... und es tut höllisch weh. Am Freitag habe ich mich von meinem Freund getrennt. 4 1/2 Jahre waren wir zusammen. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Lese ich in meinem Tagebuch zurück, sehe ich, dass ich schon vor drei Monaten das Gefühl hatte, dass es alles keinen Sinn mehr macht. Nicht, weil irgendwas Schlimmes passiert wäre. Am problematischsten war wohl, dass wir nicht miteinander reden konnten. Gespräche, die irgendwie mit Gedanken und Gefühlen zu tun hatten, gab es bei uns nicht. Ich habe sie immer wieder gesucht - zu verschiedensten Gelegenheiten. Und nichts als Schweigen geerntet. Konflikte wurden totgeschwiegen. Ihm ging es gut damit, für ihn waren die Dinge wohl geklärt. Für mich aber noch lange nicht. Sie schafften peu à peu Distanz in mir. "Leider" habe ich das - im Rahmen einer Therapie - auch erst lernen müssen, über meine Gedanken und Gefühle zu sprechen, Bedürfnisse zu formulieren. Ich bin also nicht mehr dieselbe, wie die, die er kennengelernt hat. Vermutlich habe ich mich einfach an ihm vorbeientwickelt.
Außerdem hatten wir ein viel zu unterschiedliches Nähe- und Distanzbedürfnis. Vor einem Jahr bin ich in seine Stadt (und meine Heimatstadt) gezogen, nachdem wir vorher eine Fernbeziehung geführt hatten. Dass er nicht gleich mit mir zusammenziehen wollte, war zwar schade, aber okay für mich. Ich dachte, wir schauen halt ein paar Monate, wie es läuft. Aber irgendwie sind wir trotzdem nicht so richtig näher zusammengekommen. Durch seine Hobbies haben wir uns drei Tage die Woche gar nicht gesehen oder nur in Ausnahmefällen. Es gab immer wieder über verschiedene Situationen Streits, in denen er reagierte, als wenn ich ihm etwas wegnehmen wollte - ihn einschränken, klammern, ihn einengen. Dabei hatte ich nur auch eigene Bedürfnisse und fühlte mich oft zurückgesetzt und ungewollt. Oft hatte ich das Gefühl, dass er mich immer mal wieder auf Abstand hielt, seit ich hier bin. Vielleicht weil er nicht mehr Nähe zulassen wollte. Angst hatte vor irgendwas. Bösartig war das bestimmt nie, das glaube ich ihm auch. Eher Gedankenlosigkeiten. Die sich aber auch aufsummierten und mir wehtaten. Immer wieder aufs Neue.
Mir fehlte auch eine Perspektive. Wir sind Ende zwanzig. Ich möchte irgendwann einmal heiraten. Kinder. Wie soll das mit einem Mann gehen, der nicht einmal mit mir darüber reden kann, ob er sich ein Zusammenleben vorstellen kann, und wenn nein, warum nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, ich wäre irgendwann einmal schwanger und hätte einen Partner, bei dem ich mich mit Sorgen, Ängsten, Plänen, Freude und allem nicht aufgehoben fühlte, weil er schweigt und nicht über Gefühle redet.
Mir fehlte also einiges. Ich denke, wenn wir in der Lage gewesen wären, über unsere Gedanken und Gefühle zu reden, hätten wir die beiden anderen Sachen in den Griff bekommen. Aber ohne Kommunikation kann man sowas einfach nicht auflösen. Ich habe immer wieder Gespräche geführt. Ihm gesagt, dass mir diese Art der Kommunikation elementar wichtig ist, ich diese brauche, um mich ihm nah zu fühlen. Selbst über mein Gefühl, dass er sich immer wieder in seiner Freiheit beschnitten fühlt, habe ich mit ihm geredet. Und Schweigen geerntet. Zunehmend kam die letzten Monate Distanz auf. Ich konnte mich einfach nicht mehr 100%ig auf ihn einlassen. Merkte, dass zunehmend auch Groll in mir entstand. Mich Kleinigkeiten an ihm zu nerven begannen, ich teils auch an ihm herumnörgelte. So wollte ich nicht mehr. Das wurde uns irgendwie nicht mehr gerecht.
