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  1. User Info Menu

    Stirnrunzeln Enttäuscht von Freunden!

    Hallo! Vielleicht ist hier jemand der mich versteht, und weiß wie ich mich verhalten soll.
    Mein Papa ist Samstag gestorben. Seit 3 Jahren lag er wegen Alzheimer und es war ein Elend. Es war abzusehen. Es war klar, daß er stirbt. Aber es tut doch trotzdem weh.
    Jetzt hab ich mich auch noch mit meinen Freunden zerstritten.
    Sie sind gegangen. Die ganze Zeit erzählen sie mir, wie froh (!) ich sein soll, daß es meinen Papa jetzt gut geht (woher wissen die das eigentlich, waren sie schon mal tot?). Daher soll ich mich auch freuen. Ich freue mich aber nicht, sondern bin traurig. Das versteht keiner. Ich hab sie immer gefragt, was ist denn mit mir?Sie sagen, es ändert sich doch nix, weil ich eh nicht mehr mit ihm reden und was machen konnte.Aber er fehlt mir und vor allem die Vorstellung, ihn nicht mehr zu sehen, macht mich rasend. Da ist ein Loch. Jeder Tag war von Sorge geprägt und Gedanken an ihn.Alles fällt weg. Es war doch nicht nur Belastung.
    Man merkt, daß die Freunde hoffen, dass ich das Thema nicht anschneide. Auch wenn ich sie direkt anspreche kommt immer nur: "ich kann dazu nichts sagen", "da kann ich dir nicht helfen" oder: "sei froh"!
    fühl mich einsam ...
    caro

  2. Inaktiver User

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Liebe caro,

    das tut mir sehr Leid für Dich, dass Dein Vater gestorben bist.
    Dass Du tief trauerst, auch wenn er sehr krank war und Du auch vor seinem Tod schon nicht mehr mit ihm sprechen konntest, verstehe ich sehr gut.
    Der Tod, das Endgültige darin bleibt trotzdem unbegreiflich.
    Und einen Elternteil zu verlieren nimmt ein Stück Geborgenheit und zieht ein Stück Boden unter den Füßen weg - auch wenn man schon erwachsen ist.

    Wie alt sind denn Deine Freunde? Und haben alle so reagiert?
    Was sich da zeigt, ist ja Hilflosigkeit und Scheu, mit dem Thema Tod konfrontiert zu werden.
    Wenn jemand selbst noch keinen ihm sehr nahestehenden Menschen verloren hat, kann er sich ein einen Trauernden u.U. sehr schwer hineinversetzen.

    Ich wünsche Dir Menschen, die Dir Halt und Trost geben.
    Hier in der BriCom wirst Du viele Menschen finden, die ähnliches erlebt haben und die Dir schreiben werden.
    Schreib' soviel Du möchtest, wann immer Du möchtest - vielleicht gibt Dir das ein wenig Erleichterung.

    Dir alles Liebe,

    Gruß, Leonie

  3. User Info Menu

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Hallo Caro!

    Es tut mir leid um deinen Vater - und ich verstehe gut, dass du trauerst.

    Meine Schwester ist vor einem halben Jahr gestorben, und ich merke, wie schwer sich die anderen damit tun - ich bin erst Mitte 20, deshalb haben die meisten gleichaltrigen Freunde noch keine Erfahrungen damit, jemanden so Nahestehenden zu verlieren.

    Ich musste auch merken, dass Trauer isoliert und bis zu einem gewissen Grad einsam macht. Ich brauche diese Einsamkeit auch, mir werden Menschen schnell zu viel, ich brauche viel Zeit für mich.

    Aber du und ich, wir haben eine Erfahrung gemacht, die uns unglaublich beschäftigt, und die - so finde ich - unbeschreiblich ist. Ich habe versucht, Nahestehenden zu erklären, wie es ist, aber ich finde keine Worte. Und manchmal macht mich das sehr traurig. Und wenn ich es manchmal schaffe, zu reden, dann sind die meisten Menschen so unbeholfen, man sieht, dass ihnen das Thema unangenehm ist. Es ist einfach schwer.

    Was mir geholfen hat, ist übers Internet Menschen zu suchen, die dasselbe erlebt haben - mit ihnen tausche ich mich aus, und es ist einfach so erleichternd, verstanden zu werden.

    Bei ausgewählten Freunden versuche ich nach wie vor, darüber zu reden, wenn ich es will und kann. Dabei hat sich der Kreis geändert - manche Freunde habe ich verloren, andere, die sich sehr um mich bemüht haben, sind mir wichtiger geworden.
    Und was ich sehe, was teilweise mein Fehler war - ich muss sagen, was ich will. Ich war so oft daheim, verzweifelt, wollte reden und habe nicht geschafft, jemanden anzurufen - das ist mein Fehler, keiner kann erraten, dass ich mir einen Anruf wünsche. Und viele sind aus Rücksicht besonders vorsichtig, warten darauf bis ich mich melde...

