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    Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Liebes Forum,

    meine 84-jährige Oma hat vor 1 Monat die Diagnose Krebs bekommen und redet die ganze Zeit davon, dass es nun soweit ist zu sterben.

    Die Ärzte geben zwar auch eine Perspektive und auf meine Nachfrage hin wurde gesagt, dass immer noch gute Heilungschancen bestehen, aber meine Oma ist richtig biestig, wenn ich versuche, ihr die Möglichkeit einer Heilung in Aussicht zu stellen.

    Ich habe versucht, es mir nicht anmerken zu lassen, aber es macht mich richtig fertig. Ich schreie innerlich.

    Wenn es nur ihr Wunsch wäre, zu sterben. Aber dazu kommt dieses negative, wütende Jammern die ganze Zeit. Ich versuche, für sie in dieser schweren Zeit da zu sein und ihr Hoffnung zu machen, aber es ist, als würde man in ein schwarzes Loch hineinsprechen. Es kommt nur Verbitterung und das sture "Ich habe mein Leben gelebt"/ "Was soll denn da noch kommen" / "Das ist nichts für mich, ich will keine Schmerzen" / "Ich will nicht dahinsiechen" /"Es geht ja nur noch bergab jetzt mit meinem Körper".

    Es gibt 2 Söhne, meinen Vater und meinen Onkel. Der dazugehörige Opa ist vor 10 Jahren gestorben. Seitdem ist sie auch so "todessehnsüchtig". Mir ist klar, dass sie sich alleine und einsam fühlt. Ich denke, sie ist über die letzten Jahre vielleicht depressiv und verbittert geworden. Vielleicht hat sie die Trauer zu meinem Opa auch nie richtig verarbeitet, sie hatte ihn nämlich noch bis in seinen Tod gepflegt, er ist damals an Krebs gestorben (aber viel schlimmer als bei ihr jetzt). Sie hatten vorher noch ein paar Jahre Ehekrach, weil mein Opa heimlich seine alte Jugendliebe getroffen hatte und ihre Wut darüber macht meine Oma sich seit seinem Tod zum Vorwurf ("Wäre ich da nicht so nachtragend gewesen, hätten wir noch ein paar schöne letzte Jahre verbracht"). Ich fand ihre Wut damals und heute aber eigntlich gerechtgertigt, da mein Opa sich auch nie richtig entschuldigt oder ihr gesagt hat, wie sehr er sie doch liebt. Auf jeden Fall ist mein Opa seit seinem Tod wie ein Heiliger für meine Oma geworden.

    Mein Vater hat mir erzählt, dass er und mein Onkel ihr zunächst gut zugeredet haben, eine Bestrahlung doch erstmal zu versuchen.
    Auch ich habe ihr gesagt, naja, schau doch erstmal, ob es was bringt. Vielleicht lässt sich der Krebs relativ schnell behandeln.

    Aber ansonsten ist mein Vater schon ebenfalls überzeugt, dass es "nun das Ende" sein wird. Er redet die ganze Zeit schon davon, wie sehr es ihn stresst, dass er dann die ganze Wohnung ausräumen/ entrümpeln müssen wird. Meine Oma hat schon seit Jahren ihren Tod vorbereitet und sogar schon Geld für die Entrümpelungs-Agentur beiseite gelegt. Auf der einen Seite finde ich es gut, die Eventualitäten bedacht zu haben, auf der anderen ist es makaber und verdirbt für mich jeden Funken Lebensfreude, ständig so auf den Tod fixiert zu sein.

    Ich halte es nicht mehr aus. Ich war jetzt am Wochenende da und durfte mir von meinem Vater und meiner Oma unisono anhören, dass es ja jetzt keinen Zweck mehr habe alles, mein Vater will von meiner Oma auch in ein paar Tagen eine Entscheidung, wie sie sterben möchte (Hospiz oder Sterbehilfe). Mein Onkel fragt zwar, hält sich aber sonst eher etwas zurück.
    Wir saßen bei der Ärztin und gegen die Proteste der Beiden ankämpfend, habe ich von der Ärztin erfahren, dass meine Oma auch jetzt noch gute Heilungschancen hätte und die Nebenwirkungen nur vorübehend wären.

