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  1. Moderation
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von carassia Beitrag anzeigen
    Aber wie kommt man überhaupt darauf, irgendwie "originell" sein zu müssen?
    Weil man etwas persönliches, besonderes, angemessenes sagen will, und keine Formel die auf einer Karte steht, die man im Supermarkt kaufen kann, und die man als unzureichend und abfertigend empfindet. Und man scheitert wie fast jeder an dem Anspruch, besser zu sein als das, was nachweislich und seit langem funktioniert.

    Die individuelle Aversion gegen Formeln ist unterschiedlich, und generell scheint sie mit zunehmender Erfahrung nachzulassen. Aber "Herzliches Beileid" ist (zum Glück) keine Formel, die man so oft braucht wie "Herzlichen Glückwunsch" oder "Guten Tag". Deswegen mangelt's da.

    Und, was Caramac sagt: Es ist auch ein Memento Mori, das bringt viele aus dem Gleichgewicht, und wer aus dem Gleichgewicht ist, ist kein Meister des Urteilsvermögens.

    Ist natürlich übel, weil die Überforderung des anderen bei der Person landet, die es gerade am wenigsten gebrauchen kann. Wenn man sich vorher schon mal Gedanken gemacht hat, ist es leichter, das richtige zu tun.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  2. Avatar von coryanne
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Mein herzliches Beileid zu deinem Verlust. Ich habe in den letzten fünf Jahren meinen Vater und meine Mutter verloren und in dieser Zeit auch gespürt, wie wichtig mir die Mitleidsbekundungen waren und die Leute, die zu den Beerdigungen gekommen sind. Natürlich ist es nicht einfach. Aber es reicht doch ein Händedruck, eine Umarmung oder auch das Geständnis, dass einem die Worte fehlen, dass man nicht weiss, was man sagen soll oder wie man es sagen soll. Einfach, das tut mir sehr leid. Das kann doch jeder sagen ...

    Viel Kraft fuer dich!

  3. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Die individuelle Aversion gegen Formeln ist unterschiedlich, und generell scheint sie mit zunehmender Erfahrung nachzulassen. Aber "Herzliches Beileid" ist (zum Glück) keine Formel, die man so oft braucht wie "Herzlichen Glückwunsch" oder "Guten Tag". Deswegen mangelt's da.
    Ich würde gleichwohl niemals eine Formel benutzen, hinter ich nicht stehe bzw., die für mich sogar eine Lüge darstellt. Ich habe selbst noch nie wirklich Trauer erlebt (na das stimmt vielleicht nicht ganz), daher ist mein Mitgefühl nur theoretischer Natur. Mit der Formulierung "Herzliches Beileid" kann ich nichts anfangen, deshalb benutze ich sie nicht. Mein "tiefempfundenes Mitgefühl" versichere ich ganz sicher nicht, denn weder empfinde ich tief noch Mitgefühl.

    Deshalb sage oder schreibe ich "Mein Beileid", "Da erlebst du gerade eine traurige Zeit" oder "Oh, das tut mir leid.", aber tiefempfundene Herzlichkeit ist in meinem Fall Heuchelei.
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.

  4. Avatar von coryanne
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    Ich würde gleichwohl niemals eine Formel benutzen, hinter ich nicht stehe bzw., die für mich sogar eine Lüge darstellt. Ich habe selbst noch nie wirklich Trauer erlebt (na das stimmt vielleicht nicht ganz), daher ist mein Mitgefühl nur theoretischer Natur. Mit der Formulierung "Herzliches Beileid" kann ich nichts anfangen, deshalb benutze ich sie nicht. Mein "tiefempfundenes Mitgefühl" versichere ich ganz sicher nicht, denn weder empfinde ich tief noch Mitgefühl.

    Deshalb sage oder schreibe ich "Mein Beileid", "Da erlebst du gerade eine traurige Zeit" oder "Oh, das tut mir leid.", aber tiefempfundene Herzlichkeit ist in meinem Fall Heuchelei.
    Das ist, finde ich, eine sehr aufrichtige Reaktion! Und vielleicht noch schwieriger als sich mit "den Floskeln zu retten". Denn mittlerweile glaube ich, dass es diese Floskeln gibt, um aus der Sprachlosigkeit heraus zu finden oder manchem da heraus zu helfen. Hat man erstmal überhaupt reagiert, ergibt sich das weitere und man spürt, ob der Betroffene reden möchte. Sagt man nichts, ist die Situation irgendwie unnatürlich angespannt. So empfinde ich das.

  5. Avatar von Spadina
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Die Empfindungen sind sicherlich wieder völlig individuell. Warum sprichst du es nicht direkt an, wenn du so etwas wie Beileid hören möchtest?

