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  1. Registriert seit
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    Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Hallo liebes Forum,

    ich weiß einfach nicht mehr weiter und hoffe, dass ihr mir irgendwelche Tips geben könnt. Mein Freund hat vor kurzem erfahren, dass es für seinen Papa nach 2- monatiger Chemotherapie keine Heilung mehr gibt. Er hat nach dieser Nachricht auf nichts mehr reagiert. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht was passiert war und hab versucht an ihn ranzukommen (wir hatten davor einen kleinen Streit und ich dachte er würde sich deswegen nicht mehr melden). Er hat mir nicht die Türe aufgemacht, auf keine Nachricht geantwortet und ist auch nicht ans Telefon. Irgendwann hatte ich mir schon gedacht, dass es seinem Papa wahrscheinlich schlechter geht. Ich hab versucht ihm Halt zu geben und ihm immer wieder geschrieben, dass ich für ihn da bin und ihm liebe Sachen geschickt. Aber es kam nie eine Antwort.

    Nach über einem Monat wollte ich dann wissen was los ist und woran ich bin, darauf hat er mir geschrieben, dass es ihm leid tut aber wir uns nicht mehr sehen können. In der gleichen Nachricht hat er mir dann erst gesagt, dass es keine Heilung für seinen Papa gibt und er nur noch wenige Tage oder Wochen zu leben hat. Er schrieb auch, dass er seitdem ein anderer Mensch geworden ist und sein Leben die Hölle ist.

    Ich habe daraufhin immer wieder geschrieben, dass ich ihn jetzt nicht alleine lasse und für ihn da bin und ich auf ihn warte, wenn er mir momentan seine Gefühle nicht zeigen kann. Ich hab ihm auch immer wieder gesagt, dass ich ihn liebe und ihn nicht verlieren will. Aber auch da kam nichts zurück.

    Ihr müsst wissen, wir haben ein Jahr aufeinander gewartet bis wir zusammen sein konnten, weil wir beide wussten, dass das was ganz besonderes zwischen uns ist und wir zusammen gehören. Als wir dann endlich ein Paar wurden, waren wir wie ein Herz und eine Seele, beides sind wir sehr fröhliche Menschen und wussten oft auch was der andere denkt, hatten Zukunftspläne und bis zu diesem Zeitpunkt eine wunderschöne Beziehung. Deswegen ist es für mich jetzt auch so schwer zu verstehen und gleichzeitig sehr verletzend, dass er so ein komplett anderer Mensch geworden ist und ich verstehe nicht wie er mich so einfach ohne ein Wort verlassen kann, wir waren beide doch so froh einander gefunden zu haben. Ich will ihn einfach nicht verlieren, aber ich habe auch langsam keine Kraft mehr und es geht mir deswegen sehr oft schlecht. Warum nimmt er meine Hilfe nicht an und stößt mich weg? Was würdet ihr mir raten? Habt ihr ähnliche Erfahrung?

    Vielen Dank fürs Lesen und eure Antworten.
    Romsel

  2. Avatar von bifi
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    AW: Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Zitat Zitat von Romsel Beitrag anzeigen
    Hallo liebes Forum,

    Ich habe daraufhin immer wieder geschrieben, dass ich ihn jetzt nicht alleine lasse und für ihn da bin und ich auf ihn warte, wenn er mir momentan seine Gefühle nicht zeigen kann. Ich hab ihm auch immer wieder gesagt, dass ich ihn liebe und ihn nicht verlieren will. Aber auch da kam nichts zurück.
    gekürzt von mir

    Er kann und will nicht. Du steckst da ganz viel Energie rein und respektierst seinen Willen nicht. Kein Wunder, dass Du keine Kraft mehr hast.

    Warum musstet ihr so lange aufeinander warten?
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph


  3. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Liebe Romsel,

    kennst du die Familie, den Vater, die Mutter?
    Leben sie in deiner Nähe oder in einer anderen Stadt?
    Bist du ganz sicher, dass der Vater sterbenskrank ist?

    Ich finde es auch sehr ungewöhnlich, dass man in solch einer Situation den Kummer nicht mit dem Partner teilt (ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen), deshalb kam mir spontan der Gedanke, ob hier evtl. ein Vorwand, eine Ausrede gesucht wurde von jemandem, der zu feige ist, offen Schluss zu machen?

    Worum ging es denn bei dem "kleinen Streit"?

    Bedräng ihn jetzt auf keinen Fall weiter, konzentrier dich erst mal auf dich, Beruf/Ausbildung (wie jung bist du?), Freundinnen, Hobbies.
    Dass deine Gedanken Karussell fahren, verstehe ich.
    Auch wenn der Vater wirklich nur noch kurz zu leben hat und das deinen Freund sehr aus der Bahn geworfen hat, verständlich, ist das aus meiner Sicht kein Grund, dich so im Regen stehen zu lassen.


  4. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Hallo Gabiella,
    danke für deine Antwort.
    Nein, die Familie kenne ich leider nicht und sie wohnt auch nicht direkt in der gleichen Stadt sondern etwas außerhalb.
    Ja, das mit dem Vater weiß ich ganz sicher, das war kein Vorwand.
    Ich will mich auch sehr gerne wieder auf mich konzentrieren aber ich habe Angst wenn ich mich nicht mehr melde, dass er dann denkt mir wäre er und seine Situation total egal.
    LG Romsel


  5. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Wie lange seid ihr denn schon zusammen?
    Habt ihr einen gemeinsamen Freundeskreis?
    Was sagen Menschen, die euch beide kennen?

    Und, wie hier schon gefragt wurde, was hat es auf sich mit dem "lange aufeinander gewartet"?

    Vielleicht kannst du auch auf die Fragen nach eurem Alter und dem Streitthema eingehen, wenn du möchtest.

    Es ist einfach für Menschen im Forum leichter, etwas Zielführendes zu raten, wenn man etwas mehr Hintergrundwissen hat.

    Wenn du ihm doch geschrieben hast "ich bin gerne für dich da, wenn du mich brauchst, melde dich einfach " ( oder sinngemäß), dann weiß er das doch und alles weitere ist too much.

    Ich frage nach gemeinsamen Freunden/Bekannten/ Kollegen um auszuloten, ob ggf. jemand vermitteln kann.


  6. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und Trennung durch Trauer

    Liebe Romsel,

    tiefe Trauer geht immer mit absoluter Authentizität einher.
    Trauer berührt den inneren Kern so sehr, dass Masken, die man eventuell vorher getragen hat, fallen.

    Das ist mit (- aber nicht alleiniger) Grund dafür, weshalb sich viele nach einem Todesfall in ihrem Alltag oft wie im falschen Film fühlen, Job und/oder Freundeskreis wegbrechen oder sich neu sortieren bis hin zum kompletten Austausch.

    Nimm an, jemand ist in einer Partnerschaft, von der er/sie unterschwellig ahnt, dass sie nicht das Wahre ist, sich das aber noch nicht bewusst gemacht, geschweige denn Konsequenzen gezogen hat.
    Dann passiert etwas sehr Schlimmes. Schock und Trauer mögen nach außen wie eine Starre wirken, sie verbinden in ihrer Tiefe aber auch Bewusstsein und Unterbewusstsein, und alles Unechte (Selbsttäuschungen, Masken, ...) wird in einem Schwung abgeworfen, weil nur noch Platz und Energie für das Echte da ist.
    In einer solchen Situation werden manche Partner verlassen - im oben skizzierten Szenario -, andere nicht, je nachdem, wie echt die ihnen entgegengebrachten Gefühle sind.
    The sky is always blue above the clouds.

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