Der Rückschluss auf den Glauben ist verbreitet, aber definitiv falsch, wie man aus den vergleichenden Sozialwissenschaften weiß. Zwar gibt es anscheinend keine Datenbasis für Scheidungen mit Konfessionsangabe, aber:
QuelleAllerdings gibt es in ihrem Arbeitspapier eine Grafik, in der man sich auf die Aggregatebene Bundesländer begeben kann und schaut, welche Bundesländer katholische Mehrheiten haben und wie hoch bei ihnen die Scheidungsquote ist. Das Ergebnis widerspricht der Anfangshypothese, da der ‚Spitzenreiter‘ bei Scheidungen das Bundesland Rheinland-Pfalz ist (45 Prozent der Bevölkerung sind katholisch, 31 Prozent evangelisch). Platz 3 und 4 werden ebenfalls von Bundesländer eingenommen, die katholische Mehrheiten haben: das Saarland (64 Prozent Katholiken, 20 Prozent Evangelische) und Nordrhein-Westfalen (40 und 30). Bayern und Baden-Württemberg bewegen sich im Mittelfeld und die geringsten Scheidungen je 10.000 Ehen finden in allen östlichen Bundesländern statt – dort, wo nur eine Minderheit von Katholiken wie auch Evangelischen lebt.
Was ich mir aber gut vorstellen kann, weil auch selbst schon so erlebt, dass Menschen ihren Glauben als Grund dafür vorschieben, warum sie sich nicht scheiden lassen wollen. Ist so schön unangreifbar. Zu sagen „nö, dann hätte ich ja einen schlechteren Lebensstandard / keinen mehr, der mich versorgt / wasauchimmer wäre ehrlich, aber auch unsympathisch(er).
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12.01.2018, 12:46Inaktiver User
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
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12.01.2018, 13:58
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
was will man dazu sagen, außer sie werden schon wissen warum sie so leben . Es spielt absolut keine Geige wie wir das finden. Es sind nicht unsere Schuhe in denen sie laufen. Man kann ihnen nur helfen wenn es ausdrücklich wünschen und auch selber tätig werden .
Nimm Dir Zeit für Dinge, die Dich glücklich machen.
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12.01.2018, 15:42Inaktiver User
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Was soll man dazu sagen? Es gibt ja genau so viele Männer, die aus Bequemlichkeit in unbefriedigenden Beziehungen ohne Sex und Nähe blieben.
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12.01.2018, 20:31Inaktiver User
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Wer richtet darüber, wie Menschen ihr Leben führen, wenn sie niemanden dadurch beeinträchtigen?
Wer entscheidet, wer sich wann weshalb zu trennen hat?
Was mir absurd vorkommt, habe ich nur nicht verstanden.
Einzig relevant ist für mich die Wahlfreiheit, die heute mehr denn je gegeben ist.
Ich bin die letzte, die sich da über andere drüberstellt und finde es im Forum einstweilen oft mehr als unangenehm, wie sehr andere Lebensstile abgewertet werden.
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13.01.2018, 08:29
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Das geht mir auch so. Ich bin mehr als unangenehm berührt und ziemlich erschrocken darüber, mit welcher Vehemenz und Selbstverständlichkeit die Menschen bewertet und gerichtet werden.
Ein wertvoller Spiegel für mich als Ermahnung für mich selbst zur Toleranz und Wertschätzung aller Menschen.
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13.01.2018, 08:52Inaktiver User
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Wer wird denn "gerichtet" - mit welcher Strafe denn?

Man kann ja eine Meinung zu etwas haben, das steht ja wohl jedem zu. Oft genug hat man guten Einblick, weil mindestens einer von beiden detailliert schildert wie das so läuft, hier zum Beispiel.
Ich kann jetzt nicht nachvollziehen wieso es einen "mehr als unangenehm berühren" sollte, wenn man lieblose Beziehungen ohne jeden Respekt nicht gutheißt.
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13.01.2018, 09:18
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Guten Morgen, hilfskonstruktion,
Deine Signatur gefällt mir sehr - Rilke ist definitiv einer meiner Lieblingsdichter - und im Sinne dieses Zitats war mein Post in etwa gemeint.
Denn nach meinem Verständnis bezieht sich das 'Liebhaben' nicht nur auf die Menschen (und deren Standpunkte), die meinen ähneln oder mit denen ich konform gehe.
