Liebe Bri-Mitglieder,
vielleicht könnt ihr mir heute hier helfen meinen Gedankensalat zu sortieren. Ich bin zur Zeit einfach sehr desillusioniert von meiner Ehe und weiß nicht, ob das in der Form wirklich noch "normal" ist. Ob ich mich einfach mal zusammen reißen soll/auf bessere Zeiten hoffen/kämpfen soll.
Grundsätzlich würde ich gerne kämpfen. Leider glaube ich nicht, dass es bei uns noch etwas gibt, um das man kämpfen kann. Wir haben uns nämlich einfach absolut nichts mehr zu sagen. Außer Organisatorischem natürlich: Bring Milch mit, hol bitte das Kind ab, wo sind saubere Socken...
Unsere Tochter wird bald 5, sie ist ein aufgeschlossenes, fröhliches Kind. Mit ihr gibt es keine Probleme. Wir haben auch genügend Zeit alleine, weil Eltern und Schwiegereltern sich viel einbringen und unsere Tochter mal nehmen. Allerdings schaffen wir es nicht, in der Zeit etwas zu machen, mit dem wir uns wieder näher kommen. Also wir machen schon was zusammen, das ist nicht das Problem. Nur "bewerten" wir es ganz unterschiedlich. Was mir besonders gut gefallen hat an der Aktion, findet er lächerlich. Ich werde belächelt. Ganz oft wird das, was ich sage, mit "Schwachsinn" abgewatscht. Oder es wird ganz offen gesagt, dass ihn das, was ich gerade zu sagen habe, nicht interessiert. Nicht zuhören ist da echt noch das kleinste Übel.
Wir haben beide gute Jobs, ich gehe seit unsere Tochter 2 Jahre alt ist wieder halbtags arbeiten und verdiene wirklich gut. Ich würde mit dem Geld klar kommen, auch wenn es natürlich nicht mehr so locker sitzen würde wie jetzt. Ich könnte arbeitsmäßig auch aufstocken.
Mein Mann ist angestellt und verdient sehrsehr gut. Er könnte sich eher nicht arm rechnen, würde das auch glaube ich nicht machen. Ich würde ihn aber genauso wenig ausnehmen wollen. Wir würden eine Trennung finanziell verkraften, ob er das gemeinsame Haus halten könnte, weiß ich nicht. Denke schon. Ich würde es nicht haben wollen und könnte es nicht halten. Ehrlich gesagt würde ich es ihm gerne lassen.
Mein Mann macht viel mit unserer Tochter, er bringt sie an den Tagen, an denen ich arbeite, in den Kindergarten, bringt sie abends mal ins Bett. Trotzdem ist sie froh, wenn er nicht da ist. Er meckert einfach über jeden Mist an ihr rum. Auch andere Leute (Freunde, Bekannte, Eltern) sehen seine Wesensänderung sehr kritisch und äußern das zum Teil mir gegenüber fast reflexartig, worüber sie sich dann fast wieder erschrecken.
Meine Mutter hat meinen Mann zu Anfang vergöttert, jetzt kann man die beiden nicht mehr alleine lassen. Sie kritisiert ihn offen, er sieht sich im Recht, es gibt Streit. Ich finde, sie ist meistens im Recht, auch wenn ihr Ton nicht so ganz politisch korrekt ist.
Kurz nach der Hochzeit (vor fast 7 Jahren) ist er Chef bei sich im Unternehmen geworden. Und seit dem geht es bergab bei uns. Er will, dass ich die Dinge so erledige, wie ER will. Ich bin aber nicht seine Angestellte und lasse mich nicht derart degradieren. Mein Chef geht respektvoller um mit mir als mein Mann. Bei der Arbeit ist meine Meinung gefragt. Zu Hause? Pffft.
Vor 3 Jahren hätten wir uns fast getrennt. Ich hab ihm die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder, er bemüht sich oder ich trenne mich. Damals hat er wirklich eine Kehrtwendung hingelegt und es lief viel besser. Aber emotional habe ich mich nicht mehr zu 100 % davon erholt wenn ich ehrlich bin. Ich wollte es gerne, hat aber nicht geklappt
Ich sage auch jetzt sehr deutlich, was mir fehlt, was ich mir erhoffe, was ich von ihm erwarte. Aber es kommt nicht mal mehr ein Lippenbekenntnis. Er macht nichts. Ich denke, er ist genauso desillusioniert wie ich.
