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    Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo Ihr,

    Ich weiss gar nicht, ob der Strang hier besser im Trennungsforum oder im Gesundheitsforum aufgehoben ist. Habe mich am Montag von meinem Freund getrennt, nachdem ich 9 Monate ein totales Auf- und Ab in der Beziehung erleben musste.

    Meine Frage ist, wie ich jetzt verfahren soll.

    Zur Vorgeschichte: Schon im November hatte ich mein Problem gepostet unter dem Titel “Wie umgehen mit Abhängigkeitsbeziehung?” ( Wie umgehen mit Abhängigkeitsbeziehung? - BRIGITTE.de-Community ) Damals dachte ich noch, es wuerde einen Weg geben. Nun habe ich erkannt, dass ich mich trennen musste.

    Mein Freund (36) hat in den letzten Monaten, Streits vom Zaun gebrochen, mich der Untreue bezichtigt, 15 mal mit mir Schluss gemacht, kam dann wieder an. Unterstellte mir dann wieder, ich wuerde ihn nicht lieben, sogar nach anderen Maenner Ausschau halten, schwor mir dann seine ewige Liebe. Machte mir einen Heiratsantrag und sperrte mich einen Tag spaeter aus der Whg aus. Verdrehte jedes Wort, das ich sagte, sodass ich stellenweise dachte, verrueckt zu werden. Und vieles, vieles mehr. Das alles hat dermassen an Fahrt gewonnen, dass ich nur noch die Notbremse ziehen konnte. Habe, was ich in zwei Koffer bekommen konnte eingepackt, den Rest meiner Sachen weggeworfen, ihm einen Brief geschrieben und bin am Montag zu Freunden in eine andere Stadt gezogen. Habe seit heute auch eine Wohnung, also der “Rueckweg” ist auch verbaut.

    Jetzt erst, diese Woche, nach der Trennung hat mir ein Arzt mitgeteilt, dass mein Freund eventuell eine Borderline Persoenlichkeitsstoerung hat (per Ferndiagnose kann man das ja schlecht feststellen, aber meine Beschreibungen seines Verhaltens gaben wohl Anlass zu dieser Aussage). All die Zeit konnte ich sein Verhalten nicht einordnen, habe versucht, mich anzupassen, um seinen Ausbruechen zuvor zukommen. Nun habe ich schon viel gelesen ueber Borderline auch hier im Forum (RoadToXanadu’s Thread zu ihrer Trennung) und bin so erschrocken. Und erkenne so vieles wieder, was zur klassischen Beschreibung von Borderlinern zaehlt: Idealisierung des Partners (Er hat mich schon nach zwei Tagen als seinen Seelenverwandten, als seine Traumfrau bezeichnet, mit der er 5 Kinder haben moechte), Verteuflung des Partners (“Mit so jemand wie Dir kann ich nicht zusammen sein”), Alkoholmissbrauch, (zu frueheren Zeiten) Drogenmissbrauch, fehlendes Koerperbewusstsein (Rauchen, unnoetige Hautprobleme, unnoetige Zahnprobleme, Essstoerung), emotionale Grausamkeit und so weiter und so fort. Und ich habe auch den Begriff der Co-Abhaengigkeit gelesen. Komme selbst aus einer Alkoholikerfamilie und bin offensichtlich vorprogrammiert mit jemand anderem zu leiden, bzw. ihm helfen zu wollen. Und diese Abhaengigkeit gibt es wohl nicht nur in Bezug auf Alkoholiker sondern auch Borderlinern.

    Nun weiss ich nicht ganz, wie ich weiter machen soll. Soll ich ihm (und mir) noch Hoffnungen machen oder nicht? Ich denke und hoffe so: Wir sind getrennt. Er macht eine Therapie. Wie schauen in einem Jahr, ob wir wieder zusammen sein wollen.

    Aber das ist wohl zu einfach? Seit der Trennung haben wir zweimal telefoniert. Er weint ganz ganz schlimm, so dass ich auch weinen muss. Er sagt, es taete ihm alles so leid, er haette jetzt die Erkenntnis, er wuerde eine Therapie machen, wenn ich doch nur jetzt sofort zurueckkaeme. Das tut mir so leid und auch so weh und ich moechte es so gerne glauben. Habe ihm in den zwei Telefonaten auch gesagt, dass ich ihn liebe und es nur noch die Chance durch diese Trennung gibt, dass er sich auf den Weg macht, seine Probleme zu loesen sodass wir dann von neuem starten koennen. Aber erst nach einer richtigen Trennung. Leider hat er meine “Logik” gar nicht verstanden und seine Reaktion schwankte von Flehen zu Beschimpfen. Sein Argument ist, dass ich ihn gerade jetzt nicht fallen lassen darf und mit ihm auch diese Krise durchstehen muss. Muss ich das? Ich war eigentlich ueberzeugt, dass ich fern bleiben muss, da wir sonst aus der Spirale nicht mehr herauskommen. Ausserdem bin ich koerperlich total fertig, und ich habe Tatsachen geschaffen. Ausserdem frage ich mich, inwieweit meine Vorstellung einer “Trennung bis zum therapeutischen Erfolg” unfair ist ihm gegenueber oder sogar Ausdruck meiner eigenen weiter bestehenden Co-Abhaengigkeit auch nach der Trennung (damit meine ich, dass ich auch nicht loslassen kann und mir durch die Gespraeche eben den Kick abhole, den ich sonst bei ihm direkt bekommen habe.)

    Bin sehr, sehr traurig, durcheinander und kaputt aber freue mich ueber eine klare Sicht auf die Dinge.
    ini
    Non siamo soli

  2. Inaktiver User

    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Zitat Zitat von ini. Beitrag anzeigen
    Bin sehr, sehr traurig, durcheinander und kaputt aber freue mich ueber eine klare Sicht auf die Dinge.
    ini
    Hallo Ini.

