Hallo zusammen,
dass ich diesen Weg mal gehen muss und mir anonyme Hilfe suchen muss hätte ich nun auch nicht erwartet. Und auch wenn diese Beziehung noch nicht lange Bestand hat, fällt es mir unglaublich schwer den letzten Schritt zu machen.
Aber von vorne. Ich (27) habe meinen Freund (30)vor etwas über 2 Jahren im Internet kennengelernt. Er hat alles stehen und liegen lassen und ist für mich aus der Schweiz nach Deutschland eingereist und hat dort alles zurückgelassen (Familie, einen guten Job usw.). Da die Entfernung so groß war und wir beide die rosarote Brille aufhatten zog er kurzum zu mir. Er lebte in den ersten Wochen noch von seinen Ersparnissen, aber dann war es natürlich an der Zeit auch hier einen Job zu finden. Dies gestaltete sich von Anfang an etwas schwierig, da er nicht das gelernt hatte was er ursprünglich arbeitete. In Deutschland ist man ohne eine Ausbildung im handwerklichen Bereich immer etwas schlechter gestellt. Um die Geschichte kurz zu halten, er wurde irgendwann Mitte des Jahres fündig und war in der neuen Firma total happy. Ich wurde dienstlich in eine andere Stadt versetzt und dieser Schritt war von mir auch immer geplant und gewünscht und somit ein riesiger Sprung für mich.
Diesen hatte er mir da schon nicht gegönnt und er wollte partout nicht von dort wegziehen und seinen neuen Job und alles andere (was natürlich nach einem halben Jahr nicht viel war) für mich aufgeben. Wobei wir von Anfang an offen über diese Situation sprachen, sie kam eben unverhofft schneller als erwartet. Er konnte mir so einiges nicht gönnen und kam nur schwer damit zurecht dass ich mehr verdiente als er. Und was bei uns auch einfach recht schnell begann und immer noch allgegenwertig ist. Wir zoffen uns ununterbrochen.
Es gehört bei uns eigentlich zum täglich Brot dass wir uns streiten. Mal sind diese Streitereien kleinerer Natur und mal hat gefühlt die halbe Nachbarschaft was davon. Wir sind beide sehr temperamentvoll. Die ganzen Themen schaukeln sich enorm hoch, dass der Respekt dabei schon gänzlich verloren ging bis heute. Wir können nicht mal gemeinsame Hobbys ausführen weil dies immer nur zu Streit führt.
Seit dem Umzug und der Versetzung ging es rapide bergab. Er bekam aus früheren Zeiten Pfändungen, Arbeitslosigkeit, Schulden und einfach auch keinen Lichtblick. Denn er würde hier in Deutschland ohne Ausbildung nun mal nie richtig Fuß fassen können. Aber mal eben eine Ausbildung können wir uns nebenher nicht leisten, dass ich uns beide ernähre und sämtliche Nebenkosten trage. Zumal er auch einfach seine Schulden bezahlen muss, die ich ihm zum Großteil schon vorgestreckt habe und mich nun natürlich darüber ärgere.
Wir drehen uns jetzt seit einem Jahr in dem neuen Zuhause im Kreis. Die Streitereien werden schlimmer, die Desaster größer und es ist kein Ende in Sicht. Ich bin mir schon lange sicher dass ich das alles nicht mehr möchte und in so vielen Auseinandersetzungen habe ich ihm dies auch schon ziemlich klar gesagt und auch vermittelt. Ich habe ihm so oft gesagt dass ich nicht mehr glücklich bin, das nicht mehr will, habe ihm aufgezeigt wie wenig wir noch haben um das aufrecht erhalten zu wollen.
Ich muss dazu sagen dass viele seiner Probleme hausgemacht sind und fast alle hätten verhindert werden können. Seine Arbeitsmoral lässt zu wünschen übrig und den Willen auch mal seine Schulden in den Griff zu kriegen aus eigener Hand ebenfalls.
