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  1. Registriert seit
    08.10.2017
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    Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Hallo liebe Alle.

    Ich bin neu hier, habe schon viel gelesen und nach einem Thema über Asperger gesucht, aber nichts gefunden.

    Ich habe mich vor kurzem nach 4,5 Jahren von meinem Verlobten getrennt, der Asperger hat.
    Ich habe mich sofort in ihn verliebt, als wir uns kennenlernten und alles schien perfekt. Vor allem haben mich zu Beginn seine "Andersartigkeit" und sein Blick auf die Welt fasziniert, ich war völlig davon begeistert. Ich bin Künstlerin, eher gefühlvoll und emotional berührbar- er war in meinen Augen eher etwas trockener, weniger begeisterungsfähig, aber dafür in seinen Ansichten über die Welt sehr reflektiert und faszinierend gebildet. Immer wieder hat er sehr stark in seine Karriere investiert- das hat mich zu Beginn nicht gestört.
    Irgendwann kamen jedoch erste emotionale Turbulenzen, als ich merkte, dass sein emotionales Bei-mir-sein wenig Facetten beinhaltet, z.B. konnte er bei Traurigkeit meinerseits eigentlich kaum Trost spenden, sondern hatte irgendwann einmal mitbekommen, als ich sagte: "Könntest du mich wenigstens mal umarmen?", als ich traurig war. Von diesem Tag an kam er bei jedem ähnlichen Anlass und hat mich stereotyp und stumm umarmt, wenn ich traurig war.
    Für mich war das oft ein Rätsel, manchmal kam es mir so irritierend vor, dass ich dachte, er wolle mich auf den Arm nehmen...

    Lange Rede, kurzer Sinn... ich bin während der Beziehung auf immer weitere "Lücken" gestoßen, die hauptsächlich im zwischenmenschlichen Kontakt passiert sind und die ich oft nicht einordnen konnte. Ihm waren Zusammenhänge oder gängige Verhaltensweisen oft nicht bekannt. ( Ich muss dazu sagen, dass er mit seinen Mitte 40, sehr attraktivem Äußeren und noch dazu in einer sehr erfolgreichen beruflichen Position war und zwar regelmäßig, aber kaum eine mehrjährige Beziehung in seinem Leben geführt hatte, was mich zu Beginn auch sehr irritierte...)
    Seine Wahrnehmung glich nicht meiner und ich bin irgendwann daran verzweifelt, dass er sich immer wieder mit Aktivitäten beschäftigte statt sich z.B. mal mit mir hinzusetzen und einfach zu reden, was so los ist und wie es ihm so geht etc. Von seiner Seite aus gab es niemals irgendein emotionales Teilen- wollen, das er mit mir besprochen hätte, was mich oft irgendwie verletzte. Er wollte am Liebsten dauernd Unternehmungen machen, wie Radfahren, Schifahren, Sport etc. aber es ging dann immer um die Aktivität und nicht um unsere Beziehung ( schwer zu erklären, vielleicht kennt das jemand? )
    Generell habe ich natürlich gegen Aktivitäten nichts, aber es ging rein darum, etwas zu tun.

    ... wir haben Paartherapie gemacht, weil ich immer mehr depressiv wurde, aber auch dort kamen diese Lücken nicht gänzlich zum Vorschein... ich habe immer wieder gedacht, meine Wahrnehmung sei falsch... ich wollte ihm nicht irgendetwas "aufdrücken", ihn retten oder etwas an ihm verändern. Aber es hat mich kirre gemacht, nicht zu verstehen, warum er so wenig dafür gab, sich mit mir und Menschen (innerlich) auseinanderzusetzen und gleichzeitig zu hören, dass er mich über alles liebt.
    Oft interpretierte er das Verhalten anderer auf so eine "bizarre" Art, die eher analytisch, berechnend war, als "nachgespürt".

    Seine Liebe habe ich oft nicht gespürt, sondern an tausend wunderschönen Gesten beobachtet (z.B. wenn er in seiner Wohnung meine Kleidung in seinen Schrank einsortiert hatte, meinen Schmuck nach Farben ordnete, mir morgens meinen Lieblingskaffee hinstellte und extra einen Riesenaufwand machte, um mir eine bestimmte Briefmarke zu besorgen etc... ) . Es war oft süß und manchmal eben diese seltsame Irritation in mir, weil ich dann wieder das Gefühl hatte, er sei froh, wenn er wieder alleine sein dürfe oder sich mit Schach, Mathematik oder Wissenschaft beschäftigen durfte.