    Ich habe die ganze Zeit versucht, freundlich und ausgeglichen zu bleiben. Ich spüre aber, dass ich bei soviel Ignoranz und Negativität trotzdem etwas in mich hinein fresse.

    bzw. Ich merke, ich weiß gar nicht, WIE ich mich in so einer Situation verhalten könnte/ sollte/ dürfte?
    GIbt es Tipps von jemande*m, der*die schon ähnliches erlebt hat?

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Ich war noch nie direkt beteiligt (und das bist Du auch nicht). Das ist einzig und alleine Deine Grossmutter, ausser es besteht der Verdacht, dass sie keine Entscheidungen für sich selbst mehr treffen darf. Dann wäre die Frage, ob sie das einem ihrer Söhne übergeben hat.

    Aber wenn sie bei klarem Verstand ist, dann darf sie medizinische Hilfe ausschlagen und darf sich ein eine Hospitz Abteilung begeben, wo man nur den Schmerz behandelt. D.h., sie hängt wenn bei ihr die starken Schmerzen anfangen an einem Morphium Tropf und sie kann sich selbst Dosen geben.

    Das ist oft schwer zu verstehen, wenn man nicht in ihren Schuhen steht. Aber viele alte Leute, die schon einen Partner und Freunde verloren haben, haben keine Lust darauf, Schmerzen zu durchstehen (wie bei einer Chemotherapie) um sich dann später wie davor zu fühlen: kein Stück besser. Sie haben auch Angst, wenn sie nicht mehr selber entscheiden dürfen, dass ihre Kinder, die dann die Verantwortung haben, sie gegen ihren Willen viel länger am Leben lassen als sie will. Ein Alltag mit ständigen Schmerzen ist eine Hölle, das können wir uns nicht vorstellen.

    So schwierig es ist, Du musst lernen loszulassen und ihr Leben zu ehren. Und sie als Person zu respektieren. Du kannst noch ein paar Mal fragen, ob sie denn nicht noch da sein will wenn sie Urenkel bekommt oder wenn ihre Söhne Geburtstage haben aber wenn sie nicht mehr Leben will, dann muss man ihr das zugestehen. Manche fangen in dem Alter an zu malen oder zu schreiben aber das ist die Ausnahme. Du kannst ja fragen, ob es jemand bei der Klinik gibt, der sich mit ihr unterhalten kann. Eine Therapeutin vom Hospiz, z.B.

    Dir kann ich ein Buch von Elisabeth Kübler Ross empfehlen. Wie man den Sterbenden begleiten kann. Mit Liebe aber auch Respekt, dass sie noch eine eigene und für sich entscheidene Person ist.

    Es ist nicht einfach, aber es wird nicht das letzte Mal sein, dass Du jemand in den Tod begleitest. Es ist ein Teil vom Leben

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Ich weiß nicht, ob dich Tipps weiterbringen. Vielleicht, wenn du den Fokus von deiner Oma auf dich richtest: wie du ihr Verhalten ertragen kannst. ich würde mir da professionelle Hilfe suchen. Erste Anlauf-Adressen wären da die klassischen Familienbertatungsstellen Pro Familia/Diakonie/Caritas; wenn Oma in einem Krankenhaus war, könnte evtl die zuständige Sozialarbeiterin eine Anlaufstelle kennen, notalls Telefon-Seelsorge. Wenn Du für Dich Abstand und ein mögliches Maß an Gelassenheit schaffen kannst, kannst du auch Oma besser beistehen. Die Basis-Problematik sehe ich ähnlich wie Impf-Verweigerern: rational nicht zugänglich

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Ich ging vor einer Weile durch eine schwere Phase durch, weil meine Mutter nach dem Tod meines Stiefvaters unbedingt in ein bestimmtes "Betreutes Wohnen Heim" ziehen wollte.

    Dort fiel sie gleich hin, brach' sich einen Knöchel und hatte dann Schmerzen und es ging ihr sehr schlecht.

    Eine Cousine von nahm' mich zur Seite um mir zu erklären, was an dem Alter um und nach 85 so schwierig ist:

    Man weiss, es wird nicht mehr besser, nur schlechter.

    Jedes Jahr sterben mehr Freunde. Man versucht, neue Freunde zu finden und die sterben auch.