Aber der letzte Schritt will einfach nicht passieren. Immer wenn ich dann vor ihm sitze und er mich wieder mal fragt „also willst du jetzt Schluss machen?“, bekomme ich es nicht über die Lippen. Ich sacke innerlich zusammen und habe ein schlechtes Gewissen, Mitleid.. wie könnte ich ihn jetzt nur alleine lassen? In all seinen Problemen? Er würde ohne mich nicht klar kommen und wenn er beginnt zu weinen kriege ich es einfach nicht hin.
Ich schaffe es nicht! In meinem Kopf habe ich das alles schon X mal durchgespielt und ich weiß es ist falsch.. aber ich schaffe es nicht. Was soll ich noch machen damit ich es endlich hinbekomme? Ich bin zu schwach um mich zu trennen.
Es könnte so wirken als würde er mich nur ausnutzen, aber wenn ich eines weiß, dann dass er mich liebt. Aus tiefstem Innern. Ich vertraue ihm blind, das ist was ich immer an ihm schätzte. Aber ich glaube er hält auch so sehr an uns fest, weil er Angst vor dem hat was passiert wenn ich weg bin.
Ich sehne mich so sehr nach einer intakten Beziehung und sehe wie alle um mich herum heiraten, Kinder bekommen, Häuser kaufen/bauen und ich.. ich habe den Freund der sein Leben nicht geregelt bekommt und den ich ständig aus neuen Löchern ziehen muss. Ich will das alles nicht mehr und setze mich auch noch dabei unter Druck dass es auch langsam Zeit wäre mal den Richtigen zu finden wenn ich all das oben noch vor habe.
Seit Monaten hadere ich schon mit mir, dabei ist die Sache so eindeutig. Ich fühle nichts mehr und merke auch wie ich mich immer weiter zurückziehe. Ich genieße jede Minute die er nicht da ist. Wenn er mich anfasst weiche ich zurück und ich möchte auch keine Nähe mehr. Er ist für mich nur noch ein Freund dem ich helfen möchte.
Aber trotzdem bekomme ich die Kurve nicht… bitte helft mir.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 15
Thema: Ich schaffe es nicht...
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22.02.2017, 10:24
Ich schaffe es nicht...
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22.02.2017, 11:32Inaktiver User
AW: Ich schaffe es nicht...
Hallo Heidi!

Ich kann Dir nicht helfen, wollte Dir nur sagen, dass ich - obwohl die Grundsituation eine andere ist - momentan das gleiche Problem habe.
Hat Dein Freund denn die Möglichkeit, im Fall Eurer Trennung in die Schweiz zurückzugehen? Könnte er dort bei jemandem unterkommen (Familie, Freunde)? Seine persönliche Zukunftsperspektive wäre doch auch jobmäßig in seiner Heimat eher besser, als hier?
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22.02.2017, 12:37Inaktiver User
AW: Ich schaffe es nicht...
Ist auch einfach zu viel Veränderung, die Du da von ihm erwartest bzw. sogar verlangst.
Hinsichtlich des Jobs hast du nur auf deine Belange geschaut, deine Versetzung hast Du durchgezogen, deinen Wunsch dir selbst erfüllt, für seine Jobbelange hast Du aber kein Verständnis, sondern siehst darin sogar einen Affront dir gegenüber.
Wohl wirklich am besten, wenn ihr euch trennt, vielleicht gibt es ja für ihn die Möglichkeit auch wieder in der Schweiz eine Arbeitsstelle zu finden, bei dem es ihm besser geht, und er etwas gegen seine Schulden tun kann.
Warum Du allerdings für seine Schulden eingetreten bist, kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen, das ist und bleibt sein ureigenes Problem.
Zudem gibt es mit der Schweiz keine Rechtshilfeabkommen, sodass Pfändungen bei ihm in Deutschland gar nicht so einfach durchzuführen, wenn nicht sogar unmöglich sind.
lg jaws
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22.02.2017, 12:44
AW: Ich schaffe es nicht...
Wessen Idee war es eigentlich damals, dass er in der Schweiz alles stehen und liegen
lässt und zu Dir nach Deutschland zieht, wo ja bekanntlich das Einkommen wesentlich
geringer ist?