    Tja, ist dir wohl keine große Hilfe, aber vielleicht helfen dir ja meine Erfahrungen ein bisschen!

    Alles Liebe

    Lilo

  4. User Info Menu

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Hallo Caro,

    Es tut mir leid wegen deinem Vater.

    Ich habe den Eindruck, dass deine Freunde wirklich keine Ahnung haben, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren. Vielleicht haben sie keine Erfahrung damit, wissen nicht damit umzugehen und damit auch nicht mit Trauernden.

    Als mein Vater starb, war ich erst 19, und mit dem Verständnis aus dem Freundeskreis war es nicht weit her. Ich fühlte mich lange Zeit sehr einsam. Viele dieser Menschen, die mich damals nicht verstanden hatten, erzählten mir später (als sie auch jemanden verloren), dass sie erst jetzt nachvollziehen können, wie's mir damals ging.

    Aber du trauerst, und das deine Freunde dich nicht verstehen (wollen), soll nicht dein Problem sein. Schön, dass du den Weg hierher gefunden hast, wir verstehen dich hier!

    Liebe Grüsse

    Miriam68

  5. User Info Menu

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Hallo Caro
    erstmal alles Liebe für Dich und viel Kraft
    Ich kann Dich soooo gut verstehen...
    Meine Mutter ist vor über zwei Jahren verstorben, gut wir hatten nicht das beste Verhältniss, aber Sie war meine Mutter und ich habe sie geliebt.
    Am Abend am Tag als Sie verstarb rief ich meine "beste" Freundin an und erzählte ihr es. Sie meinte darufhin lapidar, ist doch nicht so schimm ihr habt Euch doch eh immer gestritten.
    Ich war sowas von platt und wütend... Ich hatte eigentlich mit einer anderen Reaktion von Ihr gerechnet und hätte die auch gebraucht..
    Tage später habe ich Ihr dann einen Brief geschickt und ihr nur gewünscht das wenn Sie mal ein Elternteil verlieren würde , Freunde hat die umgehend kommen und einfach nur für einen da sind und einen umarmen.
    Die Reaktion von Ihr ist so kindlich, wir sind beide über vierzig, heute wenn ich sie treffe schaut sie durch mich durch. Und wir waren mehr als zehn Jahre "befreundet".
    Caro, suche für Dich die Menschen die Dir jetzt gut tun, auf alle anderen kannst Du verzichten. Und Du bist auch in der Situation wo Du denen das auch sagen darfst und mußt. Sonst zerbrichst Du daran wenn Du alles in Dich hinein frißt.
    Hast Du denn eine Familie die Dich jetzt auffängt?
    Alles Liebe
    Schnubbelohr

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    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Liebe Caro,

    diese Reaktionen kenne ich auch, meine Grossmutter hatte ebenfalls Alzheimer und ist auch an den Folgen dieser Krankheit verstorben. "Sei doch froh" und ähnliche Sprüche kamen damals zu hauf. Mich hat das sehr erschreckt und es hat mir auch sehr weh getan. Denn: man trauert ja nicht um den Alzheimerkranken der letzten Jahre sondern um den Menschen der einem ein Leben lang begleitet hat. Dein Vater war nicht nur krank, es gab vorher viele Jahre die er nicht von der Krankheit geprägt war, meist sehen das Aussenstehende nicht. Für meine Oma war es eine Erleichterung als sie gehen durfte, einerseits war ich froh für sie, andererseits voller Trauer.

    Lebe deine Trauer so wie du es brauchst, lass dich nicht beeinflussen von taktlosen, vielleicht auch hilflosen, Sprüchen!

    Eine für deinen Papa, viel Kraft für dich!!!!

    Ganz liebe Grüsse,

    Silja
    Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.

    Goethe

  7. User Info Menu

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Liebe Caro,

    als erstes, möchte ich Dir mein Beileid aussprechen. Ich habe im März diesen Jahres meine Mama verloren, auch nicht unerwartet, sie war krebskrank, dennoch hat auch sie ein großes Loch hinterlassen.

    Ich kenne das auch, was Du gerade erlebst, bei mir ist es so, dass mein Mann fast sofort ablenkt, sobald ich das Thema anspreche, als wäre ich ein dreijähriges Kind, was man vom Fernsehen oder so ablenken müsste. Denn man will ja eigentlich nicht abgelenkt werden, sondern darüber reden, die Scheiße muss raus, sonst erdrückt sie einen ja. Bei meinem Vater kann ich darüber gar nicht reden. Also ich habe auch fast niemanden, der mich versteht. Doch ich habe eine Trauerbegleiterin gefunden, die immer für mich da ist. Vielleicht wäre das auch was für Dich? Na ja, auf jeden Fall habe ich mich mittlerweile damit abgefunden, dass es niemanden wirklich interessiert, denn die Trauer passt nicht in das lebendige Leben der anderen. Auch wenn sie irgendwann in derselben Situation sein werden, wie wir, so können und wollen sie uns nicht verstehen. Ich erwarte ja keine Therapie von diesen Menschen, sondern Mitgefühl, Zuhören und ein wenig Verständnis. Aber schon dass ist den meisten Menschen zu viel.