Was mache ich bloß? Aushalten? NEIN! Versuchen zu ändern? Ja, aber wenn, dann müsste was im Kopf passieren. In SEINEM. Ich bin nicht bereit, mich auf sein emotionales Niveau zu bewegen. Was ihn interessiert ist, wieviel wir(ER!) haben (hat). Es ist quasi ein unausgesprochener Wettstreit mit den Nachbarn, den Kollegen, mit wem auch immer. Wer hat das größte Haus? Das neuste/schönste Auto? Wie kann derundder sich bloß dasunddas leisten?
Wen interessiert denn das? Mich auf alle Fälle nicht. Wir haben alles was wir brauchen (materiell) und noch viel mehr. Warum kann ich dem anderen dann nicht seins gönnen? Woher kommt dieser Neid? Die Missgunst? Für mich eine der schlechtesten Charaktereigenschaften die es gibt. Ich würde lieber das, was ich habe, genießen, mich dran freuen. Ich brauche keinen Wettstreit, kein Größer, Schneller, Weiter, Besser.
Ich mag andere Menschen, komme mit den meisten aus, kann ihre Leistung sehen, auch wenn sie nicht monetär messbar ist.
Ich habe ein relativ zeitintensives Hobby (reiten), habe jetzt nach langen Jahren Leute gefunden, bei denen ich reite, die ich mag, die mich mögen, ich fühle mich wohl. Für mich ist das der Himmel. Darum geht's mir im Leben. Sich wohlfühlen. Freut er sich für mich? Nein. Er kritisiert. Er mag die Leute nicht so gerne, ich verbringe zuviel Zeit da. Überhaupt sind sie einfach unter seiner Würde. Und jetzt reichts mir einfach. Ich hab das Gefühl, es interessiert ihn nicht, ob ich glücklich bin oder nicht. Hauptsache, ich funktioniere. Hauptsache, das Haus ist sauber, der Keller aufgeräumt, das Essen gekocht. Wie es mir geht - wurscht.
Ich bin so nicht und ich will so nicht sein. Er hat auch ein neues Hobby. Ich versuche ihn zu unterstützen wo es nur geht. Nehme das Kind mit zum reiten, damit er auch losziehen kann. Mache für ihn was aus mit Bekannten, die mit ihm dann zusammen gehen. Versuche, mich seinen Zeiten anzupassen. Freu mich, dass er auch mal was für sich tut. Hoffe, dass er dann merkt, wie gut das tut. Bisher leider Fehlanzeige.
Was kann ich in unserem Fall bloß noch machen? Wir müssen reden, das ist klar. Leider kommen dann sofort Vorwürfe, es wird laut, einer weint - nicht unbedingt immer nur ich, aber oft.
Kann eine Trennung auf Zeit (von mir aus im gemeinsamen Haus, es ist genug Platz) was bringen? Oder welche Lösungsmöglichkeiten gibt es noch? Wie finde ich einen Ausweg? Sehe leider vor lauter Bäume den Wald gerade nicht mehr.
Danke schonmal fürs lesen. Hat gut getan, sich das von der Seele zu schreiben.
Freu mich auf Kommentare.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 108
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22.06.2015, 10:48
Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
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22.06.2015, 11:21Inaktiver User
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Eheberatung? Damit ihr euch mal aussprechen könnt mit sozusagen einem Moderator.
Und erst wenn das nicht funktioniert, würde ich an eine Trennung denken. Kann natürlich sein, dass er nicht will.
Vor allem das Thema, er behandelt dich wie seine Untergebenen sollte ins Gespräch gebracht werden.
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22.06.2015, 11:32
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
hmmm- das hört sich sehr danach an,dass ihr schlicht nicht zusammenpasst,auf allen Ebenen. Für meinen Geschmack und was du beschreibst scheint er ein ziemlich arog.....Ar......h zu sein,der sich für den Größten hält. Auf sowas hätte ich auch keine Lust mehr.
Lieber eine faire Trennung ohne Rosenkrieg und Verletzungen als SO weitermachen,ganz ehrlich.
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22.06.2015, 11:41
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Kann ich leide rnur zustimmen. Du hast deinen Forderungen bereits artikulliert, er hat versicht, darauf einzugehen, aber er schafft es einfach nicht. übrigens würde ich von seiner Seite aus auf "entlieben" tippen, was auch seine Kälte im Umgangn mit Anderen erklären würde. Trotz des Entliebens will er sich allerdins das Scheitern der Beziehung nicht eingestehen uhd klammert sich stattdessen an die sichtbaren und meßbaren Dinge.
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22.06.2015, 11:50Inaktiver User
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Von einer Trennung auf Zeit halte ich nicht so viel - aber eine räumliche Trennung kann oft sehr sinnvoll sein. Eine Eheberatung ist nie verkehrt, würde er da zustimmen?
