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  1. Avatar von FrauSnuggles
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    Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich habe das Gefühl, das es sowas wie eine anerkannte Trauerzeit überhaupt nicht mehr gibt.
    Man trägt kein Schwarz mehr und trägt damit seine Trauer nicht nach außen. Gefühlsausbrüche werden als unangenehm empfunden.
    Das Leben geht ja weiter.
    Es kommen von allen Seiten Tipps wie man sich gut ablenken kann und der Hinweis das Ablenkung in jedem Fall immer gut tut.

    Im Familienkreis und engeren Freundeskreis ist zum Glück das Verständnis da aber im weiteren Bekanntenkreis und vorallem im Job war nach 2 Wochen Schluss damit.
    Ich bin aber noch nicht soweit und finde viele Dinge momentan noch unerträglich. Normal wenn es erst 3 Wochen her ist wie ich finde.

    Ist unsere Gesellschaft tatsächlich so schnelllebig geworden das Trauerzeiten keinen Platz mehr im alltäglichen Leben haben?

  2. Avatar von Sneek
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich glaube, das ist ziemlich individuell. Die früheren Trauerregeln waren ja auch oft sehr einengend.

    Ich weiß nicht, welche Zeiten Du vor Augen hast, aber arbeiten musste man auch früher schon trotz Trauerzeiten.

  3. Avatar von twix25
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Liebe Frau Snuggels,

    erst einmal mein Mitgefühl

    Ich teile Dein Gefühl!

    Den wenigsten Menschen steht man heute so nah, dass man sie regelmäßig sieht, Kontakt pflegt und man damit auch nicht wirklich am Alltag teilhaben kann

    Die engeren Bezugspersonen, sofern sie nicht selber den Menschen betrauern, haben meist selber so einen vollen Alltag, dass sie sich im besten Fall anfangs noch 2-3 Mal melden und verschwindet auch da der Bezug

    Ist man dann mit ihnen im persönlichen Kontakt, ist es oft so: man erzählt und gibt die Trauergefühle preis....Gegenüber hört im besten Fall zu und ist mitfühlend, aber dann wird oft das Thema gewechselt-nicht in böser Absicht

    Und wenn es nicht grade Mann oder Kind betrifft, ist es oft vielleicht aus Mangel aus Erfahrung nicht vorstellbar, wie schlimm ein Verlust sein kann

    Verliert man Mann oder Kind, fühlen sich viele evnoch dazu überfordert.

    Ich denke, man ist, wird da leider sehr auf sich geworfen, ev besteht noch die Möglichkeit einer Trauergruppe...ist auch nicht für Jeden geeignet.

    Ich fand und finde es auch schwer, wenn der Verstorbene nicht mehr so häufig erwähnt und betrauert werden darf
    ************************************************** **************************************

    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"


  4. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Hallo Frau Snuggles,

    ich nehme an, dir ist ein lieber Mensch verstorben? Mein Beileid! Möchtest du hier darüber schreiben?

    Ich finde, dass man gerade im Job doch eher wieder schnell "funktionieren" muss. Das kann einem zu viel werden oder es kann einen ablenken.
    Gefühlsausbrüche - ich habe auch schon auf der Arbeit erlebt, dass eine Kollegin weinte, weil ihr Haustier gestorben war. Da haben wir uns auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, sie mal zu trösten. Aber ständig kommt das eben nicht vor.

    Hast du deswegen momentan Schwierigkeiten auf der Arbeit?

    Privat empfinde ich es eher als "zweigeteilt": Manche können gut und einfühlsam mit Tod und Trauer umgehen, andere erwarten eher (und schnell), dass man es verdrängt und sich ablenkt.

    Ich möchte nicht dazu gezwungen sein, Schwarz zu tragen, weil es sich "so gehört". Das hilft mir beim Trauern auch nicht.
    Zumal ich Schwarz auch oft genug als Alltagsfarbe sehe, es ist nicht mehr ausschließlich auf die Trauer beschränkt.
    Meine Großmutter wurde bei 35 Grad Hitze beerdigt, und nach der Beerdigung hatte niemand ein Problem damit, dass wir die schwarze, sehr verhüllende Kleidung wieder auszogen und uns wieder Sommersachen anzogen.

  5. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Das ist doch individuell. Jeder trauert anders.
    Wobei schwarz bei mir kein Zeichen von Trauer ist. Gerade hier auf dem Dorf wird schwarz getragen, mindestens ein Jahr und dann "darf" man schon mal grau oder schwar-weiß. Und wenn man dann auch noch weiß, das sie sich zu Lebzeiten wie die Kesselflicker gestritten haben, hat das schon was von Scheinheiligkeit.
    Man kann auch farbig gekleidet sein und trauern.
    Was den Job betrifft, kann man sicher nicht wochenlang ausfallen, im Normalfall.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  6. Avatar von Sneek
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Killeshandra Beitrag anzeigen
    Ich möchte nicht dazu gezwungen sein, Schwarz zu tragen, weil es sich "so gehört". Das hilft mir beim Trauern auch nicht.
    Zumal ich Schwarz auch oft genug als Alltagsfarbe sehe, es ist nicht mehr ausschließlich auf die Trauer beschränkt.
    Richtig. Ich arbeite in einer recht konservativen Branche, da wird viel Schwarz getragen, von daher würde mir Trauer an einem Kollegen rein optisch gar nicht auffallen.

