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  1. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Gut zusammengefasst, R_Rokeby! Als ob Empathie, auch gegenüber nicht so Nahestehenden, irgendwie verpflichtend ist.

    Nachtrag: ich bin auch absolut dafür, dass der Tod wieder mehr in den Alltag muss und nicht versteckt abgewickelt wird. Das denke ich schon länger, nicht erst jetzt, wo ich betroffen bin. Zwar tut sich da inzwischen was, in den westlichen Ländern, aber noch nicht genug.
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  2. Moderation
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Kapiere ich irgendwie nicht... Gibt es tatsächlich Leben in denen in sagen wir 10 Jahren nie irgendwer verstirbt?
    Ja.

    Und: Es hilft ja auch nichts, wenn man sich sagt, daß die anderen nicht inkompetent sein dürfen oder können. Wenn sie dann doch inkompetent handeln, muß man Bosheit unterstellen, und damit bindet man sich ganz sinnlos Kummer ans Bein.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  3. Moderation Avatar von Flau
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Auch von mir herzliches Beileid, Caramac.
    Es ist ein schlimmer Verlust, natuerlich, es ist doch Deine Mutter, und Euer Verhaeltnis war offensichtlich herzlich! Da ist jetzt ein Mutter-grosses Loch im Leben. Klar ist es irgendwie schoen, dass Deine Mutter lange leben durfte, dass Ihr all diese Zeit zusammen hattet. Und so, wie Du ihren Gesundheitszustand zuletzt beschreibst, war es vielleicht auch gut fuer sie, dass sie jetzt heimgehen konnte, wie ich sehr hoffe, in Frieden.
    Und irgendwann, etwas spaeter, werden das vielleicht fuer Dich troestliche und positive Dinge sein, die vielen gemeinsamen Erinnerungen, die lange gemeinsame Zeit, und dass es (-so interpretiere ich das-) auch ihre Zeit war, zu gehen. Das wuensche ich Dir jedenfalls.

    Es tut mir Leid, dass Deine Freunde und Bekannten diese Trauer nicht mit Dir teilen koennen. Oder hoffentlich gibt es doch jemanden. Ich stimme Dir zu: Gerade wenn man sagt: "Der Tod gehoert zum Leben dazu" und "Es war Zeit fuer Deine Mutter" usw., gerade dann muss man doch einsehen, dass auch die Trauer zum Leben dazu gehoert. Das ist jetzt einfach dran bei Dir. Du musst Dich dazu auch nicht erklaeren und rechtfertigen, und demonstrieren, wie stark und diskret Du bist! Meine Mutter hat nach dem Tod ihrer Eltern ein paar Wochen lang Schwarz getragen. Sie wollte das so, es war Teil ihres Gedenkens und Prozesses. Und warum denn nicht?
    Es wird gerne sehr liberalistisch ueber zuviele Konventionen geschwafelt. Aber dahinter versteckt sich nur eine neue, mindestens ebenso restriktive Konvention: Mach alles mit Dir selbst ab, trage nichts nach Aussen, sei immer taff und positiv. Finde ich lebensfremd und nervig, ganz ehrlich.

    Viele Leute koennen das Trauern offenbar nicht aushalten, das erlebe ich auch zunehmend. Gar nicht als Betroffene! Aber als jemand, dem bei der fuer mich selbstverstaendlichsten Beileidsbezeugung oder Anteilnahme oder Nachfrage oft gesagt wird, wie exotisch ich damit sei. Das klingt jetzt so selbstgefaellig, aber ich finde es tatsaechlich erschreckend und vor allem verstehe ich es nicht. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was so irre anspruchsvoll daran sein soll, jemandem, der einen Verlust erleidet, Zeit und Raum zu geben.

    Wo ich wildwusel allerdings Recht gebe: Das hat sicher nichts mit Bosheit zu tun!! Oder mit Gefuehlskaelte. Es ist, je nach Person, sicher schon teils ein Unvermoegen, auch mangels "Uebung", und teils wird auch echte Anteilnahme da sein, aber die Auffassung von dem, was hilfreich ist, ist eben anders. Vielleicht dachte beispielsweise Deine Freundin, dass es fuer Dich zu schwer ist, ueber die Mutter zu sprechen und Ablenkung mit ihrem normalen Leben Dir gut tun wuerde. War jetzt nicht so, aber das darf man dann auch sagen, gerade unter Freunden, finde ich. Ich glaube, viele Leute waeren eher dankbar fuer Hinweise: "Ich bin noch sehr traurig, ich wuerde gerne darueber reden / allein sein / nicht darueber reden / freue mich ueber Ablenkung..." Da ist bestimmt auch jeder etwas anders, auch das schuert Unsicherheit.