Freitag habe ich es also beendet. Obwohl objektiv betrachtet bestimmt vieles noch gut war. Wir konnten miteinander lachen. Körperliche Nähe gab es. Ich spürte, dass er mich liebte, er tat vieles für mich. Die Verbindlichkeit unserer Beziehung hat nie im Raum gestanden. Und offene Konflikte herrschten auch nicht. Im Grunde weiß ich, dass es der richtige Schritt war. Ich trat auf der Stelle, ohne Aussicht auf Besserung, war darüber frustriert und wünsche mir einfach was anderes von meinem Leben, von meiner Partnerschaft. Aber das Herz kommt nicht mit. Ich habe ihm so wehgetan. Er hat damit nicht gerechnet und das Bild von ihm, weinend, völlig geschockt, hat sich tief eingebrannt. Er fehlt mir sehr. Muss mich gerade immer wieder an meine Gründe erinnern, weil ich das Gefühl habe, einen Fehler begangen zu haben. Er ist doch ein lieber Mensch, liebte mich, hat mir nichts getan. Und doch hatten wir keine Zukunft. Oder zumindest keine, die meinem Lebensplan entspricht. Keine, die dem entspricht, was ich mir unter einer Beziehung so vorstelle.
Ich weiß gar nicht genau, was ich hier will. Vermutlich möchte ich mich einfach mal ausheulen und hören, wie andere damit klarkommen. Ich habe den Eindruck, viele von denen, die hier sind, sind "Verlassene" und nicht "Verlassende". Das Aktive, das Tätertum, ist es, was mir so zu schaffen macht. Im Nachhinein kann ich es gar nicht fassen, dass ich das wirklich durchgezogen habe. Schlimm ist auch, dass auch unsere Trennung schweigend verlief - ich konnte nicht reden vor lauter Gefühlen und habe ihm in meinem Beisein einen Brief überreicht. Wir haben lange beisammen gesessen und geweint. Konnten beide nicht sprechen und hätten auch nicht gewusst, was. Ich, weil ich im Brief eigentlich alles gesagt hatte. Er, weil er völlig überfahren war. Er hat sich seitdem per SMS gemeldet, sich für meine Liebe bedankt. Und dass er Zeit braucht, es einfach nur weh tut. Ich wünsche mir so sehr, dass wir irgendwann, mit ein wenig Abstand, nochmal miteinander reden können. Aber habe ich das "Recht" mir das zu wünschen? Ist es nicht so, dass ich jetzt allein auf seine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen habe, wo ich doch diejenige bin, die Schluss gemacht hat?
Ich fühle mich schrecklich. Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe mir die Entscheidung zu diesem Schritt nicht leicht gemacht. Und irgendwie in kleinen Schritten gedanklich wohl auch schon seit Wochen Abschied genommen. Aber es tut immernoch höllisch weh und ich schaffe es nicht, loszulassen...
Traurige Grüße
die Ente.
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Thema: Ich bin gegangen...
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15.08.2011, 14:22
Ich bin gegangen...
Geändert von quietscheente (15.08.2011 um 14:30 Uhr)
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15.08.2011, 19:16
AW: Ich bin gegangen...
Hallo quietscheenteIch weiß gar nicht genau, was ich hier will. Vermutlich möchte ich mich einfach mal ausheulen und hören, wie andere damit klarkommen. Ich habe den Eindruck, viele von denen, die hier sind, sind "Verlassene" und nicht "Verlassende". Das Aktive, das Tätertum, ist es, was mir so zu schaffen macht.
sei bitte nicht so streng mit dir selber. Es ist kein "Tätertum" wenn du eine Vorstellung von DEINEM Leben hast und das auch so leben willst.
Ja hier sind die meisten wohl Verlassene, aber trotzdem tut es dem, der verläßt auch weh. Du hast dich lange mit diesem Schritt auseinandergesetzt und weißt, dass es für dich das richtige ist, obwohl es dir nun weh tut und du leidest.
Du hast das Recht dir alles zu wünschen, aber nicht das Recht, dass er darauf eingehen muss.Ich wünsche mir so sehr, dass wir irgendwann, mit ein wenig Abstand, nochmal miteinander reden können. Aber habe ich das "Recht" mir das zu wünschen? Ist es nicht so, dass ich jetzt allein auf seine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen habe, wo ich doch diejenige bin, die Schluss gemacht hat?
Es ist schön, wenn du ihn so respektierst und auf seine Bedürfnisse Rücksicht nimmst und ihm die Initative überläßt, ob er noch einmal mit dir reden will und kann.