    Ich liebe ihn nach wie vor sehr... aber ich habe sehr gelitten in der Beziehung. Zuletzt war es so, dass auch er anfing zu leiden, weil er merkte, dass er nicht so reagiert wie andere Menschen. Bekannte und Freunde, die er seit Jahren hat, haben ihm auf Nachfrage ähnliche Rückmeldung gegeben wie ich das in unserer Beziehung getan hatte.
    Als ich einmal seine Freunde fragte, ob sie mein Leid verstehen könnten, dass ich nicht "an ihn herankäme", er sich trotz seiner Liebe zu mir, oft mehr für Dinge etc. interessiere, dass er oft hilflos sei, wenn ich Gefühle zeige etc. gaben sie mir eindeutig zu verstehen, dass sie verständen, dass es sehr wehtue an seiner Seite.
    Einerseits war ich dadurch entlastet, andererseits war es ja nie meine Ziel, ihn zu verändern, sondern zu verstehen, wie denn eine Beziehung dann mit ihm gehen konnte, sodass auch ich "mehr" von ihm kriegen würde.

    Immer wenn ich ihm versuchte zu erklären, dass ich "mehr bräuchte", war er verzweifelt und hilflos. Irgendwann las er ein Buch über Asperger ( er selbst ist Arzt und kennt sich eigentlich mit den Störungsbildern aus)... und erkannte sich in all dem wieder. In seiner Sonderrolle und seiner anderen Wahrnehmung, erzählte mir auch davon, dass er nie Teil einer Gruppe gewesen sei, weil er das "unsichtbare zwischen den Zeilen" nie verstanden hätte. Ich habe sein Leid gespürt und seine gleichzeitige Hilflosigkeit.

    Wir haben uns vor einiger Zeit getrennt, nachdem er sich dafür entscheid, noch ein Studium neben seiner 40- Stunden- Woche zu beginnen ( wir haben eine WE- Beziehung seit einigen Monaten und würden uns dann nur noch 2 Tage im Monat sehen). Als ich dann völlig wütend wurde und ihm erklärte, dass das so nicht ginge.... wir wollten Kinder und Zukunft.... da war er völlig irritert.
    Ich habe ihm lange erklären müssen, dass mir 2 Tage im Monat Beziehung zu wenig seien. Vor allem unter diesen Umständen, wo ich sowieso aufgrund der Umstände zurückstecken musste.
    Er hat sich dennoch für sein berufsbegleitendes Studium in einer anderen Stadt entschieden. Er wohnt mehrere Stunden von mir entfernt.

    Es ist schlimm für mich und tut sehr weh. Ich liebe ihn und konnte trotzdem diese Belastungen irgendwie nicht aushalten. Oft hatte ich das Gefühl, an der nötigen Toleranz kaputt zu gehen, weil ich ganz vergaß, auf meine Bedürfnisse zu achten.
    Dennoch ist es eine pure Qual... es ist wie: ich will, aber ich kann nicht mit ihm zusammen sein.
    Seit unserer Trennung haben wir keinen Kontakt mehr. Ich male mir dauernd aus, dass er einfach seine Sachen macht und nicht leidet, weil ich das oft von außen so empfunden habe. Das hat mich während unserer Beziehung fast zum Überschwappen gebracht, wenn ich neben ihm wie ein Hund litt und er weiter seinen Aktivitäten nachging und davon erst bemerkte, wenn ich es ihm erklärte.
    Bevor ich wusste, dass es autistisch ist, habe ich manchmal gedacht, er sei ein riesiger A***, weil es sich so fies angefühlt hat.
    Und genau das ist mein Problem: auf "normale" Männer, die in einer Beziehung Mist machen, der wehtut, konnte ich immer wütend sein und mich davon abgrenzen nach einer Trennung.
    In diesem Fall ist da einfach immer nur diese riesige Liebe für ihn, diese Sehnsucht nach der Beständigkeit und seiner Treue, aber auch seiner Andersartigkeit (die auch wunderschön war).
    Ich komme einfach nicht klar... es ist so megatraurig für mich und ich bin immer wieder zutiefst ambivalent.

    Kennt irgendjemand diese Schwierigkeit, kann mir jemand vielleicht mit Anregungen helfen...?

    Es ist schwer, jemanden loszulassen, der einfach so anders tickt. Den ich liebe und der mich liebt.
    Meine Depressionen der letzten Jahre haben aber (das sagen zumindest die Menschen, die mich beobachtet haben) .. gezeigt, dass es ein sehr hoher Preis ist ...

