für sie keinen Ausweg gibt.....aber es geht doch immer irgendwie weiter.
Du könntest dich zunächst an deinen Hausarzt wenden. Auch der kann deinen momentanen Zustand einschätzen und weitere Schritte vorschlagen was zu tun ist damit es dir wieder besser geht.
Das du über die Trennung so schwer hinwegkommst liegt natürlich auch mit daran, das ihr zusammen arbeitet. Dem kannst du schlecht "entkommen" es sei denn du wechselst die Arbeit. Diese Möglichkeit besteht aber in den meisten Fällen nicht.
Mir persönlich hilft es in schlechten Phasen immer wieder, wenn ich nicht nur mich und meine Probleme sehe, sondern mich in meiner Umgebung umschaue. Da gibt es so viele Menschen und Schiksale, denen es noch viel viel schlechter geht als einem selber und die ihre Situation auch irgendwie meistern.
Wenn du also deine Freunde, deine Familie nicht mit deinem Trennungsschmerz belasten möchtest, dann würde ich mir HIlfe von aussen holen.
Ich wünsche dir alles Gute und bin davon überzeugt, das auch für dich wieder die Sonne scheinen wird!
Liebe Grüße von Awe
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12.09.2007, 08:53
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
hallo,
ich habe es mir schon gedacht, ob das vielleicht Depressionen sein könnten. Nur ich schwanke so zwischen "ich muss jetzt etwas dagegen machen" und "ich will nur mehr meine Ruhe haben" - und solange ersteres nicht überwiegt, weiß ich nicht, wie ich es schaffe, dass ich mich um Hilfe bemühe.
Ich habe jetzt andere Beiträge auch wieder gelesen, manche davon geben mir dann auch etwas Unterstützung, weil ich mir denke, ich bin ja nicht die Einzige, die verlassen wurde.
Aber dann fühle ich wieder so wertlos, so einsam und so furchtbar traurig.
Aber vielleicht nehme ich jetzt, da ich mich getraut habe, hier alles aufzuschreiben, meinen restlichen verbliebenen Mut zusammen und werde nachsehen, ob es in meiner Umgebung einen Profi gibt, der mir helfen kann.
Danke für Deine aufmunternden Worte!
Eine jetzt "heulende" wiegehtesweiter
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12.09.2007, 10:13Inaktiver User
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Hallo, liebe wiegehtesweiter,
Zitat von wiegehtesweiter
dass du hier dein Elend mal in Worte gefasst hast, ist ganz bestimmt der erste Schritt. Lass dich nicht wieder zurückfallen in die Mutlosigkeit, mach gleich den nächsten Schritt und geh zu einem Arzt, dem du das alles schilderst, was du hier geschrieben hast! Auch ein Hausarzt kann eine Depression feststellen und dir weitere Hilfe vermitteln, und zumindest in Deutschland übernimmt die Krankenkasse dann die Kosten.
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12.09.2007, 11:28Inaktiver User
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Hi wiegehtsweiter,
Das was du schreibst kommt mir sehr bekannt vor.
Ich war vor einigen jahren an so einer ähnlichen stelle wie du. Hatte damals mit meiner tochter meinen alkoholkranken mann verlassen.
Allerdings hatte ich das glück das ich ihn nicht sehen musste.
Was aber mein gelebtes leid damals in keinster weise schmälerte.
Ich fand damals raus aus der misere, aber es war wirklich knapp.
dachte mir damals genau wie du jetzt, das ich das allein schaffen müsste. Also ohne professionelle hilfe.
Aus lauter angst man könnte mir vielleicht mein kind weg nehmen. oder mich schräg ansehen, oder mich nicht mehr für voll nehmen, oder, oder, oder.
einige jahre später wusste ich dass das alles quatsch war.