    Naja, das war jetzt mein "Rant" zum Thema und ich wollte Dich damit auch nicht belasten, sondern Dir nur sagen: Ich finde Deine Reaktion total angemessen. Nimm Du Dir die Zeit und den Raum und die Rituale fuer Deine Trauer! Und Deinen Freunden kannst Du ruhig sagen, was Du brauchstDas ist absolut in Ordnung und richtig so!.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

  4. Avatar von ja-aber
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Es tut mir sehr leid, dass Dich das so mitnimmt, wie Dein Umfeld reagiert.
    Nach meinem Empfinden kann das manchmal ein Minenfeld sein, in beide Richtungen.

    Meine Mutter hat nach dem Tod meines Vaters mehrfach erlebt, dass sich Freunde abwandten. Alle Beteiligten waren über 70, es wurde von ihr erst vermutet, dass man mit der Tatsache Sterblichkeit nicht umgehen könne. Dann traf sie einen Bekannten, männlich, verheiratet, der saß auf einer Parkbank, sie setzte sich dazu, wollte mit ihm plaudern, er wurde ganz nervös, das ginge jetzt aber nicht... Bis ihr ein Licht aufging, dauerte es etwas: sie war ja nun wieder "Single" und er wollte kein Gerede. Unfassbar. Da sind viele Freundschaften zerbrochen.

    Deshalb kam ich drauf:

    Zitat Zitat von Caramac Beitrag anzeigen
    Eben habe ich zB mit einer guten Freundin telefoniert - das erste Mal seit dem Tod.
    Es kam keine Beileidsäußerung, nur belanglose Erzählungen, Fragen nach meinem nächsten Urlaub etc.
    Habe ich denn nicht das Recht zu trauern ?
    Sie hat natürlich auch das Recht, sich nicht für Deine Trauer zu interessieren, klar. Sie wusste vom Tod Deiner Mutter? Falls ja, hätte ich ihr knallhart gesagt, dass ich für Urlaub etc. gerade keinen Kopf hätte. Sei unhöflich zu Unhöflichen, als Maxime. Falls nein, hat Dir eine Frage nach Deiner Mutter gefehlt?

    Es ist schwierig, eigentlich sollte der Tod etwas Normales sein, schließlich sterben wir unweigerlich alle.
    Nimm es als "Spreu vom Weizen" Sortierer. So hässlich das gerade ist.

    Ich drück Dich unbekannterweise

  5. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Gibt es tatsächlich Leben in denen in sagen wir 10 Jahren nie irgendwer verstirbt?
    Nie ein Nachbar, Kollege, Vereinskamerad, Oma von den genannten, ....?
    Kann statistisch gesehen nicht sein.
    Ja, solche Leben gibt es natürlich.

    Ich bin bisher auch weitestgehend ohne Todesfälle, die ich wirklich betrauerte, durchs Leben gekommen (ich habe tatsächlich meine Großeltern nicht betrauert, aber die Formen des Trauerns befolgt) und habe keine Routine in Kondolieren und Empfangen von Kondolenz.
    Bei einem Todesfall, der mich richtig aus der Spur gehauen hat, kannte ich den Toten noch nicht einmal (das Neugeborene einer Freundin). Als mein Chef starb, hatte ich bei der Trauerfeier ein sehr schönes Gespräch mit seiner Witwe, das ging weit über irgendwelche Plattitüden wie "mein tiefempfundenes Mitgefühl" hinaus.

    Trotzdem muss mir intellektuell klar sein, dass man etwas Angemessenes sagt, wenn das gegenüber einen Todesfall erlitten hat.
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.


  6. Registriert seit
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    Ich bin bisher auch weitestgehend ohne Todesfälle, die ich wirklich betrauerte, durchs Leben gekommen

    Trotzdem muss mir intellektuell klar sein, dass man etwas Angemessenes sagt, wenn das gegenüber einen Todesfall erlitten hat.
    Ich meinte mit diesen "10 Jahren" nicht, dass jemand verstirbt, bei dem der Tod einem wirklich emotional trifft und belastet.
    Sondern dass überhaupt irgendwer verstirbt. Also eine Person, wo man zumindest deren Angehörige irgendwie kennt.

    Bsp. Kollege ist Freitags nicht da, weil Beerdigung von seiner Oma.

