Liebe Mods, falls dieses Thema in "Persönlichkeit" besser passt, bitte verschieben.
(Attention. Ich fürchte, der Beitrag ist lang u konfus)
Liebe BriCom,
nun bin ich 12 Jahre dabei und noch immer mir passiert der berühmte Fehler: zu lange getippselt und alles weg.
Von vorne, Kurzfassung: Ich (37) befinde mich seit 2 Tagen in Trennung. Die Beziehung war die 2. in meinem Leben, die von On-Off, Destruktivität, Abhängigkeit und Verletzung geprägt war (ist).
Ich: Nach außen sehr hübsch, intelligent, stark, selbstbewusst - in der Beziehung "das Opfer". Er: sehr schwieriger Kindheitsbackground, nach außen charmant und (in Wahrheit) gefühlvoll: der Täter. Wertet mich in allem ab, verletzt, geht auf Distanz, macht Schluss, misshandelt psychisch (und selten physisch).
Ich klammere, liebe bedingungslos, bleibe bei ihm, um ihm zu zeigen: Ich stehe zu dir, du bist liebenswert, no matter what. Er: haut drauf. Kann es nicht fassen. Verliebt sich unheimlich (nach 10 Jahren Beziehungslosigkeit), um dann nur mehr im Zerstörungsmodus zu sein. (Mit kleinen Ausnahmen, an die ich mich klammere wie ein Heroinsüchtiger an die Spritze.)
Nun zum wiederholten Mal: Ich sage, dass es mir nicht gut geht mit der eiskalten Art, in der er mich behandelt. Er: schmeisst mir alles vor die Füße. Radiert mich rigoros aus, demütigt mich, Schluss. Ich: fassungslos, auf Entzug, heulend, Todesängste.
Dass Liebe anders aussieht, weiß ich auch. Als selbst missbrauchtes und geschlagenes Kind arbeite ich seit 25 Jahren an meiner Heilung. Kenne meine Muster, durchschaue die Dynamik. Bin selbst - paradoxerweise mit wirklichem Erfolg - therapeutisch tätig. Freunde, Familie, Klienten fühlen sich von mir bedingungslos angenommen, verstanden, geliebt, gestärkt, geführt. Tja, auch ihn habe ich versucht, so zu lieben. Habe ihn unterstützt, aus Erstarrung geholfen, bei Tochterkontakt begleitet, beraten, therapiert, zugehört, Zugänge erschlossen, gelehrt, bewundert, gestärkt.
Er konnte es nicht fassen, so einen Menschen wie mich zu treffen zu treffen. (O-Ton vor kurzem. "Du bist das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist. Du hast mein Leben verändert.") Und doch hat er von Beginn an zerstört. Motto vermutlich: Bevor ich (Unwürdiger, *selbsthassmodus*) verletzt werde, verletze ich. Zu gut um wahr zu sein. Draufhauen. Und noch mal.
Versteht mich nicht falsch. Ich weiß genau, es braucht 2 für das Spiel. Opfer ist Rolle wie Täter. ICH trage verantwortung für mich, verweigere sie und lass mich wie ein Kleinkind hineinfallen. Emotionales Muster halt. Mir selbst weh tun. Mir beweisen, wie unwert ich bin. Er ist einfach nur er. Und beteiligt sind wir beide.
Wer das Muster kennt, hat es mittlerweile in meinen Zeilen erkannt, nehm ich an.
Frage: Wo führt der Weg raus? Wie habt ihr euer Selbst in dieser Destruktivität wieder gefunden? Ich bin ausgemergelt und erschöpft, ferngesteuert, bedürftig. Ich habe Todesängste, weil er mich "nicht liebt". Mein Hirn sagt: Bullshit. Mein Muster sagt: HÜLFEEE!
Derzeit kann ich nichts machen außer stillhalten. (Ziehe gerade um, also wenigstens im Außen zu tun). Kriege Mails von ihm, in denen er alles schickt, was ich nie wieder brauche (PDFs aus dem Jahre Schnee), die Übergabe von Sachen dirigiert (bereits erledigt), mir die Botschaft schickt: Ich radiere dich aus meinem Leben und das mit einem Schulterzucken.