    Ich verstehe Dich so sehr und wünsche Dir viel Kraft.

    Gruß Macana

  8. User Info Menu

    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Liebe Caro,
    mein Vater ist vor 1 1/2 Jahren gestorben und ich war auch über die Reaktionen der Umwelt irritiert und enttäuscht. Die Umwelt möchte meist schnell wieder zur Tagesordnung übergehen- das fand ich sehr bitter!
    Genau wie du, habe ich es als schlimm empfunden, wenn Freunde versucht haben,dem Tod noch etwas "Gutes" abzugewinnen: "es war doch schnell und schmerzlos" usw. Ich dachte auch: woher wissen sie das? Außerdem hilft es den Hinterbliebenen nicht. Ein geliebter Mensch ist nicht mehr da und das ist alles, was zählt.
    Aber als ebenso schlimm habe ich die empfunden, die mich täglich 3 x gefragt haben, wie es mir geht. Ich fand das zynisch und habe einmal rausgeschrien: "wie soll's mir gehen? Er ist immer noch tot!" Es gab auch Freunde meiner Eltern, die schulmeisterlich meinten, ich müßte mich jetzt ganz besonders um meine Mutter kümmern. So als wüßte ich das 1. nicht auch und 2. als hätte ich selbst mit dem Tod meines Vaters nichts zu tun. Letztendlich muß ich sagen, dass es schwer ist mit den ambivalenten Gefühlen Trauernder umzugehen. Wer einen geliebten Menschen verloren hat, der ist mit seiner Trauer meist allein und muß selbst den Weg finden, damit zu leben. Solche Foren wie dieses fand ich hilfreich, weil Betroffene einfach und auch anonym ihren Gefühlen "freien Lauf" lassen können.
    Am hilfreichsten empfand ich übrigens das Verhalten meines engsten Arbeitskollegens: er hat mich einmal umarmt, dann keine großen Worte mehr gemacht und in den nächsten Monaten viel Streß von mir abgeschirmt. Das war im Nachhinein wirklich eine Hilfe!
    LaDiva

    ____________________________

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    AW: Enttäuscht von Freunden!

    Liebe Caro!
    Ich kann Dich sehr gut verstehen- ich habe von einigen Freunden ähnliche Reaktionen erlebt, als mein Mann vor knapp einem Jahr nach schwerer Krebserkrankung starb.
    Natürlich war es damals eine Erlösung für ihn(er hatte Darmkrebs und Metastasen in der Leber, am Schluss in der Lunge) und wir wußten von Anfang an, dass er sterben würde. Aber trotzdem ist es schwer zu akzeptieren, nach 32jähriger Ehe wieder allein zu sein und das Alleinsein auch zu akzeptieren.
    Viele Menschen wollen nicht an den Tod denken und sich nicht mit der Endlichkeit auseinandersetzen. Wenn man einen Menschen in schwerer Krankheit begleitet hat (so wie Du Deinen Vater und ich meinen Mann),dann lernt man das ganz einfach. Man möchte für den geliebten Menschen alles tun, was noch möglich ist. Auch wenn Dein Vater nicht mehr "derselbe "war wie vorher, konntest Du ihm noch alle Zeit und Liebe geben, wie es Dir möglich war.Auch mein Mann und ich haben die 1 1/2 Jahre seiner Krankheit ganz bewusst gelebt und es war trotz aller Belastung eine kostbare Zeit. Ich denke mal, Du wirst das ähnlich empfinden.
    Am blödsten ist der Spruch"Das Leben geht weiter"- natürlich geht es weiter, aber es ist ein anderes Leben....
    Ich habe gelernt, mit der Trauer zu leben und sie zuzulassen, auch zu weinen, wenn mir danach ist.
    Ich wünsche Dir, dass Du Menschen findest, die Dir in der augenblicklich schwierigen Situation beistehen. Vielleicht gibt es auch bei Deinen Freunden mit der Zeit ein Umdenken und sie lernen, Dich zu verstehen. Mir hat sehr geholfen, dass ich durch eine Freundin zur Krebsberatung kam und dort immer noch bei Bedarf zum Gespräch hingehen kann.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und immer einen Menschen zum Reden in Deiner Nähe. Hamuschete

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