Ich vermute mal, die Ursprungsidee kam von ihm...
Die Frage wäre dann, warum? Nur aus Liebe? So rosarot kann doch keine Brille sein,
dass man so holterdipolter eine sichere Existenz verlässt...
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22.02.2017, 13:13
AW: Ich schaffe es nicht...
Ja das könnte er schon. Das wird er dann wohl auch tun und hier wieder alle Zelte abbrechen. Vermutlich wären seine Chancen dort tatsächlich wieder größer. Aber erst mal würde alles in ihm zerbrechen.
Wie gehst du dein Problem an Gemma?
Ja jaws ich gebe dir da schon Recht. Aber das Thema war von Anfang an klar. Ich habe offen mit ihm von Beginn an darüber gesprochen dass dies definitiv kommen wird. Es war nur nicht klar wann das passieren wird. Da war es für ihn kein Problem. Dann kam meine Chance und auf einmal wollte er es partout verhindern und hat mich sogar vor die Wahl gestellt. Ich rede doch vorher nicht offen darüber wenn ich nachher doch ein Problem damit habe?
Ich habe sehr wohl ihn in sämtlichen Lebenslagen und Wünschen hinsichtlich seines Jobs Unterstützung geleistet, soweit es mir möglich war. Aber irgendwann bin ich auch am Ende wenn er zum 5. Mal eine für ihn unerwartete Kündigung des AG erhält.
Ja er hat die Wahl getroffen. Er kam und wollte nur eine Woche bleiben. Spontan entschied er nicht mehr zurückzugehen. Seine Eltern regelten für ihn alles vor Ort dass er hier bleiben konnte. Das war von uns beiden blauäugig.
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22.02.2017, 14:34
AW: Ich schaffe es nicht...
Hast du im Kopf schonmal durchgespielt, was genau passieren würde wenn du dich trennst? Wo würdest du wohnen? Wie würdest du den ersten Abend verbringen? ... Und wenn du dann an irgendwelche Blockaden kommst - woran liegt es? Sind es Zweifel an der Trennung (schon alles versucht?!) oder Angst vor der Zeit danach?Seit Monaten hadere ich schon mit mir, dabei ist die Sache so eindeutig. Ich fühle nichts mehr und merke auch wie ich mich immer weiter zurückziehe. Ich genieße jede Minute die er nicht da ist. Wenn er mich anfasst weiche ich zurück und ich möchte auch keine Nähe mehr. Er ist für mich nur noch ein Freund dem ich helfen möchte. Aber trotzdem bekomme ich die Kurve nicht… bitte helft mir.
Ich hatte in den letzten Monaten (es waren mehr als 12) immer wieder den Versuch unternommen mich zu trennen. Wirklich wahrmachen konnte ich diese Idee erst, als ich wusste, dass mein Ex eine Therapie begonnen hat und ich im Job weniger Stress hatte. Das hört sich extrem emotionslos an - war aber gar nicht so. Ich hatte nur so viel zu tun, dass ich permanent am Limit war und keine Kraft hatte um die Trauer über die Trennung auszuhalten. Als ich dann irgendwann wieder mehr Zeit hatte und er mit der Therapie "gesichert" war ging die Trennung plötzlich ganz einfach.
...manchmal stimmt der Zeitpunkt (noch) nicht.Geändert von Ariena (22.02.2017 um 14:50 Uhr)
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22.02.2017, 15:06
AW: Ich schaffe es nicht...
Es ist ja so, dass jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist. Er ist ein erwachsener Mann. Ganz offensichtlich hat er große Schwierigkeiten mit den Pflichten des Erwachsenenlebens. Kommt vor, aber dafür bist nicht du zuständig.
Sei froh, dass ihr keine gemeinsamen Kinder habt. Ich verstehe schon, dass Loyalität dich noch zurückhält. Aber bis er eine gelingende Beziehung führen kann, müsste viel innere Arbeit seinerseits passieren. Und ob du Jahre warten kannst und willst? Ich nehme nicht mal an, dass er an sich selbst arbeiten wollen würde.