    Aber wenn jemand das als für sich richtig empfindet, eine Weile Schwarz zu tragen, kann er das doch gern tun.


  7. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    [QUOTE=Sneek;34171490
    Aber wenn jemand das als für sich richtig empfindet, eine Weile Schwarz zu tragen, kann er das doch gern tun.[/QUOTE]

    Ja, wenn es jemand tragen will, finde ich das auch völlig ok.

  8. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Auf jeden Fall. Aber diese furchtbaren starren Regeln von früher, wer wann wie lange Schwarz zu tragen hat, empfinde ich als ganz schrecklich, weil Trauer individuell ist und sich eben nicht für jeden über die Farbe der Kleidung ausdrückt.

    Der Umgang mit trauernden Menschen ist für andere oft schwierig, gerade weil jeder anders empfindet und anders trauert. Dem einen hilft Ablenkung, Alltag, normales Arbeitsleben, dem anderen tut es gut, sich zurückzuziehen. Auch das Thema Trauerzeit lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Es kann sehr unterschiedlich sein, wie lange es dauert, bis man wieder einigermaßen "normal" leben kann.

    Und letztendlich: vieles, was man in solchen Situationen als dummen oder unpassenden Spruch auffasst, entspringt aus Unsicherheit (was es natürlich nicht besser macht, aber vielleicht wenigstens erklärt.) Am besten ist wohl, einfach zu fragen, was dem Trauernden gerade guttut oder wie er bestimmte Dinge handhaben möchte (drüber sprechen oder nicht, gemeinsam was unternehmen oder eher nicht ...) Der pauschal-lapidare Satz, dass Ablenkung gut ist, ist eher wenig hilfreich. Man muss das Geschehene ja auch irgendwann verarbeiten können und kann es nicht immer nur beiseiteschieben. Sofern das überhaupt möglich ist.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner
    Geändert von Marie-Madeleine (01.07.2019 um 12:58 Uhr)

  9. Avatar von FrauSnuggles
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Danke für die Antworten.

    Ich war 10 Tage nach dem Tod meiner Mutter nicht arbeiten. Anders wäre es nicht gegangen weil es mich total aus der Bahn geworfen hat. Ich hatte auch körperliche Sympthome und wäre überhaupt nicht arbeitsfähig gewesen. Zudem hat mich die Nachricht am Schreibtisch während der Arbeit erreicht. Ihr Tod kam aus heiterem Himmel ohne Vorwarnung.
    Seitdem ist nichts mehr wie vorher.
    Ich arbeite seit einer Woche wieder und hab es auch tatsächlich geschafft einigermaßen normal weiterzumachen.
    Die anscheinliche Normalität ist nur die Fassade. In mir drin sieht es furchtbar aus.

    In ein paar Tagen ist beispielsweise ein Kollegenabendessen, allerdings privat abends nur ein kleiner Kollegenkreis. Ich hab vorsorglich abgesagt. Fühle mich momentan so schnell überfordert. Ich kann es einfach noch nicht.
    Daraufhin kamen halt mehrfach diese guten Tipps.

    Allein das laute Radio im Büro mit Guter-Laune-Musik treibt mich in den Wahnsinn. Ich sage nichts, lasse mir nichts anmerken aber wenn ich nach Hause fahre und allein im Auto bin muss ich erstmal eine Runde heulen.

    Ähnlich erlebe ich es auch im weiteren Bekanntenkreis. Das Problem ist das ich mich einfach nicht gut ablenken kann und auch nicht will denn nach einer kurzen Ablenkung trifft mich die Erkenntnis wieder mit voller Wucht und dann geht es mir eher schlechter als besser.
    Ich kann mich momentan nur in Maßen beruhigen und ablenken und das in eher kleinerem, privateren Rahmen.


  10. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von FrauSnuggles Beitrag anzeigen
    Im Familienkreis und engeren Freundeskreis ist zum Glück das Verständnis da aber im weiteren Bekanntenkreis und vorallem im Job war nach 2 Wochen Schluss damit.
    Erstmal mein Beileid.

    Inhaltlich bin ich da zwiegespalten: ich denke tatsächlich, der Tod gehört zum Leben... und je größer das Umfeld, desto mehr ist man eben auch im Jobumfeld damit konfrontiert. Da muss man auf den Einzelnen Rücksicht nehmen, das mein ich schon auch - aber mit allzuviel Mitgefühl würd ich nicht rechnen, eben weil es auch irgendwo normal ist, dass mal jemand stirbt. Da kann man als Kollege doch nicht jedesmal mittrauern.

    Ist vielleicht auch ein Unterschied ob man sein Kind verliert oder den Ehepartner, oder Eltern oder Großeltern. Bei letzterem tu ich mir wirklich manchmal auch schwer, weil ich das irgendwo als den normalen Lauf der Dinge sehe.

    Ich finde es wichtig, da gut für sich zu sorgen, aber bei sich zu bleiben und versuchen zu verstehen, dass es für Außenstehende halt irgendwo Normalität ist, die meinen das ja nicht böse. Tu, was dir guttut, dafür musst du dich nicht rechtfertigen, und zieh dich zurück, wenn du das brauchst, egal wie lang.

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