Ein Unfall im Juni hat mein Leben zerstört. Mein Freund (24 Jahre alt) ist mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Er war sofort tot.
Er war und ist mein Leben. Ich kann und möchte das nicht akzeptieren. Ich vermisse seinen Atem, seine Augen, seine Hände - ich möchte ihn spüren und ihn anfassen. Er hat mir versprochen, dass er mich nie allein lassen wird.
Ich habe nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt - völliger blödsinn - aber als ich ihn das erste Mal sah, als er mir sein Lächeln schenkte, war es vorbei - ich wusste, das ist er...wir wollten Kinder haben, heiraten .... wieso? warum? warum er?
wenn ich vor seinem grab stehe, wünsche ich mir nichts so sehr, als bei ihm sein zu können. Wieso nicht die Erde aufbuddeln, den sarg aufmachen und mich daneben legen und warten, bis ich endlich wirklich zu ihm darf. ich ertrag das nicht....ich hab so angst...
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Ergebnis 1 bis 10 von 414
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19.07.2008, 15:53
Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Geändert von Tutsi (24.07.2008 um 12:46 Uhr)
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19.07.2008, 16:24Inaktiver User
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Tutsie,
ich kann es nicht wirklich nachfühlen, da ich es nicht erlebt habe, aber wie du es beschreibst, klingt es grausam für mich. Es ist so traurig dich und deine Verzweiflung zu lesen und ich würde dir gerne in diesem Moment beistehen.
Gibt es irgendwelche Menschen in deiner Umgebung, an die du dich wenden kannst, um nicht allein zu sein und in dieser Trauer zu versinken (nicht falsch verstehen, Trauer ist wichtig und muss gelebt werden - aber du klingst gerade so, als wärst du an der Grenze. Bitte fall nicht!)?
Ich wünsche dir, dass du es schaffst, das auszuhalten und zu überwinden. Falls du Dinge loswerden willst, kann ich dir anbieten, mir per PN zu schreiben. Ich würde lesen und antworten. Dies ist ein Angebot aus dem Wissen heraus, dass es manchmal gut tut, dass da jemand ist, an den man sich wenden kann, aber keine Verpflichtung!
Bitte pass auf dich auf!
Elli
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19.07.2008, 18:47
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Liebe Tutsi,
es tut mir sehr leid, was Dir und Deinen Freund passiert ist. Ich kann es genau nachvollziehen. Ich habe letztes Jahr im August meinen Freund verloren, er war auch noch jung, erst 28. Alles was Du schreibst habe ich erlebt und auch jetzt nach bald einem Jahr fühle ich es manchmal noch so intensiv....
Ich würde Dir so gerne etwas tröstendes schreiben, aber es gibt ja jetzt keinen Trost für Dich. Ich kenne das Gefühl, es nicht glauben zu können und es auch nicht akzeptieren zu wollen. Das ist okay. Sträub Dich dagegen, mit aller Kraft, denn auch das ist ein Lebensgefühl. Du hast Angst schreibst Du, auch das kenne ich, kennt jeder hier. Angst, dass einem alles entgleitet, Angst vor dem nächsten Tag, Angst vor dem Leben ohne ihn...
Liebe Tutsi, ich kann Dir nur eins sagen, aus eigener Erfahrung: Es geht immer weiter. Irgendwie. Du musst jetzt nur von Tag zu Tag überleben. Um mehr geht es nicht. Auf das "Warum er", "Warum Du" wirst Du vielleicht eines Tages eine Antwort finden, vielleicht auch nicht. Bei mir ist die Antwort bisher ausgeblieben.
Auch den Wunsch, sich neben ihn legen zu dürfen, kennt wohl fast jeder hier...Endlich den Schmerz nicht mehr spüren zu müssen..mir hat es (und so ist es noch) oft geholfen mir vorzustellen, was mein Freund dazu sagen würde, wenn ich jetzt auch von dieser Welt ginge. Und ich weiss, er wäre enttäuscht von mir gewesen und traurig. Er hätte gesagt: "Wenigstens Du musst jetzt leben. Schau Dir alles an für mich, erleb es für uns. DU MUSST WEITERLEBEN! Und Du musst versuchen, irgendwann wieder glücklich zu werden. Das wünsche ich mir". Und diese Gedanken haben mich immer weitermachen lassen. Ich wollte ihn nicht enttäuschen.
