Heute schreib ich hier zum ersten Mal. Ich brauch Eure Hilfe, weiß allein nicht mehr weiter.
Vor gut drei Monaten hat sich mein Freund nach einem Jahr Beziehung von mir getrennt. Ich bin 29 Jahre alt, hatte davor auch schon Beziehungen, doch er war meine große Liebe, zum ersten Mal habe ich richtig geliebt. Hab mich unglaublich geborgen gefühlt – dachte der ist es, für immer. Obwohl wir eine Fernbeziehung hatten, waren wir unheimlich vertraut (kannten uns davor auch schon einige Zeit). Wir teilen so viel, die Freizeit konnten wir gemeinsam verbringen ohne Kompromisse. Zusammen reden. Zusammen kochen. Zusammen Sport machen. Gemeinsame Zukunftsvorstellungen, Werte und Einstellungen. Aber genauso hatte jeder auch seine eigenen Freunde. Ja sogar etwas wie ein eigenes Leben durch die Fernbeziehung. Perfekt.
Die Trennung kam für mich sehr plötzlich. Er sagte er liebe mich nicht mehr genug. Aber er war immer unheimlich lieb zu mir, versuchte mir alles so gut wie möglich zu erklären, konnte es aber nie an konkreten Punkten festmachen. Wir haben viel geredet, beide geweint, ich hab viel verstanden und musste an mir selbst Fehler erkennen.
Zunächst hab ich gekämpft, bis zur Erschöpfung, in totaler Verzweiflung. Dann hab ich aufgegeben, mich um mich selbst gekümmert bevor ich ganz den Bach runter gehe. Der Kontakt brach nicht völlig ab, wurde aber deutlich weniger. Ich war auf dem Weg, hab angefangen in kleinen Schritten weiterzugehen ohne ihn.
Dann kam wieder mehr Kontakt von seiner Seite. Wir haben wieder lockerer, entspannter miteinander geredet, gelacht gescherzt. Irgendwann während eines Telefongesprächs wurde er sehr still, ganz emotional. Er sagte, er vermisse mich oft so sehr. Aber so ging es mir doch auch! Es überraschte und freute mich zugleich. Wir trafen uns einige Tage und Telefongespräche später. Küssten uns wieder. Es war schön, so vertraut es hat sich richtig angefühlt, in dem Moment. Auch für ihn das weiß ich. Aber danach war ich mir nicht sicher ob er es ernst meint. Und so war es auch. Er sagte kurz darauf, ich würde auf immer seine Exfreundin bleiben, die Zweifel sind zu groß, die Liebe zu klein um es noch einmal zu versuchen. Er hat Angst mir noch mal so weh zu tun.
Ich bin so unheimlich traurig. Ich vermisse ihn so sehr. Bin schon fast süchtig danach nur seine Stimme zu hören. Ich habe meine Fehler eingesehen und er will nicht mal nachsehen, ob es diesmal vielleicht klappt. Ich kann mir nicht vorstellen noch mal so einen wunderbaren Menschen zu treffen. Er ist so verständnisvoll, so lieb, so einfühlsam. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten. Ich liebe ihn. Warum sieht er das alles nicht mehr? Ich habe solche Angst dass ich es vermasselt habe und nun für immer einsam bin. Habe Angst vor Weihnachten, Silvester, Geburtstag – ohne ihn, allein – wir haben es uns immer so schön gemacht zu zweit.
Ich weiß, dass ich ihn irgendwie vergessen muss, wenn er mich nicht liebt ich weiß dass ich mich um mich kümmern - muss zu mir gut sein. Nach vorne sehen. Es geht nicht mehr, ich bin zu schwach ich falle immer wieder auf den Boden.
Auch viele andere Dinge in meinem Leben lassen mich verzweifeln. Ich bin vor 3 Jahren wegen der Dr.-Arbeit in eine andere Stadt gezogen. Ich habe da nie wirklich Freunde gefunden. Bin ganz allein hier. Mit der Arbeitssituation auch komplett unzufrieden, aber ich muss das jetzt durchziehen, die Arbeit abschließen, sonst waren die ganzen 3 Jahre umsonst. Aber noch ist kein Ende abzusehen. Aufgeben, das will ich nicht, dieses Scheitern würde mich das ganze Leben verfolgen.