Du hast für dich entschieden und das bedeutet eine Menge Mut und Kraft, die wünsche ich dir auch weiterhin
Phoenix
EVERYTHING WILL BE OKAY IN THE END
If It's Not Okay, It's Not The End
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15.08.2011, 21:18
AW: Ich bin gegangen...
hallo quietscheente,
ich lass mal einen
da! weisst du, es ist ganz normal, dass es auch dem, der eine trennung beschliesst, nicht gut geht (und das sage ich jetzt zu dir und auch zu mir selbst)!
ich habe bislang 3x selbst den schlussstrich gezogen und mich auch immer sehr schlecht gefühlt in der rolle des "täters". aber wenn es nicht mehr geht und man keine gemeinsame zukunft mehr sieht, was bleibt einem anderes übrig?
meine erste selbst initiierte trennung hatte einige parallelen zu deiner geschichte. wir waren 5,5 jahre zusammen und ich hatte lange gekämpft, um dinge, die mich massiv störten, zu verändern, aber rannte da oft gegen wände. und auch ich sah keine perspektive für unsere beziehung, hatte kein bild davon, wie es mit uns sein könnte in weiteren zehn jahren (da er heirat, kinder etc. ablehnte). irgendwann waren meine gefühle dann quasi vertrocknet.
die beiden späteren trennungen hatten andere gründe. da hatte ich von anfang an gewisse zweifel an den beziehungen bzw. daran, ob meine gefühle für die männer ausreichend waren. letztendlich hab ich mich da dann gegen die fortführung von etwas entschieden, zu dem ich trotz vorhandener gefühle (aber wohl eben keine liebe) und bemühungen nicht 100%ig stehen konnte.
weh hat es in jedem der fälle getan. weil man dem anderen weh tun muss. und weil man sich eben selbst eingestehen muss, dass ein versuch gescheitert ist. es braucht seine zeit, das zu verdauen!!
was den weiteren kontakt zum ex angeht: ich denke, es ist okay, da seine eigenen wünsche zu kommunizieren (also z.B. zu sagen, dass man weiterhin gern befreundet wäre). ob der andere dann drauf eingehen mag, steht ja nochmal auf nem anderen blatt. ist sicher von mensch zu mensch und von situation zu situation verschieden.
mit ex 1 und 2 war ich jeweils nach der trennung eine zeitlang noch gut befreundet bzw. wir haben uns eben noch regelmäßig gesehen. klar hatte ich manchmal ein schlechtes gewissen, weil ich nicht genau wusste, ob sie sich hoffnungen machten, dass ich zurückkommen würde. aber eigentlich funktionierte das ganz gut. mittlerweile sind die kontakte allerdings so gut wie eingeschlafen (da die männer neue frauen/freundinnen haben).
der mann, von dem ich mich im frühjahr getrennt habe, mag leider keinen kontakt mehr haben. da hab ich auch grad ziemlich dran zu knabbern. nach viel von mir verschuldetem hin und her, hatte er um eine längere kontaktsperre gebeten, um aus der gefühlsspirale rauszukommen. selbstverständlich hab ich das respektiert. eigentlich hatten wir vorab aber beide geäußert, danach eine freundschaft versuchen zu wollen. ich hätte das sehr gern so gemacht,aber er hat mir auf nachfrage inzwischen gesagt, dass er das momentan nicht versuchen mag.
gib euch doch einfach ein bisschen zeit und signalisiere ihm dann, wie du dir in zukunft den kontakt wünschen würdest. ich denke, dein ex-freund ist erwachsen und kann dir dann sagen, ob er da ähnliche vorstellungen hat oder das anders handhaben möchte!
ich wünsche dir viel kraft für die nächste zeit,
emmiWer keinen neuen Anfang wagt, dem bleibt nur das alte Ende.
Peter Hohl
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15.08.2011, 21:36
AW: Ich bin gegangen...
Liebe Quietschente,
natürlich ist es schlimm, jemandem weh zu tun, den frau noch liebt.
Aber: ich kenne keine einzige Beziehung, in der sich beide nicht verständigen konnten, die gehalten hat.
Und klar, er hat Dich gern in seinem Leben gehabt. Aber bloß nicht zuviel....
Und hat mit Schweigen alle Krisen ausgesessen und sich letztendlich damit durchgesetzt.
Wie will man da als Paar zusammen wachsen und das Leben bewältigen?
Da hilft leider nix.
Alles Liebe
angie
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17.08.2011, 12:14
AW: Ich bin gegangen...