    Tatsächlich kann ich mich an Deine Geschichte erinnern und für den Moment..., ich weiß sehr gut, wie weh das tut.

    Für das Jetzt einfach ein paar Tipps, die ich aus meiner eigenen Erfahrung und Verarbeitung weitergeben kann.

    Du hast den ersten (!, muss nicht der letzte gewesen sein) Absprung geschafft, allerdings den ersten deutlichen. Herzlichen Glückwunsch. Das soll nicht hämisch oder irgendwie ironisch klingen, das meine ich ganz bitter ernst, denn diesen Schritt zu gehen, aus einer Abhängigkeitsbeziehung, zeigt, dass Dein eigenes Schutzsystem wieder ansgeprungen ist. Das ist die gute Nachricht.

    Dein Hoffen kann ich auch verstehen, bei mir lief es recht ähnlich ab, Beginn einer Therapie und zusammen durchstehen und und und. Ich sagte es Dir damals schon und wiederhole mich. Die Therapie hat gar nichts bewirkt, heute weiß ich, sie hat die Muster verstärkt bzw. er fährt sein altes Muster gnadenlos weiter, nur mit neuen Interaktionspartnern. Jetzt aber therapeutisch untermauert. Übrig blieb, dass wir an den Umständen gescheitert seien. Er hat die Verantwortung, mal wieder, abgegeben.

    Ich habe auch stückchenweise losgelassen, es, nach dem Auszug nicht sofort geschafft, erst mit dem Wissen, dass dieses ganze abstruse Verhalten einen Grund hatte und bin dabei vor Schmerzen fast zusammengebrochen.
    So schwer es ist. Absolute Kontaktsperre ist der erste Schritt, damit Du wieder auf die Beine kommst.

    Darf ich fragen, warum er in Therapie ist. Was ist sein Grund? Liegt das Thema, also sein Verhalten (ganz egal welchen Namen es trägt) wirklich auf dem Tisch oder werden Nebenschauplätze abgearbeitet?

    Ich lade Dich ein, in den Münchhausen Strang zum kommen (unter Treue und Lügen in der Liebe). Lass Dich von dem Titel nicht schrecken, Menschen wie Dein vielleicht Ex dieser Coleur bzw. die Expartnerinnen wirst Du dort finden. Die genau das kennen, was Du hier beschrieben hast.

    Du erkennst schon sehr klar Deine eigenen Anteile, aber... gemach gemach. Momentan bist Du in einem Zustand, so lese ich ihn aus Deinen Zeilen, der Dich an den Rand Deiner Kräfte gebracht hat. Zu verstehen, wie so ein Mensch tickt, dabei diesen Liebeskummer und den Verlust auszuhalten, ist ein wahnsinniger Brocken.
    Überfordere Dich nicht, man kann das nicht alles zur gleichen Zeit stemmen.

    Kennst Du das Buch "borderline brach herz"? Das möchte ich Dir empfehlen. Einfach aus dem Grund, weil es die Züge dieser destruktiven Beziehung so klar beschreibt und auch hilft zu verstehen und zu trösten und sehr nachhaltig Tipps bereithält, für das Danach.

    Es ist eine bescheidene Zeit. Und es tut so weh. Guck' bitte bitte nach Dir und komme erst zur Ruhe. Sammel Wissen, lies Erfahrungsberichte und lass Dich nicht (mehr) emotional erpressen. Grenze Dich deutlich ab, wirklich am besten, ich wiederhole mich: durch absolute Kontaktsperre.

    Ein tröstender Gruß in den Abend,

    narrare.

  3. Inaktiver User

    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo ini.,
    direkt hatte ich noch nie mit einem Borderliner zu tun, aber allein, wie du die Situation beschreibst, würde ich dir raten, dich erstmal aus der Situation rauszunehmen. Wenn er wirklich den Willen hat, etwas zu ändern (unabhängig davon, welche der vielfältigen Problematiken es ist), dann wird er das nur mit professioneller Hilfe in einer Therapie schaffen.

    Du gehst kaputt, wenn du dir das noch länger antust.

    Deine Gedanken und Gefühle gehen schon in die richtige Richtung, so empfinde ich das zumindest. Evtl. kannst du dich vielleicht in einer Beratungsstelle für Co-Abhängige noch mehr informieren?

    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen.

    Alles Liebe,
    Sisa

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    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Liebe ini,

    hier ini die zweite ich war genau wie Du heute vor vielen Jahren mit einem Borderliner zusammen, der erst diagnostiziert wurde, als ich mich in einer völlig zerrissenen Situation von ihm trennte und er völlig abstürzte, inkl. Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Nach langer Zeit und Therapie und Wieder-aufeinander-zu-bewegen haben wir letztlich geheiratet und ich dachte, es wird alles gut. Nach einer guten Zeit noch mit begleitender Psychotherapie brach er diese dann ab. Ein Zeitlang lief es noch gut, dann begannen die alten Muster wieder durchzubrechen, einerseits Idealisierung und Verwöhnen, andererseits brutale Wutausbrüche, ständig Doppelbotschaften, Empathieverlust und schließlich sein Rückzug. Letztlich habe ich mich von ihm wieder getrennt um meiner eigenen psychischen Stabilität willen. Mit einem echten Borderlner zu leben schaffe ich definitiv nicht. Es tat ungeheuer weh, da ich ihn auch heute noch sehr mag - aber zusammenleben geht nicht. Ich kann Dir nur raten - was Du auch selbst im Innersten schon erkannt hast - laß es. Du bist nicht seine Therapeutin ... Schau nach Dir und bleib bei Dir!

