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  1. Moderation

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    AW: Empathielosigkeit

    Ich denke, die wenigsten Menschen haben die Erfahrung, wie man mit Tod und Trauer bei anderen Leuten gut umgeht. Und dann gehen sie eben schlecht damit um. Sagen was blödes. Oder was triviales. Reden von ihren eigenen Erfahrungen, die denen des Trauernden natürlich nicht gerecht werden. Oder gehen dem Trauernden aus dem Weg oder schweigen ihn an.

    "Immer die richtigen Worte finden" ist eine Superfähigkeit. Und entsprechend super-selten.

    Alles was man tun kann, ist, aus der eigenen Erfahrung lernen, wie man es besser machen kann, seinen Mitmenschen mit Nachsicht begegnen, und sich an die Leute um einen herum zu halten, deren Reaktionen einem guttun. (Es gibt nicht die "Einheitsreaktion" die jedem Trauernden guttut. Aber man merkt, was einem selber guttut.)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Empathielosigkeit

    Lollla, das tut mir sehr, sehr leid, all mein Mitgefühl für dich!

    Ja, die Leute sagen jeglichen Mist - ich bin ziemlich sicher, dass ich schon an beiden "Enden" dieser Kommunikation war - ich war die, die fassungslos war ob der fehlenden Sensibilität (oder nur schon des Taktgefühls) des Gegenübers - und auch die, die bestimmt irgendeinen unsäglichen, verletzenden Mist von sich gegeben hat - weil ich es vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen halt anders sah und erst angesichts der Reaktion des anderen gemerkt habe, wie unverstanden er/sie sich fühlte. Ich habe daraus gelernt, sehr zurückhaltend zu sein und dem anderen einfach Raum zu geben. Aber für manche Menschen ist das auch falsch und verletzend, weil sie sich etwas anderes wünschen.

    Es ist auch so, dass man in gewissen Situationen eigentlich beinahe nur das Falsche sagen KANN, weil es kaum etwas "Richtiges" gibt. Und man ist selber halt auch so extrem dünnhäutig, im Schmerz, was ja auch vollständig nachvollziehbar ist.

    Man weiss nie, wie etwas ankommt, auch von Hause aus nicht takt- oder empathielose Menschen sagen manchmal situativ einfach das völlig "Falsche", ohne dass sie vorher unbedingt wissen konnten. Siehst du, die Bemerkung deines Onkels stufe ich zum Beispiel nicht als so unsensibel ein, wie sie bei dir angekommen ist, ich glaube, ich hätte es ergreifend gefunden - das heisst doch auch, dass er sich bewusst ist, was der Tod für eine Tragik und Tragweite haben kann, und wenn das Gefühl, das bei ihm dadurch hervorgerufen wird, Dankbarkeit ist, berührt mich das auch als demütig.

    Wir empfinden es also verschieden - weil wir unterschiedliche Menschen sind und durch unterschiedliche Erfahrungen gegangen sind.

    Ich sage dir das, damit du nun in so einer belastenden Situation nicht zusätzlich noch an der ganzen dich umgebenden Menschheit verzweifelst und dich noch einsamer fühlst, als du es durch den schmerzhaften Verlust deiner Mutter sowieso schon tust. Das nimmt dir nur Energie, die für dich selber nutzen kannst. Ich verstehe dich vollkommen und war selber so oft schon ähnlich verletzt. Akzeptiere deine Gefühle - alle - so, wie sie jetzt im Moment sind.

    Die Reaktion deiner Freundin am Telefon finde ich auch unsensibel und verletzend, aber wer weiss, wo sie gerade steht und was sie dort sieht und welche Sichtweisen ihr momentan verbaut sind. Das heisst ausdrücklich NICHT, dass du unendliche Nachsicht mit anderen haben sollst, nur, dass es dir selbst vielleicht Erleichterung verschafft, wenn du dir sagst, dass es halt immer mit den anderen selber zu tun hat, wie sie reagieren, und nicht mit dir und dem, was du "wert" bist oder was du jetzt bekommen solltest - nämlich Liebe, Zuwendung und Trost!

    Ich finde es auch nicht daneben, wenn du zu erkennen gibst, dass dich etwas verletzt hat oder was du stattdessen von jemand anderem gebraucht hättest. Auch wenn die Leute dann manchmal im Moment noch unsensibler reagieren - das ist ein Abwehrmechanismus, aus Scham vielleicht - aber für sich selber nehmen sie es sich oft dann dennoch zu Herzen und verhalten sich in Zukunft anders dir gegenüber. Denn vorsätzlich verletzen wollen dich sicher die allerwenigsten.

    Alles Liebe dir und viel viel Kraft!


  3. Moderation

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    AW: Empathielosigkeit

    Zitat Zitat von Lollla Beitrag anzeigen
    [...]
    Dennoch ... Heute fühle ich mich besonders verlassen und einsam. Ich vermisse sie so wahnsinnig und kann gar nicht glauben, dass ich sie nie wieder hören und sehen werde ...


    Ich hätte auch nie gedacht, wie anders dieses Gefühl des Zurückgelassenseins ist. Ein völlig neues Gefühl. Ein Freund sagte 'Nun beginnt eine neue Ära, aber das dauert, bis man sich da eingelebt hat'. Das Vermissen wird wohl nie ganz aufhören, aber irgendwann sind die Kanten nicht mehr so scharf.