Zu Hause in meiner Stadt fühle ich mich wohler, da ist meine Familie, viele Freunde und da war auch er. Ich will zurück.
Kurze Augenblicke, Stunden bin ich zuversichtlich, die Sonne scheint und ich glaube ich kann es irgendwie schaffen. Doch dann bin ich wieder schwach. Meine Gedanken kreisen nur um ihn. Wieso mag er mich nicht mehr? Was kann ich tun, um ihm zu zeigen wie wichtig er ist? Wie ihm sagen dass wir zueinander passen, zueinander gehören? Wie, was, warum – so dreht sich alles in meinem Kopf, lässt mich auch nachts nicht los.
Ist das eine Depression? Brauche ich professionelle Hilfe? Wie und wo kann ich die bekommen? Wie finde ich jemandem dem ich vertrauen kann? Oder gibt es einen Weg wie ich mich selber befreien kann?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 44
Thema: Einsam und Traurig
-
20.08.2007, 16:44
Einsam und Traurig
-
20.08.2007, 16:52Inaktiver User
AW: Einsam und Traurig
Hallo Amelie01,
Zitat von Amelie01
komm setz dich her.
Der Schmerz sitzt tief, nicht wahr?
Aber du tust instinktiv schon das Richtige, musst jetzt bloß noch versuchen, loszulassen. Hab Geduld mit dir.
Hilly
-
20.08.2007, 17:17
AW: Einsam und Traurig
ach amelie....
ich verstehe dich soooo gut. das was du geschrieben hast, trifft haargenau auf meine situation. (als würde ich das erzählen)
hatte auch eine fernbeziehung mit ihm - 10 monate - er hat mich auf plötzlich verlassen, weil er auch meinte, er liebt mich nicht mehr, obwohl er davor noch soo lieb zu mir war..... es war wie ein schock...
ich versteh dich so gut!!!! nun sind fast 3 monate vergangen und ich fühl mich manchmal noch immer so sch***** aber es wird etwas besser!
es tut einfach so weh, dass sie so gemein zu uns sind, obwohl wir eigentlich nichts getan haben. es scheint sie nicht zu interessieren. ich vermisse auch seine stimme, genau wie du. man war die telefonate so gewohnt durch die fernbeziehung und jetzt plötzlich kann man nicht mehr täglich telefonieren.
ich kann dir nur sagen, dass es mit der zeit besser wird. aber ich weiß wie schwer es jetzt für dich ist! und ich wünsch dir viel kraft die zeit durchzustehen!
lieben gruß,
polishgirlMeine Hoffnung soll mich leiten durch die Tage ohne dich und meine Liebe soll mich tragen, wenn der Schmerz die Hoffnung bricht.
Was man liebt muss man loslassen. Kommt es zurück, gehört es dir. Kommt es nicht zurück, hat es NIE dir gehört.
-
21.08.2007, 19:23
AW: Einsam und Traurig
Hallo Amelie01
Bin auch zum ersten Mal hier. Du sprichts mit aus dem Herzen. Nach 15 Jahren, hat er sich plötzlich von mir getrennt. Er hat die totale Lebenskrise die jetzt mit 40 ausbrach. Er hat das Gefühl, nichts im Leben erreicht zu haben (total erfolgreich im Job) weiss einfach nicht ob er Heiraten und Kinder will (ich will garnicht heiraten). Könnte beruflich evtl. ins Ausland gehen, aber er kann sich nicht "frei" entscheiden, weil er dabei immer an mich denken muss etc. etc. Es spielt auchalles keine Rolle.
