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    Hinterbliebenes Elternteil

    Liebe Forumsmitglieder,

    vor 6 Wochen starb meine Mutter mit nur 68 Jahren für uns völlig unerwartet am plötzlichen Herztod. Sie galt bis dahin als völlig gesund, es traf uns ohne jegliche Vorwarnung. Ich bin Ende 30 und habe selbst eine Familie mit 3 kleinen Kindern.

    Am schlimmsten ist es sicherlich für meinen Vater. Er ist selbst erst Anfang 70 und sie hatten sich noch auf einige schöne gemeinsame Jahre gefreut, die ich ihnen von Herzen gegönnt hätte. Sie waren ihr ganzes Leben über zusammen und ein Leben ohne sie kann er sich nicht vorstellen. Er schlägt sich tapfer und hält sich mit kleinen Dingen wie Besorgungen und Verrichtungen „über Wasser“, aber so langsam sind zumindest die Formalitäten geklärt, die einen am Anfang noch beschäftigten; es kehrt Ruhe ein. Langsam realisieren wir alle, dass das keine Krise ist, nach der irgendwann wieder alles normal sein wird, sondern dass das jetzt die neue Realität sein soll…

    Mich würde interessieren, ob - und wenn ja wie - es Eure hinterbliebenen Elternteile geschafft haben, nach solch einem Schicksalsschlag wieder Fuß zu fassen und vielleicht sogar wieder glücklich zu sein im Leben, wie sich die Situation also in den Jahren danach entwickelt hat. Ich lese bisweilen von Betroffenen, denen es gerade genau so geht wie mir, die also erst kürzlich ein Elternteil verloren haben, und es werden Ratschläge wie Trauerbegleitung etc. gegeben. Das ist sicherlich sinnvoll, aber es dient im Grunde doch alles der Rückkehr in eine lebenswerte Normalität.

    Wie sieht diese bei Euren Eltern aus? Was kann in diesem Alter irgendwann einmal die furchtbare Lücke füllen? Haben sich Eure Eltern neue Hobbies gesucht, neue Freunde gefunden, gibt es vielleicht sogar neue Beziehungen? Sind sie glücklich? Oder „warten“ sie im Grunde nur darauf, dem Vorausgegangenen zu folgen?

    Ich weiß, dass diese Wege so individuell sind wie die Menschen, die sie gehen, aber im Moment ist alles so dunkel, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es jemals wieder besser werden soll…

    Herzlichst,
    Betty

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Mein herzliches Beileid, liebe Betty.
    Mein Vater starb vor drei Jahren plötzlich nach einem
    Nach ca. 8 Monaten verkündete meine Mutter in einer neuen Beziehung zu sein.
    Erstmal war ich etwas geschockt, wie schnell es ging aber sie ist so glücklich und unbeschwert mit diesem Freund, den sie schon aus Studienzeiten kennt und ich freue mich einfach für sie.

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Vielen Dank für Deine Antwort, das klingt doch nahezu perfekt!

    Um ehrlich zu sein, würde ich mir das für meinen Vater auch wünschen. Es ist natürlich alles noch viel zu frisch, aber auf lange Sicht ist das sicherlich eine der positivsten Möglichkeiten, weiterzumachen. Denn auch wenn ich mit den Enkelkindern viel für ihn da bin und bei ihm bin, braucht er doch jenseits dessen auch „seine eigenes Glück“, ist das verständlich?

    Liebe Grüße
    Betty

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Ach, das tut mir leid. Davor habe ich viel Angst, obwohl unausweichlich.
    Als meine Oma mit 60 gestorben ist, haben wir den Opa einige Zeit bei uns wohnen lassen. Damit eine andere Routine entsteht.

    Er hat auch ziemlich schnell eine tolle Frau kennen und lieben gelernt.
    Ihr solltet also den Papa zur richtigen Zeit ermuntern, sich umzuschauen. Keine falsche Scham wegen der Kinder.
    Und er soll jetzt keine Kurzschlussreaktionen unternehmen.
    Unser Nachbar hat seine Kinder in sein Haus ziehen lassen. Ist nun natürlich blöd, wenn er eine Frau kennen lernt.

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Ich finde es unangebracht, den Hinterbliebenen nur in der Rolle des armen passiven Hascherls zu sehen, um das sich gekümmert werden muss.
    Noch viel unangebrachter finde ich irgendwelche "Ermutigungen", sich doch möglichst (schnell) einen neuen Partner zu suchen.
    Ein verstorbener Lebenspartner ist doch kein Haustier, dass ersetzt wird, damit sich am gewohnten Tagesablauf nichts ändern muss.
    Ein erwachsener Mensch darf das durchaus selber entscheiden und vor allem, er MUSS das auch in einer solchen Phase der Veränderung und Neuorientierung des Lebens.
    Für mich steckt hinter so einem Ansinnen der Angehörigen der egoistische Wunsch, dann nicht mehr zuständig zu sein und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, dass man sich nicht "kümmert".
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Zitat Zitat von Mambi Beitrag anzeigen
    Für mich steckt hinter so einem Ansinnen der Angehörigen der egoistische Wunsch, dann nicht mehr zuständig zu sein und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, dass man sich nicht "kümmert".
    Wenn man selbst drei kleine Kinder hat, kann man sich nicht wirklich ausreichend kümmern. Dazu fehlt ganz einfach die Zeit.

    Außerdem sind Männer um die 70 oder älter nach meiner Erfahrung ziemlich unselbständig in Haushaltsdingen, weil das immer alles die Ehefrau gemacht hat.

    Das ist ein zusätzliches Problem.