Kennt das jemand? (Ich bin überzeugt, ja.) Möchte jemand dazu etwas sagen? Welche Krücken gibt es, an die ich mich klammern kann? Wie durchbricht man den Kreislauf? Habt ihr Erfolgsgeschichten? Gedanken, Gefühle, die ihr teilen wollt?
Bin für jeden Beitrag dankbar.
LG Lil![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 52
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05.03.2014, 20:53
Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
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05.03.2014, 21:05Inaktiver User
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Lil,
erstmal ein herzlicher Drücker.
Meine Erfahrungen sind nicht in diesem Ausmass, aber ich kann mich streckenweise darin erinnern.
Dieses Kleinmachen von mir und durch andere, das war ich früher. Seit Kindesbeinen bin ich abhängig von der Anerkennung anderer gewesen. Blieb diese aus, war ich aus meiner Sicht ganz sicher Schuld. Und es auch nicht Wert, dass es mir besser geht. Die Spirale kam in Gang und ich kam nicht mehr raus.
Geholfen hat mir eine sehr gute Freundin, allerdings mit psychologischem Background. Die Methode war eigentlich simpel. Mich selber anzunehmen lernen, mit all meinen Macken. Es hat Jahre gedauert, war aber erfolgreich. Wenn ich mal wieder in meinen Problemen versinke, dann soll ich mich als kleines Kind vorstellen, an der Hand nehmen oder in den Arm und sagen, es ist weder deine Schuld noch brauchst du dich kleinmachen.
Es war mir am Anfang unangenehm, aber es funktioniert.
Auch die Erkenntnis, dass ich sovieles kann und die Meinung der anderen eigentlich gar nicht brauche.
Ich wünsche dir viel Kraft für den Weg aus dieser destruktiven Zeit.
LG Nudel
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05.03.2014, 21:20
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Pasta / Zuckerbäckerin (beides lecker
),
danke für dein Verständnis und die Erinnerung: ja, es ist die kleine Lil, die am Ruder ist und Hilfe, Wertschätzung, Sicherheit braucht. Und ja, ich kenne diese Methode - mache sie aber natürlich kaum bis sporadisch, weil sie "doof" ist. (Na eh klar, Widerstand, da ist der Dämon der Selbstzerstörung am Werk...)
Neu ist der Ansatz: sagen, du brauchst dich nicht klein machen". Ich glaube, this hits the nail on the head. Hatte (habe) eine sehr dominante androgyne Mom, die ich schon als Kind als unliebevoll, aggressiv, unweiblich empfunden habe. Meine Reaktion: Bedürfnis, bedingungslos zu lieben, sanft und gefühlvoll zu sein.
Zum Schießen: Meine aggressive Mom habe ich in Form meines Expartners wiedergetroffen. Er ist in so wahnsinnig vielen Dingen ihr Klon! und auch der meines Vaters (Pädophiler, der natürlich dem Opfer die Schuld gibt).
Einmal, als mein Ex physisch brutal wurde mir gegenüber, hat er mich am nächsten Tag angeherrscht: "Du darfst dich nie wieder so behandeln lassen! Das ist letztklassig. Niemand ist es wert, dass du dich so mies behandeln lässt!" Er sprach zwar über sich selbst - und trotzdem war ich in seinen Augen schuld. Hä??
Zurück zum (R)Ausweg >> liebe kleine Lil, es ist nicht deine Schuld und du brauchst dich nicht kleinmachen.
DANKE!!!
Lil
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05.03.2014, 21:21
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Die Krücke könnte vielleicht eine erneute Therapie für dich sein. Das du selbst therapierst, heißt ja nicht, dass du nicht auch bedürftig sein kannst. Auf jeden Fall medizinisch/fachlich angehen.

LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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05.03.2014, 21:26
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
hallo Lil,
Zitat von Lil
mich wundert es etwas, wie du hier grundverschiedene Ebenen zusammen mischst. Eigentlich ist es, wenn man im therapeutischen Bereich tätig ist, bekannt (und nicht nur da, sondern das wissen auch viele Laien), dass Beziehung und Therapie zwei paar Stiefel sind, dass du niemanden therapieren kannst bzw sollst, dem du so nahe stehst und wie in dem Fall auch noch irgendwie blöd verstrickt bist.