Der Schmerz ist unendlich. Ich wusste nicht, dass Leere so schmerzhaft sein kann. Ich bin für ihn auch in eine andere Stadt gezogen. Trotz all den Jahren hier fühle ich mich jetzt total allein und verloren auf der Welt. Alle Freunde die wir haben sind gemeinsame Freunde, alle mit Kindern. Niemand der an einem Samstag Abend Zeit für mich hätte, niemand der mit mir in die Ferien gehen wird. Ich bin einfach allein gelassen worden und fühle mich so verloren. Denke wie Du an all die schönen Geburtstage, Weihnachten...Auch wenn es anders wäre, alles was mir früher Spass machte, ist mir jetzt egal. Will nicht unter Menschen sein, will nicht Skifahren, will nicht ans Meer, will einfach nur einschlafen und erst in ein paar Monaten wieder aufwachen und merken, dass alles nur ein böser Traum war. Die Leere war an einem Abend so gross, dass ich mit dem Quatsch angefangen habe, mich an einem Arm zu kratzen mit einer Scherre. Total doof, aber in dem Moment war es eine Erleichterung. Wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich einfach nichts. Jeder sagt mir, es wird irgendwann besser, kann sein dass der Schmerz nachlässt, aber er und unser jetztiges gemeinsames Leben, dass ich so geliebt habe, wird einfach nicht mehr da sein. Ich werde alleine in einer neuen, kleinen einsamen Wohnung sitzen. Ohne seine Liebe, ohne sein Lachen, ohne seine Umarmungen
Es ist jetzt 3 Wochen her und wir leben immer noch zusammen. Er meint, es eilt garnicht mit dem Umzug und ich will auch nicht weg. Wir haben hier alles zusammen ausgesucht, eingerichtet...es war und ist unser zu Hause. Wir verstehen uns zum Glück auch sehr gut. Es ist eigentlich wie immer, ausser ohne Berührungen. Im Moment verdränge ich den Gedanken, dass ich irgendwann nicht mehr hier leben werde. Sobald ich nur kurz anfange darüber nachzudenken, schnürrt es mir alles zu. Er sagt er liebt mich noch und wüsste selber nicht ob er das richtige tut. Ich kann nur warten. Zu grosse Hoffnungen mache ich mir nicht, er ist jemand der konsequent seinen Weg geht. Ich hoffe einfach darauf, dass ich eines morgens aufwache und mich auf den Tag freue.
-
21.08.2007, 20:17Inaktiver User
AW: Einsam und Traurig
Hallo Prinzess,
hey komm mal her, magst du eine Tasse Tee?
Deine Erzählung klingt nicht nach Trennung sondern eher nach Ausgebranntsein, Momenten der Suche.
Die bekommen wir alle.
Ich hab da früher drüber gelächelt, aber die Suche nach dem Lebenssinn kam auch bei mir ganz plötzlich, nicht langsam.
Könnte es sein, das er doch Kinder und Familie will, du aber nicht?
Könnte es sein, das er im Job zu schnell vorangekommen ist und jetzt kurz realisiert, das noch 27 Jahre vor ihm liegen?
Ich tippe mal auf Wendepunkt in der Lebensmitte. Könnt ihr noch vernünftig miteinander? Wie wärs mit ner Trennung auf Zeit oder hat er komplett abgeschlossen?
LG Hilly
-
21.08.2007, 20:18
AW: Einsam und Traurig
An euch alle, es wird euch nicht trösten, aber vielen hier im Trennungsforum gings ähnlich wie euch: Schock, nicht glauben wollen, Leere und Einsamkeit. Ich habe mich nach buchstäblich jahrelangen Zweifeln an der Beziehung nach 15 Jahren getrennt. Und es war für mich wichtig, Zeichen zu setzen, z.b. habe ich umgehend eine Therapie angefangen, so sass ich einmal die Woche einer neutralen Person gegenüber, die mir sowohl mein als auch sein Verhalten (was mir wichtig war) erklärte. Dann wollte ich räumliche Distanz einlegen und bin aus- und weggezogen. Kontakt wollte ich keinen mehr und habe das bis auf eine Ausnahme eingehalten.