Auch wenn Du es jetzt nicht glauben magst, irgendwann wird es ein kleines bißchen leichter werden und Du kannst wenigstens zeitweise wieder ein wenig Kraft schöpfen und hast Zeit zum atmen. Aber es ist ein langer Weg bis dorthin.
Wenn Du magst, dann werden wir Dich ein wenig auf diesem Weg begleiten. Komm immer hierher, wenn Dir danach ist und schreib Dir alles von der Seele. Hier ist eigentlich fast immer jemand, der Dir schreiben wird. Wenn Du Lust hast, dann erzähl uns von Deinem Freund. Wir hören Dir zu.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.
HaferflockeWenn Mensch und Berg sich begegnen,
ereignen sich große Dinge,
die sich im Gedränge der Straßen
nicht verwirklichen lassen
William Blake
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19.07.2008, 19:02
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Liebe Tutsi,
ich drücke dich einfach mal ganz fest. Ich bin froh, das was du erlebt hast, noch nicht erfahren zu haben. Aber der Gedanke daran, eines Tages alleine zu sein (und je älter man wird, um so näher kommt das) schnürt mir oft die Kehle zu und treibt mir die Tränen in die Augen.
Wie schon Haferflocke schrieb, schreib hier einfach, es ist immer jemand da, der dir antwortet. Du bist nicht alleine, das ist eine große Gemeinschaft mit einem großen Herzen und darin hast auch du mit deinem Schmerz Platz.
Hillie
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19.07.2008, 19:21
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Hallo, Tutsi,
ich fahre auch Motorrad. Ist es richtig, dass dein Schatz das Motorradfahren als eines seiner liebsten Hobbys betrachtete?
Wie ist es bei dir? Bist du selber auch mal mitgefahren oder fährst du sogar selbst?
Ich weiß, du hast ganz viele andere Gedanken im Kopf. Verfluchst vielleicht sogar das Motorradfahren.
Es ist ja so, dass man jedes Mal, wenn man sich auf die Maschine setzt auch ein Quentchen Glück braucht, um heil wieder zu Hause anzukommen. Sei es die Unachtsamkeit anderer, die die Motorradfahrer glatt übersehen oder deren Geschwindigkeit unterschätzen; sei es ein Fahrfehler, den man selbst begeht, weil man einen Moment mit den Gedanken woanders als beim Fahren war; sei es ein technischer Defekt, der zum Sturz führt...... All diese Dinge sind Motorradfahrern eigentlich bewusst. Aber die Hoffnung und der Gedanke "Ich beherrsch das Ganze" sowie die Freude am biken sind viel mächtiger als alle "kleinen" Bedenken.
Es ist wohl wahr, dass Leben, welches gemeinsam geplant war, worauf man sich gemeinsam freute, plötzlich nicht nur einen Riss bekommt, sondern viel Zuversicht, Lebensfreude durch so ein Schicksal einen massiven Schlag erhält.
Schmerzen.
Schwere.
Trostlosigkeit.
Wut.
Traurigkeit.
Angst.
Alleinsein.
Und ein großes schmerzendes, trotzdem lähmendes, druckausübendes Gefühl im Körper.....das wird dich sicher eine Weile begleiten. Ich denke, dein Freund würde dir gern diesen Schmerz nehmen. Er hat nur keine Möglichkeit dazu.
Deine vielen Erinnerungen an eure Zeit, die Liebe, die ihr füreinander hattet, muss dir den Halt geben, den du jetzt brauchst. Wir können Schicksal, auch wenn es uns ungerecht erscheint, nicht ändern. Lernen, damit zu leben ist dann unsere Aufgabe.
Ich wünsche dir die Kraft und Menschen um dich herum, die dir zur Seite stehen.Wer verstehen kann, kann alles verzeihen
Ich bin bereit, überall hin zu gehen, wenn es nur vorwärts ist.
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19.07.2008, 20:16
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Wem ein Geliebtes stirbt, dem ist es wie ein Traum,
Die ersten Tage kommt er zu sich selber kaum.
