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Thema: Nichts hilft

  1. User Info Menu

    Nichts hilft

    Liebes Forum,

    es ist wahrscheinlich ein sehr häufiger Grund, aus dem Leute sich in solchen Foren anmelden. Trennungsschmerz zu bekämpfen und ein paar aufmunternde Worte von Außenstehenden hören, die ähnliches erlebt haben. Und auch wenn die Erkenntnis, dass fast jeder Mensch, der schon einmal eine Liebesbeziehung hatte, auch eine Trennung durchlebt hat, tröstet mich in diesen schweren Stunden kein bisschen.

    Wenn ich all die Beiträge lesen von Menschen, die betrogen und belogen wurden, wo Kinder im Spiel sind oder der gehende Partner den anderen furchtbar schlecht behandelt hat; dann denke ich mir: kokostier, andere hat es viel schlimmer getroffen, du wirst es auch überleben.

    Mein Freund hat sich nach einigen Jahren Beziehung, für mich überraschend, von mir getrennt. Ohne Hoffnung auf Heilung. Das Gespräch verlief ganz ruhig. Am Ende ist er mitsamt seinen Sachen aus der gemeinsamen Wohnung gegangen und die Gewissheit, dass er nicht in unsere Wohnung zurück kommen wird, zerreist mir das Herz.

    Ich weiß, dass ich nichts daran ändern kann und dass es endgültg ist. Ich weiß, dass es besser so ist. Ich weiß, dass wir wahrscheinlich in vielen Punkten zu unterschiedlich waren und es deshalb nicht auf Dauer gepasst hätte. Ich weiß auch, dass das Leben weiter geht und ich es überleben werde. Ich weiß, dass ich jetzt nicht aufgeben darf und mich um mich selber kümmern muss. Ich weiß, dass es nichts bringt, nichts zu essen. Ich weiß, dass ich mit Freunden reden muss, um die Dinge zu verarbeiten und nicht allein zu sein.

    Mein Verstand weiß das alles. Und dennoch ist der Schmerz so unfassbar groß, dass es einfach nicht auszuhalten ist. Es fühlt sich an, als würde man am offenen Herzen operiert ohne Narkose. Als würde man um seinen eigenen Tod trauern und seiner eigenen Beerdigung zusehen. Als bricht einfach alles wie ein Kartenhaus über einem zusammen. Sein ganzes Leben mit all seinen schönen Momenten, den Zukunftsplänen und Wünschen. Nichts davon ist mehr übrig. Das alles ist noch so viel schwerer zu ertragen, weil es mir bis zum letzten Tag gut ging und ich jeden Tag glücklich war, in unser gemeinsames Zuhaus zu kommen.

    Ich hatte gehofft, dass es helfen wird, die Gedanken von der Seele zu schreiben. Freunden kann man ja doch nicht alles so sagen, wie es einem im Kopf vorgeht. Jetzt bin ich fertig mit dem ersten Text und es hat kein bisschen geholfen. Ich muss einfach weiter weinen und kann nicht damit aufhören.

    kokostier

  2. Inaktiver User

    AW: Nichts hilft

    ich habe den eindruck- du erwartest zuviel von dir und deinem umfeld.

    trauere,heule bis keine tränen mehr kommen, lasse den schmerz zu-



    irgendwann lässt der schmerz nach- weil du eben keine tränen mehr hast, müde bist, hungrig bist, dir tatsächlich andere gedanken kommen.

    und bis dahin- trauere! nimm dir diese zeit.

    die instant-lösung gibts nur bei tee und kaffee- aber nicht bei gefühlen.

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    AW: Nichts hilft

    Hallo brighid,

    Danke für deine Antwort.

    Ich erwarte eigentlich gar nichts. Aber ich beobachte, dass andere Leute weit besser mit solchen Situationen umgehen können. Allen voran Mein Ex-Partner selbst. Ich kann es nicht. Ich habe auch gedacht, dass es irgendwann aufhört, weil keine Tränen mehr da sind. Aber der Punkt kommt einfach nicht. Ich weine und weine, ich schreie, aber es passiert nichts. Nicht der Hauch von Erleichterung.

    Der Schmerz ist so unglaublich gewaltig groß, dass er unüberwindbar scheint. Er nimmt mich vollkommen ein und ich kann mich nicht davon befreien. Das ist wahrscheinlich für die meisten hier nichts neues. Aber ich kannte dieses Gefühl so vorher noch nicht. Hinzu kommt die riesige Angst vor dem Alleinsein, jetzt und in Zukunft. Es ist unerträglich.

  4. gesperrt

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    AW: Nichts hilft

    Auch ich kenne nur den Weg, den Schmerz zuzulassen, bis es besser wird.

    Irgendwann ist man müde, zu leiden, und langweilt sich daran, immer wieder über das Gleiche nachzudenken. Dann geht es aufwärts. Bis dahin ist es aber wichtig, alles rauszulassen. Weinen, schreiben, spazieren, unter die Decke verkriechen, mit guten Freunden reden.

    Und zwischendurch ein bisschen Ablenkung suchen, auch wenn Dir gar nicht danach sein mag. Zum Beispiel sich für einen Kurs anmelden, Wohnung ummöblieren, neues Hobby suchen, solche Sachen. Auch wenn einem eigentlich die Energie fehlt, tut es doch langfristig gut.

    Ich kann mich erinnern, hier im Forum irgendwo mal gelesen zu haben, dass eine userin schrieb, im Nachhinein sei eigentlich jeder Trennungsschmerz überbewertet gewesen. Wenn ich auf meine Trennungen zurückblicke, dann empfinde ich das auch so. Was einst ganz gross und schmerzhaft war, verblasst und ist irgendwann nur noch eine Anekdote in Deinem Leben, die Du in einer Minute zusammenfassen wirst.