Vielleicht sind für euch andere Zeichen wichtig, es können auch erst ganz kleine Schritte sein. Ich denke, eine Trennungssituation ist erst mal ein Schockzustand, und da sollte man sich helfen lassen statt alleine zu leiden. Hier in der bricom, sich überwinden und Kontakte auffrischen. Und, auch wenns für euch jetzt banal tönt, ich bin sofort zum Friseur, habe die Haare anders geschnitten, mich ein wenig verwöhnt. Sachen, die nur für mich waren. Und einfach gehofft, dass jeder Tag mich ein wenig weiter bringt. Was auch so war.
-
22.08.2007, 12:54
AW: Einsam und Traurig
Schön dass ihr da seid und meine Ängste und meine Einsamkeit nachvollziehen könnt!
Grad geht es mir ganz gut. Ich versuche mich voll auf die Arbeit zu konzentrieren. Habe zwar das Gefühl es strengt mich doppelt so sehr an wie normalerweise, aber es geht. Abends bin ich inzwischen so müde dass ich sogar relativ schnell einschlafe. Doch nur bis ca. 4h maximal 5h in der früh und dann steht die Einsamkeit wie ein Schlägertyp neben meinem Bett und zieht mir den Knüppel über den Kopf. Die Gefühle sind inzwischen außerdem auch schon körperlich: Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit...
Würde gern weinen, aber die Tränen sind schon versiegt es ist mehr so eine Art Verzweiflung, schwer zu beschreiben. Aber so geht das fast jeden Morgen.
Irgendwann hab ich die Kraft und Zwinge mich in die Arbeit, dort wird es meistens langsam besser, va. wenn ich unter Menschen bin. Aber die Wochenenden an denen ich nichts geplant habe... puh das geht gar nicht.
Ich glaube ich schaff das nicht allein. Wie hast du die Psychologin gefunden, der du vertraust und die dir auch Helfen kann? Ich habe Angst dass das nicht vorbei geht.
-
22.08.2007, 13:45
AW: Einsam und Traurig
Bin zu meiner Hausärztin, habe am Telefon explizit um einen Notfalltermin gebeten, dann die Situation (bevorstehende Trennung und Auszug, Burn Out) mir von ihr Adressen von TherapeutInnen geben lassen. Schlussendlich entschied ich mich für einen Psychiater, den mir eine Freundin empfahl, sofort angerufen und ebenfalls kurz die Situation erklärt und sofort einen Termin erhalten.
-
22.08.2007, 13:55Inaktiver User
AW: Einsam und Traurig
@amelie,
schau mal hier ob du was findest
-
22.08.2007, 15:40
AW: Einsam und Traurig
Hallo Hilly
Danke für Deine Antwort. Es ist ein kleiner Trost zu wissen, dass man mit solchen Gedanken nicht alleine ist und es doch noch jemanden kümmert, wie es einem geht :o) Nachdem ich gestern den Eintrag geschrieben haben, ging es mir eigentlich "recht" gut. Doch gegen Abend bekam ich so einen Heulkrampf und ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Die totale Trauer und Panik brach aus. Jetzt im Geschäft ist es ein auf und ab. Die Tränen laufen immer wieder, der grosse Stein auf meiner Brust drückt und drückt. Im Hinterkopf habe ich die Hoffnung, dass er seine Krise überwindet. Die Zeit werde ich ihm geben. Kann ja auch nichts anderes machen. Er sagte ja, er wisse nicht ob er nicht einen grossen Fehler macht. Er plant auch ständig mit mir. Was wir alles noch machen könnten, will mich mitnehmen auf die Geschäftsreise in zwei Wochen, haben es weder unseren Eltern noch Freunden erzählt dass wir getrennt sind, machen wird dann alles später mal, auch mit meinem Umzug eilt es nicht, er redet immer davon dass ich nicht einfach eine Wohnung nehmen soll und "wir" werden irgendwann im Oktober so richtig danach suchen etc.
Schlimmer kann es ja nicht werden. Wie Du gesagt hast, mache ich für mich jetzt daraus eine Probe auf Zeit und sollte er auch später noch denken, er ist ohne mich besser dran, kann ich immer noch traurig sein :o(
Irgendwie geht es ja immer weiter.


Zitieren