Wie er's ertragen soll, kann er sich selbst nicht fragen;
Und wenn er sich besinnt, so hat er's schon ertragen.
(Friedrich Rückert)
"Er hat mir versprochen, dass er mich nie allein lassen wird."
...
Das hat er auch nicht. Er ist immer noch bei Dir.
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19.07.2008, 21:05
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
*liebdrück*
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19.07.2008, 23:30
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
danke für eure liebe antworten - ich bin so froh, dass hier schreiben darf...
ja das Motorradfahren war eine seiner größten Leidenschaften.
Ich bin nur einmal mitgefahren- hatte zu sehr angst und er ist auch immer lieber alleine gefahren. sein motorrad war auch eher für eine person ausgerichtet.
ich hatte immer angst, wenn er damit losgefahren ist, aber ich wusste, dass er nicht leichtsinnig fährt - natürlich auch schnell, ich glaube, das ist aber normal, aber doch immer dann, wenn es auch möglich war.
es war seine zweite fahrt nach der winterpause. montags ist er rumgefahren um die batterie wieder etwas aufzuladen und dienstags ist er in der mittagspause zum tüv gefahren auf der strecke zurück ins geschäft ist es passiert. er ist dort nicht mehr angekommen.
ich habe es dann abends um 7 als ich aus dem geschäft zurückkam erfahren. seine mutter stand bei uns in der wohnungstür völlig verheult. Mein Herz hat angefangen wie wild zu schlagen, mein Atem hat fast völlig ausgesetzt und meine Stimme war nur ein Hauch als ich gefragt habe, was los sei, wo simon sei...sie schüttelt nur den kopf ...ich sacke auf den boden...
Manchmal denke ich, dass das leben es bisher zu schön mit mir gemeint hat, dass ich so viel nicht verdient habe.
es war zu perfekt mit simon.
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19.07.2008, 23:41
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Meine Mutter war 20 Jahre alt und im dritten Monat schwanger mit mir.
Als mein Vater tödlich verunglückte.
Mit einem Motorrad.
Sie muss gefühlt haben wie Du.
Es dauerte Jahre, sie fand eine neue Liebe.
Meinen Vater hat sie nie vergessen. Wie auch.
Das Leben ist nicht immer fair. Jetzt ist es zu Dir nicht fair.
Was Dir auch im Leben noch geschieht. Du wirst Deinen Freund nicht vergessen. Er wird immer in Dir sein.Geändert von corvus (19.07.2008 um 23:46 Uhr)
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20.07.2008, 12:18
AW: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus...
Liebe Tutsi,
schön, dass Du angefangen hast zu schreiben.
Wie geht es Dir heute?
Über das, was Du schreibst, dass Du soviel Glück nicht verdienst hattest und es zu perfekt war....Darüber habe ich auch viel nachgedacht. Aber ich denke, es hat nichts mit "verdienen" zu tun. Es ist alles Schicksal und das Leben ist einfach nicht fair. Man hat nur bisher nie darüber nachgedacht, weil es ja bisher fair zu einem war. Und plötzlich ist man entsetzt darüber, dass es so furchtbar unfair sein kann...
Wie oft habe ich andere gesehen und gedacht, warum darf dieser oder jener leben und mein Freund nicht, der so freundlich und hilfsbereit war, nie jemandem etwas zuleide getan hat??? Besonders oft habe ich mich das bei gemeinen und unfreundlichen Leuten gefragt, denn das kam mir dann noch unfairer vor.....
Es ist ein scheiß-gefühl, zu erkennen, wie unfair das Leben ist und plötzlich auf der Seite derer zu stehen, denen "Unrecht" getan wurde. Und vor allem nichts daran ändern zu können.
Manchmal denke ich, die schwerste Lektion ist es, die Dinge im Leben zu akzeptieren, die man nicht ändern kann. Und den Tod des Partners akzeptieren zu lernen gehört sicherlich zu den mit schwersten Aufgaben.
Liebe Grüße,
HaferflockeWenn Mensch und Berg sich begegnen,
ereignen sich große Dinge,
die sich im Gedränge der Straßen
nicht verwirklichen lassen
William Blake


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