Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 11 bis 14 von 14
  1. User Info Menu

    AW: Trauer um langjährig verstorbene Menschen

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Ich kenne diese Trauerepisoden auch. Und da hilft kein: "das würde euch jetzt schmecken" und "das würde euch auch gefallen".
    Ich finde auch nicht, dass es hilft. Im Gegenteil.
    Gerade in solchen Momenten wird mir die Abwesenheit der Verstorbenen besonders schmerzlich bewusst.

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Ich habe oft das Gefühl, dass mein Bruder im Raum ist. Aber das kann bloßes Wunschdenken sein. Es ist aber angenehm, dann mit ihm zu reden.
    Wenn du das Gefühl hast, dass es so ist, wird es vermutlich auch so sein.

    Und wenn nicht.... ja, es ist schön, mit dem Verstorbenen reden zu können.
    Meine Meinung: Was gut und angenehm ist, das ist auch richtig.

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Und dann denke ich auch, dass sie es "verdient" haben, dass um sie getrauert wird. Noch eine Weile unvergessen bleiben, das finde ich schön.
    Hhmmm....
    Bitte, @Overknee, sei mir jetzt nicht böse, wenn ich die folgenden Zeilen schreibe

    Muss ein Verstorbener es sich "verdienen", dass man um ihn trauert?
    Wenn ja, womit hat er es sich verdient? Dafür, dass er gestorben ist?

    Man trauert doch entweder um einen Menschen, weil man unendlich traurig ist, weil er aus diesem Leben geschieden ist und nicht mehr leben darf und weil man seine Verlust nicht verschmerzen kann.

    Und das geschieht doch auf freiwilliger Basis des Hinterbliebenen.

    Ich kann da ein "Verdienen" nicht sehen.

    Ich würde mich freuen, wenn du mir dazu noch ein paar erläuternde Worte schreiben würdest, damit ich nicht so verwirrt zurückbleibe.
    Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln,
    einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

    (Maxim Gorki)

  2. User Info Menu

    AW: Trauer um langjährig verstorbene Menschen

    Vielleicht ist "verdienen" das falsche Wort. Oder du siehst es in einem anderen Zusammenhang als ich? Ich meine das "verdienen" nicht mit dem Tod, sondern mit dem Leben, was sie gelebt haben.
    Denn: meine Oma war die selbstloseste Frau, die ich kannte. Immer bescheiden und ganz doll lieb.
    Mein Bruder war der wundervollste Mensch den ich kannte. Zu seiner Beerdigung kam die "ganze" Welt und trauerte.

    An diese Menschen erinnere ich mich so gern, sie haben ihr Leben "gut gelebt".

    Deshalb finde ich es normal, so traurig zu sein.

    Und dann ist da mein Schwager. der war ein echter Kotzbrocken. Immer mies drauf , beleidigend, sexistisch, ach, da gäbe es viel anzumerken.
    Als der starb, konnte ich nicht traurig sein.

  3. User Info Menu

    AW: Trauer um langjährig verstorbene Menschen

    Liebe Mitschreiberinnen, jeder Mensch sieht den Umgang mit den Menschen, die gegangen sind auch subjektiv. Was mich persönlich betrifft: eine Person, bei der ich aufwuchs und die ich sehr liebte-liebe, bei der spürte ich leider gar nichts, als sie ging und war vom Anruf aus dem Krankenhaus sehr überrascht. Es soll jedoch auch alles sehr schnell und überraschend eingetroffen sein.
    In unserer Verwandt-und Bekanntschaft starb vor vielen Jahren eine recht junge Frau. Leider hörte ich auf den Ehemann dieser Frau und sah sie mir mit den anderen Verwandten noch einmal an. Damals war ich selbst noch sehr jung und hatte danach lange Albträume. Ich würde das nie mehr machen. Hinzu kam ein "scharfer" Geruch in der Todeskammer, es waren keine Desinfektionsmittel, es war ein anderer Geruch. Das alles geschah zu einer Zeit, als viele Menschen aus der Verwandtschaft starben. Ich war junge Mutter und ich hoffe, dass diese Trauerzeit nicht zu sehr auf mein Kind abfärbte, dass mein Kind nicht zu sehr eine trauernde Mutter spürte.
    Heute sehe ich viele Dinge abgeklärter, mit den Jahren verändert sich die Sichtweise. Sehr viel Positives habe ich aus Hospizen gehört und gesehen, dort geht man wohl optimal mit sterbenden Menschen und den Angehörigen um.

    Liebe Margalie_J: ich finde schon, dass man sagen darf, dass ein Entspannen im Sterbeprozess hilfreich sein kann, ebenso wie bei einer Geburt ein Entspannen vorteilhaft ist. Ich habe es bei der Geburt des Kindes selbst erlebt, ich hatte kaum Schmerzen, könnte nicht einmal sagen, was Wehen sind. Es lief alles sehr schön und kurz ab (Spontangeburt ca. fünf Stunden). Nach der Geburt wurde ich gefragt, ob ich Kurse belegt hätte, weil es so gut lief, ich verneinte.
    Ähnlich verhielt es sich vor Eingriffen, wo mir geraten wurde, vor der Narkose "an etwas Schönes" zu denken. Das ist besser, als sich vor Angst total zu verkrampfen.