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Mein Vater starb mit 69 Jahren, da war meine Mutter 66 Jahre alt. Da mein Vater durch Kriegsverletzungen stark behindert war, sind viele Aktivitäten für meine Eltern weggefallen. Relativ bald hat meine Mutter sich einem Seniorentanzclub und einem Wanderverein angeschlossen. Hat bei Gymnastik, Turnen und Schwimmen mitgemacht und ist gereist (in der Gruppe), z.B. ans Meer. Mit diesen Aktivitäten ist sie über 90 Jahre alt geworden.
    "Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen."
    Ralf Dahrendorf (1929-2009)

    "Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen!"
    Dalai Lama (geb. 1935)

    "Warum denn immer gleich so sachlich werden, wenn es doch auch persönlich geht!"

    André Heller (geb. 1947)

    in der BriCom als Hillie unterwegs seit 2003

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Es ist immer eine große Umstellung, wenn ein/e langjährige/r Lebenspartner/in verstirbt. Es beginnt für Zurückgebliebene ein neuer Lebensabschnittt. Der bei jeder Person anders aussieht und sich anders entwickelt.

    Meine Eltern haben sich nie gut verstanden, als mein Vater vor mehr als 10 Jahren verstorben ist (er war fast 85 Jahre alt, meine Mutter ist 6 Jahre jünger) hat meine Mutter ohne Probleme alleine weitergelebt. Sie ist zwar jeden Tag zum Friedhof gerannt, warum, das habe ich nie verstanden, aber das ist auch egal. Im Nachhinein hat sie offenbar denn doch gemerkt, was sie an ihm hatte.

    Seit 4 Jahren lebt sie in einem Pflegeheim bei mir um die Ecke, sie ist dement.

    Letztendlich muss jeder selbst einen Verlust verarbeiten und bewältigen. Kinder haben ihr eigenes Leben und ihre eigenen Verpflichtungen. Organisatorische Hilfe kann -falls erforderlich- organisiert werden, also zum Beispiel für den Haushalt oder ein offenes Ohr signalisieren durch ein Telefonat, aber mehr ist meiner Meinung nach kaum drin.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Zitat Zitat von Macani Beitrag anzeigen
    Wenn man selbst drei kleine Kinder hat, kann man sich nicht wirklich ausreichend kümmern. Dazu fehlt ganz einfach die Zeit.

    Außerdem sind Männer um die 70 oder älter nach meiner Erfahrung ziemlich unselbständig in Haushaltsdingen, weil das immer alles die Ehefrau gemacht hat.

    Das ist ein zusätzliches Problem.
    Ja, so ist es. Oder man reibt sich als „Kind“ komplett auf, und bezahlt einen hohen Preis. Als mein Vater mit 76 völlig unerwartet verstarb, war meine Mutter erstmal komplett wie gelähmt und in organisatorischen Dingen total ahnungslos. Ich, Ende 30, Vollzeitjob, 400 km entfernt und mit dreijährigem Kind, musste ihr alles beibringen: Banküberweisungen, Auto tanken, Versicherungen, offizielle Briefe schreiben etc. pp. Ich bin ständig hin und hergefahren, hatte immer und überall das Gefühl, es nicht recht zu machen. Es war einfach nur furchtbar. Meine Mutter hat sich aber noch ganz gut berappelt (sie war gleichaltrig wie mein Vater), aber so richtige Lebensfreude kam nicht mehr auf. Sie hatte ein gutes soziales Netz, aber sie rief mich häufig an und klagte über Einsamkeit. Ein neuer Partner wäre in dem Alter und der Konstellation undenkbar gewesen, aber ich finde es ein durchaus legitimes Ansinnen, einen jüngeren Elternteil zu einer neuen Partnerschaft ermutigen. Ja, es ist nämlich eine wahnsinnige Belastung für die Kinder. Meine Mutter bekam 1,5 Jahre nach dem Tod meines Vaters Krebs, ich begleitete sie durch die Zeit der Ungewissheit bis zur Diagnose, selber im 9. Monat schwanger. Sie lebte dann noch 2,5 Jahre, hatte noch gute Zeiten, aber es war schon sehr hart. Dass sie so krank wurde, hing sicher mit dem Tod meines Vaters zusammen.

    Liebe TE: dir mein herzliches Beileid und alles Gute für diese schwierige Zeit. Achte ausreichend auf dich selbst, so gut es irgendwie geht.

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    AW: Hinterbliebenes Elternteil

    Lieben Dank für all Eure Antworten, ich weiß Eure Offenheit sehr zu schätzen!

    Danke für die Empathie, es ist in der Tat eine schwere Zeit…

    Etwas erschrocken bin ich über die eine Antwort, die das Wort „Egoismus“ aufbrachte. Wie kann man nur das Negativste unterstellen?!? Ich habe gefragt, wie sich die nächsten Jahre nach solch einem Vorfall gestaltet haben, ich habe nicht gefragt, wie ich meinen Vater „schnellstmöglich wieder verkuppeln kann, um ihn endlich wieder los zu sein“. Der Gedanke ist so abwegig und verletztend, dass ich mich nicht weiter darauf einlassen kann…

    Ich bin fest davon überzeugt, auch wenn ich Tag und Nacht bei ihm wäre (was aufgrund meiner eigenen Familie nicht geht; auch ich habe im Moment ständig das Gefühl, überall nicht genug zu geben und meine Kinder zu oft allein zu lassen mit meinen Mann, was schrecklich ist), wäre das trotzdem nicht das, was ich als „wieder Fuß fassen“ betrachten würde. Wie gesagt, ich meine, er braucht sein eigenes Glück, seine eigene Lebensqualität, um noch lebenswerte Jahre zu haben. Wie dies aussehen kann, habe ich hier zur Diskussion gestellt und freue mich über all diejenigen, die dies mit mir besprechen wollen!

    Herzlichst
    Betty

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