    Dankbar für jede Zeile eurer Erfahrungen....

    Liebe Grüße,
    immerdar
    Geändert von immerdar (08.10.2017 um 15:59 Uhr)

  2. Avatar von bienie
    Registriert seit
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    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Hallo immerdar,

    ich habe diesbezüglich zwar keine Erfahrung, aber eines sollte Dir bewusst sein: Er wird Dir niemals das sein können, was Dir fehlt. Es gibt nur die Option, das zu akzeptieren und die Lücken in Deinem Leben mit etwas anderem zu füllen oder - so wie Du es getan hast - die Trennung zu vollziehen.

    Trotz Wissen um seine Persönlichkeitsstörung hast Du vermutlich immer wieder erwartet, es würde sich etwas ändern. Er kann es aber nicht. Vergleiche ihn nicht mit einem Menschen, dem Du egal bist. Es muss auch für ihn sehr anstrengend gewesen sein, Deine Wünsche wahr zu nehmen und sich anpassen zu wollen. Du hast selbst geschrieben, dass auch er gelitten hat.
    Das Zusammenleben ist schwierig und kann durchaus Depressionen hervor rufen. Du wünschst Dir ein anderes Leben und dann gibt es im Grunde nur die Möglichkeit der Trennung.

    Gehe in Dich und stehe zu dem, was Du wirklich vom Leben willst. Wie Du Dir eine echte Beziehung vor stellst. Du würdest auch mit Kindern Dich immer alleine fühlen. Ist es wirklich noch Liebe, die Du spürst? Oder ist es einfach die Trauer um etwas, das Du mit ihm nicht bekommen wirst?

    Gruß Bienie
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica"

  3. Inaktiver User

    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Liebe immerdar...

    Tja, schwierig, wie jede Trennung. Irgendwie scheinst du dir ja das komplette Gegenteil zu dir selbst rausgesucht zu haben. Du die Künstlerin mit Depressionen und Gefühlsschwankungen und Emotionen bis zum dorthinaus - und er, der Autist, dem erklärt werden muss, dass jemand, der weint, in den Arm genommen werden will. Yin & Yang...? Oder aber Feuer und Wasser? Das letzte Bild scheint mir besser zu passen. Jemand, der affektiv schwankend ist in solche Extremrichtungen, der ist einfach nicht gut aufgehoben bei jemandem, der Gemütsregungen wie ein Roboter hat. Sorry to say. Die Zeit hilft beim Heilen. Versprochen. Hast du therapeutische Unterstützung?


  4. Registriert seit
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    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Hallo ihr Beiden...

    danke für Eure Antworten.

    Ja... es ist vermutlich der Kummer über das, was nicht sein konnte mit dieser gleichzeitigen Hilflosigkeit, weil ich weiß, dass wir uns Beide lieber was abhacken würden als uns zu trennen und es jetzt trotzdem tun müssen. (bei mir fehlt noch das "wollen"... wie kommt man vom Müssen ins Wollen? )

    Ja, ich habe versucht die Lücken zu füllen, die er nicht erfüllen konnte. Leider fallen mir all diese Szenen immer wieder einfach nicht mehr ein. Im Moment leide ich an Idealisierung und falle viel schneller in die Sehnsucht, als in einen Willen, so eine Beziehung nicht mehr haben zu wollen.

    Trotz der Unfähigkeit, die Gefühle anderer zu lesen, war er eben ein außergewöhnlicher Mensch. Ich habe vor allem seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geliebt, aber auch das Gefühl, ganz sicher gebunden zu sein.
    Bei ihm gab es kein Spielchen oder absichtlich hängen- lassen.
    Als wir uns trennten sagte er, ich sei seine große Liebe und er würde alles geben, um das irgendwie besser hinzukriegen. Das bringt mich immer wieder zum Heulen...

    Was ich denke ich nicht bin, ist emotional sehr schwankend. Es stimmt, dass ich in dieser Zeit immer weiter durch die Anstrengung und vor allem die fehlenden Erklärungen (die Diagnose gibt es erst seit Frühjahr) depressiv geworden bin. Als er mir von dem Asperger erzählte, war ich jedoch irgendwie fast erleichtert, weil mein Rätseln ein Ende hatte und auch er dadurch mehr über sich verstehen konnte. ( Er wusste sein Leben lang vorher nicht, warum er so oft bei Menschen nicht gut ankam oder was er falsch gemacht hat und konnte sich vieles nicht erklären im zwischenmenschlichen Bereich).

