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    AW: Was antworten? Wie reagieren?

    Nachdem ich mich hier lang und breit über meinen Ex ausgelassen habe, war ich zunächst ziemlich erschöpft. Und dann fing die eigentliche Denkarbeit an. Es hat sich einiges bei mir getan. Nein, Kontakt habe ich nach wie vor NICHT mit dem Ex!

    Nach und nach habe ich es zugelassen, MICH mal anzugucken. Und was da dabei rausgekommen, hat mich viele, viele Tränen gekostet. Natürlich hat es ganz viel mit meiner Kindheit zu tun. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich eine prügelnde/knuddelnde Mutter hatte. Ich habe in meiner Beziehung zu meinem Ex unfassbar viele Parallelen zu meiner Kindheit entdeckt.

    Wenn meine Mutter mich verprügelt und in mein Zimmer verbannt hatte, ließ sie mich erst mal schmoren. Ich habe geheult und mich verkrochen und wusste oft nicht, was ich eigentlich ausgefressen hatte. Irgendwann bin ich dann wieder angekrochen gekommen und habe sie gefragt, ob sie mir noch böse ist und mich noch liebhat. Sie hat mich dann entweder abgewiesen, was die Qual verlängert hat, oder sie hat mich in den Arm genommen und alles war gut. Ich hab mich dann an sie gekuschelt und war einfach nur froh, dass sie mich wieder liebhat. Als ich älter wurde, hab ich dann versucht, mich gegen die Prügel und verbalen Verletzungen zu wehren. Das hat es nur noch schlimmer gemacht. Sie drohte mir dann damit, dass sie mich weggeben würde. Davor hatte ich höllische Angst. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als das alles auszuhalten… immer in der Hoffnung, dass, je mehr ich aushalte und runterschlucke, sie eines Tages feststellt, dass ich ein tolles, tapferes Mädchen bin und sie mich dafür liebt. Ich dachte immer, am Ende winkt die Liebe als Belohnung.

    Genauso lief es in der Beziehung zu meinem Ex ab! Das kann meiner Meinung nach nur der Grund gewesen sein, warum ich das alles mitgemacht habe…

    Und dann bin ich in meinem Gedankenkarussell vom Hundertsten ins Tausendste gekommen. Das traf mich alles so mit Wucht… Ich habe mir angeguckt, was mir von meinen Eltern hinsichtlich Beziehung zwischen Mann und Frau vorgelebt wurde. Mein Vater war aufgrund seines Berufes meistens abwesend. Genau wie mein Ex! Und meine Mutter hat ein Doppelleben geführt. Das heißt, sie hatte ständig irgendwelche Liebhaber. Und diese Liebhaber waren durchweg alles „tolle Männer“!! Als ich alt genug war, hat sie mich ins Vertrauen gezogen und nicht Details gespart und ausführlich darüber berichtet, wie toll die Männer waren. Das waren alles Männer, die irgendwas dargestellt haben. Was, ist im Prinzip egal, Hauptsache war, dass sie toll waren. Ich hatte damals als Kind schon das Gefühl, dass, wenn sich so ein „toller“ Mensch mit einem abgibt, man doch auch irgendwie toll sein muss. Da kam von meiner Mutter immer sowas rüber, was mir das vermittelt hat. Sie war immer so stolz darauf, dass sie mit diesen Männern zusammen war.

    Grundsätzlich war es auch wichtig, dass man sich mit tollen Menschen umgibt. Meine Freunde und Freundinnen wurden von ihr immer auf Herz und Nieren geprüft. Wichtig war immer, wer ist das, woher kommen die, was machen die Eltern. Und wenn das alles passte, konnte man sich damit schmücken, dass das Kind Umgang mit Herrn und Frau Dr. soundso hatte... dann war man wer. Ich hatte auch da manchmal das Gefühl, dass ich meine Mutter damit glücklich machen konnte, wenn ich den richtigen Umgang hatte. Ob ICH damit glücklich war und Freunde aus „einfachen“ Verhältnissen für mich viel wertvoller waren, interessierte nicht. Deswegen habe ich auch oft manche Freunde „untern Tisch fallen lassen“, sprich, die waren nie bei uns zu Hause.