    Alles Liebe für Dich, Katreina

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    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo Ini,

    jetzt schreibt Dir mal ein Mann.
    Ich sag nur DEJA VU.
    Vor etwas über 2 Jahren habe ich mich zwangsweise von einer im Nachgang diagnostizierten Borderlinerin trennen müssen, da ich nicht mehr konnte.
    Nun mit Abstand kann ich Dir vielleicht zumindest ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben.
    Ich bin damals komplett auf dem Zahnfleisch gegangen und hatte hier auch mal Rat gesucht und auch gefunden (deswegen lese ich auch hier bis heute und versuche im Gegenzug auch mal zu helfen, so wie mir geholfen wurde).
    Ganz wichtig: Konzentrier dich mit all Deiner Energie nun nur auf Dich. Du hängst gerade in der rückblickenden Phase, bei der wir Menschen leider gerne dazu tendieren, nur die schönen Dinge zu sehen und zu vermissen, obwohl die Probleme immer noch präsent sind.
    Mit etwas Abstand kommt man zur Ruhe und das Rad der Gedanken dreht sich.
    Ich weiß noch genau, wie oft ich in der Beziehung und auch lange danach immer wieder da gesessen habe, gegrübelt habe und auf viele Fragen, die sich aus für mich unsinnigen Stresssituationen aus der Beziehung und auch aus IHREN Verhalten nach der Trennung ergaben.
    Ein Fazit für mich war dann irgendwann ganz klar und brutal: Auf viele Dinge wirst Du nie eine Antwort erhalten oder es logisch nachvollziehen können. Ich habe damals ohne Ende Fachlitherartur gelesen, mich mit meinem Neurologen (bin Migränepatient), der auch psychologisch behandeln kann, zig Gespräche geführt (und versuche nichts zum Thema Borderline und WWW via Google etc heraus zu finden, da es ein sehr, sehr komplexes Thema ist und ich Dir versichern kann, dass Du via WWW ein falsches Bild zu dem Thema bekommen wirst).
    Ein Fakt bei Borderline ist fast immer, dass der Betroffene die Störung nicht erkennt oder auch gar akzeptiert. Eigentlich ist es auch nicht genau behandelbar. Resultat bei vielen Behandlungsansätzen ist leider fast immer Rückfall in alte Verhaltensmuster.
    Und Borderline ist so breit gestreut in der Art der Äußerung, so wie Menschen nunmal individuell verschieden sind.
    Alleine die Diagnose zu dem Thema ist mega komplex.
    Ohne jetzt in alle Nuancen hier erklärungstechnisch verfallen zu wollen, gebe ich Dir den gutgemeinten Rat nichts erwartungsmäßig in Telefonate und Versprechungen zu investieren.
    Ich bin mir sicher, dass der Eiertanz immer wieder durchbrechen wird. So, wie Du Deinen Partner beschreibst, sind so viele Baustellen zu bewältigen, die ihn ersteinmal selbst betreffen, dass das soziale Verhalten im Bezug auf Dich und eine Partnerschaft da ganz weit hinten stehen wird. Akt der Verzweiflung mit telefonischen Versprechungen sind Momentaufnahmen. Alleine, was er im Bezug auf sich und Veränderungen, die nicht nur davon leben, dass die über eine gewissen Zeit mit Hilfe eines Psychologen immer wieder in wöchentlichen Sitzungen angetriggert werden und so greifen, sondern dass da ein für sich gestärkter Mensch draus hervorgeht, der mit Kontinuität möglichst den Rest seines Lebens für Dich als adäquater Partner, aufbringen muss, bedingt ein sehr großes Zeitfenster und Kraft. Darauf noch eine Partnerschaft zu bauen, die für Dich auch akzeptabel ist, halte ich für nicht machbar.
    Du wirst wieder vor die Hunde gehen und unterschwellig bei jeder Kleinigkeit wie ein verunsichertes Wesen da sitzen und Angst bekommen.

    Glaub mir, ich wünsche Dir einerseits, dass du glücklich leben kannst, aber ich weiß auch, dass Du aktuell am Boden bist gepaart mit Hoffnung und Gefühlen für einen Menschen, dem Du es so nie recht machen kannst. Ich vergleiche das mit mir damals:
    Ich hätte nackt auf einem Arm einen Handstand machen können und singen können - es wäre bei ihr nicht angekommen. Diese Menschen sind unbewusst so sehr mit sich selbst und ihrem Seelenleben beschäftigt, dass DU keine Chance hast.
    Und wenn das was mit gemeinsamer Zukunft sein soll, dass kann er nur in der nächsten Zeit (und das ist keine Frage von ein paar Wochen) all seine Energie nur in sich selbst stecken.
    Mal eben zum Psychologen und ab der ersten Sitzung wird es besser, wird bei dem Thema nicht möglich sein. Und dann parallel dazu ein Leben mit Dir und Alltag, wird darin enden, dass Du vielleicht nun wieder alles aufgibts, zurück gehst und wir in naher Zukunft hier wieder das Gleiche von Dir lesen werden. Dann aber noch einen Zacken schärfer, da Du nochmals Zeit, Geld, Nerven, Gefühle und vor allen Dingen SELBSTACHTUNG, die DU aufgegeben hast, investiert haben wirst.