    Bis dahin: Alles Gute Dir!

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    AW: Nichts hilft

    Liebe kokostier (hübscher Nick ),

    ich kann Dich gut verstehen, Deine Gefühle, die Trauer und den Schmerz.
    Das ist alles sehr normal und es wäre eigenartig, nach einer langen Beziehung
    nicht so oder so ähnlich zu empfinden.


    Zitat Zitat von kokostier Beitrag anzeigen
    Das alles ist noch so viel schwerer zu ertragen, weil es mir bis zum letzten Tag gut ging und ich jeden Tag glücklich war, in unser gemeinsames Zuhaus zu kommen.
    Lasse ein bisschen mehr Zeit vergehen - und dann setze mal bei dem oben
    Zitierten an. Vielleicht hast Du die Zeichen übersehen, übersehen wollen?
    So wirklich ganz aus heiterem Himmel entscheidet sich selten jemand für eine
    Trennung.

    Gut möglich, dass sich im Rückblick das eine oder andere Verhalten Deines
    Partners anders darstellt und Dir zumindest im Nachhinein Erklärungsansätze liefert.

  6. Inaktiver User

    AW: Nichts hilft

    Der Verstand wird dir da jetzt gerade wenig helfen. Nur die Zeit. Ja, sei traurig. Du wirst es nicht ändern können, als da durch zu müssen.
    Vielleicht hilft es dir, die Knackpunkte eurer Beziehung hervorzuholen, nicht die schönen Momente. Daran denken, wie du auch in der Beziehung gelitten hast. Manchmal unglücklich warst. Es dir nicht gut getan hat.

  7. Inaktiver User

    AW: Nichts hilft

    Liebe Kokostier,
    wann war denn die Trennung?

  8. User Info Menu

    AW: Nichts hilft

    Liebes Kokostier, ich kann dich sehr gut verstehen!

    Eine Trennung fällt nie leicht und dann gibt es natürlich noch Menschen, die sich besonders schwer lösen können und deren Leid schon krankheitswert hat. Oft wird das von der Umgebung nicht verstanden und selbst guten Freunden "reicht" es irgendwann und sie finden, man müsse wieder aus der Trauer herausfinden. Rationell betrachtet, stimmt das ja auch. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich habe festgestellt, dass das Lösen an sich ein Problem ist und das Ohnmachtsgefühl dabei. Beziehungen habe ich lange vermieden, weil mir das mögliche Ende schon gedanklich schwerfiel. Selbstschutz. Später hatte ich Freunde, die mich nie verlassen hätten... auch Selbstschutz. Ich kenne die Ursache und mache was dagegen, der Schmerz bleibt trotzdem unerträglich. Aber, er ist auch immer wieder gegangen. Es ist wie bei einer Depression, unvorstellbar, dass sie wieder vergeht, aber irgendwann war es einfach so. Der Tag wieder heller, das Lebensgefühl wieder ein ganz anderes. Nimm den Schmerz jetzt an und gehe hindurch. Darf ich noch fragen, wie alt du bist?

  9. User Info Menu

    AW: Nichts hilft

    Ihr Lieben,

    ich danke euch für eure Antworten. Ich habe mir auch die 1. Hilfe-Liste für Trennungssituationen durchgelesen. Tatsächlich kannich davon gerade nichts. Außer weinen. Einfach nur weinen und schreien, mehr geht gerade nicht.

    Dabei müsste ich so viele Dinge erledigen, die wichtig sind: Eine neue Wohnung suchen, zur Arbeit gehen (habe mir ein paar Tage Urlaub genommen), Dinge regeln.

    @Lialey: Die Trennung ist erst ein paar Tage her. Ich weiß, dass das noch sehr früh ist. Der Schmerz und die Gedanken sind so unerträglich und unüberwindbar groß. Dazu die verzweifelten Blicke auf das Handy, ob nicht doch jemand an mich denkt. Nichts. Dafür seine Fragen, wie er mir helfen kann. Ich könnte kotzen. Würde das auch gern, aber im Moment ist nichts drin, was raus könnte.

    Ich denke auch an die Situationen, wo ich unglücklich war. Ja die gab es und mein Kopf weiß, dass die Trennung das beste ist. Es macht es aber leider kein Stück erträglicher.

    kokostier

  10. User Info Menu

    AW: Nichts hilft

    Liebe madeleine,

    vielen Dank! Genau das ist es auch, wovor ich so riesige Angst habe:

    "und dann gibt es natürlich noch Menschen, die sich besonders schwer lösen können und deren Leid schon krankheitswert hat. Oft wird das von der Umgebung nicht verstanden und selbst guten Freunden "reicht" es irgendwann und sie finden, man müsse wieder aus der Trauer herausfinden."

    Ich bin so ein Mensch. Ich habe nie einen Menschen an mich rangelassen, immer aus Angst, wieder enttäuscht zu werden. Er war der erste,der es geschafft hat, dass ich diese Angst nicht mehr hatte. Ich habe es bei ihm einfach zugelassen,ohne irgendwelche Ängste. Und jetzt erlebe ich mit ihm das erste mal den richtigen echten Trennungsschmerz nach einer Beziehung, in der er alles für mich war. Es ist ein ganzes Konstrukt, das da zusammen bricht. Wenn man alles zusammen gemacht hat und sein Leben zusammen mit dieser Person geplant hat. Ich habe gedacht, wir seien die Zukunft.

    Ich habe bereits eine Depression hinter mir, das macht alles noch viel schwieriger. Ich habe solche Angst, da wieder rein zu fallen, dass es mir alles zuschnürt.

    Ich bin Ende zwanzig und fühle mich aber gerade wie ein kleines Kind. Klein, verletzlich und hilflos.

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