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    Patientenverfügung

    Guten Morgen

    Heute spreche ich ein Thema an, das mich seit einiger Zeit sehr intensiv beschäftigt.
    Ich denke, hier ist der richtige Platz dafür, wenn nicht, bitte verschieben.

    Tommy und ich hatten/haben eine Patientenverfügung.
    Wir haben sie auf Gegenseitigkeit unterschrieben in der Hoffnung, dass sie niemals zum Tragen käme.
    Kam sie auch nicht, Tommy ist einfach gestorben,
    ohne dass ich irgendetwas entscheiden musste.
    Wie ich nun d a m i t fertig geworden wäre, steht in den Sternen ...

    Es ergab sich ein Gespräch mit einer jungen Frau,
    die furchtbar leidet, weil ihre Mutter am Leben erhalten wird,
    obwohl sie eine Patientverfügung hat und vorab alles mit ihrer Tochter besprochen hatte,
    wie und wann die Patientenverfügung "zum Einsatz" kommen solle!
    Die Tochter versprach ihr, dafür zu sorgen,
    dass alles so gehandhabt werden würde,
    wie Mama es wollte und verfügte, falls der Fall einträte.
    Der Fall ist vor 4 Jahren eingetreten!

    Die Tochter geriet an einen Arzt, der der Tochter in schrecklichsten Farben ausmalte,
    wie elendig die Mutter nun verhungern und verdursten würde ...
    (was im übrigen SO nicht unbedingt stimmen muss)
    Vor lauter Entsetzen unterschrieb die Tochter die Erlaubnis,
    die Mutter "künstlich", durch Schläuche (Sauerstoff, Flüssigkeit und Ernährung) am Leben zu erhalten.
    Die Mutter ist ein absoluter Pflegefall,
    kann nicht mehr sprechen, sich nicht bewegen, hat Schmerzen.
    Das einzige, was sie bei dem wöchentlichen Besuch der Tochter an "Sprache" von sich gibt,
    ist: "Lasst mich doch endlich sterben"!

    Ich möchte mich nun gar nicht in die Lage der Mutter versetzen,
    ich fliesse über vor Mitgefühl für Mutter und Tochter (Angehörige).

    Die Tochter ist nur ein Schatten ihrer selbst,
    innerlich krank und zerfressen vor Schuldgefühlen und Kummer.
    Sie hat die Kraft nicht mehr, ein richterliches Verfahren anzustreben,
    um ihrer Mama ein "würdiges Sterben" zu ermöglichen,
    obwohl sie bei jedem ihrer Besuche kurz davor ist,
    die Schläuche zu ziehen ...

    Ich bin der jungen Frau so dankbar, dass sie mit mir über ihre inneren Nöte gesprochen hat.
    Ich konnte nur mitfühlend zuhören und sie weinen lassen!

    Ich habe mit meinem Arzt über m e i n e Patientenverfügung gesprochen und eben über diesen "Fall".
    Er hat mir angeboten, meine Patientenverfügung zu unterschreiben und mit Stempel etwas offizieller zu machen und sagte mir:
    Patientenverfügung hat Vorrang vor dem Willen der Angehörigen!
    Ohne wenn und aber!
    Die Aussichten, den obigen Fall durch Richter klären zu lassen,
    wären sehr gut, wenn eine offizielle Patientenverfügung vorliegt!
    Der Wille des "Patienten" hat respektiert und ausgeführt zu werden.

    Doch wo fängt es an?

    Ich habe auch mit meinen Töchtern den Fall X mich betreffend durchgesprochen.

    Dabei stellte sich heraus, dass sie im Fall der Fälle n i c h t in der Lage sein würden,
    anders zu handeln als die junge Frau, von der ich oben sprach.

    Wie habt ihr für den Fall der Fälle" vorgesorgt?
    Welche Massnahmen habt ihr getroffen?
    Habt ihr überhaupt diesbezüglich "Vorsorge" getroffen?

    Ach, ich hätte noch viel mehr Fragen ...weiss ich doch,
    dass auch eine vom Notar beglaubigte Verfügung nicht unbedingt zum Tragen kommt.

    Ich hoffe sehr für mich und meine Angehörigen,
    dass ich niemals die Patientenverfügung in Anspruch nehmen muss,
    dass ich einfach so "gehen kann", wie Tommy und viele andere hier es getan haben ...
    doch wissen kann ich es nicht!

    Vielleicht gehört dieses Thema nicht in diese Abteilung?
    Irgendwie finde ich aber, es gehört hierher.

    Nie "zuvor" habe ich mich so mit diesen Dingen beschäftigt,
    nie zuvor war mir ein Austausch darüber so wichtig.

    Absolute Sicherheit gibt es nicht, nie, das weiss ich.
    Doch wo ich mit meinen Mitteln ein wenig "vorsorgen" kann,
    möchte ich es auch tun.