    Was meine langjährig Verstorbenen betrifft, rede ich in bestimmten Situationen mit ihnen, z.B. als ich einen besonderen Abschluss nach holte als Erwachsene- ich wusste, dass "die da oben" stolz auf mich sind.
    Manchmal bin ich auch ähnlich aussehenden Menschen begegnet und konnte nur fasziniert die Gestik und Mimik dieser Menschen ansehen. Damit diese nicht irritiert sind, habe ich ihnen gesagt, dass sie eine Ähnlichkeit mit einer verstorbenen
    Person haben. :)
    Für mich persönlich sind meine Lieben unvergessen. Ich denke nicht ständig daran, aber sie leben "irgendwie" mit, auf eine gewisse Weise nehmen sie Anteil. Ich würde mich freuen, ihnen nach meinem Ableben wieder zu begegnen-bis auf einen Menschen.
    Leonie
    Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen;
    auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
    Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses,
    nur verachten würde man ihn.
    Das Hohelied


  4. User Info Menu

    AW: Trauer um langjährig verstorbene Menschen

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist "verdienen" das falsche Wort. Oder du siehst es in einem anderen Zusammenhang als ich? Ich meine das "verdienen" nicht mit dem Tod, sondern mit dem Leben, was sie gelebt haben.
    Denn: meine Oma war die selbstloseste Frau, die ich kannte. Immer bescheiden und ganz doll lieb.
    Mein Bruder war der wundervollste Mensch den ich kannte. Zu seiner Beerdigung kam die "ganze" Welt und trauerte.

    An diese Menschen erinnere ich mich so gern, sie haben ihr Leben "gut gelebt".

    Deshalb finde ich es normal, so traurig zu sein.

    Und dann ist da mein Schwager. der war ein echter Kotzbrocken. Immer mies drauf , beleidigend, sexistisch, ach, da gäbe es viel anzumerken.
    Als der starb, konnte ich nicht traurig sein.
    Liebe overknee,
    vielen Dank für deine weitere Erläuterung.

    Auf der einen Seite bin ich dem Thema Tod und Trauer zwar sehr nahe.
    Auf der anderen Seite, fällt es mir auch sehr schwer, hier regelmäßig mitzulesen und auf meine eigenen Beiträge und gewünschte Antworten zu reagieren, weil es mich zu sehr berührt und beutelt.

    Über deine Antwort habe ich sehr lange nachgedacht.
    Irgendwas ist da in mir, das ich nicht so richtig auf die Reihe bringe.

    Du schreibst von deinem verstorbenen Schwager, um den du aus berechtigten Gründen nicht trauern kannst.
    Versteh ich und kann ich auch nachvollziehen.

    Ich hatte in meiner Schwiegerfamilie vor ein paar Jahren einen Verstorbenen zu beklagen, der alles andere als lieb, nett, fürsorglich und seiner Familie zugewandt war.

    Als dieser Mensch starb, war ich unendlich traurig, weil seine Krankheit so plötzlich und unerwartet kam.
    Während seiner Krankheit hat sich seine eigene Familie kaum oder wenig um ihn gekümmert.
    Man hat Pflichtbesuche im Krankenhaus und in der anschließenden Reha absolviert - mehr nicht.

    Nach drei Monaten starb dieser Mensch.
    Sein Tod war absehbar.

    Trotzdem war ich traurig und habe bei seiner Beerdigung mehr geweint als seine nächsten Angehörigen.
    Ich kannte diesen Menschen sehr gut und wusste, dass er zu Lebzeiten... sagen wir mal... nicht sehr nett war.

    Womit hat sich dieser Mensch die Trauer um ihn verdient?
    Für das, was er in seinem Leben seinen Angehörigen angetan hat, sicherlich nicht!

    Trotzdem...

    Ich glaube, es ist sehr individuell, wie und warum wir um einen Angehörigen trauern.
    Ob und in wie fern es der Verstorbene "verdient" hat, ebenfalls.
    Entweder man trauert um einen Menschen... oder man tut es nicht.
    Das sind Gefühle, die man einfach nicht steuern kann...

    Ich trauere jedenfalls um diesen Menschen..

    Vielleicht nicht unbedingt deswegen, weil er gestorben ist und nun nicht mehr da ist.
    Vielleicht ist und war es auch die Trauer darum, zu erleben, wie alleine er zur Stunde seines Todes war.

    Denn das hatte er garantiert nicht verdient.
    Und genau deswegen denke ich oft an ihn und muss auch um ihn weinen.

    Letztendlich ist es wohl auch deswegen, weil ich unendlich traurig darüber bin, weil ich weiß, wie viel Lebenszeit dieser Mensch damit verschwendet hat, ein nicht netter Mensch zu sein und das Wissen darum, was er versäumt hat, wenn er nur etwas zugewandter gewesen wäre...
    Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln,
    einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

    (Maxim Gorki)

Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •