Hallo liebe Community,
ich würde gerne meine Geschichte aufschreiben und hoffe, dass es mich vielleicht ein wenig erleichtert. Ich gebe zu, es könnte ein wenig länger werden.
Ich bin Ende zwanzig und mein Leben läuft so ganz anders als geplant. Zu sagen, es liegt in Scherben, wäre wohl ein wenig dramatisierend und doch gibt es Tage, an denen ich es so empfinde. Heute ist so ein Tag.
Vor knapp drei Jahren habe ich meine Jugendliebe geheiratet. Es war der "nächste logische Schritt", denn ich wollte Kinder haben und eine Familie gründen (bin auf dem Dorf aufgewachsen in einer kirchlich geprägten, recht konservativen Familie, so dass Heiraten in meinem Weltbild immer dazu gehört hatte). Die Beziehung hatte Höhen und Tiefen, aber "eigentlich" waren wir glücklich. Jedenfalls bis zu unserer Hochzeit.
Ich weiß nicht, an welchem Punkt unsere Beziehung so abdriftete. Es fing schleichend an, Kleinigkeiten, bis es irgendwann unerträglich wurde und ich selbst nicht fassen konnte, wie wir an diesen Punkt gelangt waren. Mein Mann dachte wohl, er hätte mich nicht geheiratet, sondern gekauft. Immer wieder sprach er von "ehelichen Pflichten", davon, dass er gewisse Rechte hätte, weil er schließlich dafür bezählt hätte (da er mehr verdient hat, hat er auch den größeren Teil der Hochzeitsfeier etc. bezahlt, was er wohl gleichsetzte damit, sich auch anderes erkauft zu haben). Er beleidigte mich vor Freunden ("ist doch nur Spaß"), fing an mich zu kontrollieren, wurde schnell aggressiv. Einmal hat er sogar unser Haustier geschlagen (mich zum Glück jedoch nie, obwohl er einmal kurz davor war).
Er stürzte sich in seine Arbeit, ging seinen Hobbies nach, traf Freunde etc. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn er mich darüber nicht vergessen hätte. Ich war seine Köchin, Putzfrau, aber nicht seine gleichberechtigte Partnerin. Er war nicht mehr liebevoll zu mir. Dennoch forderte er regelmäßig Sex ein, beschwerte sich darüber, dass ich frigide sei, unsexy rumlaufen würde (obwohl ich nichts an mir geändert hatte) und ich generell "nie Lust hätte". Was auch stimmte - ich bin keine Maschine und kann keine Lust empfinden, wenn mein Gegenüber mich sonst nicht beachtet und mir das Gefühl gibt, nur ein Masturbationsersatz zu sein. Manchmal hat er mich solange bedrängt, bis ich nachgegeben habe, obwohl ich eigentlich nicht wollte (dumm von mir, ich weiß). Einmal habe ich dabei angefangen zu weinen. Es hat ihn nicht interessiert. Noch nie in meinem Leben kam ich mir so schäbig vor. Er hat sich danach umgedreht und ist eingeschlafen. Ich habe die halbe Nacht kein Auge zugemacht und geweint.
Irgendwann habe ich dann nur noch geweint und richtige Depressionen entwickelt. Eine gute Freundin, die ich nur selten sehe, da sie weiter weg wohnt, war schockiert, als sie mich nach längerer Zeit wiedergesehen hat. Sie überzeugte mich, für eine Woche mit ihr weg zu fahren, um den Kopf frei zu bekommen. Als ich wieder zuhause war, wurde ich mit Vorwürfen überhäuft, wie egoistisch ich sei etc., da ich unser Geld allein für mich ausgeben würde. Ich konnte nicht mehr. An einem Abend, als ich wieder allein zuhause war, dachte ich, wenn mein Leben vorbei wäre, dann wäre auch der Schmerz vorbei. In dem Moment hätte ich alles tun können. Doch dann habe ich mich entschieden, dass das keine Lösung ist. Und das dieses Leben so nicht mein Leben sein kann!
Ich habe meine Sachen gepackt, alles was wirklich wichtig war, und bin zu meiner Freundin. Mein Mann ist ausgerastet, doch nachdem ich mein Handy ausgeschaltet hatte, wusste er nicht, wo ich bin und wie er mich erreichen könnte. Später habe ich erfahren, dass er Freunden und Familie erzählt hat, er habe mich rausgeworfen, weil ich eine untreue Schlampe sei.
Das alles ist jetzt anderthalb Jahre her, die Scheidung mittlerweile durch. Ich wohne in einer kleinen Wohnung in einer neuen Stadt. Seit kurzem habe ich einen neuen Freund, jemand, den ich schon lange kenne und der ein guter Freund für mich war. Er ist wirklich lieb zu mir. Es ist sehr schön mit ihm und Balsam für meine Seele. Doch "so richtig" vertrauen und fallen lassen kann ich mich nicht. Ich habe Angst, dass er jetzt vielleicht lieb zu mir ist, doch wenn ich ihn näher ran lasse, zu merken, dass er eigentlich ein anderer Mensch ist.
Ich habe vor einiger Zeit eine Therapie angefangen, doch nach einigen Wochen wieder abgebrochen, da mir der Therapeut nicht sympathisch genug war (im näheren Umkreis gibt es leider keinen anderen und ich kann mir kein Auto leisten). Doch ich merke, dass ich immer noch nicht wirklich mit der Vergangenheit abgeschlossen habe. Ich dachte, es würde mir besser gehen, doch die neue Beziehung wühlt alte Wunden wieder auf. Manchmal sagt er Sachen, die eigentlich ganz harmlos sind, doch sie erinnern mich an frühere Momente und lösen direkt einen emotionalen Sturm in mir aus. Hinzu kommt, dass ich das Gefühl habe, versagt zu haben. Ich weiß, viele sind mittlerweile geschieden. Doch mit unter 30? Auch wenn meine Familie mich unterstützt und sagt, dass es richtig war, merke ich, dass sie enttäuscht sind. Sie hatten sich anderes für mich erhofft und wenn ich ehrlich sein soll... ich mir auch. Ich denke, ich habe ihr konservatives Weltbild übernommen. Alle meine Pläne, wie mein Leben mal laufen sollte, sind gescheitert. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, jemals wieder zu heiraten. Selbst bei Kindern bin ich mir auf einmal nicht mehr sicher. Wenn ich in die Zukunft sehe, sehe ich nur ein großes Fragezeichen. Ich weiß nicht, was ich will, oder was ich mir wünsche. Es ist so, als wären alle meine Werte umgekippt worden und durch einen dumpfen Schmerz ersetzt.
Wie kann ich nur damit abschließen? Wie löse ich mich von meinen Vorstellungen, wie das Leben zu sein hat? Wie lerne ich, wieder zu vertrauen? Ich habe mich so lange schlecht gefühlt. Ich möchte doch nur wieder glücklich sein.
Antworten
Ergebnis 1 bis 8 von 8
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25.07.2015, 23:44
Ich komme nicht darüber hinweg
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26.07.2015, 00:01
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Als erster Gedanke:Wie kann ich nur damit abschließen? Wie löse ich mich von meinen Vorstellungen, wie das Leben zu sein hat? Wie lerne ich, wieder zu vertrauen? Ich habe mich so lange schlecht gefühlt. Ich möchte doch nur wieder glücklich sein.
versuch mal dankbar dafür zu sein für alles was du hast und dich gut fühlen lässt (z. B. Job, Familie, Freundinnen, Gesundheit, schöne gemütliche Wohnung evtl. Balkon, den Sommer, radeln, lesen....)
alles eben, was dich ein bisschen wohl fühlen lässt.
Und dann überleg dir, ob du deinen Freund liebst.
Wenn dem so ist, dann schenke ihm Vertrauen. Wenn ers missbraucht soll das nicht dein Problem sein, dann geh einen neuen Weg;
wenn du ihn nicht liebst, dann trenn dich.
Und dann mach Schritt für Schritt lauter Dinge, die dein Herz erfreuen;
hoffentlich klingts nicht in deinen Ohren wie bla, bla, bla...
aber ich war auch schon in jungen Jahren geschieden
und habe noch viel tolles erlebt, manches war hart und anderes dafür wunderbar,
Souvenir
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26.07.2015, 00:09
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Liebe Erdbeerbutter,
eine heftige Geschichte - und doch an manchen Stellen gar nicht so unbekannt für mich.