    Danke fürs Zuhören
    vielleicht hat sich ja der ein oder andere auch grad mit diesem Thema beschäftigt?


    Lyanna

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    AW: Patientenverfügung

    Hallo Lyanna!

    Ich habe auch bereits eine Patientenverfügung und eine Versorgungsvollmacht ausgefüllt.

    Natürlich auch in der Hoffnung, das ich nicht leiden muß weil übereifrige Ärzte meinen, sich an mir profilieren zu müssen.


    Und ein Testament habe ich auch schon gemacht(auch wenn keine Reichtümer da sind)
    simplemind
    _____________________________________

    Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
    George Bernhard Shaw
    4.6.18

  3. gesperrt

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    AW: Patientenverfügung

    Ich habe - aus Bequemlichkeit - keine Patientenverfügung. Na ja, und weil ich meiner Mutter diese Bürde nicht auflasten wollte. Sie hätte die Kraft nicht dazu. Sie hätte übrigens ein ähnliches Erlebnis mit einem übereifrigen Arzt als meine Oma ein Pflegefall wurde und weder sprechen noch Nahrung zu sich nehmen konnte und nicht mehr ansprechbar war. Aber das nur nebenbei.

    Ich habe vor einiger Zeit bei meinem Hausarzt eine Verfügung abgegeben. Er hat die innere Distanz zu mir und die Fähigkeit beurteilen zu können in wie weit eine Lebenserhaltung noch Sinn macht. Ausserdem ist er als Mensch sowieso ein Pragmatiker. Der Nachteil ist, dass er nur dann von meiner Hilflosigkeit erfahren würde wenn der Fall der Fälle in meinem Landkreis eintreten sollte.

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    AW: Patientenverfügung

    Hallo Simplemind

    Hast du es im privaten Kreis gemacht oder auch offiziell ?
    Über einen Notar, Arzt oder sogenannten Weisungsbefugten?

    Ich hatte es im privaten Rahmen schriftlich gemacht und abgesprochen.
    Genau das scheint ja (manchmal)nicht auszureichen.

    Die obige Geschichte hat mich richtig in Wallung und ins Grübeln gebracht ...
    und das ist ja nur eine von vielen Möglichkeiten,
    von denen ich erfahren habe.

    Testament (hab auch keine Reichtümer) und Vorsorgevollmacht hab ich gemacht,
    meine Sterbeversicherung lasse ich auch weiterlaufen.
    Ich bezahle nicht ganz 15 Euro pro Monat, dafür weiss ich aber,
    dass ich "angemessen" verabschiedet werden könnte ...
    Dasselbe hatte Tommy auch.
    Es hat mir den finanziellen Teil seines Todes erheblich erleichtert.

    Früher hab ich gesagt:
    Was kümmert mich meine Beerdigung?
    Jeder kommt unter die Erde, egal wie!

    Heute sehe ich das etwas anders!
    I r g e n d j e m a n d muss immer dafür bezahlen.

    Es macht mir schon was aus,
    welche "Gefühle" ich eventuell meinen Hinterbliebenen hinterlasse,
    selbst wenn ich letztendlich k e i n e n Einfluss darauf habe,
    ob und was sie fühlen.

    Danke

    Lyanna

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    AW: Patientenverfügung

    Hallo Lyanna,

    Ich habe es privat gemacht, aber der Hausarzt ist informiert.

    Ebenso mein Bruder. Weisungsbefugt ist mein Mann; ich traue es ihm zu, im Fall der Fälle in meinem Sinne zu handeln und sei es nur, den Hausarzt dazuzuholen.Schon wegen dem Organspendeausweis. Ich habe ja doch eine latente (wahrscheinlich völlig unbegründete) Angst, das sie sonst zu schnell agieren

    Letztendlich weiß ich natürlich auch nicht wie es kommen wird, aber berufsbedingt habe ich oft mit Siechtum zu tun.DAS möchte ich mir und meinen Angehörigen einfach nicht zumuten.

    Ich möchte sterben dürfen, wenn meine Uhr abgelaufen ist.

    Eine Sterbeversicherung habe ich allerdings nicht, da hatte uns der Versicherungsvertreter abgeraten, weil wir noch relativ jung sind und man eben nicht alles versichern kann.Das hört sich für dich wahrscheinlich überheblich an ist aber ganz und gar nicht so gemeint, sondern wir sind anders abgesichert.

    Ich hoffe es ist richtig übergekommen, was ich ausdrücken wollte

    Liebe Grüße



    PS: Das Thema ist hier ganz richtig wenn du dich hier gut aufgehoben fühlst mit der Thematik
    simplemind
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    George Bernhard Shaw
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  6. Inaktiver User

    AW: Patientenverfügung

    Mein Vater war an Krebs erkrankt und wir gingen zum Notar mit dem wir eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht (! noch wichtiger!!) anfertigen liessen.

    Diese habe u.a. ich dann auch unterschrieben und ausgehändigt bekommen.