    Eine Freundin von ihr, die noch total klar im Kopf ist, will jetzt sterben. Sie hat 4 Kinder, viele Enkel, fast alle wohnen in der gleichen Stadt und sehen sie viel. Aber, sie hat ständig Schmerzen und kann ihren Tag nicht mehr richtig bestimmen. Und wenn sie es versucht wird so ein Zirkus draus, dass sie es dann lieber wieder sein lässt. Sie hat sich im Einvernehmen ihrer Kinder einen Arzt gesucht, der ihr beim Sterben helfen wird.

    Und ich kannte diese Freundin! Und fand sie immer sehr lustig und lebensfroh. Tja, vor 20 Jahren.

    Danach war ich erst einmal fertig. Man beschäftigt sich ja damit auch mit dem eigenen Tod. Meiner Mutter geht es besser und sie hat schon einige Freundinnen in ihrem neuen Heim. Ich suche nach Ferienhäuser, die wir mieten können um sie mit zu nehmen. Sie kann auf keine grossen Ausflüge gehen aber auf der Terrasse sitzen und das Meer anschauen. Mit ihrer Grossfamilie, natürlich.

    Es wird nicht einfacher aber es gibt manchmal ein paar kleine Plätze, wo man verweilen kann. Vielleicht kann Deine Grossmutter das auch mitmachen. Stell' ihr Fragen und hör ihr zu.

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Deine Oma ist ein erwachsener Mensch. Erwachsene Menschen dürfen in D selbst entscheiden, welche Therapie sie durchführen lassen. Sie dürfen auch selbst entscheiden, eine Therapie, selbst wenn Heilung möglich ist, abzulehnen. Sie dürfen sogar sterben.

    Der Tod gehört zum Leben dazu. Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 entschieden, dass „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ auch ein selbstbestimmtes Sterben mit einschließt.

    Deine Großmutter hat für sich entschieden, dass sie nicht mehr um ihr Leben kämpfen möchte. Sie darf das. Auch wenn es dir als Enkelin weh tut, weil du dich dann auf ihren Tod ( der ja so oder so relativ bald irgendwann kommt ) vorbereiten musst. Selbst wenn es dich als Enkelin kränkt, dass du es deiner Oma (scheinbar) nicht wert bist weiter zu leben. Daher kommt wahrscheinlich auch deine Wut - aus dieser Kränkung.

    Krebstherapien sind oft anstrengend, langwierig und schmerzhaft. Auch eine „sanfte“ Bestrahlung. Dafür brauchen die Menschen Kraft und Lebenswillen. Viele ältere Menschen, nicht nur deine Oma, sind einfach müde vom Leben, lebensmüde. Sie haben Schmerzen, sind einsam, trauern und können viele Dinge nicht mehr machen, die ihnen viel bedeutet haben. Das Leben macht ihnen keine Freude mehr. Sie sehnen sich danach, dass es vorbei ist. Für manche ist es regelrecht eine Erleichterung, endlich eine lebensbedrohliche Erkrankung zu bekommen, an der sie sterben können. Sie empfinden das als Gnade.

    Überwinde deine Kränkung und versuche deine Oma besser zu verstehen. Sei kein Egoist! Vor allem, mach ihr eine schöne Zeit, solange sie noch hier ist. Und behandle sie wie einen erwachsenen Menschen. Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Que sera sera...

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Zitat Zitat von wastuichbloss Beitrag anzeigen

    bzw. Ich merke, ich weiß gar nicht, WIE ich mich in so einer Situation verhalten könnte/ sollte/ dürfte?
    GIbt es Tipps von jemande*m, der*die schon ähnliches erlebt hat?
    es hat mich damals auch an meine grenzen gebracht- aber du kannst ihr deine liebe zeigen- indem du ihren wunsch respektierst. möglich, dass sie sich noch umentscheidet- aber sie darf behandlung/nicht-behandlung selbst entscheiden.

    und wenn patienten für sich entschieden haben: ich bin so müde, ich will nicht mehr- wenn der lebenswille weniger wird- dann kannst du nichts daran ändern. nichts.

    lasse sie in liebe los und akzeptiere dass sie einen eigenen willen haben darf!!
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Ach Mädchen, deine Oma ist 84!
    Sie weiß, dass sie ihr Leben gelebt hat. Und glaube mir, mit der Zeit entsteht eine gewisse Lebensmüdigkeit beim Menschen,
    das macht es uns oft leichter, zu gehen.
    Respektiere einfach ihren Wunsch und höre auf, auf sie einzureden.
    Redet einfach nicht mehr drüber, es ist alles gesagt. Sei da für sie, wenn sie von früher erzählen möchte, höre zu. Stelle Fragen zu deinen Vorfahren, später wird es Dich interessieren, wer vor Dir gelebt hat und wie.