    Die letzten Monate dachte ich die ganze Zeit, (so hochmütig wie man aus Liebe halt wird), dass wir das schaffen könnten bzw. ich das schaffen kann.
    Manchmal fühlt es sich so an, als wollte ich weiter, weiter, weiterkämpfen und lernen, wie das geht mit ihm eine normale Beziehung zu führen. Meine Freundin hat mich letztens gefragt, ob ich mir denn vorstellen könne, mein Leben komplett und immer nach seinen Schwächen auszurichten bzw. auch Verletzungen einzustecken, die er nicht so meint, die aber dennoch passieren. Und immer wieder bin ich ambivalent, weil es doch meine bisher größte Liebe war.

    Therapeutische Unterstützung habe ich... das tut mir ganz gut. Immerhin habe ich die letzten Wochen versucht mehr zu schreiben, hab mal eine Freundin über das WE besucht, hab Sport gemacht.

    Was mich jedoch weiterhin umtreibt ist das Versorgen all der Wunden, die ich eingesteckt habe und ihn gleichzeitig noch zu lieben... zu wissen, dass er mir immer wieder unabsichtlich sehr wehgetan hat und ihn dennoch nicht verantwortlich machen zu können, weil ich auch soviel Mitgefühl für ihn habe. Das fühlt sich an wie eine Krux.

    Versteht ihr diese Diskrepanz?


    Danke für eure Worte....
    immerdar

  5. Inaktiver User

    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    wie kommt man vom Müssen ins Wollen?
    schwierig. Wer hat die Sache denn beendet? Du? Und warum? Das hab ich nicht wirklich verstanden. Nur, weil er mal weniger Zeit wegen eines neuen Studiums hatte? Der Romantiker in mir würde ja sagen "Wenn es wirklich die grosse Liebe ist, steht man die Zeit miteinander durch und steckt halt selbst mal zurück, damit der andere seine Träume wahr werden lassen kann." Oder kürzer gefasst: "In guten wie in schlechten Zeiten."

  6. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Zitat Zitat von bienie Beitrag anzeigen
    Trotz Wissen um seine Persönlichkeitsstörung hast Du vermutlich immer wieder erwartet, es würde sich etwas ändern
    Just for the record: ein Asperger-Autismus ist keine Persönlichkeitsstörung.

  7. Inaktiver User

    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Just for the record: ein Asperger-Autismus ist keine Persönlichkeitsstörung.


    Ob es sich um einen bestätigten Asperger handelt, habe ich dem Strang bislang allerdings nicht entnehmen können.
    Wenn, dann wohl ein selbst-diagnostizierter... Wobei ich nicht weiss, ob beispielsweise ein Dermatologe solche Diagnosen stellen sollte. Und ein psychiatrisch versierter Kollege wäre wohl kaum erst mit 40 auf so eine Idee gekommen. Also ist - da bin ich ganz deiner Meinung - diese "Diagnose" sehr mit Vorsicht zu geniessen.

  8. Avatar von Horus
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    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Du wirst es jetzt nicht gerne hören buw lesen, aber ... schieb deine Verletzungen nicht auf seine Diagnose bzw sein Asperger-Sein.

    Was ich sagen will: der Mann ist, wie er ist. In den hast du dich verliebt. In genau den, und den liebst du noch immer, sicherlich aus guten Gründen. Zugleich hat er nicht sämtliche deiner Bedürfnisse abgedeckt. Aber ganz ehrlich: das könnte niemand.

    Vielleicht findest du jemanden, der eher deine emotionale, kreative Bedürfnisseite anspricht. Bei dem würde dir aber wahrscheinlich was anderes fehlen. Ein einzelner Mensch KANN nicht alle Bedürfnisse eines anderen abdecken, auch kein (Ehe)Partner.

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  9. Inaktiver User

    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Zitat Zitat von immerdar Beitrag anzeigen
    Was mich jedoch weiterhin umtreibt ist das Versorgen all der Wunden, die ich eingesteckt habe und ihn gleichzeitig noch zu lieben... zu wissen, dass er mir immer wieder unabsichtlich sehr wehgetan hat und ihn dennoch nicht verantwortlich machen zu können, weil ich auch soviel Mitgefühl für ihn habe. Das fühlt sich an wie eine Krux.

    Versteht ihr diese Diskrepanz?
    Hallo immerdar.

    Ja, ich kann das gut nachvollziehen...