    Viel wichtiger halte ich aber noch einen anderern Aspekt bei Dir - und da ist was, was Du für Dich tun solltest:
    Wenn Du familiär vorbelasstet bist ggf. auch in ein Verhalten bezüglich Hilfekomplex zu haben, solltest Du Dich mit dem Thema auseinander setzen. Ich habe dabei einfach ein ungutes Gefühl, dass Du ggf, immer wieder an solche Kandidaten geraten wirst, die Dir nicht gut tun. Und wenn DU selbst ja schon einen Verdacht hast, wäre es ggf. gut mal sich damit aktiv auseinander zu setzen.
    Glaub mir - einen Profi dabei um Hilfe zu bitten, tut nicht weh, ist fast schon gesellschaftliche Normalität und ich kann Dir in meinem Fall nur bestätigen, dass ich es im Nachgang für eine der besten Entscheidungen in meinem Leben halte. Du wirst in irgendeiner Form gestärkt daraus hervorgehen. Interessant, wenn man für sich erkennt, wie man in gewissen Situationen reagiert und funktioniert.

    Bitte verstehe das nicht so, dass ich hier mich als allwissend sehe. Ich kann Dir nur so schreiben, wie ich nach meinem Waterloo denke und was ich für mich daraus erkannt habe unter Berücksichtigung, dass ich für mich - um aus dem Loch wieder raus zu kriechen - professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe. Dabei die Hlife nicht primär um ihre Probleme für mich erkenntlich und verständlich zu machen, sondern dies nur als eine Begleiterscheinung im Zusammenhang mein Problem der Verarbeitung aufzuarbeiten.
    Liebe Grüße und einen großen Ferndrücker !
    Andreas
    Geändert von espressofan (02.05.2010 um 15:09 Uhr)

  6. User Info Menu

    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo Ihr Lieben,

    Danke, danke, danke fuer Eure Antworten. Habe sie ein paar mal gelesen und wertvolle Tipps bekommen.

    Gestern Abend gab es noch ein Telefonat in dem er sehr viel ruhiger war, nicht mehr so verzweifelt und meinte, er wuerde alles tun, um auf die Beine zu kommen. Angeblich nicht meinetwegen, sondern weil es bereits das zweite Mal ist, dass ihn eine Frau verlassen hat, indem sie die Koffer packte und heimlich verschwand und er nun ein Schuldbewusstsein entwickelt haette. Ich weiss aber natuerlich, dass diese “versoehnliche” Phase nicht von langer Dauer sein wird, und das Wut und Verzweiflung sich auch wieder ihre Bahn brechen werden. Trotzdem ging es mir besser nach dem Gespraech.

    Aber genau dieses Gefuehl betrachte ich nun, nach dem Lesen Eurer Beitrage mit Sorge. Thema Ko-Abhaengigkeit und Nicht-Loslassen-Koennen. Fuehle mich nun eigentlich sogar ein wenig zu sehr zu Versprechung "Wird alles wieder gut" gezwungen. Aber das ging halt gar nicht anders in der Situation des Telefonates, wenn ein Mensch so weint. Er meinte auch, ich sei es uns “schuldig” ihm eine Chance zu geben, vor allem, da ich ja “ohne Vorwarnung” gegangen sei. (Stimmt natuerlich nicht... aber wenn ich das dann sage, stecken wir mitten in einer der alt bekannten Diskussionen fest, in dem alles gedreht und verzerrt wird, bis der Kopf qualmt).

    Nun wird mir der Sinn einer Kontaktsperre sehr viel klarer. Es geht gar nicht nur darum, sich vor seinen Grausamkeiten und Anschuldigungen zu schuetzen sondern auch vor emotionalen Verstrickungen und Erpressungen. Ich muss nachdenken, wie ich da wieder rauskomme, ohne gemein zu sein. Und ich muss daran arbeiten, MICH zu sehen und nicht ihn. Oh Menno.


    @narrare

    Ganz lieben Dank fuer Deine troestenden Worte. Ich aerge mich jetzt so, dass ich mich auf die Telefonate eingelassen habe, denn ich fuehle mich ein wenig in der Falle. Du hast recht: Kontaktsperre. Zu Deiner Frage: Seine Therapie hat ja noch gar nicht begonnen. Und ja, es war meine Idee. Schon damals im November, nachdem Schluss war und wir nach einer Woche wieder zu reden begannen, war die Therapie meine BEDINGUNG dafuer, dass wir zusammenbleiben/wieder zusammenkommen. Naja, Du kannst Dir ja denken, was passiert ist: Er holte sich einen Termin, dann kam etwas dazwischen, und als ich ihn daran erinnerte, wurde er fuchsig, ob ich jetzt mal diesen Unsinn lassen koennte – aber da war ich ja schon wieder voll und ganz mit ihm zusammen. Damals wusste ich auch noch nichts von Borderline, dachte nur, er haette irgendein Impulsproblem und die Abhaengigkeitskiste, oder so. Nun scheint er zumindest entschlossen, sich Hilfe zu holen. Aber Du schreibst ja auch, dass Therapie nicht unbedingt Therapieerfolg bedeutet.

    Danke auch sehr fuer den Buchtipp. Darueber hatte ich auch schon in einem anderen Strang gelesen und versuchte das Buch am Freitag zu bekommen. War aber nicht verfuegbar und ich versuche es morgen woanders noch einmal.

    @ Sisa04

    Ein sehr guter Hinweis, eine Beratung einzuholen. Habe mir eine Selbsthilfegruppe herausgesucht. Natuerlich habe ich zuerst nach SHG fuer Borderline-Angehoerige geschaut. Errrrrg. Fehler! SHG fuer Ko-Abhaengige. Ich gehe da naechste Woche hin und schau mal, was mich dort erwartet.

    @ Katreina

    Oh, das ist so schrecklich zu lesen, dass Du nach Trennung dann doch wieder geglaubt hast, durch Therapie und aehnliches waere er in der Lage, eine gute Beziehung zu fuehren. Wie weh muss Dir die “zweite” Erkenntnis erst getan haben. Ich hoffe, Du konntest Dich seelisch wieder erholen.

