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  1. Avatar von coryanne
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Mambi Beitrag anzeigen
    Aber so wie es für alles eine Zeit gibt, gibt es auch für alles einen Ort.
    Stimmt. Dennoch kann man für eine gewisse Zeit Rücksicht nehmen. Wie weit die geht, ist wieder eine anderes Thema.

  2. Inaktiver User

    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von coryanne Beitrag anzeigen
    Stimmt. Dennoch kann man für eine gewisse Zeit Rücksicht nehmen. Wie weit die geht, ist wieder eine anderes Thema.
    Rücksicht im Job? Nicht lachen? Sorry, aber das geht zu weit.

    Selbst wenn man trauert geht das Leben weiter. Oder lacht ihr nicht mehr wenn ihr in Trauer seid?

    Trauer kommt in Wellen - selbst Jahre später noch. Auch das ist normal.

    Meine Eltern sind 2015 gestorben im Abstand von 6 Wochen. Und manchmal überkommt mich noch Trauer. Bei einem Film, oder einem Bild oder einem Satz den meine Mutter /mein Vater immer gesagt hat.

    Das gehört dazu. Ich wüßte nicht wieso man von fremden Leuten, und das sind Kollegen ja, Rücksicht erwartet.

  3. Avatar von Brausepaul
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn jeder so denken würde...

    Wir haben ja auch Verantwortungen - nicht nur für den Job. Oder hören Eltern auf sich um ihre Kinder zu kümmern wenn die eigenen Eltern sterben? Oder läßt man seinen Hund im Schrank?
    Ja, natürlich haben wir Verantwortung.
    Deswegen schrieb ich ja auch "Meine Leute zusammenhalten ... ".
    Das bedeutet für mich sich um die Betroffenen, also meine Familie zu kümmern.
    Natürlich schliesst das Kinder oder Haustiere ein.

    Aber ein Job ist nur ein Job. Es wird auch ne Weile ohne mich funktionieren.
    Da habe ich andere Prioritäten.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -


  4. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Die Übergänge sind in der Trauer nach meiner Erfahrung aber nicht abrupt. Es ist nicht so, dass nach zwei Wochen, sechs Wochen, vier Monaten oder wie lange auch immer das beim Einzelnen dauert, die Trauer abgeschlossen ist. Das ist zumindest meine Erfahrung. Es gibt eine Übergangzeit, bis man wieder voll im Normalbetrieb ist und die Trauer ein selbstverständlicher Teil des Lebens geworden ist, der nicht mehr einschränkt. Dieser Übergang lässt sich nicht einfach aus manchen Lebensbereichen heraushalten.

    Mein Vater ist vor kurzem gestorben. Da es in meinem Urlaub passiert ist, musste ich mir nun um arbeitsfähig oder nicht keine Gedanken machen. Nach zwei Wochen fing die Arbeit wieder an, ich fühlte mich grundsätzlich auch arbeitsfähig, aber es gab und gibt immer mal wieder Momente, in denen ich die Trauer verspüre. Dann fließen ein paar Tränen und manchmal ertappe ich mich dabei, dass die Gedanken abschweifen, meine Konzentrationsfähigkeit ist noch eingeschränkt. Das heißt, ich bin nicht 100% belastbar, sondern tagesabhängig mal zu 95%, mal vielleicht auch nur zu 80%. Direkt angesprochen wurde der Trauerfall nur am ersten Tag nach meiner Rückkehr an den Arbeitsplatz, ansonsten ist der Umgang normal, wozu aber auch gehört, dass mal kurz darüber gesprochen wird. Wenn mich so ein Trauermoment erwischt, dann teile ich mit, dass ich mal kurz zurückziehen muss.

    Auf meiner Arbeitsstelle herrscht zum Glück Konsens, dass man im Kollegenkreis mit der Rückkehr in das Normalleben eben umgehen muss, es wird noch ein bisschen auf mich und meine Arbeitsergebnisse aufgepasst. So wie ich das auch mache, wenn es Kollegen oder Kolleginnen betroffen hat/betrifft. Das ist im Grunde dasselbe, wie man einem Kollegen mit einem lädierten Bein auch mal den Weg zum Kopierer abnimmt oder was aus der Kantine mitbringt. Und nachfragt, ob wie es dem Bein geht.

  5. Inaktiver User

    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ja Lea!

    Das sehe ich auch so. Gerade habe ich einen lädierten Fuß und ja die Kollegen helfen da natürlich. Das heißt aber nicht, dass niemand mehr lacht nur weil jemand trauert.

    Das Problem mit Trauer ist bei uns ja, dass wir nicht damit umgehen können. Weder mit der Eigenen noch mit der Anderer.

    Dabei ist Tod und Trauer ein Teil unseres Lebens. Verluste gehören zum Leben dazu. Der Lauf der Natur.

    Ich trauere um Tiere genauso wie um Menschen. Aber ich erwarte nicht, dass die Welt mit mir trauert.


  6. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von coryanne Beitrag anzeigen
    Hattest du schon einmal einen Trauerfall?
    Meinst du, nur der trauert der möglichst viel Aufmerksamkeitsgewinn draus zieht und meint, das wär in der Menschheitsgeschichte ausschließlich und nur ihm in dieser Tragik zugestoßen?

    Ich würd da mal den Ball flachhalten und vielleicht zur Kenntnis nehmen, dass ganz gewiss fast jeder schon so seine Erfahrungen mit Tod und Verlust hinter sich hat - außer man möchte halt gerne nur um's eigene Ego kreisen.