    Ich bin mit all dem ziemlich überfordert. Das liegt so klar vor mir und ich wundere mich darüber, dass ich das alles nicht schon viel früher gesehen habe. Dass in meiner Kindheit viel schief gelaufen ist, war klar. Logisch, ich war ja dabei. Aber wie die Zusammenhänge sind oder sein könnten… da war ich wie vernagelt. Ich habe das immer alles für normal gehalten. Gleichzeitig habe ich aber auch immer, Zeit meines Lebens, einen heimlichen Groll, Zorn, Wut, teilweise Hass und Aggressionen in mir gespürt. Und ich wusste nie so richtig woher das kommt.

    Und jetzt steh ich da, und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich fühl mich wie ein Mechaniker der ein kaputtes Gerät aufgeschraubt hat und feststellt, dass da ein paar Schrauben fehlen oder locker sind, er aber weder Werkzeug zum Reparieren hat noch Ersatzteile zur Hand hat. Ich weiß, dass ich an einem ganz wichtigen Wendepunkt stehe, weiß aber noch nicht, welche Richtung ich einschlagen soll. Das einzige, was ich für mich weiß und beschlossen habe, ist, dass ich ab jetzt keine Lust mehr habe, „nett“ zu sein. Freundlich…ja. Aber nett sein… auf Gedeih und Verderb? Nein!!

    Ich fühle mich ziemlich schräg, verkorkst und verdreht. Das alles arbeitet in mir und ich musste es einfach loswerden. Ist mal wieder ein Roman geworden…

  2. Inaktiver User

    AW: Was antworten? Wie reagieren?

    Herz-Denkerin, ich habe mir schon mit viel weniger Problemen helfen lassen.
    Ich brauche z. B. jemanden, der mir hilft, nach vorne zu sehen und das Jetzt in einem anderen Licht zu sehen,
    sich von der Vergangenheit nicht das heutige Leben schwermachen zu lassen.
    Ich gehe gerne zur Therapie, nicht mehr ganz so oft, alle vier Wochen reicht mir.
    Meinen jetzigen Zustand hätte ich alleine nicht erreicht, da bin ich ziemlich sicher.
    Gruß Nette1962

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    AW: Was antworten? Wie reagieren?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    sich von der Vergangenheit nicht das heutige Leben schwermachen zu lassen.
    Genau das ist mein Ziel.
    Solange ich noch nicht weiß, wie ich mit allem umgehen soll und meine eigentliche Therapie im Dezember beginnt, fahr ich im Moment mit angezogener Handbremse. Das heißt, ich bin nach wie vor freundlich zu meinen Mitmenschen. Aber.... ich habe einfach keine Lust mehr, egal wen, von mir überzeugen zu wollen. Das habe ich lange genug gemacht und hab mich furchtbar dabei gefühlt. Das merke ich jetzt erst.

    Der Umgang mit anderen Menschen war teilweise sooo anstrengend für mich. Und mit Männern sowieso. Was hab ich mich verbogen... Ich will das alles nicht mehr. Und wenn ich bisher gesagt habe, dass ich das alles nicht mehr will, dann habe ich damit immer die Zukunft gemeint...

    Und auch hier gibt es ein ganz großes "Aaaaaber".... ich kann jetzt und hier damit anfangen! Und zwar mit meinem Ex.

    In meinen jetzigen Zustand habe ich eine ganz große Sehnsucht nach meinem Ex!! Wie kann das sein? Ich habe das Bedürfnis, mich in seine Arme zu kuscheln und mich von ihm halten zu lassen. Das ist doch krank! Und es fällt mir unendlich schwer, ihn nicht sofort zu kontaktieren. Und ich muss mir immer wieder sagen: Tu es nicht! Lass es sein! Lass Zeit vergehen, dann wird es besser.

  4. Inaktiver User

    AW: Was antworten? Wie reagieren?

    Das schaffst Du auch, bis Dezember ist es ja nicht mehr lange.
    Deine Gefühle sind doch nachvollziehbar,
    ich finde, Du weißt schon sehr genau, was Sache ist.

    Die Sehnsucht, na ja, man gewöhnt sich immerhin über kurz oder lang an vieles,
    irgendwann vermisst man auch Schlechtes. das ist mir genauso gegangen,
    ich musste mich auch zurückhalten, kurz nach der Trennung meinen Ex nicht anzurufen.
    Das war aber schnell vorbei.
    Ich habe da auch in einem Strang geschrieben "Co-Abhängigkeit von Angehörigen" im Sucht-Forum.
    Mir hat es geholfen, das Gefühl verstanden zu werden und ich habe für mich sehr hilfreiche Antworten bekommen.
    Vielleicht liest Du dort auch einmal?
    Oder immer wieder mal ein paar Seiten zurückblättern, viele verstehen Dich gut.

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