    @ espressofan

    Hallo Andreas, danke fuer Deine Perspektive. Du hast recht, ich habe auch sehr viel ueber sein Verhalten nachgedacht und versucht, mir dieses logisch zu erklaeren. Ohne Erfolg. Deshalb geht es mir gedanklich jetzt mit dem Borderline-Schema (denn ER wurde ja (noch) gar nicht diagnostiziert) so gut, denn fuer mich macht nun auch das Unsinnige Sinn. Habe gestern abend wieder Berichte von Angehoerigen gelesen und war schon wieder so erschrocken, teilweise die gleichen Saetze zu lesen, die ich noch vor einer Woche habe hoeren muessen. Auch wenn Du meinst, ich solle, was ich im www zu Borderline lese nicht auf ihn anwenden, so helfen mir eben diese Bericht von Angehoerigen. Es hilft mir zu lesen, dass Menschen GENAU die gleichen Erfahrungen gemacht haben und aehnliche Gefuehle der Hilflosigkeit, Unsicherheit und Verwirrtheit erleben mussten wie ich. Ich lese also gar nicht so viel ueber das Syndrom an sich, sondern ueber den Umgang mit dem Menschen, der betroffen ist. Ob nun Borderline oder was anderes, mir hilft die Substanz des Geschriebenen. Und auch dort immer wieder die gleiche Konsequenz: Kontaktabbruch, Selbstfuersorge. Das ist fuer mich noch schwer anzunehmen. Hier habe ich noch die falschen Muster. Die zu aendern faellt mir schwer. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich ihm gegenueber LIEB meinen Wunsch nach Kontaktabbruch vermitteln soll. Ich kann mir naemlich umgedreht gerade gar nicht vorstellen, ihn durch Abbruch des Kontaktes noch einmal so zu verletzen, wie mit dem Auszug. Er klammert sich ja geradezu an den Telefonkontakt und meine Aussage, es wuerde alles gut werden. Ich kriege diesbezueglich meine Perpektive momentan gar nicht scharf gestellt.

    Ein guter Hinweis, dass auch ich eine Therapie machen sollte. Fuer mich kommt nur professionelle therapeutische Unterstuetzung leider nicht in Frage, da meine KK das nicht uebernimmt. Aber perspektivisch werde ich ja mal mehr verdienen und eine bessere KK haben und dann genau dieses Problem angehen. Kommende Woche versuche ich mein Glueck in einer Selbsthilfegruppe.

    @ Alle

    Noch einmal ganz lieben Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, meinen Text zu lesen und darauf so ehrlich und offen zu antworten. Es gibt mir Mut, dass einige von Euch in aehnlichen Situationen waren und es geschafft haben. Ich moechte so gerne einen Weg finden, mein Denken, und damit auch Handeln zu veraendern, damit ich mich nicht nur in absoluten Extremsituationen retten kann (Auszug nach einer mehrwoechigen Psychoterrorphase) sondern mich auch in weniger dramatischen Phasen nicht mehr einlullen lasse (wie jetzt).

    Danke

    ini
    Non siamo soli

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    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo Ini,

    nun sitze ich hier mit einem Grinsen im Gesicht, denn Du hast den ersten richtigen und für Dich wichtigen, weiteren Schritt getan.
    Und ich verspreche Dir, es wird besser. In einiger Zeit wirst Du zurück blicken und entspannt zurück schauen. Ich weiß aus eigener Erfahrung dass man in der Situation trotz aller guten Vorsätze und Vernunft eine gewisse Ungedult hat.
    Es kommt aber ganz leise und ohne Ankündigung, dass es besser geht. Das wird einem auf einma bewusst ohne dass man jeden Tag bewusst darauf achtet. Ich weiß noch, dass es bei mir damit anfing, nicht jede verdammte Minute darüber nachzudenken und sich die Nächte schlaflos um die Ohren zu hauen. Und man freut sich und lächelt wieder über Dinge, die man lange nicht um sich herum wahrgenommen hat.

    Es ist nicht einfach einem anderen zu sagen, was genau zu 100% das Richtige ist, was man tun sollte. Und alle Trennungen und Situationen sind nunmal komplett unterschiedlich.
    Absolut interessant finde ich Deinen Ansatz sich mal über die Angehörigen-Betroffenen einzulesen. Darauf bin ich damals nicht gekommen.
    Heute schüttel ich auch nur den Kopf darüber, wie ich damals eingeknickt bin. EIgentlich bin ich ein sehr, sehr starker, geradliniger und willensstarker Mensch. Mein Problem damals war für mich ihre Kleine, die mit daran hing und die ich ohne Ende vermisst habe.

    Kontaktsperre habe ich damals mit aller Macht durchgezogen. Bei mir kamen dann 2 Faktoren hinzu: Sie ist mit der Kleinen gerade mal 200m weiter gezogen und hat in unserem Freundeskreis die tollsten Lügen mit einer Unermüdlichkeit erzählt, dass mir schwindelig geworden ist.
    Nunja - das ist Vergangenheit und DU hast einen riesen Vorteil:
    DU BIST RÄUMLICH WEIT GENUG WEG. Mein Rat - versuche ihm gegenüber möglichst abzutauchen zumindest für die Zeit, bis Gras über die Sache gewachsen ist.
    Ja und meiner Meinung nach solltest Du ihm deutich sagen, dass Du Kontaktsperre willst. Und wenn er nicht nachlässt, änder die Handynummer. Du hast lange genug Energie gegeben (und glaub mir - ich kann es nachvollziehen wie leer man irgendwann ist). Es kann nicht sein, dass Du nun auch nur den Hauch eines schechten Gewissens hast auf Basis momentaner Versprechungen seinerseits gepaart mit emotionalem Druck Dir gegenüber. Glaub mal, dass er genau weiss, wie er auf Dir wie einer Klaviatur spielen muss und welche Tastendrücke was bewegen.

