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  1. Inaktiver User

    Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hallo liebes Forum,

    hat das jemand von euch geschafft? Sich zu lösen, sich zu befreien trotz Verstrickung oder/und Gefühlen?
    Ich kämpfe seit einigen Jahren und bin noch nicht durch. Zu oft werden Wut und Empörung dann doch wieder aufgeweicht, bis ich zum Schluss Mitleid mit ihm habe, weil er unter einem so schlechten Menschen (= mir) leidet. Und das Seltsame ist, er leidet tatsächlich. Aber fängt immer wieder an mit seinen Szenen und Ausfälligkeiten, seinen Beleidigungen und mehr. Wenn ich mich dann wehre, steht plötzlich meine aufgebrachte/ empörte Reaktion im Fokus und er versteht die Welt nicht mehr, warum ich so 'gemein' sein kann...

    Ungute Verstrickung und blöder Kreislauf. Niemand versteht, warum ich noch nicht längst weg bin. Aber wie gesagt, es sind noch Gefühle da (erstaunlich genug). Oder wahrscheinlich eher biochemische Prozesse im Gehirn, eine Art Abhängigkeit, die mich hindert zu gehen.

    Und darum zurück zu meiner Frage: wer hat das schon durch? Gibt es einen Weg da raus?

    Danke fürs Lesen.
    Geändert von Inaktiver User (16.05.2017 um 21:55 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hallo Salisa!

    Ja, ich hab’s durch. Vor etwa 4 Jahren und nach etwa 15 Jahren Beziehung, die meisten davon so, wie Du’s beschreibst.

    Den Weg daraus gab es für mich, als ich zwei Dinge erkannte.

    Zum einen mussten die Demütigungen erst so weit kommen, dass ich den letzten Zipfel meines Selbstwertes zu packen kriegte, und erkannte, dass mein Leben nichts mehr Wert sein würde, wenn ich (aus Mitleid und Verständnis) verharre. Und dass ich einen größeren Wert habe, als mich immer wieder in destruktiven Schleifen an einem Mann verschwende, der einfach nichts ändern wollte (und vermutlich auch nicht konnte).

    Zum anderen konnte ich dann für mich klar erkennen, dass es nicht Liebe war, die mich hielt, sondern Projektion und Sehnsucht (nach den anfänglich besseren Zeiten) – und Co-Abhängigkeit. Ich informierte mich, wie mein Hirnstoffwechsel unter solchen Gegebenheiten funktionierte, und sagte mir, dass da wohl noch andere Synapsen brachliegen müssten, die mir nützlich sein könnten, und die ich doch aktivieren können müsste…

    Das heißt nichts anderes, als dass ich mich aus der Opferhaltung raus begeben habe und aktiv geworden bin. Ab dann funktionierten die Abgrenzung, die ausgesprochene Trennung und das Aufrechterhalten der Trennung sowie die Reaktionen auf weitere schmerzhafte Manipulationen. Ich beherzigte fast alle Tipps zum „Entzug“, und es klappte. Es hat lange gedauert und ging nicht immer steil aufwärts, aber es ging aufwärts, und es fiel zunehmend leichter.

    Während ich mich anfangs bei meinem „Entzug“ noch selbst bang mit Herzklopfen beobachtete, wurde ich nach und nach immer klarer und kälter und fing an, mich darüber zu wundern, dass ich je so unsicher war.

    Heute geht es mir – blendend. Ich weiß nicht, was mein Exmann macht und habe keinerlei Bedürfnis, auch nur das Geringste zu erfahren.

    Angefangen haben meine Gedanken, wie sie Dein Posting widerspiegeln. Deshalb, denke ich, bist Du auf einem guten Weg.
    Viele Grüße vom Limonadenbaum

    "Lass Dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!"
    - Astrid Lindgren -

  3. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Vielen Dank, liebe Limonadenbaum! Genau sowas wollte ich hören :)

    Darf ich fragen, ob dein Ex dich hat kampflos ziehen lassen? Ich vermute mal nicht. Bin fast sicher, dass mein Partner einige Register ziehen wird.