Danke für eure lieben Antworten. Ja, liebe Phoenix, darum gehts wohl irgendwie: sich klarzumachen, dass man das Recht hat, sein Leben zu gestalten. Ich habe in den letzten Jahren mühsam gelernt, mich nicht meilenweit hinter den Bedürfnissen und Wünschen anderer zurückzustellen. In vielem geht das inzwischen. Aber in einem solchen Extremfall, wo es nicht nur darum geht, vielleicht jemandem auf den Schlips zu treten, sondern man einen anderen wirklich wissentlich und ganz schlimm verletzt, ist es für mich noch nicht so einfach mir zu sagen, dass ich das Recht auf "mein Leben" habe. Und darauf, meinen Weg zu gehen. Es fühlt sich manchmal ein wenig nach "über Leichen gehen" an. Auch wenn ich weiß, dass es a) anders nicht ging und b) auch ein wenig zu extrem ist.
Emmi, danke, dass du von deinen Erfahrungen berichtest. Fall 1 ähnelte meinem ja wirklich sehr - auch wenn die Gefühle bei mir noch nicht ganz verdorrt sind. Aber ich bin auf dem Weg dorthin gewesen, sehr klar, und ich wollte uns eine "Gefühllosigkeit" irgendwie nicht antun. Das Problem an weiterem Kontakt ist: eigentlich sehe ich gar keine Freundschaft mit ihm. Weil ich nicht wüsste, worauf sie fußen sollte. Wie gesagt - "gute" Gespräche, in denen ich mich zeigen kann und das Gefühl habe, gesehen zu werden und die eine gewisse Tiefe haben, die über eine lose Bekanntschaft hinaus gehen, sind ja unser Hauptmanko gewesen. Und gemeinsame Aktivitäten gab es in dem Sinne auch nicht - natürlich haben wir mal was unternommen, waren spazieren oder haben es uns zu Hause gemütlich gemacht. Aber das waren halt irgendwie "Paaraktionen" und keine Hobbies, die ich jetzt mit einer Freundschaft weiterzuführen versuchen könnte. Vielleicht macht das auch einen großen Teil des Schmerzes aus - dass ich im Grunde weiß, dass das Ende unserer Beziehung uns irgendwie jede Grundlage für Kontakt nimmt. Andererseits: sollte er sich entscheiden, dass es ihm ohne Kontakt besser geht, wäre das für mich wahrscheinlich dann nicht ganz so schwer, als wenn ich mir eine Freundschaft wünschen und vorstellen könnte. Es ist alles so wirr. Ich kann mir einfach nicht so recht vorstellen, dass er nicht mehr Teil meines Lebens sein soll...
angie, irgendwie hast du es auf den Punkt gebracht. Ich hatte oft das Gefühl, er lebt sein Leben - mit Hobbies, Alleinzeit und allem was dazugehört und wenn er Lust hat, mich zu sehen, tut er das. Es war eine Frage von Prioritäten, von Zielen, von in-eine-Richtung-schauen, von sich-nah-sein und sich-nah-fühlen. Ich fühlte mich immer ein wenig außen vor gehalten. Auch wenn er mir nie das Gefühl gab, dass das mit uns nichts Festes oder Verbindliches ist. Aber eben ziellos und ohne viel Auseinandersetzung.
Mir ist klar, dass ich mir von einer Partnerschaft mehr wünsche. Vor allem mehr Tiefe. Ganz kann ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass er noch aufwacht, um mich kämpft, mich an sich ranlässt und wir gemeinsam daran arbeiten können (vllt auch mithilfe einer Paarberatung), unsere Kommunikation zu verbessern. Aber so richtig vorstellen kann ich mir das aber auch nicht.
Wahrscheinlich braucht es Zeit. Dieser Mann war 4 1/2 Jahre an meiner Seite. Er hat mir nie Böses getan - vielleicht würde mir das Loslassen dann leichter fallen. Und ich habe so viele Träume, so viele Pläne mit ihm verbunden. Bis vor einem Jahr, bis ich in seine Stadt zog, war ich mir sicher, dass mit uns alles möglich ist. Aber irgendwas hat sich dramatisch verändert. Ich hätte es nie für möglich gehalten. Scheinbar war die räumliche Nähe Gift für unsere emotionale Nähe. Beides konnte er scheinbar nicht. Keine Ahnung. Wenn ich es verstehen könnte, wärs vielleicht auch irgendwie leichter.
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17.08.2011, 22:26Inaktiver User
AW: Ich bin gegangen...
