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  1. Moderation Avatar von frangipani
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    Ruheforst, Friedwald

    Im Nebenstrang kam diese Frage auf, da es dort zu sehr ins OT gehen würde, nun dieser Strang.

    Zitat Zitat von Enya1963 Beitrag anzeigen
    Ich finde die Idee einer Ruheforstbestattung auch sehr schön frangipani, da wart ihr dann unter euch.
    Da werde ich mich mal genauer drüber informieren bzw. kannst du kurz schildern ob das aufwändig ist oder eine unkomplizierte Möglichkeit der Bestattung?
    Es war sehr unkompliziert. Mir hatte allerdings auch geholfen, dass eine Freundin darin Erfahrung hatte und dass der Bestatter sehr hilfreich war.

    Wir haben es mit der Firma Ruheforst GmbH gemacht, es gibt in Deutschland die zwei Firmen aus dem Strangtitel, die diese Art der Bestattung anbieten. Die nennen einem dann auch die Wälder in der Nähe, die in Frage kommen. In meinem Fall wusste ich aber schon, wo es hinging.

    Der Bestatter organisiert die Einäscherung, mit allem, was dazu gehört, ganz normal.
    Ich konnte mir dann aussuchen, ob ich einen Pastor dabei haben wollte oder einen Trauerredner. Bei uns war es eine Trauerrednerin (die mir auch vom Bestatter empfohlen wurde). Das lag einzig und allein daran, dass ich seit 36 Jahren nicht mehr dort lebe, meine Mutter auch keine sehr grosse Kirchgängerin war und der einzige Pastor der in Frage gekommen wäre, weil wir ihn kennen, im Urlaub war.
    Die Trauerrednerin hat es aber so gut gemacht, dass es sich 'rund' angefühlt hat.

    Ich musste dann mit dem Forst Kontakt aufnehmen und bekam einen Termin, um mir den Baum auszusuchen. Man hat die Möglichkeit, einen ganzen Baum zu 'pachten' - für 98 Jahre - man hat dann 12 Urnenliegeplätze für die ganze Familie. Oder man pachtet für die gleiche Zeit nur einen Liegeplatz. Diese sind im Kreis um den Baum herum angeordnet.

    Das Konzept beim Ruheforst (ich weiss nicht, wie die andere Firma das organisiert) ist, dass man den Waldboden anschliessend wieder in den Naturzustand herrichtet. D.h., man sieht nicht, wo die Urnen liegen. Der Wald ist ein 'Urwald', der nicht kultiviert wird. Es gibt Spazierwege und ab und an eine Bank, aber sonst ist es ein ganz natürlicher Wald.

    Man kann sich einen Baum aus drei Kategorien aussuchen, je nach Grösse und Lage des Baumes wird es dann teurer.
    Dazu entscheidet man, ob man eine kleine Plakette mit dem Namen und den Daten am Baum angebracht haben möchte.

    Ich habe mit einer Freundin schon ein paar Tage vor dem Treffen mit den Ruheforst-Leuten einen Spaziergang gemacht und wir haben uns die ungefähre Lage ausgesucht. Den endgültigen Baum (das sind dort alles Buchen) habe ich dann später 'klargemacht'.
    Aber der Spaziergang vorher war sehr wichtig für mich, da konnte ich mich schon mal mit der Gegend anfreunden.

    Dann habe ich mit dem Bestatter und der Trauerrednerin den Ablauf festgelegt und aus einer sehr grossen und abwechslungsreichen Playlist die Musik ausgesucht, 4 Stücke. Die Trauerrednerin hat sich 1 Stunde mit mir zusammmengesetzt und ich hab ihr von meiner Mutter erzaehlt und von uns allen.

    An dem Tag der Beisetzung haben wir uns dann alle, so ca 50 Leute, auf einem kleinen Andachtsplatz im Wald getroffen, wo der Ruheforst ein paar Bänke aus Baumstämmen aufgebaut hat und wo ein ca 4m grosses schlichtes Holzkreuz steht. Wie so eine kleine Lichtung unter Baumkronen. Dort stand auch ein Baumstumpf, auf dem die Urne stand, den Blumenschmuck drumrum (von mir ausgesucht) hat der Bestatter mitgebracht und eine Fackel daneben. Links und rechts davon war je ein Rednerpult.
    Ich habe die Gäste begrüsst, dann hat die Trauerrednerin ca 10-15 Minuten gesprochen, dann habe ich mit meiner Patentochter ein Gedicht vorgelesen, danach gab es noch ein paar Schweigeminuten, in denen jeder Gast sich seine Gedanken machen konnte, beten konnte, was immer er gerne wollte. Dazwischen gab es Musik, der Lautsprecher war versteckt und der Bestatter hat das vom Rand aus über ipad gesteuert.