    Für meinen Vater stand ganz klar fest,dass er seine Lebensqualität und nicht die Quantität erhalten wolle.

    So war der Weg in ein Hospiz der einzig Richtige. Dort bekommst Du nur das,was DU möchtest Vor allem musst Du nicht diese Schmerzen aushalten,denn dann gibt es Medikamente,selbst wenn diese auf längere Sicht hin mit zum baldigen Tode beitragen.

    Aber ein würdevoller Tod,bei dem Du Gast in einer Einrichtung und nicht Patient bist und auch so behandelt wirst,ist machbar.

    Und wenn Deine Kinder Dich von tief Innen lieben,dann wird es ihnen nicht schwerfallen,in Deinem Sinne zu handeln. Das alleine zählt !

    Der Wille des Kranken,Betroffenen.

  7. User Info Menu

    AW: Patientenverfügung

    Zitat Zitat von Simplemind66

    Ich möchte sterben dürfen, wenn meine Uhr abgelaufen ist.

    Eine Sterbeversicherung habe ich allerdings nicht, weil wir noch relativ jung sind und man eben nicht alles versichern kann.
    Das hört sich für dich wahrscheinlich überheblich an

    Ich hoffe es ist richtig übergekommen, was ich ausdrücken wollte

    Jaaa, ist "richtig" rübergekommen und kein bisschen überheblich.

    Ich wollte gern mal wissen,
    wie ihr mit diesen "äusserlichen Dingen umgeht und eventuell vorsorgt ...wenn überhaupt.
    (Wenn ich nicht frage, bekomm ich keine Antwort.)

    Muss "man" ja auch nicht, aber es ist für mich von Nutzen,
    zu erfahren, welche Wege hierbei gewählt werden können.
    Manchmal brauchts ja nur einen Denkanstoss, eine andere Sichtweise!

    Und jaaaaaaa, ich möchte (auch) sterben dürfen, wenn meine Uhr abgelaufen ist!

    JEDER hat das Recht auf seinen eigenen Tod!

    Und wenn ich "Mitspracherecht für meinen physischen Tod" geltend machen kann,
    dann zu einer Zeit, wo ich es noch kann!
    Ich hab mich "vorher" in dieser Form gar nicht damit beschäftigt.

    Ich danke dir, liebe Simplemind

    Lyanna

  8. Inaktiver User

    AW: Patientenverfügung

    Zitat Zitat von Lyanna

    Wie habt ihr für den Fall der Fälle" vorgesorgt?
    Welche Massnahmen habt ihr getroffen?
    Habt ihr überhaupt diesbezüglich "Vorsorge" getroffen?

    ich habe seit 15 jahren eine patientenverfügung.

    damals war mein mann der entscheidungsberechtigte und eine freundin.
    seit meiner scheidung habe ich 2 freundinnen eingesetzt, zu denen ich vollstes vertrauen habe und die in meinem sinne entscheiden würden.

    meinen sohn, obwohl 18 jahre alt, würde ich nicht nehmen, er wäre mit der situation überfordert.
    meinen partner kann ich auch nicht nehmen, weil er gläubiger christ ist und es ihm vom glauben her verbietet so zu handeln.

    lara

  9. User Info Menu

    AW: Patientenverfügung

    Ich weiß jetzt nicht genau was du mit äußerlichen Dingen meinst??
    simplemind
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    AW: Patientenverfügung

    Zitat Zitat von Inaktiver User

    Mein Vater war an Krebs erkrankt und wir gingen zum Notar mit dem wir eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht (! noch wichtiger!!) anfertigen liessen.

    Diese habe u.a. ich dann auch unterschrieben und ausgehändigt bekommen.

    Für meinen Vater stand ganz klar fest,dass er seine Lebensqualität und nicht die Quantität erhalten wolle.

    So war der Weg in ein Hospiz der einzig Richtige. Dort bekommst Du nur das,was DU möchtest Vor allem musst Du nicht diese Schmerzen aushalten,denn dann gibt es Medikamente,selbst wenn diese auf längere Sicht hin mit zum baldigen Tode beitragen.

    Aber ein würdevoller Tod,bei dem Du Gast in einer Einrichtung und nicht Patient bist und auch so behandelt wirst,ist machbar.

    Und wenn Deine Kinder Dich von tief Innen lieben,dann wird es ihnen nicht schwerfallen,in Deinem Sinne zu handeln.

    Das alleine zählt !

    Der Wille des Kranken,Betroffenen
    .
    Danke rehbraune Augen

    Genau DAS hab ich meinen Töchtern gesagt!

    Wir tasten uns so langsam in etwas mehr Offenheit bezüglich der "körperlichen Endlichkeit".

    Lebens-Qualität statt Lebens-Quantität!

    Das isses!

    Wie ging es DIR mit dieser Entscheidung deines Vaters?

    Alles Liebe
    DANKE

    Lyanna

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