Auch ich bin noch unter 30 und habe eine gescheitert Ehe hinter mir.
Auch teilweise mit Erniedrigungen, in menschlicher sowie sexueller Hinsicht. Mit dem Gefühl, nicht mehr sein eigener Herr zu sein.
Ein großer Schritt für dich ist, dass die Scheidung durch ist. Das ist wichtig. Den Rest musst du nun selbstständig gegen.
Achte darauf, dich nicht unter Druck zu setzen. Schiebe die Gedanken à la "Ich muss endlich lockerer werden" erstmal weg.
Jeder geht mit seiner eigenen Geschichte auch auf seine ganz persönliche Art und Weise um.
Die einen stecken das ruckzuck weg - die anderen eben nicht.
Vielleicht kam deine jetzige Beziehung zu früh. Du bist noch lange nicht durch mit der Verarbeitung.
Gab es mit deinem Ex-Mann jemals eine Aussprache? Erklärungen für dich? Wie stehen Familie und Freunde zu dir, nachdem er diese Gerüchte in die Welt gesetzt hat? Konntest du das für dich klären?
Deinen Weg wirst du letztendlich selbst finden. Loslassen braucht Zeit, ebenso das "Heilen" der Wunden.
Ich kann dir den Tipp geben - tu, was dir gut tut. Egal, in welcher Hinsicht.
Löse dich von alten Mustern und von der klassischen Konstellation in Sachen Familie, Haus, Hund etc.
Auch ich hatte diese Pläne. Dass ich nun umdisponieren muss(te), ist nicht sonderlich schön und schon gar nicht einfach.
Anfangs hing ich auch ganz schön in den Seilen. Meine Zukunftspläne flogen mal eben dahin auf Nimmerwiedersehen.
Dazu kamen große Ängste, ob ich das nun alles so schaffe, wie ich es eben muss.
Es gibt nach wie vor Down-Tage. Mittlerweile kann ich sie für mich annehmen und damit umgehen. Zulassen, für den Moment akzeptieren und nach einer Weile wegschieben und wieder aufrichten.
Der Weg, der vor dir liegt, hält Herausforderungen bereit. Aber auch Erfolge. Und die gilt es, zu erreichen.
Ich schätze, aufgrund der Schnelligkeit, mit der das alles bei dir erfolgte, hast du für dich innerlich noch keinen wirklichen Abschluss gefunden. Der erste Schritt in diese Richtung ist die Akzeptanz, die Situation nun so anzunehmen. Suche nicht nach negativen Dingen in der Vergangenheit, sondern nach positiven für die Zukunft.
Ich weiß, viel helfen kann ich damit nicht. Aber du bist mit dem, was du erlebt hast, mit deinen Empfindungen und Gedanken nicht alleine
"Kacktusse."
- "Das heißt 'Kakteen'."
"Ne, ne. Ich mein schon dich."
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26.07.2015, 00:33
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Liebe Erdbeerbutter,
erst einmal möchte ich dich beglückwünschen, dass du es geschafft hast, dich aus dieser Beziehung zu
lösen. Viele Frauen und auch Männer schaffe das nicht. Auch ich nicht. Ich habe ähnliches wie du erlebt.
Aber ich hatte wirklich Angst, dass mein Mann mich umbringt. Er hat öfter solche Andeutungen gemacht,
wenn ich versucht habe, auszubrechen. Er ist vor 8 Jahren gestorben.
Natürlich dauert es, wie du dieses Trauma verarbeitet hast. Aber du hast keine Schuld. Man muss aber
von Anfang Grenzen setzen. Diese Typen loten aus, wie weit sie gehen können und wenn man nichts
sagt, gehen sie immer weiter, bis man ganz klein ist.
Mache dir keine Gedanken, was deine Familie denkt. Es ist dein Leben. Du kannst dich ändern, wenn
du willst. Bei mir hat es auch lange gedauert, aber es geht.
Wenn du bei deinem neuen Freund ein ungutes Gefühl bezüglich seiner Bemerkungen hat,
so nimm diese ernst. Es ist ja oft so, dass man immer die gleichen Typen anzieht. Ist mir
auch so gegangen. Hinterfrage, wie er das meint. Sag, dass dir das nicht gefällt.