Zudem scheinst du die professionelle therapeutische Beziehung mit einer Liebesbeziehung in einen Topf zu werfen ("auch ihn habe ich versucht so zu lieben?" auf was bezieht sich das auch? Wie deine Klienten, mit denen du in einem therapeutischen Prozess bist?) Ich finde das alles sehr seltsam.
Liest sich das jetzt so oder hast du da bisher tatsächlich noch nie eine gedankliche Trennung vollzogen (was die Voraussätzung wäre für folgerichtiges Handeln)Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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05.03.2014, 21:28Inaktiver User
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Lil,
er benutzt dich als Spiegel. Das kommt sehr oft vor. Eine meiner Exchefinnen hat es so mit mir gemacht. Ihre Unzulänglichkeiten mir an den Kopf geknallt.
Es war am Anfang mehr als Doof für mich. Ich hab mir immer gedacht, wenn dir jetzt jemand in den Kopf schauen könnte... aber es wurde immer besser. Und ich konnte mir dann schon mal sagen, hey kleine Nudel, du bist vielleicht eine Marke, aber halt eine besondere mit Ecken und Kanten und Macken. Macht aber nichts.
Nutze den Schalter.. ...
LG Nudel die gerne backt
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05.03.2014, 21:34Inaktiver User
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Ja, kenn ich. Krücken haben nicht funktioniert, da kam immer nur sehr kurzfristiger Scheinerfolg raus.
Funktioniert hat eine Psychotherapie über mehrere Jahre.
Die Basis dafür - das Erkennen und den Willen, da raus zu wollen, hast du mMn. Die Umsetzung wirst du, befürchte ich, ohne Profi an deiner Seite nicht schaffen.
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05.03.2014, 21:39
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Karla,
ja, du hast recht. habe bereits einen Termin beim Arzt (Psychiater, Therapeut) meines Vertrauens, der mich seit fast 2 Jahrzehnten begleitet. Irgendwie frustrierend, sich immer wieder um Hilfe an jemanden wenden zu müssen... Aber that's life. At leats mine. Kann ich gleich üben: annehmen lernen... ;-)
Liebe Amelie,
du hast natürlich völlig recht, das weiß ich auch! Therapie hat in Beziehung nichts verloren. Helfersyndrom etc. verhindert Nähe, Gleichberechtigung, Partnerbeziehung. Ich bin vermutlich gleich verschlossen wie er, nur lebt er es "offiziell", und ich bin die, die "offiziell" leidet. Spiegel und so.
Nochmal: Ich kann eine komplette Analyse der Beziehung schreiben, weiß exakt, was wie wo falsch läuft. Kenne meine Muster. Und seine. Leider. Nützt. Das. Nichts. Im Moment wo ich drin bin, bin ich drin. Beobachte mich von außen, spüre genau, wie ungesund das ist. Bislang war das Muster stärker. (Das meinte ich mit ferngesteuert.)
Danke für deinen Input,
Lil
Liebe Zuckerbäckerin,
ja, du weißt genau, wovon du sprichst. Spiegel hoch zehn. Ja, Schalter. Habe soeben neuen Spot angebracht, der Schalter ausleuchtet. Im Bedarfsfall fängt er an zu blinken, um mich zu erinnern. ;-)
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05.03.2014, 21:41
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Gillian,
wow, ist ziemlich hart, eure Einschätzung. Wissen ist wohl nicht gleich umsetzen. Ich muss umlernen. Im Handeln, im Alltag, im Denk- und Fühlmuster.
Ich hoffe, es kann hier trotzdem weiter diskutiert werden?
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05.03.2014, 21:41Inaktiver User
AW: Ende einer Opfer-Täter-Beziehung
Liebe Lil,
was für mich auch sehr wichtig war.. ich bin damit nicht alleine. Und ich bin deswegen nicht weniger liebenswert, bloss weil ich diese Macke habe. Sie wird nie ganz weggehen, aber ich stelle mich ihr und freue mich an jedem kleinen Erfolg.




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