    Zitat Zitat von Lollla Beitrag anzeigen
    [...]
    ...
    Ich frage mich, wie andere das Gefühl der Trauer aushalten? Kaum auszuhalten!
    Was klage ich? Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie wenig die Trauer über das verstorbene Kind oder den geliebten Partner auszuhalten ist ...
    Trauer lässt sich nicht bewerten. Jeder hat das Recht, so zu trauern, wie es für ihn passt. Und so lange.

    Wie man das aushält? Da hat wohl auch jeder seinen eigenen Weg. Ich vergleiche das immer mit Wellen. Wenn eine kommt, muss ich mich von ihr tragen lassen, sie liefert mich schon wieder am Ufer ab. Manchmal muss ich dann alleine raus, ins Grüne oder ans Wasser. Oder ich lass einen Heulanfall zu. Ich hab auch viel zum Thema Trauer gelesen und gechattet. Die erste Zeit hab ich viele Fotos angeguckt und mit Freunden/Familie ausgetauscht, aber merke jetzt, dass ich da erstmal eine Pause brauche.

    Du findest deinen Weg bestimmt. Es ist ja alles noch so frisch.
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Empathielosigkeit

    Zitat Zitat von distantdreamer Beitrag anzeigen
    Und man ist selber halt auch so extrem dünnhäutig, im Schmerz, was ja auch vollständig nachvollziehbar ist.
    Stimmt. Lege gerade alles auf die Goldwaage.
    Zitat Zitat von distantdreamer Beitrag anzeigen
    Ich sage dir das, damit du nun in so einer belastenden Situation nicht zusätzlich noch an der ganzen dich umgebenden Menschheit verzweifelst und dich noch einsamer fühlst, als du es durch den schmerzhaften Verlust deiner Mutter sowieso schon tust.
    Triffst den Nagel auf den Kopf.
    Zitat Zitat von distantdreamer Beitrag anzeigen
    Die Reaktion deiner Freundin am Telefon finde ich auch unsensibel und verletzend, aber wer weiss, wo sie gerade steht und was sie dort sieht und welche Sichtweisen ihr momentan verbaut sind. Das heisst ausdrücklich NICHT, dass du unendliche Nachsicht mit anderen haben sollst, nur, dass es dir selbst vielleicht Erleichterung verschafft, wenn du dir sagst, dass es halt immer mit den anderen selber zu tun hat, wie sie reagieren, und nicht mit dir und dem, was du "wert" bist oder was du jetzt bekommen solltest - nämlich Liebe, Zuwendung und Trost!
    Diese Freundin möchte einfach nur wie eh und je plaudern und hat gar keinen Bock auf solch schwere Themen. Aber ich messe Freundschaft daran, ob jemand auch in solch einer Situation ein offenes Ohr hat.
    Zitat Zitat von distantdreamer Beitrag anzeigen
    Alles Liebe dir und viel viel Kraft!
    Herzlichen Dank!!

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    AW: Empathielosigkeit

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Ich hätte auch nie gedacht, wie anders dieses Gefühl des Zurückgelassenseins ist. Ein völlig neues Gefühl.
    Ja, hätte ich auch nicht gedacht. Bislang dachte ich: 'Naja, Eltern sterben halt irgendwann. Ist der Lauf der Dinge. Lebe ja auch schon Jahrzehnte mein eigenes Leben ...' Fühlt sich aber viel schlimmer an als erwartet.

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Ich vergleiche das immer mit Wellen. Wenn eine kommt, muss ich mich von ihr tragen lassen, sie liefert mich schon wieder am Ufer ab.
    Heute vormittag ging's mir seltsam gut. Ich war in Aufbruchsstimmung, voller Tatendrang. Aber am Nachmittag dann der Einbruch.

    Meine Mutter ist noch keinen Monat tot ...
    Und sie starb viel zu jung. Hätte meinen Eltern, die untrennbar und immer im Doppelpack unterwegs waren, gegönnt, dass sie zumindest die 80 gemeinsam erleben dürfen.
    Geändert von Lollla (22.10.2020 um 19:26 Uhr)

  6. Moderation

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    AW: Empathielosigkeit

    Gib dir Zeit. 4 Wochen, da ist doch alles noch ganz frisch und wund.
    Hast du sonst Jemanden, bei dem du dich anlehnen kannst und wo es nicht anstrengend ist?
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


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    AW: Empathielosigkeit

    Zitat Zitat von Lollla Beitrag anzeigen
    Heute vormittag ging's mir seltsam gut. Ich war in Aufbruchsstimmung, voller Tatendrang. Aber am Nachmittag dann der Einbruch.
    Mit der Zeit werden die guten Phasen schlechter und die Einbrüche seltener. Ob die ganz weggehen... keine Ahnung.

    Ein guter Freund von mir ist vor vielen Jahren sehr überraschend und viel zu jung gestorben, und ich falle noch immer manchmal mental/emotional in das Loch, das er hinterlassen hat.

    Aber Zeit ist das einzige, was hilft.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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