Hallo quietscheente,
ich möchte auch ein paar Worte dalassen und mich den anderen anschließen: Suche jetzt nicht irgendeine Schuld bei Dir. Nach dem, was Du schreibst, hast Du Dir die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht und ich bewundere Dich dafür, dass Du diese (und gerade diese) schwere Entscheidung dann auch tatsächlich umgesetzt hast! Das ist nicht leicht, wenn man eigentlich darauf gepolt ist (wie wahrscheinlich so viele), die eigenen Bedürfnisse eher hintenanzustellen.
Mir kommt es so vor, als sei dieser Mann vielleicht noch nicht ganz so reif, zumindest noch nicht so reif wie Du. Er ist wahrscheinlich zufrieden mit seinem Leben, seinen Hobbies und eigenen Aktivitäten, Kontakten, und mit der Beziehung, so wie sie war, und kann Deine Bedürfnisse nach noch mehr Einlassen, Verantwortung, Familie nicht recht nachvollziehen. Ihr seid ja auch beide noch recht jung mit Ende 20, da ist das ja nicht soo ungewöhnlich. Ich könnte mir auch vorstellen, dass in diesem Zusammenhang der Wechsel von einer Fernbeziehung zu einer mit mehr räumlichen Nähe, für Dich ein ganz anderes Signal gesetzt hat als für ihn.
Sei froh, dass Du diesen Schritt getan und Deine Gefühle Dir selbst gegenüber nicht länger verleugnet hast! Immerhin ist die Beziehung nicht häßlich geworden, das ist doch etwas Gutes. Ob ihr zu einem freundschaftlichen Umgang finden könnt nach einiger Zeit, kann man im Vorhinein einfach nicht wissen. Wenn es so sein soll, wird es das, und wenn nicht, dann ist es leider nicht möglich. Ihr braucht ja auch nicht unbedingt gemeinsame Hobbies, es kann doch auch schön sein, sich ab und zu sprechen, gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen oder so und einfach noch am Leben des anderen teilzuhaben. Er ist doch nicht aus der Welt, und Du auch nicht.
Lieben Gruß
nevermore
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18.08.2011, 07:15Inaktiver User
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18.08.2011, 09:58
AW: Ich bin gegangen...
Ja, vor meinem Umzug habe ich darüber einmal das Gespräch gesucht. Ihm gesagt, dass ich gar nicht weiß, ob wir in die gleiche Richtung schauen und ob er irgendwann einmal heiraten und Kinder bekommen möchte, wie sein Lebensplan aussieht. Dazu kam von ihm, dass er es noch nicht weiß. Sich darüber noch nie so richtig Gedanken gemacht hat, es auf sich zukommen lässt. Ich habe (vielleicht zu) optmistisch oder naiv darauf reagiert und mir gedacht, dass schon alles irgendwie wird, zumal ich mir für mich ja auch nicht sagen konnte, dass ich das sicher will. Hängt ja auch immer von der Beziehung, von den Lebensumständen und allem ab. Aber irgendwie habe ich nicht das Gefühl, in dem Jahr auch nur einen Schritt vorwärtsgekommen zu sein - eher rückwärts. Und dass ich mir das alles mit ihm nicht mehr vorstellen kann, hat ja auch damit zu tun, dass sich in Sachen Kommunikation solche Schwierigkeiten ergeben haben. Die wir - so zumindest mein Empfinden - in der Fernbeziehung so einfach nicht hatten.
Ja, liebe nevermore, das glaube ich auch oft. Ich habe ja auch stark den Eindruck, dass er in seinem Leben zufrieden ist, wie es ist und das gönne ich ihm ja auch. Ich für mich empfinde es halt ein wenig anders - also dass man mit Ende 20 schon allmählich die Weichen stellen, zumindest mal über die Dinge reden könnte. Aber vielleicht sind da Männer auch anders gestrickt als Frauen?Mir kommt es so vor, als sei dieser Mann vielleicht noch nicht ganz so reif, zumindest noch nicht so reif wie Du.(...) Ich könnte mir auch vorstellen, dass in diesem Zusammenhang der Wechsel von einer Fernbeziehung zu einer mit mehr räumlichen Nähe, für Dich ein ganz anderes Signal gesetzt hat als für ihn.