    Anschliessend ging es mit allen die ca 400m zum Baum, quer durch den Wald. Dort sprach die Trauerrednerin nochmal, bevor die Urne in den Boden gelassen wurde. Wir haben dann alle am Grab noch einzeln Dinge mit hineingegeben, ich hatte Rosenblätter vorbereitet, Leute haben einzelne Blumen mitgebracht und der Forst hatte Erde und Schaufel bereitgestellt.

    Es war insgesamt eine sehr schöne und würdige Feier, sehr tröstlich. Im Prinzip hätte ich sie gestalten können, wie ich gewollt hätte, man hat fast alle Freiheiten.
    Wir hatten natürlich auch das Glück, dass die Sonne schien. Die Vögel waren teilweise sehr laut, man hörte den Wind in den Bäumen und Buchenlaub macht sowieso so schöne Lichtreflexe.

    Das Ganze war ganz im Sinne meiner Mutter, die nichts schlimmer fand als kalte Trauerfeiern, mit Sarg, schwerem Blumenduft und dicken Mauern.

    Meine Freundin hat Friedwaldbestattungen im Winter erlebt, das war wohl auch schön, komplizierter wird es wohl bei starkem Regen, da muss man sich dann schon wappnen.

    Im Anschluss haben einige 'Alte', die erst darüber besorgt waren, was da denn nun wohl kommt, mir gesagt, dass sie sich sowas auch für sich vorstellen könnten. :)

    Und für mich wäre es eine Alternative zum Asche überm Meer verstreuen. Ich hab hier in AUS ja die Freiheit, alles machen zu dürfen, was ich möchte.
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  2. Avatar von overknee
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Ich finde den Ruheforst auch sehr schön. Man hat einen Platz, zu dem man gehen kann. Mein Bruder hat auch solch einen Baum.
    Man muss sich nur darauf einstellen, dass während der Trauerfeier Geräusche nicht abgestellt werden können.
    So rasten während unserer Feier auf dem nahegelegenen See Jetskis mächtig laut übers Wasser.
    Aber das ist eben Leben.

  3. Inaktiver User

    AW: Ruheforst, Friedwald

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen

    Wir haben es mit der Firma Ruheforst GmbH gemacht, es gibt in Deutschland die zwei Firmen aus dem Strangtitel, die diese Art der Bestattung anbieten. Die nennen einem dann auch die Wälder in der Nähe, die in Frage kommen.
    Ist das nicht Werbung?

  4. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Nein. Wir nennen ja auch sonst in anderen Straengen Firmen. Man darf nur nicht direkt verlinken.
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ist das nicht Werbung?
    Glaub ich nicht.
    Dann dürfte man ja auch im Küchenstrang nicht schreiben „ich hab heute mit dem Thermomix...“

  6. Inaktiver User

    AW: Ruheforst, Friedwald

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Nein. Wir nennen ja auch sonst in anderen Straengen Firmen. Man darf nur nicht direkt verlinken.
    Danke


  7. Registriert seit
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Wir haben uns auch mal interessehalber einen Friedwald angeschaut. Den empfanden wir allerdings als ziemlich lieblos angelegt. Die Plaketten mit den Namen waren auch nicht an den Bäumen angebracht, sondern an recht hässlichen Pfählen, die manchmal gar keinem Baum konkret zuzuordnen waren.

    Wenn man nicht einen Pfahl für die ganze Verwandtschaft reserviert, dann hängen lauter fremde Menschen übereinander. Das wirkt dann sehr beliebig.

    Ich denke mal, es kommt sehr auf den einzelnen Friedwald an. Es gibt da sicher große Unterschiede.

  8. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Ich war bei einer Beisetzung in einem Friedwald in der Nähe Minden, der war sehr schön (der Wald). Ein Buchenwald. Wie oben beschrieben. Ein würdiger Abschied. Auch der Wald passte ganz zu der verstorbenen Person. Alles war stimmig.
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  9. Avatar von Sintonia
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Meinen Vater haben wir letztes Jahr auch auf einem Friedwald bestattet.