    Ich denke, da wärst du völlig unsicher, weißt nicht, wie du es rüberbringen sollst. Genauso geht es nämlich denen, die nichts sagen, sie wissen einfach nicht wie und was. Besonders bis zu einem bestimmten Alter, vielleicht bis 40 - 50 würde ich sagen. Der Generation dadrüber scheint das zumindest noch anerzogen zu sein, ein Beileid auszusprechen.

    Und wenn du gefragt wirst, wie, wo, was mit dem nächsten Urlaub, kannst du ja deine Befindlichkeit mitteilen, ich bin noch traurig, ich kann ... noch gar nicht, was auch immer....

    Wo bleibt im Gegenzug das eigene ansprechen darauf? Das würde dem Gegenüber schon einmal die Scheu nehmen.

    Mir hat überhaupt noch nie ein dahingemurmeltes Beileid irgendwie geholfen. Ich bin auch nicht spitz drauf, so etwas bekommen zu müssen.

    Meine Trauer ist tief im Herzen.

    Niemand außer vielleicht in der Familie wäre so mit dem Verstorbenen verbunden gewesen, als dass er das nachvollziehen könnte. Damit werde ich allein bleiben - oder i c h bin diejenige, die es kommuniziert.
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.

  6. Avatar von elli07
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    So eine Situation ist inzwischen recht "schwierig" geworden finde ich. Ok, bei einer guten Freundin sollte das nicht so sein....

    Klar sage ich "herzliches Beileid" oder "es tut mir leid", aber nicht jeder möchte das haben. Nicht wenige empfinden es als "Übergriff", in etlichen Traueranzeigen steht inzwischen "von Beileidsbezeigungen bitten wir Abstand zu nehmen". Ich persönlich finde das mehr als merkwürdig. Wenn von anderen aber garnichts kommt ist es meistens dann auch nicht recht.

    Will sagen: viele lavieren sich so durch bei Trauerfällen, weil sie nicht wissen, ob eine Beileidsbekundung gewünscht wird. Die einen wollen ganz bewusst über andere Dinge reden um auf andere Gedanken zu kommen, andere wollen ihre Trauer thematisieren.

    Wie schon von anderen gesagt: selbst offen sein und sagen, dass man noch sehr traurig ist und grade nicht über den Urlaub etc. sprechen möchte. Ich denke, für so eine "Ansage" sind viele letztendlich dankbar und stellen sich darauf ein.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

  7. Avatar von twix25
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von Spadina Beitrag anzeigen
    Die Empfindungen sind sicherlich wieder völlig individuell. Warum sprichst du es nicht direkt an, wenn du so etwas wie Beileid hören möchtest?

    Ich denke, da wärst du völlig unsicher, weißt nicht, wie du es rüberbringen sollst. Genauso geht es nämlich denen, die nichts sagen, sie wissen einfach nicht wie und was. Besonders bis zu einem bestimmten Alter, vielleicht bis 40 - 50 würde ich sagen. Der Generation dadrüber scheint das zumindest noch anerzogen zu sein, ein Beileid auszusprechen.

    Und wenn du gefragt wirst, wie, wo, was mit dem nächsten Urlaub, kannst du ja deine Befindlichkeit mitteilen, ich bin noch traurig, ich kann ... noch gar nicht, was auch immer....

    Wo bleibt im Gegenzug das eigene ansprechen darauf? Das würde dem Gegenüber schon einmal die Scheu nehmen.

    Einspruch, in so einer traurigen Situation möchte ich von Freunden (definiere Freund) etwas hören, lesen....
    Und mich nicht noch um deren Sprachlosigkeit kümmern

    Dieses "Mein Beileid", sei es nur als Floskel, gehört für mich wie Bitte, Danke, Hallo und Tschüss, zur Minimalhöflichkeit

    Und mit dem Thema, wie ich oben ausführlicher schrieb, ist wirklich einfacher umzugehen, so es sich um einen älteren Menschen handelt (ich hoffe, du verstehst, wie ich es meine, Caramac)

    Später : ja, da könnte es gut sein, zu erwähnen, wie es mir erging mit dem Übergehen des Todes meiner Mutter
    Bei mir wäre aber schnell durch eine derartige Unmöglichkeit die Freundschaft in Frage gestellt (ich bin echt ne treue Seele)
    Was verbindet mich mit (so)einem Freund? Wieviel Tiefgang, Nähe ist da überhaupt??
    ************************************************** **************************************

    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"

  8. Avatar von twix25
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    , in etlichen Traueranzeigen steht inzwischen "von Beileidsbezeigungen bitten wir Abstand zu nehmen".
    Gruß Elli
    Bezieht sich fast ausschließlich auf das Begräbnis bezogen
    ************************************************** **************************************

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    Ich wieder: "Och bitte"

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  9. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    Caramac, auch von mir herzliches Beileid. Auch wenn man nach aussen stark wirkt (und es sein muss, weil man ja erstmal viel organisieren muss), möchte man doch mal auf den Arm oder zumindest spüren, dass andere die Trauer und Schwere der Zeit anerkennen.