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22.06.2015, 12:36
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Danke für Eure Kommentare, sie helfen mir wirklich sehr.
Ich denke, er kann sich einfach nicht ändern. Er kann seine Handlungen verändern/anpassen, aber nicht sein Wesen. Und damit ändert er seine Handlungen halt auch nicht auf Dauer. Er ist einfach so wie er ist. Dagegen kann man nichts machen.
Eheberatung würde ich schon mitmachen, alleine fürs gute Gewissen. Er sicher auch. Ich weiß bloß nicht, was es bringen soll.
Auf die Idee, er könnte sich entliebt haben, bin ich ehrlich gesagt noch nicht gekommen. Aber wenn ich so drüber nachdenke - wäre es eigentlich die Erklärung für Vieles. Sich das Scheitern nicht eingestehen wollen, da kann viel dran sein.
Trennung auf Zeit meinte ich jetzt auch eher so, dass man sich "erstmal" trennt und dann schaut was wird. Es soll kein Ablaufdatum für die Trennung geben, das bringt ja nichts bzw. fände ich seltsam. Ich würde es nur gerne erstmal unter einem Dach versuchen, schon für unsere Tochter. Niemand von uns "leidet" aktuell ja wirklich. Ich will nur so nicht für den Rest meines Lebens weiter machen. Ich bin mit Ende 30 einfach noch zu jung, sowas auf Dauer auszuhalten. Ich denke, wenn wir Klarheit über die aktuelle Lage und die weitere Vorgehensweise bekommen könnten, würde es uns allen besser gehen.
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22.06.2015, 12:51
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Liebe TE ,
Sorry, wenn mein Posting dir Schmerz verursacht hat. Ich bin durch eine ähnliche Situation mit dem "Entlieben" durchgegangen und vieles in feinen Schilderungen hat mich daran erinnert. Aber natürlich ist das nur meine Wahrnehmung und nicht mehr.
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22.06.2015, 13:03Inaktiver User
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Ich glaube, du hast für dich längst Klarheit gefunden und weißt nur nicht, wie du das am besten in die Tat umsetzten kannst.
Im Innersten scheinst du dich schon lange getrennt zu haben. Mach dir einen Plan, schreibe die Punkte auf, die du angehen möchtest, so als ob du einer Freundin raten würdest. Und dann wirst du dich mit deinem Mann zusammen setzen müssen, um alles zu besprechen. Warte ab, wie er reagiert.
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22.06.2015, 13:06
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Liebe Maerz,
aber nein, Du brauchst Dich nicht entschuldigen. Es hilft mir wirklich sehr, den Kern des Problems einzukreisen.
Und ehrlich gesagt, nein, er verursacht keine Schmerzen. Ich finde es eher erschreckend, WIE egal mir das alles ist.
Ich denke, auch ich habe mich entliebt. Was jetzt zuerst da war - keine Ahnung. Das ist ja auch eigentlich gar nicht wichtig. Ich für mich brauche keinen "Schuldigen".
Gigaset, ich finde auch, dass er im Moment sehr arrogant rüber kommt. Und er findet sich schon toll. Glaube aber eher, dass er lieber NOCH toller wäre und es ihn wurmt, dass er das nicht ist.
Ich habe studiert, er nicht. Trotzdem hat er den "tolleren" Job, der besser bezahlt ist. Für mich ist sowas nicht wichtig, für ihn schon. Und das lässt er mich spüren. Weiß gar nicht, ob ihm das bewusst ist. Ich denke, dazu müsste er sich kritisch mit sich selbst auseinander setzen. Falls er das tut, hab ich davon noch nichts gemerkt.
Ich habe viele Freunden/gute Bekannte aus den unterschiedlichsten Gesellschaftlichen Schichten. Da ist ein Selfmade-Millionär dabei (sehr angenehmer Mensch, wirklich), einfache Handwerker, einfach alles. Ich finde, darum geht's im Leben nicht. Mich interessiert nicht, WAS jemand ist, sondern WIE er ist.
Ich kann dieses oberflächliche Gehabe einfach nicht mehr ertragen
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22.06.2015, 13:09
AW: Wenn man sich einfach nichts mehr zu sagen hat...
Unendlichkeit, Du hast mich ein bisschen erwischt. Ich weiß für mich, dass ich so nicht weiter machen will und kann. Aber ich hab auch einfach ein schlechtes Gewissen.
Bin ich egoistisch? Darf ich das? Was ist überhaupt passiert? Das frage ich mich zur Zeit.


. Nicht zuhören ist da echt noch das kleinste Übel.
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