    Du, Du, Du und nochmal Du stehst jetzt einzig und allein im Vordergrund, was Dir gut tut. Sorry, aber ich muss Deinem Fürsorgeinstinkt nun mal zwischen die Augen hauen

    Und wegen Hilfe für Dein Seelenleben - kapper mal freie EInrichtungen ab - oft sind auch kirchliche Träger dabei, die auch nicht schlecht sein müssen. Keine Angst - man wird da nicht vom Heidentum bekehrt....

    Und weisst Du, was das Schönste an Deinem neuen NEST ist? Das ist Deins und das kannst Du so gestalten, wie Du es willst. Ein Ruhepol ist für Dich auch sehr wichtig, damit Du auch mal wieder Energie auftanken kannst.....

    Liebe Grüße
    Andreas

  8. Inaktiver User

    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Zitat Zitat von espressofan Beitrag anzeigen
    Kontaktsperre habe ich damals mit aller Macht durchgezogen. Bei mir kamen dann 2 Faktoren hinzu: Sie ist mit der Kleinen gerade mal 200m weiter gezogen und hat in unserem Freundeskreis die tollsten Lügen mit einer Unermüdlichkeit erzählt, dass mir schwindelig geworden ist.
    Da musste ich jetzt grinsen...

    Mein Ex hat sich eine bezahlbare Einliegerwohnung gesucht, die noch im nahen Umkreis liegt, knappe 15 Minuten Fahrzeit. Er hatte keine Freunde, aber schon nach ein paar Wochen nannte er großmundig bis dato unbekannte Menschen "neue Freunde".

    Ich bekam dann Botschaften übermittelt, z.B. über seine Vermieterin, er solle mich nicht treffen, wenn ich vor dem Eisprung oder meinen Tagen wäre, ich würde ihn evt. sexuell benutzen. Daraus wurde später der laut ausgesprochene Vorwurf, ich habe ihn sexuell mißbraucht. Narrare ist wirklich eine ganz schlimme.
    Überhaupt, es dauerte nur 6 Wochen, nachdem ich mich endgültig getrennt hatte, bis der Vorwurf dann klar im Raum lag. Er war nämlich mein Opfer gewesen. Ich muss irgendetwas übersehen haben...

    Neun Monate nach der endgültigen Trennung fragte er an, ob ich wohl als narrare in der Bri schreibe und dass ich seine persönlichen Grenzen damit verletze. Nachdem ich mich auf Mod-Ebene versichert hatte, dass mich hier an die Regeln gehalten hatte und er nicht erkennbar ist (ich habe schon wieder an mir gezweifelt) habe ich beschlossen, hier auch weiter zu schreiben. Aber erst heute schreibe ich so richtig "frei", es war ein unglaublich fahles Gefühl, zu wissen, er liest das alles nach. Sein Kommentar dazu war, ich müsse ja nicht in einem öffentlichen Forum schreiben, ich sei ja selber schuld. Nu, in dem Fall gerne! Ach... und außerdem hätte er sich Infos holen müssen, für die Vorbereitung auf ein Abschlussgespräch, das wir in der Tat hatten, allerdings schon ein halbes Jahr zuvor, wirklich... schnuffig das kleine Kerlchen.
    Ein knappes Jahr nach seinem Auszug kam hier immer noch Post für ihn an, er hatte, trotz meiner Bitte, gewisse Adressen nicht geändert und ich es war es leid bzw. wollte auch meinen Kindern diese Briefe ersparen. Ich suchte das persönliche Gespräch, d.h. ich fuhr zu ihm, stellte fest, dass er nicht mehr in der Einliegerwohnung wohnte und wurde von den Nachmietern darauf hingewiesen, dass er nun im Haupthaus wohne. Oben öffnete mir die Vermieterin, mit verklärten Blick und Kerzenscheinmeer im Hintergrund, ihr und sein Name am der Klingel, ich könne gerne auf ihn warten, er würde gerade ihr Kind abholen. Ich habe dankend abgelehnt und erhielt kurz darauf einen hektischen Anruf, was ich gewollt habe und er habe auch keine Beziehung mit der Vermieterin, er sei da nur "so" hochgezogen.
    Seiner Exex hat er übrigens seinen Einzug bei mir damals damit begründet, er hätte das getan, damit ich mein Haus halten könne (während ich vor allen Dingen für ihn zahlte). I was not amused.
    Das mal so als Auszug von dem, wer wie was transportiert und darstellt. Welch' köstliches Theater, wahrscheinlich war da wieder der Troll aus dem Sommernachtstraum unterwegs und hat seine Tropfen verteilt.

    Ini. Mit Betroffenen den Austausch zu suchen hat einen eklatanten Vorteil. Du musst nichts erklären. Im "normalen" Umfeld, egal wie gut und wie nah man das miterlebt hat, ist es weitaus schwerer, denn dieses ganze Verhalten ist absolut irrational bzw. ihre Außendarstellung hat ja mit dem nichts zu tun, was man in der Beziehung tatsächlich erlebte.
    Mit längerem Abstand wird es einem immer unerklärlicher, warum man nicht sofort aufgewacht ist. Du hast allerdings doch recht schnell die Konsequenzen gezogen, das wird Dir im Abarbeiten und Loslassen helfen, es heißt nämlich nichts anderes, als dass Du Deine gesunden Anteile in Sachen Grenzen reaktiviert hast und Du bist dieser Art von Konditionierung auch nicht so lange verhaftet gewesen.
    Schon jetzt finde ich, dass Du unglaublich klar denkst und Dich sehr deutlich auch selber betrachtest. Meinen Respekt dafür.