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    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hallo Salisa,

    abgesehen von den Vorfällen, die dann schlussendlich zur Trennung führten, drohte mein Exmann mir verschiedentlich, was alles passieren würde, wenn ich mich trennte. Das nahm ich sehr ernst. Ich habe verschiedene Dinge im Hintergrund geklärt, dazu gehörten:

    - Ich habe mich bei allen möglichen Beratungsstellen beraten lassen, u.a. auch für häusliche Gewalt und bei einer Schuldenberatungsstelle;
    - Ich habe Geld und einige wichtige Unterlagen an die Seite geschafft;
    - Ich habe mich der Hilfe von Verwandten und Freunden versichert, hatte somit immer seelischen Beistand, eine „Fluchtwohnung“ für alle Fälle, und die Möglichkeit, im Fall der Fälle auch Bargeld zu leihen;
    - Ich habe meinen (sehr netten) Chef ins Vertrauen gezogen, hatte also die Erlaubnis für plötzliches Fernbleiben.

    All das habe ich gemacht, weil mir klar war, dass mindestens Stalking passieren würde – was dann u.a. auch eintrat. Zunächst sah es zwar ruhig aus, weil ich noch einige Wochen in der gemeinsamen Wohnung verbringen musste (es war schwierig, eine geeignete Wohnung zu finden). Obwohl mir sehr unwohl dabei war, war es rückblickend betrachtet nicht schlecht, denn meinen Mann nährte die Hoffnung, dass er mich wohl wieder weich kriegen würde. Das verschaffte mir Ruhe für einige Vorbereitungen und die Wohnungssuche.

    Als ich dann wirklich auszog, trafen alle Befürchtungen ein. Ich musste alle Register ziehen, die ich vorbereitet hatte. Nach ca. 6-8 Wochen war der Spuk dann vorbei. Es war keine einfache Zeit, aber um nichts in der Welt hätte es deswegen ein Zurück gegeben.
    Viele Grüße vom Limonadenbaum

    "Lass Dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!"
    - Astrid Lindgren -

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    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und darum zurück zu meiner Frage: wer hat das schon durch? Gibt es einen Weg da raus?

    Danke fürs Lesen.
    Ja, es gibt einen Weg da raus: Du musst die Schnauze so voll haben, dass das mehr wiegt als alle Verstrickungen und alle verbliebenen Gefühle.

    Du sprichst von Abhängigkeit. Darf ich fragen, was du damit meinst? Was ist die Belohnung für die "Sucht" für dich?

  6. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    @ Tante Bluse: Ich meinte emotionale Abhängigkeit. Ansonsten bin ich komplett unabhängig von ihm, wir haben keine gemeinsamen Kinder oder Besitztümer, die mich binden würden.

    Und Abhängigkeit trifft es auch nicht wirklich - eher dass er es raus hat, mich trotz allem immer wieder weichzukochen. An den Punkt zu bringen, wo ich nicht nur bereit bin, trotz aller Kränkungen und fiesen Angriffe weiterzumachen, sondern mich auch noch verantwortlich fühle. Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Zum einen fühle ich mich verantwortlich für sein Leiden, seine Ausbrüche, seine Sauferei - wider besseres Wissen, wohlgemerkt - ich weiß, dass ich entgegen seiner Aussagen nicht 'schuld' bin. Aber etwas in mir 'antwortet' auf derlei Anschuldigungen, anstatt ihm erst den Vogel und dann den Weg zur Tür zu zeigen.

    Ich merke gerade, wie ich etwas Wichtiges kapiere.

  7. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    @ Limonadenbaum: Das mit dem Stalken hätte ich auch so vermutet und könnte ich mir auch in meinem Fall vorstellen. Er hat mir sowieso von Anfang an hinterherspioniert (man kann mir nicht trauen).

    Respekt, wie planvoll und konsequent du das durchgezogen hast!

  8. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hallo Salisa,
    er hat nur soviel Macht über Dich (und Deine Gedanken und Deine Gefühle), wie Du es zulässt.
    Es gibt hier unter "Treue und Lügen in der Liebe" zwei geniale Stränge (Ganz oben unter Literatur, erstes Post von Zitronenfalter "Münchhausen") zu Deiner Situation, die helfen Dir sicher noch viel weiter. Lies Dich da mal rein.

  9. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hilfe in solchen Fällen bietet auch die website

    www.re-empowerment.de

    Schau es dir mal an, vielleicht kannst du damit was anfangen.