    Das wird einem emotional eher weniger belasten. Aber kondolieren sollte man ihm. Finde ich.

    aber eure Posts zeigen schon teilweise, dass ihr Trauer/Tod nur wahrnehmt, wenn ihr direkt und selber betroffen seid.
    Ich kenne das halt anders. Dass man kondoliert, auch wenn einem seelisch selber eigentlich egal ist. Mach ich aber trotzdem.
    So wie ich jemandem gute Besserung wünsche, oder zum Geburtstag gratuliere oder mit bedanke, wenn mir jemand geholfen hat.

    Das mit der Plattitüde. Das wird ja immer angeführt. Dass man nix sagt, weil Plattitüde.
    Was ist denn so schlimm an Plattitüden? Die Caramac spürt doch grad ganz genau, lieber eine konventionelle Plattitüde, als Ignorieren. Lieber die Form wahren und Beileid wünschen (auch wenn der Freundin der Tod von Caramacs Mama vielleicht nicht den Schlaf raubt). Denn wenn viele Mitgefühl nur dann ausdrücken, wenn es sie selber wirklich betrifft ist das für die, die das Problem haben verdammt einsam. Da wird das deutlich, dass die anderen damit nix am Hut haben.

    @Flau
    Das hast du super geschrieben, mit dieser neuen Konvention...So empfinde ich auch oft die brave new world.

  7. Avatar von Brausepaul
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von Caramac Beitrag anzeigen
    Ich habe vor einigen Tagen meine Mutter verloren.
    [...]
    Ich weiß auch, dass den meisten Menschen der Umgang mit Tod schwer fällt. Es ist ein Tabu in unserer Gesellschaft.
    Aber ist ein "Herzliches Beileid" oder "Das tut mir leid für Dich" wirklich so schwer über die Lippen zu bringen ?
    Mein aufrichtiges Beileid
    Mag sein das es für manche schwerer ist sich mit dem Tod zu beschäftigen, aber das ist in meinen Augen kein Grund. Der Verlust eines engen Angehörigen ist für die meisten Menschen ein schwerer Schlag, manchmal sogar ein Trauma.
    In einer solchen Situation zumindest sein Mitgefühl auszudrücken halte ich für eine Selbstverständlichkeit. Bei guten Freunden gehört meiner Ansucht nach auch dazu Beistand und Hilfe anzubieten, soweit möglich und gewünscht.
    Einem "guten" Freund, der noch nicht mal in der Lage ist zu kondolieren würde ich vermutlich die Freundschaft kündigen. Echte Freundschaft bedeutet für mich vor allem auch in schwierigen Situationen einem Freund/Freundin beizustehen.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -

  8. Avatar von Spadina
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Einspruch, in so einer traurigen Situation möchte ich von Freunden (definiere Freund) etwas hören, lesen....
    Und mich nicht noch um deren Sprachlosigkeit kümmern
    Ich nicht. Bloß das nicht. Ich bin in der pflegenden Situation meines Vaters seit Monaten. Körperlich ist er das Wracks der Wracks überhaupt, geistig fit, die Erlösung von allen Seiten wird betend erwartet.


    Meine Trauer, diesen Mann jetzt, lebendig so zu sehen, das ist das, was mich quält. Wenn er mal erlöst ist, will ich nicht von irgendjemandem Beileid hören. Das Leiden hat dann nämlich ein Ende. Im Herzen lebt er weiter. Das nimmt mir doch eh niemand.
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.

  9. Moderation
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von Spadina Beitrag anzeigen
    Wenn er mal erlöst ist, will ich nicht von irgendjemandem Beileid hören. Das Leiden hat dann nämlich ein Ende. Im Herzen lebt er weiter. Das nimmt mir doch eh niemand.
    Dann sag das jetzt den Leuten. Sonst äußert jemand Beileid, du bist genervt und reagierst ungnädig, und der andere, als rationaler und lernfähiger Mensch, sagt beim nächsten Todesfall "naja, war ja wohl das beste so", und er nächste Hinterbliebene ist dann still (weil man (vermeintliche) Empathie nicht einfordern kann) unglücklich, .

    Schönes Beispiel übriegens *warum* so viele Leute keine Worte zu finden scheinen: Manche haben die Worte aber äußern sie nicht, weil sie nicht wissen, ob sie willkommen sind. Das ist noch mal was ganz anderes als seine Worte unzureichend zu finden. Das sollte man neben "Inkompetenz" noch als mildernde Umstände in Betracht ziehen: Erfahrung.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. Avatar von Spadina
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Das kommuniziere ich auch jetzt schon so. Es wäre eine Erlösung. Besonders die, die auch schon gepflegt haben, wissen um Worte, die mir guttun.
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.

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