    "Lieb" kann man die Kontaktsperre nicht durchziehen. Ich habe damals sogar ganz bewußt ein Gespräch gesucht und das erste Mal gezielt seine Knöpfe bedient. Ich wußte, so läßt er mich los, die Kommentare reichten von "krank, nicht ohne Therapie überlebensfähig, hysterisch, hypersensibel", er ist völlig ausgerastet, aber genau an diesem Punkt wollte ich ihn haben. Ja, das war auch manipulativ, und nein, stolz bin ich nicht drauf, aber nur so konnte ich alles einreißen und mir sicher sein, dass er mich in Ruhe läßt.
    Im Übrigen hat er innerhalb von Wochen sein soziales Umfeld ausgetauscht, sie sind darin Weltmeister, Du brauchst Dir keine Sorgen um ihn zu machen. Wirklich nicht.

    Dir weiterhin viel Kraft und ein lieber Gruß,

    narrare.

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    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Hallo Andreas und narrare

    Vielen Dank fuer Eure Beitraege. Sie haben mir auf ganz unterschiedliche Art und Weise schon geholfen. Denn gestern gab es das “Abschlussgespraech”. Davor hatte ich schon esspressofans Text gelesen. Heute Deinen, narrare.

    Zitat Zitat von espressofan Beitrag anzeigen
    Glaub mal, dass er genau weiss, wie er auf Dir wie einer Klaviatur spielen muss und welche Tastendrücke was bewegen.
    Diesen Satz habe ich mir immer wieder gesagt, wenn es “zu bunt” wurde im Gespraech. Mein eigentliches Ziel im Gespraech war es, eine zeitweise Kontaktsperre durchzusetzen, damit ich auch mal zur Ruhe kommen kann. Das ging nicht und nach mehrmaliger Unterbrechung des Telefonates durch ihn kam er mit Grabesstimme zurueck an den Hoerer und meinte, er wuerde jetzt den Kontakt ganz abbrechen und wir seien so richtig auseinander ohne Hoffnung. Ich denke, das war sein letzter Versuch, mich umzustimmen, denn er weiss (Klaviatur), dass ich Probleme habe mit Saetzen wie:

    - Ich loesche Dich aus meinem Mobiltelefon,
    - Ich lebe nun mein Leben weiter ohne Dich
    - Ich werde eine neue Beziehung haben

    Natuerlich weiss und wuensche ich ihm, dass er gluecklich wird, aber dass er diese Saetze in so einer Situation sagt, war als Peitschenhieb gedacht. Weitere Highlights des Gespraeches (Klaviatur) waren:

    - Nicht er sei krank, ich, ini, haette ganz grosse Probleme, aber er waere ja immer fuer mich da gewesen (Tasten: Selbstzweifel hegen, schuldig und undankbar fuehlen)
    - Wir haetten doch eigentlich eine phantastische Zeit gehabt und warum ich so etwas Grossartiges wegwerfe (Taste: an eigener Wahrnehmung zweifeln)
    - Er sei “disgusted” darueber wie ich gegangen sei und jetzt die Tatsachen verdrehe (Tasten: Schuldig fuehlen und Tat bereuen wollen)
    - Ich haette ihn nicht vorgewarnt und ihm seiner letzten Chance beraubt (Taste: Zweifel an der Notwendigkeit meiner Selbstrettung naehren)
    - Mich, ini, wird nie wieder ein Mann so bedingungslos lieben und unterstuetzen wie er (Tasten: Verlassensangst, Angst vor Alleinsein)
    - ALLE seine Freunde meinten zwar, er haette mich stellenweise nicht gut behandelt (Er jetzt war naemlich so, so ehrlich und erzaehlte ihnen, wie er mich aussperrte, und so weiter) aber ALLE seine Freunde meinten auch, mein Schritt sei ja viel zu drastisch. (Taste: Zweifel an meiner Entscheidung naehren)
    - Er komme in den Telefonaten an mich gar nicht mehr heran (Tasten: Schuld, Mitleid)


    Seine Entschuldigungen fuer sein Verhalten waehrend der Beziehung kamen wie Maschinengewehrsalven. Wenn ich anfing davon zu reden, dass ICH jetzt Zeit braeuchte, um zu heilen, hat er sich nicht etwa damit auseinandergesetzt sondern SEINE Entschuldigung vorgebracht, SEIN Versprechen, so etwas nie mehr zu tun. Ich, ini, kam darin gar nicht vor. Ich habe es echt ein paar Mal versucht, aber er kann mich gar nicht sehen. Er bewertete meinen Wunsch nach Alleinsein und Ruhe automatisch als ein Mittel, das ich GEGEN ihn anwenden wuerde. Bestrafung. Bezog es ganz negativ auf sich.


    Leider habe ich nun auch wieder etwas Zweifel in mir und stelle mir Fragen wie ... Werfe ich etwas Grossartiges weg? Haette ich mit ihm eine Paartherapie machen sollen, statt zu gehen? Versage ich mir hier die Chance, auf ein Leben mit dem Mann, den ich lieb habe? Zum Glueck sagt mir mein Kopf, dass diese Gefuehle und Zweifel zwar normal aber in Anbetracht des Geschehenen nicht richtig sind.