Liebe Grüße, aurora
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13.01.2018, 09:39
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Hab hin und her überlegt, ob ich das hier schreibe. Wenn es also ums verstehen geht:
Es ist wohl ein sehr häufiges Phänomen, von dem auch ich mich, trotz meiner eigenen Erfahrung, nicht gänzlich freisprechen kann. Ernsthaft zu glauben, man wüsste, wie man in Situation A, B oder XYZ reagieren würde.
Und ich bin sicher nicht christlich/religiös geprägt. Ich wusste es einfach nicht besser, hab es wirklich erst sehr spät durchschaut.
Als ich meinen Mann kennlernte, war ich 20, er 40. Er war kein Deutscher. Westeuropäer zwar, aber im Ostblock aufgewachsen. Er hatte hier, außer mir, meiner Familie und später den Kindern, niemanden. Ich war das glücklichste Mädchen auf Erden, er war mein Held. Er hatte ausgerechnet MICH ausgesucht. Er wollte wirklich nur mich. „Fürsorglich“ und präsent. Daran hat sich auch nie etwas geändert. Das totale Gegenteil meines Vaters. Aber der Preis dafür war hoch.
Heirat, eigene Firma, 3 Kinder. Nach außen: alles Bestens. Beliebt bei Kunden und Kollegen, toller Vater, kein Alkohol, fleißig, machte die Hälfte vom Haushalt, damit ich mich um Kinder, Büro-und Behördenkram kümmern konnte. Er konnte sich unglaublich gut darstellen. Finanziell kamen wir einigermaßen gut im Alltag zurecht, an Vorsorge haben weder er noch ich gedacht.
Und ich spielte meine Rolle. Warum? Weil die Kontrolle, der Psychoterror, die Nötigungen und Drohungen doch nur mich betrafen. 10 Sachen die toll waren, nur das, was mich betraf schlecht. Hatte ich wirklich das Recht, das alles hinzuwerfen und in Frage zu stellen?
Als es anfing unerträglich zu werden und es auch Außenstehende bemerkten, weil es zunehmend eskalierte und nun auch die Kinder es mitbekamen und besorgt waren, wäre ich endlich bereit gewesen zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich heraus, dass er einen inoperablen Gehirntumor hat. Er brach zusammen, war hilflos, pflege- und betreuungsbedürftig, All seine schlechten Eigenschaften, durch die Erkrankung hundertfach verstärkt.
Verlässt man nach 23 Jahren einen schwerkranken Mann, der niemanden hat? Die Kinder gingen alle noch zur Schule, wir hatten keine Absicherung, alleine konnte ich die Firma nicht weiterführen.
Durch Medikamente wurde er dann im Laufe der Zeit allerdings etwas friedlicher. Selbst im Umgang mit mir. Das letzte Jahr, bevor er 4 Jahre später starb, könnte man als versöhnlich bezeichnen.
Aber er hatte noch lange nach seinem Tod großen Einfluss auf mein Erleben und Handeln. Eine unsichtbare Macht.
Und das Schlimmste ist: All die Kontrolle, der Psychoterror, die Nötigungen und Drohungen wären gar nicht nötig gewesen. Ich hätte von Beginn an ja freiwillig alles für ihn und niemals etwas gegen seine Interessen und Wünsche getan. Weil ich ja dachte, dass er alles richtig macht und ich ihn liebe.
Es war keine Frage des Wollens …'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
— Oscar Wilde —
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13.01.2018, 09:49Inaktiver User
AW: Outtake: Wenn Frauen sich nicht trennen wollen /Geschichtenstrang
Da sind wir uns einig.
Ich hab hier aber ein ganz anderes Szenario vor Augen: wer in einer unguten Beziehung steckt gewöhnt sich oft an die miese Behandlung, und verliert jeden gesunden Maßstab. Wenn so jemand also nach einer Einschätzung fragt, und man ihm dann aufzeigt, für wie schlimm man das hält - dann verurteilt man meiner Meinung nach nicht den Menschen. Man beurteilt die Situation, und da helfen klare Worte oft, sich zu orientieren.
Und dass es ganz pauschal gesprochen niemand guttut in einer lieblosen Beziehung zu verharren, ich finde, das kann man schon auch vertreten.
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13.01.2018, 09:59


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