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  1. VIP

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    [...]

    Mir faellt im allgemeinen Erleben auch auf, dass Trauer keinen Raum mehr hat. Da muss sich eine Witwe oder auch jemand, dessen Eltern verstorben sind, nach 3 Wochen fragen lassen, warum sie "immer noch" Schwarz tragen. "Der Tod gehoert zum Leben dazu", so wie ich Dich lese, Rollo, stimme ich zu. Ich hoere es aber auch oft als ein "Abbuersten", "es gehoert halt dazu", "komm drueber weg", "das Leben geht weiter". Zum Tod und zum Leben gehoert aber auch die Trauer, und die dauert laenger als 10 Tage. Ich denke, das Trauerjahr hat seinen Sinn. Man muss einmal alle Geburtstage, Feiertage, Jahrestage erlebt und ueberlebt haben, wenn jemand sehr nahes stirbt. Ich finde es schade und bedenklich, dass dem oft kein Raum gegeben oder keine Rechnung getragen wird. Das heisst ja nicht, Trauernde nur mit Samthandschuhen anzufassen, aber einfach: sie trauern lassen. Ihre Traurigkeit aushalten, mittragen. Ich glaube, da ginge mehr, so gesamtgesellschaftlich.
    Danke Flau, dass du das schreibst. Als junge Witwe habe ich immer gesagt bekommen, dass ich mich ablenken soll. Das Leben geht weiter und lauter so blödes Zeug. Da werde ich heute noch wütend.
    Natürlich geht das Leben weiter, aber abders. Und für mich war die Welt über Jahre einfach angehalten.

    Immerhin passiert das bei meinem Tod nicht. Wirklich nahe Menschen habe ich nicht (mehr), die sich grämen müssten.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Zitat Zitat von Rollo1 Beitrag anzeigen
    Noch nie hat eine Generation über sich bestimmt, wie sie beerdigt werden will.
    von mir gekürzt

    Warum? Das stimmt so nicht.
    "Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen!"
    Dalai Lama (geb. 1935)

    "Warum denn immer gleich so sachlich werden, wenn es doch auch persönlich geht!"

    André Heller (geb. 1947)
    in der BriCom als Hillie unterwegs seit 2003

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Opelius, eine Bestattung und die Grabpflege muß nicht zu einer teuren Angelegenheit werden.

    Früher war das anders.

    Mittlerweile gibt es so viele Friedhofsgärten, die unterschiedliche Arten der Bestattung zulassen.

    Noch dazu mit Grabpflege für 15-20 Jahre

    Meine Mutter liegt in einem solchen Garten in einem wirklich tollen Beet.

    Das hat inkl der Pflege ca 2.500€ für all die Jahre gekostet
    Es wird Zeit für eine neue Signatur

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Briefe habe ich auch geschrieben und sie nach Gefühl aktualisiert.

    Geld ist zurückgelegt und ev bezahle ich es auch, wenn ich noch sicherer bin, dass ich hier wohnen bleibe

    Meine eigene Grabrede zu schreiben finde ich tatsächlich für mich unvorstellbar

    Das würde ich derzeit meinen Menschen überlassen wollen
    Es wird Zeit für eine neue Signatur

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Ich war vor 31 Jahren todkrank. Habe es überlebt. Mit Folgen, ich bin körperlich nicht fit und werde es auch nie mehr werden.

    Dem Tod und danach - da vertraue ich auf etwas, was auf energetischem Weg funktioniert. Verbunden mit allem ohne menschliche Begehrlichkeiten. Einfach nur s e i n .

    Ich habe ein Testament gemacht.

    Ich stelle meinen Körper der nächsten Uni zur Verfügung, die anatomisch daran rumbasteln möchte. Die darf dann auch die Überreste schreddern...

    Ich liebe das Meer, wer mir noch nicht gefolgt ist, darf gerne mal ein paar Blümchen im Meer versenken. Sich dran erinnern, wie ich mein Leben gestaltet habe, nämlich immer irgendwie außergewöhnlich.

    Und ansonsten wird erst ganz zuletzt gestorben, nicht eine Sekunde vorher. Vorher wird gelebt. So soll es sein, nicht anders.

    Ich zitiere hier einmal Schopenhauer:

    Daher werden die meisten Menschen, wenn sie am Ende zurückblicken verwundert sein, dass das, was sie so ungeachtet und ungenossen vorübergehen ließen, ihr Leben war.

    Eben das war, in dessen Erwartung sie lebten.

    Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen in der Regel dieser, dass er, von Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt.


