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  1. Avatar von einzigARTig
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    AW: Wie verhalten, wenn jemand verstorben ist?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Um in diesem Zusammenhang nochmal auf kenzias Anliegen zurückzukommen: Gerade bei einem so sensiblen Thema wie Trauer ist es natürlich ein Eiertanz, ob die Kommunikation überhaupt angebracht ist. Und, so habe ich kenzia verstanden, deshalb wollte sie hören, wie andere die Situation beurteilen.

    Dann erhält sie eine Nachricht der trauernden Bekannten. Und die Frage, wie kenzia sich verhalten sollte, um dieser Bekannten einerseits das Gefühl zu geben, dass sie für sie da sein möchte, andererseits ihr aber nicht zu nahe zu treten, ist beantwortet.
    Meine Reaktion wäre kenzias ähnlich gewesen. Ich wäre erleichtert, dass mir die Gefahr genommen ist, die Bekannte durch mein Tun oder eben auch Lassen zu verletzen.
    Ich empfinde es sehr ähnlich und war ziemlich befremdet, dass Kenzia so angegangen wurde.

  2. Moderation Avatar von Sternenfliegerin
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    AW: Wie verhalten, wenn jemand verstorben ist?

    Kenzia und ich hatten gestern abend versucht, die hier aufgekommenen Emotionen etwas besser zu verstehen.

    Nachdem kenzia mir nun die Erlaubnis dazu gegeben hat, kopiere ich in Großteilen meine PN an sie und habe sie noch etwas ergänzt, vielleicht hilft meine Außensicht beim besseren Verständnis beider "Seiten", denn hier möchte ganz sicher niemand die "Gegenseite" verletzen.

    Beide Seiten haben verständliche Standpunkte, das eigentliche Interpretations-Mißverständnis liegt - für mich - bei dem, was kenzia von wenigen Seiten unterstellt wird (warum es wiederum unterstellt wird, kann ich mir vorstellen, wenn man die Dynamiken genau anschaut).

    Meine PN an kenzia:

    Ich versuche es mal, Dir die nun aufgekommene ungute Strangdynamik und die dahinter stehenden Emotionen, wie ich sie wahrnehme, zu verdeutlichen, als nicht an der Diskussion Beteiligte ist mir, so glaube ich, tatsächlich klar, wo es zu dem "Problem" kam.

    Magalie und andere Trauernde haben es so beschrieben, daß sie bei vielen Anteilnehmenden eine Erwartungshaltung glaubten zu spüren,
    Ob das objektiv so ist/war, sei einmal dahingestellt, aber es wurde so empfunden und das ist wichtig.

    Sie haben bei Kondolierenden gespürt- oder glaubten zu spüren - daß ein Gutteil der Anteilnahme nicht Anteilnahme um der Anteilnahme an sich zu sein schien, sondern eine solche Hilflosigkeit und Überforderung.
    Daß sozusagen die Anteilnahme Selbstzweck schien und Hilfsangebote (auch? oder ausschließlich) gemacht wurden, um sich selbst in der Situation "besser" zu fühlen und Erleichterung zu verschaffen.

    Und auch wenn die Diskussion gerade unschön eskaliert, so finde ich den Gedanken tatsächlich wichtig:

    Biete ich meine Hilfe an, um - damit - selbst ins Handeln zu kommen, um besser mit meinen Gefühlen zu diesem Trauerfall und dem Trauernden klarzukommen -
    oder biete ich Hilfe an, weil ich wirklich aus tiefstem Herzen helfen will.

    Das ist in der Tat sehr wichtig und etwas sehr Unterschiedliches.

    Einige im Strang haben wohl erlebt oder meinten zu spüren, daß hinter vielen Hilfsangeboten sozusagen eher ein Selbstzweck steckt und darauf reagieren sie "allergisch", was ich aus so einer Situation heraus auch verstehen kann.

    Als Du nun geschrieben hast, daß Dir die Reaktion der Bekannten gut tat und Du nun beruhigter bist, sahen sie das wahrscheinlich als Bestätigung dieser These.

    Aus der Warte eines Trauernden, der mit sich selbst extrem zu tun hat und der das Gefühl hat, das Umfeld auch noch stabilisieren zu müssen, ist das auch nicht unlogisch und das wird es ganz sicher auch geben.

    Das ist wohl gerade eine Art "Stellvertreter-Wut", die Du abbekommst.

    Als Unbeteiligte konnte ich Deine Texte auch anders lesen, weil ich sozusagen alles, was Du sonst so Wertvolles schreibst, mit reinnehme in meine "Bewertung", aber einige scheinen dafür gerade emotional zu sehr involviert zu sein.

    Ich lese Dich einfach lange und intensiv genug, um Dir so ein Denken und Fühlen als Selbstzweck nicht zu unterstellen.

    Aber es kommt gerade wohl bei einigen nicht so an, weil da einfach ein sehr sehr wunder Punkt berührt wurde.

    ------------

    Verkürzt wird von einigen Seiten unterstellt, daß kenzia sich mit dem Trauerfall so "unwohl und überfordert" fühlt und damit ihre eigentlichen Befindlichkeiten zuallererst im Fokus hat.

    So lese ich- als Außenstehende - kenzias Gedanken aber nicht.
    Ich lese sie als den Versuch, einem zutiefst leidenden Menschen in "der richtigen Weise" zu signalisieren, daß das Angebot von Hilfe kein Lippenbekenntnis war, sondern ein aus tiefstem Herzen ernstgemeintes Angebot.

    Hier im Strang hat kenzia versucht, Erfahrungen Betroffener und anderer "Hilfe-Anbieter", dazu Gedanken und Gefühle "zu sammeln", um daraus dann für ihre liebe Bekannte und sich den bestmöglichen Weg zu finden.

    Der Strang hat extrem verdeutlicht, daß es absolut keinen allgemeingültigen Weg gibt, das ist auch verständlich.
    Trotzdem finde ich es unfair, kenzia nun zu unterstellen, daß sie praktisch sich und ihre Bedürfnisse vorrangig im Fokus (und wenn es unbewußt war) hatte.


    Sterben, der Tod, Trauer und seelischer Schmerz sind so weit aus unserer Gesellschaft verdrängt worden, daß wir alle scheinbar viel mehr Praxis mit Trauer haben müßten, um "selbstverständlicher" mit ihr umzugehen.

    Kenzia hat ihr Bestes versucht -
    und auch wenn es auf einige nicht so wirkt, so glaube ich ihr absolut, daß sie vor allem der lieben Bekannten so gut es möglich ist, helfen wollte.


    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Wer hat nun wem geholfen, wurde gefragt. In diesem Moment hat die Bekannte kenzia geholfen, klar. kenzia hatte aber um diese Hilfestellung nicht gebeten, die kam auf Initiative der Bekannten selbst, die, so vermute ich, von kenzias Gedanken nicht das Geringste wusste. Daher kann man sie kenzia meiner Meinung nach nicht zum Vorwurf machen, anders als bei der hier irgendwann erwähnten Geschichte, wo die Trauernde die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirtete.
    Danke, das nehme ich sehr ähnlich wahr.

    Die Beschreibungen hier, wie Trauernde noch trösten und "leisten" mußten sind sehr bedrückend und zu Recht sollte man sich dagegen verwahren, aber so habe ich kenzias Beschreibung nicht gelesen.
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin
    Geändert von Sternenfliegerin (02.12.2019 um 19:37 Uhr)

  3. Moderation Avatar von Flau
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    AW: Wie verhalten, wenn jemand verstorben ist?

    Danke für das schöne und unaufgeregte Post,
    Sternenfliegerin!

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