    Den Ablauf hatte ich letztes Jahr schon mal beschrieben.

    Zu dem Thema Bestattung. Meine Eltern haben sich vor Jahren für die Variante Friedwald entschieden. Nicht nur der Kosten wegen, sondern hauptsächlich deswegen, weil sie den Hinterbleibenden weder Folgekosten noch Aufwand/Pflege zumuten wollten.

    Nun wurde das akut und ein paar Tage nachdem mein Vater verstorben ist, waren wir im Wald einen Baum aussuchen. Obwohl der Wald erst seit einem halben Jahr in "Betrieb" ist, sind schon massenhaft Bäume verkauft, obwohl die Menschen noch alle leben. Also ist das schon ein Thema geworden. Ist vielleicht nicht schlecht, sich beizeiten darum zu kümmern. Vor allen Dingen, da die Laufzeit 99 Jahre insgesamt beträgt, und in dieser Zeit kein Platz mehrfach vergeben wird.

    Somit haben wir zwei Plätze an einem Baum bezahlt, damit Mama irgendwann dort auch ihren letzten Platz findet. Im Vergleich zu Friedhofskosten auf jeden Fall sehr günstig. Auch der Sarg ist günstiger (unbehandeltes Holz) und auch die Urne, die sich in kurzer Zeit zersetzt.

    Mir gefällt der Gedanke, dass ich mich in jedem Wald, mit seinem Blätterrauschen und den Sonnenstrahlen dazwischen, meinem Papa nahe fühlen kann.

    Die Trauerfeier haben wir mit der ganzen Familie und Freunden in der Aussegnungshalle des Friedhofs gestaltet. Mit Stücken von Mozart und der Rede einer evangelischen Pfarrerin. Danach waren wir alle zusammen Mittagessen. Ein paar Tage später haben wir nur zu dritt, Mama, mein Bruder und ich die Urne im Friedwald beigesetzt. Und genauso wünscht es sich auch meine Mama, wenn eines Tages ihre Zeit kommt.


    Und weiter

    Danke Dir und Euch allen.
    Ja es war für uns alle sehr angenehm. Natürlich ist man traurig und es schmerzt, aber es ist auch sehr tröstlich gewesen. Ich habe die Urne zum Baum getragen. Als Kind wurde ich von meinem Vater in den Armen getragen, und auf seinem letzten Weg habe ich ihn getragen. Das hat mir sehr viel kraft gegeben. Mein Bruder hat die Urne in den Boden heruntergelassen. Ausserdem habe ich einen kleinen Stein von meiner Insel mit der Urne versenkt.

    Hier ist es noch einfacher. Man bekommt die Urne mit, und kann entscheiden wie es weitergeht. Ich habe auch schon eine Palme ausgesucht, in deren Schatten meine Asche verstreut werden soll.

    Für mich sind solche Abläufe tröstlicher als die starren, alten Riten. Die Trauer und die Erinnerung ist nicht an einen Friedhof gebunden, die trage ich in meinem Herzen.
    Dazu habe ich einen schönen Spruch gelesen:
    "Wenn ihr mich vermisst, dann sucht mich in euren Herzen.
    Und wenn ihr mich dort findet, dann bin ich bei euch."
    Die Problemzone ist bei den meisten Menschen nicht der Bauch, die Beine oder der Po...
    sondern viel mehr der Kopf

  10. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Ruheforst, Friedwald

    Das kann ich mir auch gut vorstellen, dass die Betreiber unterschiedlich agieren.
    Die Plaketten haengen ja auch am Baum untereinander, im Fall meiner Mutter sind es derzeit 4 (Fremde). Alle sehr viel juenger als sie - da mussten wir etwas grinsen, weil sie zu Lebzeiten auch immer lieber mit Juengeren zusammen war. Aber das war hier natuerlich eher Zufall.
    Mich hat das aber nicht so sehr irritiert, weil ich es von hier kenne, dass an Waenden und zb in Rosenbeeten auf Friedhoefen, wo Asche verstreut wurde oder Urnen im Rasen liegen, viele Plaketten unter- und nebeneinander angeordnet sind.
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