Das mit der Therapie finde ich nicht schlecht. Schade, dass dir der Therapeut nicht zusagt.
Ich habe gelesen, dass man auch im Internet eine Therapie machen kann. Google doch mal.
Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Arbeite an dir. Du wirst es schaffen. Aus dir kann
ein ganz neuer Mensch werden.
Wie sieht es mit deinem Selbstbewusstsein aus? Lässt du dir zu viel gefallen?
Hast du eine öffentliche Bibliothek in deiner Nähe? Besorge dir Fachliteratur.
Ich bin in Gedanken bei dir. Du schaffst es.
Jetzt wünsche ich dir eine gute Nacht.
Liebe Grüße
Springinsfeld
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26.07.2015, 00:33
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Hey Erdbeere, was für eine schreckliche Erfahrung, was für ein übler Kerl!
Das Schwerwiegende ist ja, dass dein Weltbild mehr oder weniger zerbröselt ist: dein angeheirateter, nach aussen hin wahrscheinlich nett-vorzeigbarer Ex ist innerlich ein fieser Brutalo. Dass du da lange brauchst, um wieder aufzustehen, das kann ich gut verstehen.
Das Gute: du bist jung, gesund, intelligent, frei - du kannst deine übernommenen Werte hinterfragen, du kannst sie für dich anpassen, du musst niemals mehr an einem Mann kleben, der dir Übles will, du kannst sofort gehen. Hast du ja gemacht Glückwunsch!
Löse dich von deiner Familie (innerlich), löse dich von dem Bild, versagt zu haben, deine Eltern enttäuscht zu haben (ich könnte würgen, ich bin so alt wie deine Mutter und ich wäre stolz auf dich, dass du stark genug geworden bist, dich von diesem Despoten zu lösen! Himmel!)
Nimm das Leben in beide Arme, da wird noch viel kommen, du bist noch so jung! Hinterfrage alte klebrige Mädchenwünsche ..... Und wenn du nicht so glatt funktionierst wie den Umfeld - so what? Willst du Schein oder willst du sein?
Viel Glück mit deinem Leben und deinem neuen Freund und lass dich nie wieder so mies behandeln!
see you on be friends online!
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26.07.2015, 10:44
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Das kenne auch ich gut. Kannst du mit deinem Freund darüber reden? Bei mir war es so, dass mein jetziger Mann vollkommen perplex war, wie ich hin und wieder reagiert habe. Und manchmal braucht man auch den Hinweis "ich bin nicht er". Wenn man mit sich selbst etwas großzügig ist und einen Partner hat, der die Geduld aufbringt, einem hin und wieder die Hand stützend zu reichen, kann man zu zweit den Weg gut finden.
Dass deine Ehe gescheitert ist - darüber würde ich mir keine Gedanken machen. Wichtig ist, dass du einen Weg aus deinem Dilemma gefunden hast.Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
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27.07.2015, 10:27
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Guten Morgen und vielen Dank für eure Antworten!
Souvenir und fledervieh, ich wollte schon schreiben, wie schön es ist, dass ich mit meiner Geschichte nicht so allein da stehe. Aber wenn ich so darüber nachdenke, ist das natürlich gar nicht schön - es geht wohl niemand eine Ehe ein, wenn er denkt, sie würde scheitern. Trotzdem macht ihr mir ein wenig Mut.
Wir haben uns nochmal zusammen gesetzt und Dinge für die Scheidung besprochen. Ansonsten gab es nie eine wirkliche Aussprache. Ich denke, das ist auch einer dieser Punkte, der mir sehr zusetzt. Auf der anderen Seite kam er mir bei unserem Treffen wir ein Fremder vor (ich konnte kaum glauben, dass das mein Mann sein sollte und wir uns schon jahrelang kennen). Es hatte alles etwas unwirkliches, wie in einem schlechten Film. Diesem Menschen habe ich eigentlich nichts mehr zu sagen. Und doch knabbert es an mir. Meine Familie steht zu mir, obwohl ich nicht sicher bin, ob sie ihm oder mir glauben. Aber sie haben mitbekommen, wie schlecht es mir ging und das ich mich nun viel besser fühle, so dass ihnen das "wie" glaube ich einfach egal ist. Meine Oma meinte mal zu mir, und wenn es so wäre, dann hätte er es nicht besser verdient. Bei Freunden ist das unterschiedlich. Einige haben die Freundschaft zu mir beendet und reden nicht mehr mit mir. Andere hingegen waren mir eine große Stütze. Ich denke, im Großen und Ganzen sind die, die mir die Freundschaft gekündigt haben, kein wirklicher Verlust. Umso dankbarer bin ich für die Menschen, auf die ich mich auch in solchen Zeiten verlassen kann.