Danke für deine unterstützenden Worte. Ich habe jetzt schon von mehreren Seiten gehört, wie "mutig" und "bewundernwert" dieser Schritt von anderen gesehen wird. Vielleicht sollte ich anfangen, nicht für selbstverständlich zu nehmen, dass ich gelernt habe, so auf mich zu hören und für mich einzustehen. Vor 5 Jahren war ich da schon ein ganz anderer Mensch und hätte wohl bis zum bitteren Ende ausgeharrt. Und dann wären wir sicher auch nicht im Guten gegangen... Und stimmt, bestimmt wäre es auch schön, sich einfach hin und wieder zu sehen und zu hören, wie es dem anderen so geht und was er macht. Über "normale" Dinge konnten wir uns ja auch immer gut austauschen.
Liebe Grüße an euch
die Ente.Geändert von quietscheente (18.08.2011 um 13:48 Uhr)
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18.08.2011, 10:51Inaktiver User
AW: Ich bin gegangen...
Liebe Quietscheente
Erst einmal möchte ich dir ein Kompliment machen: das was du erzählst klingt für mich nach Intelligenz und emotionaler Reife.
Dann möchte ich dir sagen, dass "Täter" meiner Ansicht nach etwas anderes sind, bzw. ein anderes (und wesentlich unreiferes) Verhalten an den Tag legen: "Täter" lügen, betrügen - und vor allem: spielen mit Gefühlen. Diese Erfahrung mussten hier leider viele machen.
Das hast du ja alles nicht gemacht, du hast es versucht, warst ehrlich zu ihm, hast gekämpft. Er wird es dir irgendwann (wenn er seinen Schmerz verarbeitet hat) anrechnen
Es ist natürlich verständlich, dass du ihn noch immer sehr magst (liebst?), und dass dir eure Gespräche fehlen. Ich würde dir aber raten, ihn weiterhin zu respektieren, d.h. ihn erst einmal in Ruhe zu lassen und dann ihm die Entscheidung zu überlassen, ob er noch mit dir reden kann oder nicht - verlangen darfst du es von ihm jedenfalls nicht.
Ich wünsche dir viel Kraft
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22.08.2011, 14:59
AW: Ich bin gegangen...
Danke, liebe Alasca, für das Kompliment. Und ja, vermutlich bedeutet Tätertum ein wenig mehr, irgendwie mehr Bösartigkeit, als die reine Tatsache, mangels Alternativen seinen Weg zu gehen. Ich hoffe sehr, dass er mir das irgendwann anrechnen kann. Oder es vielleicht irgendwie schon tut. Donnerstag Abend hat er mich noch angerufen, gefragt, ob ich für uns gar keine Chance mehr sehe und ob ich jemanden kennengelernt habe. Ich habe versucht ihm zu vermitteln, dass das schwer zu beantworten ist, weil sich viel bewegen müsste. Weil es so, wie es war, einfach nicht weitergeht. Es mir nicht gut ging. Und er war - danach habe ich ihn gefragt - auch nicht mehr glücklich damit, wie es war. Zuviel Distanz zwischen uns. Angesprochen hat er das natürlich nie, auch nicht, dass er irgendwann das Gefühl hatte, nichts mehr richtig zu machen, weil ich viel an ihm herumgemäkelt habe. Ob er wohl dachte, dass sich das von allein irgendwann wieder normalisiert? Mir fällt es so schwer, diese Einstellung zu verstehen.
Das Gespräch hat mir gut getan. Vor allem zu hören, dass er zurzeit viel über sich und sein Leben, seine Ziele nachdenkt. Ob es uns zusammenbringt, weiß ich nicht. Er muss erst einmal Gedanken sortieren, sagt er und ich habe für mich auch mit einer bemerkenswerten innerlichen Ruhe gespürt: SO möchte ich es nicht mehr. Ich habe den richtigen Schritt getan. Was jetzt wird, wird sich zeigen. Ich habe viel Hoffnung. Und noch viel Liebe in mir. Aber ich kann auch nicht um jeden Preis zurück.
Das Wochenende wiederum war im Gegensatz zur gut gefüllten Woche eine echte Qual. Schon als "glücklicher" Single fand ich Wochenenden furchtbar. Jetzt habe ich noch dazu viel zu viel Zeit, mir den Kopf zu zerbrechen und an meinem Schritt zu zweifeln. Was man da innerlich für Dialoge führt... Furchtbar. Zum Glück hat die Arbeitswoche wieder angefangen. Fühle mich gleich halbwegs normalisiert.
Danke an euch und allerseits einen guten Start in die Woche!


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