  10. Inaktiver User

    AW: Destruktive Beziehung beenden, obwohl noch Gefühle da sind

    Hallo Salisa,
    ich habe die Trennung aus so einer Beziehung vor 5 Monaten vollzogen. Ich bin noch bisschen angeschlagen, aber es geht mir deutlich besser als in der Beziehung!!!! Ich sag mal so: ich lebe wieder!
    Allerdings habe ich auch Jahre gebraucht um mich zu trennen. Das ist keine Schande. Es IST schwierig.
    Man (Frau) wird ja auch extrem manipuliert.
    Du brauchst jemanden, der diese Manipulation immer wieder aushebelt!!! Jemanden, der Deine eigene Wahrnehmung wieder stärkt!

    Ich kann Dir weiter auch nur raten: bereite Dich gut vor, ziehe genug Menschen ins Vertrauen, sichere Dich ab, z.B. lasse Vorfälle bei einer Frauenberatungsstelle dokumentieren! Suche Dir ggf. einen guten Therapeuten. Oft kommt man nicht ganz heil aus so einer Sache heraus und die Wartezeiten sind lange...
    Auch ich hatte eine "Fluchtwohnung" für mich und meine Kinder: Das Frauenhaus.
    Nein, man muss nicht erst verprügelt werden um dort aufgenommen zu werden. Psychische Gewalt richtet genauso großen Schaden an und wiegt genauso schwer. Nimm das bitt ernst.

    Denke an so Dinge wie Handy-Ortung, Spionage-Software, Bankbewegungen ect.!
    Auch wenn das gruselig klingt.
    Auch die Daten von Nachsendeanträgen sind nicht sonderlich sicher. Lass Dir von Profis helfen!

    Ihr habt keine Kinder und auch sonst keine Verbindlichkeiten?
    Phantastisch!!!!
    Dann bereite Dich gut vor, tanke noch mal irgendwo viel Kraft und verschwinde aus seinem Leben und verschwende nicht noch mehr Lebenszeit. Lass Dir nicht weiter Energie abgraben!

    Schreibe Dir Vorfälle auf, Beleidigungen usw. Wörtlich und mit Datum!!! Ich habe das ab einem bestimmten Zeitpunkt konsequent gemacht und das ist die beste Rückfallprophylaxe überhaupt!

    Co-Abhängigkeit/Sucht? Den Gedanken hatte ich auch.
    Aber meine Therapeutin meinte dazu, ich hätte mich eben so verhalten um mich und meine Kinder bestmöglichst zu schützen. Jetzt im Nachhinein sehe ich das auch eher so. Zudem war ich durch die jahrelange Schikane und Kontrolle total erschöpft und völlig am Ende. Dazu auch noch schwer körperlich krank geworden.

    Da knickt man eben viel leichter ein, gibt wieder und wieder nach. Ich wollte oft einfach nur meine Ruhe. Ich habe sowieso kaum noch gelebt, nur noch funktioniert - mal abgesehen von meinen kleinen Fluchten und dem Kontakt mit lieben Menschen und anderen Betroffenen.

    Auch die Frage, warum man denn nicht längst gegangen ist wenn man doch schon alles durchschaut hat - kenne ich!
    Das versteht auch keiner, der es nicht selbst erlebt hat.

    Ich kann das für mich so beantworten: einmal das Problem mit der fehlenden Kraft, dann die gemeinsamen Kinder und aber vor allem: jeder, der meinen Exmann mal in Rage erlebt hätte ( es lief ja immer alles schön hinter verschlossenen Türen ab, nach außen wurde die perfekte Fassade gewahrt) würde verstehen, warum ich aus lauter Angst(!!!) (auch um die Kinder) geblieben bin...
    Völlig irre - total beängstigend. Niederträchtig.
    Lange Zeit dachte ich auch, mir glaubt das doch eh keiner. Aber solche Beziehungen gibt es öfter als man meinen möchte - aber auch Profis, die helfen!

    Die Kraft zur Trennung habe ich mir während eines Kuraufenthaltes geholt, außerdem durch Zuspruch und Unterstützung meines sozialen Netzwerkes und eben von Profis (Frauenhaus!) und aber auch Behörden. Anders hätte ich es nicht geschafft - glaube ich.

    Die Seite re-Empowerment kann ich auch absolut empfehlen!

    Der 1. Schritt hast Du ja schon hinter dir: Du hast erkannt, dass Du in einer destruktiven Beziehung bist!

    Es wird bestimmt nicht einfach, aber Du schaffst das auch!
    Geändert von Inaktiver User (17.05.2017 um 23:55 Uhr)

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