So möchte ich dir auch ans herz legen : such dir „fremde“ hilfe. Unbedingt ! so hast du es viel, viel leichter.
und findest du vielleicht auch gleichgesinnte in deiner nähe.
ansonsten schreib doch einfach weiter.
lieben gruss............lirin
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12.09.2007, 12:28
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Zitat von wiegehtesweiter
Liebe wiegehtesweiter,
den ersten Schritt hast du mit deinem Posting hier bereits getan. Und genauso geht es: jeden Tag ein kleiner Schritt, du kannst nicht alles auf einmal bewältigen. Nimm dir nicht zuviel vor und versuch jeden Tag eine Kleinigkeit zu ändern. Auf jeden Fall solltest du dir psychologische Hilfe suchen. Du mußt eine Gesprächstherapie nicht selbst zahlen, wenn du vorher zu deinem Hausarzt oder einem anderen Doc deines Vertrauens gehst und ihm von deiner Situation erzählst. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für (soweit ich weiß) 20 Sitzungen. Du bekommst dann ein Vorgespräch bei einem Psychologen, der dann entscheidet, wie es weitergeht - vor allem kannst du dann auch entscheiden, ob du mit diesem Psychologen zusammenarbeiten willst.
Ich habe eine Freundin, die auch so eine Krise durchgestanden hat. Sie hatte auch schreckliche Angst vor Abhängigkeit von Medikamenten. Sie hat eine Therapie gemacht und begleitend Tabletten genommen, die sie nach einer gewissen Zeit aber wieder absetzen konnte, ohne Probleme zu haben.
Also: geh zum Arzt und vor allem sei nicht so ungeduldig mit dir. Ich kenne das von mir: Mein Kopf will alles schneller verarbeiten und abhaken, als es meine Seele kann.
Tu dir jeden Tag was gutes und geh viel raus...
Laß uns/mich doch bitte wissen, wie es dir so geht und was du weiter tun wirst.
Ich wünsche dir alles Liebe.
B.Reden ist Schweigen, Silber ist Gold!
Mein Avatar zeigt Curd Rock, den Mann für alle Fälle!
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12.09.2007, 15:33
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
vielen, vielen dank an euch alle!
es tut gut, wenn man sich nicht so alleine fühlt.
vielleicht ist das wirklich schon der 1. schritt, dass es mir besser geht.
ich habe mich ganz alleine aufgerafft und mich in einem forum angemeldet. (stolz bin ich auf mich) - das wäre vor einigen wochen noch undenkbar gewesen.
ich habe mich getraut, über meine gefühle zu schreiben!
ich werde euch sicher weiter "niederschreiben" - parallel dazu habe ich zu mittag beschlossen, ich werde das alles für mich niederschreiben - eine art tagebuch oder eindrücke oder was auch immer.
dann habe ich wenigstens ansporn etwas zu tun!
und wenn ich wieder nicht schlafen kann, setze ich mich an meinen arbeitsplatz und werde lesen, oder selbst schreiben.
und vielleicht gelingt es mir, in einigen monaten anderen personen hilfe zu geben?
na ja - eine jetzt wieder "halbwegs" am damm befindliche
"wiegehtesweiter"
ps: aus erfahrung weiß ich nur, dass das leider schwankt!
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12.09.2007, 18:22
AW: komme noch immer nicht damit zurecht
Hallo,
das ist doch schon mal eine richtig gute Idee, wie ich finde. Trotzdem solltest du parallel jemanden zum reden haben, wenns dir mal wieder nicht so besonders geht und du das Gefühl hast, du kommst nicht klar.
Mir hat mal eine erfahrene, weise Frau, die schon 80 Jahre alt war gesagt:
"Kindchen, jetzt tut es verdammt weh. Jeden Morgen wenn du die Augen aufmachst, spürst du den Schmerz, aber glaub mir - eines Morgens wachst du auf und irgendetwas ist anders. Dann hast du den Schmerz hinter dir gelassen."
Und bisher ist das bei mir auch immer eingetroffen, obwohl ich auf der Achterbahn des Lebens schon einige Loopings hinter mich gebracht habe.
Weiter so!
Reden ist Schweigen, Silber ist Gold!
Mein Avatar zeigt Curd Rock, den Mann für alle Fälle!


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