    Ich denke, hier sind schon viele Gründe aufgeführt worden, warum manche Menschen so reagieren wie sie reagieren.

    Meine Mutter ist Anfang Juni gestorben und mir ging es hin und wieder wie dir. Nach aussen stark sein müssen, wegen all der Organisiererei, dazu hatte ich oft das Gefühl, den Leuten auch noch beistehen zu müssen, weil sie nicht wussten, was sie sagen sollten. Damit hab ich dann nach kurzer Zeit aufgehört, sondern mich ihnen zugemutet.

    Mir ist auch aufgefallen, dass es gerade die Jüngeren waren, die noch keinerlei Erfahrungen mit Todesfällen hatten, völlig überfordert waren. Weil sie eben nicht wussten, wie sich das anfühlt und es auch nicht nachvollziehen konnten. Und auch nicht wussten, wieviel dann auf einen zukommt. Wir (in meinem Fall waren es enge Verwandte) konnten erst über die Wochen tiefer darüber reden.

    Aber es gab auch genug andere, die mich, weil Worte manchmal so platt klingen, einfach in den Arm genommen haben.

    Ich wünsch dir viel Kraft für die nächste Zeit! Auch wenn Mütter schon alt und sehr krank waren - es tut einfach weh.
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.


  10. Registriert seit
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    AW: Keine Beileidsäußerungen

    ach je, liebe @Caramac
    das tut mir sehr leid. Ich hoffe, du hast jemanden, an den du dich etwas anlehnen kannst. Ist eine harte Zeit.

    zu deinem Thema:

    ich denke zwar einerseits auch, dass viele so reagieren, weil Ihnen auch die eigene! Sterblichkeit nicht so bewusst werden will, aber ich denke noch was anderes....

    Ich bin als Kind damit aufgewachsen und auch so erzogen worden, dass man Menschen, die einen Sterbefall zu beklagen hatten kondoliert. Ich habe das z. B. bei meinen Omas mitbekommen und abgeschaut (wie die ihrerseits anderen kondolierten).
    Mir wurde das als Kind erklärt: "Rokebylein, da sagt man "mein herzliches/aufrichtiges Beileid" und schreibt ggfs. eine Trauerkarte. Und geht in den Rosenkranz etc. (Bayern halt ).

    Ich halte es für eine normale Sozialisierungsform, dass man einem Kind/Jugendlichen nahe bringt, wie man sich verhält, wenn es um Todesfälle geht. Rein formal und formell. "Was man da tut".
    So wie ja auch verklickert wird, dass man beim Überqueren einer Straße schaut und dass man zahlt bevor man....

    Ich bin immer ganz verblüfft, dass es anscheinend inzwischen (?) so eine Art "Sozialisierungs-Vakuum" zu geben scheint.
    Wo man dann tatsächlich ewig rumhirnt und vor lauter Hirnen in Scheckstarre verfällt und nix tut.

    Am anderen Ende des Daseins scheint auch keiner mehr zu wissen, dass man bei Geburten und Hochzeiten und was weiß ich gratuliert. Auch formelhaft und statisch: "Herzlichen Glückwunsch, wie schön, alles gute"

    Kapiere ich irgendwie nicht... Gibt es tatsächlich Leben in denen in sagen wir 10 Jahren nie irgendwer verstirbt?
    Nie ein Nachbar, Kollege, Vereinskamerad, Oma von den genannten, ....?
    Kann statistisch gesehen nicht sein. Man könnte also durchaus Kondolieren üben auch ohne, dass man Verluste von Verwandten ersten Grades zu beklagen hat. Und Kinder könnten das abschauen und dann später dem gewachsener sein.

    Ich habe an schlechten Tagen leider manchmal den Eindruck, dass das alles Hopps gegangen ist. Dass nur noch interessant und in der Wahrnehmung ist, ob man den Spartarif auf der Aida geschossen hat. Dass jegliche formale Umgangsform, jegliches Zuwenden als uncool oder verkrustet oder so betrachtet wird.

    Und dass andere Menschen vor allem funktionieren sollen - für einem selber und überhaupt. Wurscht wer Ihnen gerade gestorben ist. Weil "sterben tun wir ja alle" oder?

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