    Dann muss man natürlich immer wieder die Einzigartigkeit des eigenen Erlebens kultivieren und gerne mal anderen ihre Erfahrungen absprechen.


  7. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dabei ist Tod und Trauer ein Teil unseres Lebens. Verluste gehören zum Leben dazu. Der Lauf der Natur.

    Ich trauere um Tiere genauso wie um Menschen. Aber ich erwarte nicht, dass die Welt mit mir trauert.
    Genau das.


  8. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja sicher. Ich schrieb ja, ich brauche lange um mit Verlust fertig zu werden. Aber das ist innen, nicht außen.

  9. Avatar von huppsi
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Lea1958 Beitrag anzeigen
    Mein Vater ist vor kurzem gestorben. Da es in meinem Urlaub passiert ist, musste ich mir nun um arbeitsfähig oder nicht keine Gedanken machen. Nach zwei Wochen fing die Arbeit wieder an, ich fühlte mich grundsätzlich auch arbeitsfähig, aber es gab und gibt immer mal wieder Momente, in denen ich die Trauer verspüre. Dann fließen ein paar Tränen und manchmal ertappe ich mich dabei, dass die Gedanken abschweifen, meine Konzentrationsfähigkeit ist noch eingeschränkt. Das heißt, ich bin nicht 100% belastbar, sondern tagesabhängig mal zu 95%, mal vielleicht auch nur zu 80%. Direkt angesprochen wurde der Trauerfall nur am ersten Tag nach meiner Rückkehr an den Arbeitsplatz, ansonsten ist der Umgang normal, wozu aber auch gehört, dass mal kurz darüber gesprochen wird. Wenn mich so ein Trauermoment erwischt, dann teile ich mit, dass ich mal kurz zurückziehen muss.
    Genau so empfinde ich es auch: Geistig noch nicht zu 100% da und emotional noch nicht so belastbar. zBsp ertrage ich stundenlange Diskussionen oder lauter werdende Runden im Job momentan nur begrenzt und ziehe mich dann zurück....oder ich pampe eher mal los, was sonst nicht meine Art ist Und ganz in der Anfangszeit hatte ich das Gefühl, geistig einfach noch nicht so leistungsfähig zu sein, so als sei meine Festplatte da oben noch zu sehr mit dem Treuerprozess beschäftigt. Ich denke schon, dass man da selber drauf achten sollte (bzw weiß ich es für mich, denn nach dem Tod meines Vaters habe ich es nicht getan und 9 Monate später hats mich einfach komplett umgehauen: Erschöpfungsdepression), aber man muss das selber tun und kann nicht erwarten, dass um einen herum alle sich anpassen. Unnötig finde ich auch so Hinweise a la "Wenn es Dir nicht so geht, dann hast Du keine Ahnung von ECHTER Trauer". Das ist individuell und wenn man sich nicht arbeitsfähig fühlt, dann bitte AU melden oder eine sonstwie geartete Auszeit nehmen. In meiner Abteilung haben in den letzten drei Jahren 5 Kollegen jeweils einen oder beide Eternteile verloren: da war alles dabei, von nahtlos weiterarbeiten bis 4 Wochen AU. Keiner hat darüber geurteilt. Es wurde jedoch umso schneller wieder gearbeitet umso mehr Verantwortung der Job in sich hatte, dh umso schlechter Vertretung möglich war.

  10. Avatar von FrauSnuggles
    Registriert seit
    06.07.2006
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    702

    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Danke für die zahlreichen Antworten und Meinungen.

    Auch wenn ich immer dachte ich wäre auf den Tod meiner Eltern in irgendeiner Form wenigstens etwas vorbereitet, so muss ich sagen das ich rückblickend nie hätte ahnen können wie sehr mich das trifft. Der Tod kam wirklich urplötzlich ohne Vorbereitung oder Ankündigung.
    Und die vernichtende Nachricht traf mich am Arbeitsplatz. Der Zusammenbruch wurde von etlichen Kollegen live mitverfolgt.

    Ich habe nirgendwo geschrieben das ich erwarte nun mit Samthandschuhen angefasst zu werden.
    Nach außen hin verhalte ich mich normal. Ich bin nicht viel stiller als vorher da ich auch vorher vor lauter Arbeit nicht viel Zeit zum Quatschen hatte.
    Aber ich arbeite in einer kleinen Firma, die großen Wert auf Zusammenhalt und einen familiären Umgang legt.
    Und diese aufgesetzte Fröhlichkeit am ersten Tag, die Frage, warum ich denn nicht Lust auf das Kollegenabendessen habe ("lenkt mich doch schließlich ab"), das hat mich doch echt genervt.
    Meine Chefin, mit der ich mir das Büro teile, hat noch gesagt, das sie sich garnicht vorstellen mag, was passiert wenn ihre Mutter mal stirbt und macht nach diesem Satz erstmal das Radio an während ich da saß und mich bemüht habe die Fassung zu bewahren (erfolgreich).

    Und im weiteren Umfeld kamen immer wieder diese Ratschläge, wie ich mich am besten ablenke. Das hat mich doch sehr nachdenklich gemacht.
    Und mich dazu bewogen hier mal nachzufragen. Denn ist Ablenkung denn wirklich die Allheilmethode? Ich denke nicht.
    Ich habe das Gefühl das Ablenkung den Schmerz betäubt aber Ablenkung heilt nicht meine Trauer.

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