Ich hoffe, dass du bald einen guten Weg für dich findest. Du verdienst jemanden, der dich respektiert und dir all deinen Erfolg gönnt und dich unterstützt.
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22.02.2017, 15:29
AW: Ich schaffe es nicht...
Liebe Heidi,
ich lese aus deinem Post heraus, dass sich da zwei Menschen im Liebesrausch Hals über Kopf in ein Abenteuer gestürzt haben, das nicht durchdacht, noch gut geplant war. Denken und Planen im Zusammenhang mit Liebesrausch kann da schon mal in die Hose gehen.
Nachträglich hat sich herausgestellt, dass ihr beide nicht zusammenpasst. Ständiges Streiten, keinen Konsens finden, ist da ein großes Merkmal. Wenn er behauptet, er liebt dich doch aber so, ist das wohl eher eine Abhängigkeit, die er nicht aufgeben will, weil er sich sonst selbst am Schopfe packen muss. Sein von dir geschildertes Verhalten zeigt mir das.
Das du nun rigoros deine Ziele verwirklichen willst, zeigt mir auch, dass du für ihn keine Kompromisse eingehen möchtest, weil es für dich keine Liebe (mehr) ist. Wenn man sich liebt, findet man Kompromisse, die können auch mal anfängliche Pläne verändern.
Mitleid ist das, was dich hält. Mitleid für ihn wird dich aber irgendwann verbittert machen und ihn nie zu einem selbständigen Mann werden lassen. Du musst davon loskommen, ihm helfen zu wollen. Er wird nicht unter die Räder kommen, wenn du ihn verlässt. Ihr zwei solltet euch aus eurer Abhängigkeit lösen und endlich wieder ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben führen und zwar unabhängig von einander.Der Humor ist die Maske der Weisheit. Maskenlos ist die Weisheit unerbittlich. - Dürrenmatt -
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22.02.2017, 15:51Inaktiver User
AW: Ich schaffe es nicht...
Du steckst im Ablöseprozess. Du schreibst, du hast manches satt, willst dich auch nicht mehr angreifen lassen.
Das sind für mich eindeutige Indikatoren, dass dein Ablöseprozess kurz vor Beziehungsende ist.
Jetzt geht es nur noch um das letzte Stück Klarheit, den richtigen Zeitpunkt und die Klarheit ihm gegenüber.
Meine Gedanken dazu:
1. Wenn er weint und du kannst den letzten Schritt nicht gehen ist das Mitleid. Du kannst ihm aber sein Leid nicht abnehmen.
Mitleid ist keine Basis.
2. Es passt mit euch zwei im richtigen Leben nicht. Punkt.
3. Er kann in der Schweiz neu anfangen und hat Eltern, die ihn auffangen.
4. Stell dich darauf ein, sein Leid aushalten zu müssen, wenn du es ihm sagst.
5. Wenn du es noch brauchst - mach eine plus/minus Auflistung. Verschriftliche die Gründe, warum du aus der Beziehung rauswillst.
6. Überlege dir, ob es einen Zeitraum gibt, bis zu dem du Klarheit schaffen möchtest. Ich wusste damals, zb, es muss vor der Einschulung meiner Tochter sein.
7. Das Leben wird weitergehen.
Alles Gute
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22.02.2017, 16:20Inaktiver User
AW: Ich schaffe es nicht...
Nicht dass Du denkst, ich würde deine Entscheidung für deine Versetzung kritisieren, das hast Du schon richtig gemacht.
Ich wollte nur aufzeigen, dass auch seine Entscheidung in seinem Job zu bleiben, den gleichen Stellenwert wie deine Entscheidung haben sollte.
Und wenn es die Lebensumstände eben nicht anders hergeben, dann ist eben keine Beziehung möglich, dann muss die Trennung ausgesprochen werden.
Und nachdem ihr ja noch gar nicht so lange zusammen seid, wird da schon nicht die Welt untergehen.
lg jaws


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