    Im Hier und Jetzt leben und genießen, dass ist das, wozu ich mich immer wieder anschubsen will.

    Furcht besteht wirklich nur davor, in irgendeinem Heim dahin zu siechen, wie ich es bei meinem Vater erleben musste, der fast blind, fast taub, körperlich ein Wrack, geistig bis 24 Stunden vor dem Tod aber hellwach gewesen ist.

    Da war der Tod einfach nur Erlösung.

    Mein Traum ist es, im Garten, auf der Bank in der Sonne, einfach den letzten Atemzug machen zu können.
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.

  6. Moderation

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Ich frage mich, was hinter dem Wunsch steckt, die eigene Trauerrede zu verfassen? Möchtet ihr sozusagen die Deutungshoheit über euer Leben behalten?

    Mein Vater ist dieses Jahr gestorben. Ich bin froh, dass ich ihn ein paar Monate vorher gefragt habe, ob er Angst vor dem Sterben hat. Hatte er nicht. Er war überzeugt davon, dass er einfach weg sein würde, und was mit seinem Körper und seiner Beerdigung werden würde, war ihm egal.

    Wir wollten es alle schlicht, aber wir wollten ein Grab auf einem bestimmten Friedhof, das schwer zu bekommen war. Das haben wir geschafft. Die Beerdigung wurde dann doch größer, es gab ein paar Lokal-Honoratioren, die Reden halten wollten und das auch durften - ansonsten hätte es gar keine Reden gegeben, nur Musik, weil er keiner Kirche angehörte. Es war alles sehr friedlich.

    Ich will auch so sterben: müde und mit mir im Reinen. Das letzte Jahr war nicht mehr gut, es war Zeit für ihn, denke ich. Und ich hoffe, dass diese letzte Lebensphase auch bei mir nicht zu lange dauern wird, dass ich beizeiten loslassen kann.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Ich frage mich, was hinter dem Wunsch steckt, die eigene Trauerrede zu verfassen? Möchtet ihr sozusagen die Deutungshoheit über euer Leben behalten?
    Die Frage habe ich auch. Vor allem hatte ich vor 10 Jahren noch einmal ein Seniorentreffen mit den Pensionäre unserer Firma. Das war lustig, aber wir waren alle sehr erstaunt, wie sehr sich die Firma und deren Aufgaben geändert hat. Ich habe mich dann gefragt, würde da noch einmal gerne arbeiten? Nein, ich wäre restlos überfordert. Und ich frage mich, was war denn wichtig in meinem Leben? Und eines ist mir klar, mein Beruf war es nicht. Der diente dem Broterwerb.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Mein Vater hatte auch Stichpunkte vermerkt, was auf seiner Trauerfeier gesprochen werden sollte.

    Hatte einfach den Hintergrund, dass wir Kinder seinen Lebensweg nie hätten so beschreiben können. Wenn jemand über 90 ist und sich die "Kinder", die längst keine mehr sind, das hätten zusammenstückeln sollen, dann wäre das der Lebenslauf eines anderen Mannes gewesen.

    Ganz ehrlich, wir Kinder waren immer mit ganz anderen Themen beschäftigt. Zumal wie selbst über 60 sind und damit zu tun haben, unser eigenes Leben im Rückwärtsgang richtig zu betrachten....

    Da ich meine Leiche zu Anatomiezwecken spenden möchte, wäre es aber eine Idee, dies zusammen mit einem Brief zu tun, wo auf einem Blatt ein paar Schwänke aus meinem Leben geschrieben sind, die dann schließlich bei der Beisetzung vorgelesen werden. Dann anzünden und die Asche im Wind treiben lassen.

    Wird sicherlich nicht die größte Umweltkatastrophe ausmachen....
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.

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    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Falls ich länger lebe als mein Mann möchte ich, dass nur meine Kinder an der Beerdigung teilnehmen.
    Trauerfeier oder nicht können sie entscheiden. Aber bitte kein emotionaler Kitsch.
    Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.
    (Friedrich Hölderlin)

  10. User Info Menu

    AW: Der eigene Tod, das eigene Sterben

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Ich frage mich, was hinter dem Wunsch steckt, die eigene Trauerrede zu verfassen? Möchtet ihr sozusagen die Deutungshoheit über euer Leben behalten?
    Ja. Genau das.
    Nirgends wird so viel gelogen wie auf Beerdigungen...

    Und niemand wird wagen, der Welt zu erklären, was ich zeitlebens für eine Gewitterziege war, wenn ich das nicht selbst übernehme!
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

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