    Nun sind die Fakten einmal mehr geschaffen. Aus seinen Erzaehlungen ueber die Trennung von seiner Ex weiss ich dass es fuer ihn jetzt auch kein Zurueck mehr gibt. Durch meine Unnachgiebigkeit im Gespraech und seiner erlebten Unfaehigkeit, mich so zu biegen, dass ich meine Meinung aendere, konnte er in seiner Logik nur noch so reagieren. All or Nothing, Schwarz oder Weiss. Er wird sich nicht bei mir melden. Er wird sich schnell einen neuen Bekanntenkreis zulegen, wieder anfangen zu trinken, Internetbekanntschaften suchen, wahllos Sex haben und Geld ausgeben und Schulden machen. (Ich weiss, Fokus aendern, nicht ueber ihn nachdenken!!!)

    Ich habe jetzt aber auch endlich die Zeit und die Moeglichkeit zu trauern, Abschied zu nehmen und auf mich selbst zu schauen. Ich bin sehr traurig und verletzt. Fuehle mich abgeschoben und bestraft dafuer, dass ich auch mich aufgepasst habe. Aber ich fuehle mich auch “im Aufbruch”. Das wird zwar nur langsam gehen und ich muss lernen, mir Zukunftsperspektiven jenseits einer Beziehung zu entwickeln, aber ... wat mut dat mut.



    ini
    Non siamo soli

  10. Inaktiver User

    AW: Trennung von Borderliner – wie weiter?

    Oh Ini.

    Weißt Du, wenn ich das alles lese, erlebe ich das, was viele Betroffene teilen und das hat fast gespenstische Züge.

    Das Vokabular, die hohe Kunst der dramatischen Isznenierung und dieses immer wieder Setzen von Samen in uns, dass doch noch die Hoffnung aufkeimt oder man wirklich glaubt, er/sie/es würde sich ändern. Es ist so FRAPPIEREND ähnlich, teilweise gebrauchen sie wirklich exakt die gleichen Aussagen und "Grabesstimme"...uha... haben die alle denselben Rhetorikkurs belegt, die gleiche Schauspielausbildung besucht?
    Du siehst, Ini, da ist heute mein alter Humor zurückgekehrt, das hat aber gute 1,5 Jahre gebraucht. Hoffe, es ist okay für Dich...

    Paartherapie: Finger weg! Das wird Dich genauso in diesen Kreislauf bringen, denn es gibt keine besseren Selbstdarsteller als Menschen, die solche Muster verinnerlicht haben. Unsere Paartherapeutin bekam alles auf den Tisch, auch seinen tränenreichen Zusammenbruch, dass ich seine größte Liebe sei, die er nie nie verletzen wolle. Und sie fragte mich, doch arg irritiert... "aber warum sind SIE SO verletzt?", sie hat es nicht begriffen und ich erst viel später, dass dies wirklich verschwendete Zeit war.

    Nachdem mein Ex die Therapie anfing, dauerte es nur zwei Sitzungen, da wurde ich mit seiner Aussage konfrontiert, dass er nun seine Bedürfnisse durchsetzen müssen (wegen der ich in ein BurnOut geraten war). Ebenso sollte ganz schnell Schluss sein, mit meinen Verletzungen, das wäre ja nun Vergangenheit, er hatte ja alles eingesehen und dass ich da immer wieder drüber sprechen müsse, ein Indiz, dass ich in der Vergangenheit leben wolle und bleiben wolle. Ich bekam noch diesen wundervollen Satz mit, wenn er die Vergangenheit auslöschen würde, würde es auch uns auslöschen.
    Es hat ihn nicht interessiert, welcher Natur diese Wunden waren und wie tief die gingen. Er unterstellte mir immer mehr eine Retourkutsche für die...ach... Vergangenheit, wie war da mit dem Messen zweierlei Maßes???
    Seine Entschuldigungen nahmen die Wortwahl an, ich bin so ausgerastet, weil DU MICH verletzt hast.

    Ini. Sie verändern ihre Muster nicht. Das ist mein Fazit aus dieser Beziehung. Mein Ex hat das alles noch schön therapeutisch untermauert und ist sowieso in seinem Leben immer nur das Opfer der bösen bösen Frauen (oder Hexen wie er seine Ex tituliert) geworden. Ach nee, die Umstände waren dann auch noch "schuld".


    Ich weiß um den Schmerz, den Du gerade aushalten musst. Ich bin da durch gegangen und ich hätte oft gerne die Bettdecke über mir zugezogen und wäre liegengeblieben. Das erste Jahr habe ich fast ausschließlich "funktioniert", ich war zudem durch die Beziehung finanziell am Ende und hatte meine Kinder, die auch verstört diese Beziehung miterlebten und zu verarbeiten hatten. Was hatte ich für Schuldkomplexe.
    Und dennoch, ich habe ihn, und diese "Liebe" noch lange vermisst.
    Es war ein körperlicher und seelischer Entzug, ich hatte so etwas noch nicht erlebt.

    Aber, es hört auf. Es wird langsam besser, Stück für Stück, heute bin ich nur noch dankbar, daraus zu sein.

    Lass Dir Zeit. Sei froh (!!!), wenn er sich nicht meldet. Wenn DU es schaffst, Spam-Filter für Mails, Handy-Nr. löschen. Die ersten Wochen sind hart, aber hier ist immer jemand, der zuhört und Du gehst für Dich schon sehr gezielt die ersten (und richtigen!) Schritte.

    Die Trauer zuzulassen ist ganz wichtig für den Anfang und der Rest kommt dann... sei bitte nicht sooo streng mit Dir selber, das ist eine große Menge emotionaler Arbeit, die Du gerade zu schultern hast. Gönn' Dir Auszeiten, wann immer es geht.

    Du schaffst das!

    Viele mitfühlende Grüße,

    narrare.

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