Springinsfeld, deine Geschichte klingt sehr traurig. Es tut mir leid, dass du so etwas durchgemacht hast. Ich hoffe, du hast dein Glück gefunden.
Mein neuer Freund ist ein ganz anderer Typ Mensch als mein Exmann. Mein Exmann hatte eher narzisstische Züge (beruflich sehr erfolgreich, immer im Mittelpunkt stehend und auf Achse und sich selbst für den Besten haltend), mein neuer Freund ist eher in sich ruhend. Er weiß um seine Stärken, aber auch seine Schwächen und geht damit sehr entspannt um (weiß gerade nicht, wie ich das anders beschreiben soll). Er ist sehr sozial eingestellt und kein bisschen arrogant. Wie skirbifax auch fragte, ja, wir können auch sehr gut darüber reden, dass mich manche Dinge an meinen Ex erinnern und ich dann überreagiere. Bisher hat er immer sehr verständnisvoll reagiert, aber manchmal habe ich doch Sorgen, seine Nerven zu strapazieren (auch wenn er mir gar nicht das Gefühl gibt). Manche Dinge machen mich auch traurig, weil mir klar wird, dass so etwas in einer Beziehung selbstverständlich sein sollte, ich das über Jahre aber nicht mehr hatte. Zum Beispiel, dass jemand einfach nur mit mir kuschelt, ohne von mir Sex zu wollen. Für meinen Mann ging nur kuscheln gar nicht, er sagte immer, das wäre langweilig. Jetzt finde ich es schon, dass jemand mich einfach nur in den Arm nimmt, ohne dass ich dafür etwas tun muss oder das es zu mehr führt. Das ist schön.
Rotweinliebhaberin, ja, nach außen war mein Ex wirklich vorzeigbar. Zu meinen Eltern war er auch immer sehr höflich, hat zu Weihnachten und Geburtstagen sehr großzügige Geschenke gemacht etc. Der Rest meiner Familie war für ihn jedoch irgendwie "nicht gut genug". Er hat oft die Arbeit vorgeschoben, weil er auf Familienfeiern keine Lust hatte.
Ich weiß nicht, ob meine Mutter stolz auf mich ist. Sie stand zwar hinter mir, aber sie hat denke ich lange gebraucht, um das wirklich zu verdauen. Ich kann es aber schon irgendwie verstehen... meine Eltern wohnen immer noch in dem Dorf, in dem auch mein Ex und ich gewohnt haben, und da wird natürlich viel geredet und gelästert. Ich war in vielerlei Hinsicht immer die Vorzeigetochter (höflich, anständig, nett anzuschauen, studiert etc.), so dass sie sich wohl nicht hätte vorstellen können, dass in meinem Leben mal etwas aus der Bahn läuft. Ich denke, dass dieses Bild von der "perfekten Tochter" mit ein Grund war, solange in dieser Beziehung zu verharren. Ich möchte einfach nicht mehr die Vorzeigetochter sein. Nur was ich statt dessen will, dass weiß ich irgendwie nicht...
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27.07.2015, 11:26
AW: Ich komme nicht darüber hinweg
Abnabeln wäre eine ziemlich gute Idee!
Du bist eine erwachsene Frau und deine Mutter ist nicht automatisch die Taktgeberin, die universelle Bestimmerin, so wie es in Kindertagen war. Das ist vorbei und du bist jetzt die Lebensentscheiderin für dich selbst!
Es ist doch wirklich grauenvoll, dass für so viele Menschen der äußere Schein (und teute Geschenke ...) wichtiger ist, als das innere Schlechtgehen einer Tochter ...
see you on be friends online!


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