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Schwierig.... Aber...
    Deine Oma entscheidet selbst über ihr Ende. Und offenbar möchte sie es so.

    Kannst Du vielleicht mit jemandem sprechen, der nicht involviert ist und Dir helfen kann, die Entscheidung erträglich zu machen?
    Ich kann Deine Oma verstehen. Das Leben ist nicht endlich.

    Du hast mit den Ärzten gesprochen? Weiß Deine Oma das? Normalerweise macht das kein Arzt ohne Einverständnis des Patienten.
    Nein, mein Nickname hat nichts mit meinem Geburtsjahr zu tun

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Schokolade stellt keine blöden Fragen - Schokolade versteht

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Krebs im Alter wächst auch nicht mehr so schnell . Das heisst eventuell sogar ,dass Deine Oma ohne Behandlung besser dasteht als mit, zeitmässig.(Das kommt natürlich auf ihre individuelle Situation an )
    Wir hatten einen Fall in der Familie,der mit 80 eine Lungenkrebsdiagnose bekam und keine Therapie gemacht hat und noch 7 Jahre gelebt hat ohne eventuelle Einschränkungen, die die Therapie auch mit sich bringen kann in dem Alter.
    Das mal so zu den anderen Informationen hier.

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    AW: Meine Oma WILL an ihrem Krebs sterben, ich halte das nicht aus

    Liebe TE,

    Du siehst das Leben aus Deiner Perspektive, Deine Oma aus ihrer - und dazwischen liegen Welten.

    Du als junge Frau hast Dein Leben vor Dir, hast bestimmt viel Energie in Dir, selten Schmerzen, vermutlich auch einen größeren Freundes- und Bekanntenkreis, viele Möglichkeiten des Lebens liegen vor Dir.

    Klar - ich kenne Dich nicht, es ist eine Annahme, weil es bei der Masse jüngerer Leute wie geschildert sein wird.


    Deine Oma hat möglicherweise in ihrem stolzen Alter nur noch wenig Energie, kann vielleicht ihren Alltag nur noch mühsam durchstehen, Tätigkeiten, die Du nebenher machst, kosten sie möglicherweise sehr viel Kraft. Mit 84 wird sie vielleicht jeden Morgen mit Schmerzen aufstehen und eine Anlaufzeit brauchen, bis sie ihren Körper halbwegs mobilisiert hat.

    In hohem Alter brechen die Sozialkontakte weg, weil schlichtweg nach und nach Freunde und Bekannte der Generation versterben, neue Kontakte zu knüpfen ist bei den Gesamtumständen kaum möglich.

    Hinzu kommt noch die Entwicklung der Welt - wenn Du bedenkt, was sich seit Ende der 1930er Jahre alles verändert hat! Leute, die (je nach Land) in ihren jungen Erwachsenenjahren nicht einmal ein Konto haben durften, werden jetzt mit Themen wie Onlinebanking konfrontiert, sollen sich zum Impfen elektronisch registrieren usw.

    Ich verstehe, dass man sich dann irgendwann von dieser Welt verabschieden möchte, dass die Lebensenergie schlichtweg aufgebraucht ist.
    Eine schmerzhafte Therapie mit diversen Begleiterscheinungen abzulehnen ist ihr gutes Recht.

    Liebe TE,
    vielleicht gelingt es Dir, Dich etwas in sie hinein zu versetzen.
    Vielleicht kannst Du der Situation auch die positive Seite abgewinnen - langsam voneinander Abschied nehmen zu können und noch schöne Gespräche führen zu können.

    Vielen Menschen ist das nicht möglich - sie werden vom plötzlichen Tod ihrer Angehörigen überrascht und hätten sie noch vieles fragen oder alte Konflikte bereinigen wollen.

    Alles Gute für Deine Oma und Dich!
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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