    Meine beste Freundin ist Asperger Autistin und es hat lange gedauert, bis ich damit klargekommen bin, wie sie tickt. Wir sind jetzt über 15 Jahre eng bereundet, es war allerdings eine gaaaaannnz laaaange Anbahnung und heute wissen wir beide um unsere Macken/Defizite, ich bin ja auch nicht ohne, das Leben hat auch mich geprägt bzw. meine Eigenarten auch hier und da verstärkt.

    Bei uns klappt diese Beziehung allerdings sehr gut (ich weiß nicht, wie es wäre, wäre es eine Liebesbeziehung, wobei wir mal ganz pragmatisch beide sagten, in dieser Beziehung ist das Wort Liebe durchaus gerechtfertigt, auch wenn die sexuelle Komponente fehlt).

    Wir haben es irgendwie im Laufe der Zeit geschafft, das ganze sehr positiv zu betrachten bzw. wie wir uns eben ergänzen. Auf der einen Seite brilliert sie mit ihrer fachlichen Kompetenz in vielen Themen, was habe ich durch sie dazu gelernt, auch für das tägliche Leben. Auf der anderen Seite profitiert sie von meiner - oft recht ausgeprägten - emotionalen Seite. Sie ruft mich tatsächlich manchmal an und fragt mich, ob ich mal "übersetzen" könnte, kann sie Reaktionen von Mitmenschen oft gar nicht einschätzen.
    Ich wiederum habe akzeptiert, dass sie nicht im Ansatz so ein Nährbedürfnis hat wie ich, aber auch da haben wir jetzt gute Lösungen gefunden, die uns beiden gerecht werden.

    In Sachen Beziehung auf Paarebene evt. auch mit Kindern, kann das sicher eine riesengroße Herausforderung werden. Stelle ich mir schwierig vor, wenn auch nicht unmachbar. Ich musste v.a.D. lernen, dass viele Dinge, die sie sagt/macht mit mir persönlich gar nichts zu tun haben, eher dem Asperger Syndrom zuzuordnen sind. Dafür habe ich eine Zeit gebraucht, heute ist das einfach so und gut ist.

    Ich würde v.a.D. darauf sehen, was das Ganze mit Dir macht(e). Und das ist offenbar nicht so gut, wie es sein sollte. Beziehungen sollen schön sein, bereichernd... Wenn Du immer wieder zurückstecken musst, ist das nicht gegeben und dann kann eine Beziehung auch gesundheitsgefährdend werden.

    Von daher würde ich dieses Kriterium als das höchste nehmen, um diese Entscheidung zu treffen.

    Bei meiner Freundin und mir ist das tatsächlich gut gegangen, wir werden im Winter eine erste längere gemeinsame Reise machen (früher undenkbar), denn auch sie hat viele Dinge gelernt und mittlerweile kennen wir uns so gut, dass wir da auch wirklich Witze drüber machen können, bin ich zu emotional, ist sie "empathielos". Für mich gehört sie zu den wichtigsten Menschen in meinem direkten Umfeld, ich bin sehr froh, dass wir das hinbekommen hatten, es gab auch Zeiten, da hing diese Freundschaft am seidenen Faden.

    Übrigens. Meine Freundin wurde erst im Laufe der Zeit so richtig zugängig, auch für mehr Nähe und öfteres sehen (am Anfang durfte ich sie nicht berühren, heute knutscht sie mich manchmal im Gesicht ab, wenn sie mich emotional drollig findet).
    Das hat viel mit dem Aufbau von Vertrauen und Verständnis zu tun gehabt und viel länger als in "normalen" Freundschaften gedauert.

    Ein netter trostmachender Gruß in den Abend,

    narrare.

  10. Inaktiver User

    AW: Trennung von meinem Asperger. Wer kennt das noch?

    Zitat Zitat von Horus Beitrag anzeigen
    Was ich sagen will: der Mann ist, wie er ist. In den hast du dich verliebt. In genau den, und den liebst du noch immer, sicherlich aus guten Gründen. Zugleich hat er nicht sämtliche deiner Bedürfnisse abgedeckt. Aber ganz ehrlich: das könnte niemand.

    Vielleicht findest du jemanden, der eher deine emotionale, kreative Bedürfnisseite anspricht. Bei dem würde dir aber wahrscheinlich was anderes fehlen. Ein einzelner Mensch KANN nicht alle Bedürfnisse eines anderen abdecken, auch kein (Ehe)Partner.
    richtig. Wer das verstanden hat, kann in meinen Augen wahrhaftig lieben...

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