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  1. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von huppsi Beitrag anzeigen
    Ich finde auch, dass man da erstens differenzieren muss: der Tod eines Kindes oder Partners ist was Anderes als eines Elternteils
    So pauschal kann man das nicht sagen. Ich würde zwar tendenziell für mich annehmen, dass mich der Tod des Partners viel mehr mitnehmen würde als der eines Elternteils, aber auch der Verlust von Vater oder Mutter kann einen extrem aus der Bahn werfen. Viel hängt ja auch von den jeweiligen Umständen ab.

    und zweitens hat für mich Trauer auch nichts bei der Arbeit zu suchen.
    Nicht in dem Sinne, dass man längere Zeit mit Sonderbehandlung rechnen kann, aber Trauer ist ja auch nichts, was man in zwei Krankschreibungswochen zack-zack hinter sich bringt und dann wieder voll einsatzfähig ist. Sicherlich sollte man wieder einigermaßen gefestigt und arbeitsfähig sein, aber wenn man mal einen miesen Tag hat, ist es schon schön, wenn dafür Verständnis da ist. (Gilt im übrigen ja nicht nur für Trauernde.)

    Zur Frage des Threads: Gab es beruflich betrachtet denn früher Trauerzeit?
    Nein.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

  2. Avatar von huppsi
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Marie-Madeleine Beitrag anzeigen

    Nicht in dem Sinne, dass man längere Zeit mit Sonderbehandlung rechnen kann, aber Trauer ist ja auch nichts, was man in zwei Krankschreibungswochen zack-zack hinter sich bringt und dann wieder voll einsatzfähig ist. Sicherlich sollte man wieder einigermaßen gefestigt und arbeitsfähig sein, aber wenn man mal einen miesen Tag hat, ist es schon schön, wenn dafür Verständnis da ist. (Gilt im übrigen ja nicht nur für Trauernde.)
    Ja, das stimmt und bei mir ist das auch gegeben, wenn ich den Kollegen Bescheid sage, wie zBsp neulich am Geburtstag meiner kurz zuvor verstorbenen Mutter. Es ist generell schwierig, im Job zwar da aber nicht voll einsatzfähig zu sein...ich hätte mir durchaus auch gewünscht, in der ersten Zeit nach dem Verlust weniger zu arbeiten, aber das funktioniert halt einfach nicht....quasi so ne Art mini-Wiedereingliederung.

  3. Avatar von coryanne
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Auch von mir herzliches Beileid. Ich habe meine Mutter auch sehr plötzlich und unerwartet verloren und kann nachvollziehen, wie es dir geht.

    Wenn du dich noch nicht wieder bereit für den Arbeitsalltag fühlst, lasse dich doch noch krankschreiben. Zwei Wochen ist ja keine Zeit.

    Ich finde auch nicht, dass man das Ausmass der Trauer am Verwandtschaftsgrad abmessen kann. Das ist doch eher vom Verhältnis abhängig, dass man zum Verstorbenen hatte.


  4. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich verstehe dich.

    Ich finde es aber auch sehr früh nach 10 Tagen wieder arbeiten zu gehen. Nach dem Tode meines geliebten Vaters habe ich drei oder vier Wochen nicht arbeiten können.

    Wenn man eine enge Bindung hat zum Verstorbenen, dann kann man eine ganze Zeit auf dem Zahnfleisch gehen. Ganz gleich um wen es sich handelt (Ausnahme: Kind, das ist das absolut schlimmste, was einem Menschen wiederfahren kann.)

    Ich habe auch nach meinem Vater sechs Wochen lang Schwarz getragen. Das tat mir gut und ich habe das zu Ehren meines Vaters gemacht.

  5. Avatar von Brausepaul
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von huppsi Beitrag anzeigen
    Ich finde auch, dass man da erstens differenzieren muss: der Tod eines Kindes oder Partners ist was Anderes als eines Elternteils, und zweitens hat für mich Trauer auch nichts bei der Arbeit zu suchen.
    Sehe ich nicht so.
    Wie eng die Beziehung zu einem Menschen ist hat nicht automatisch etwas mit dem Verwandschaftsgrad zu tun. Ich kenne Menschen, die zu ihren Großeltern einen größeren Bezug haben, als zu ihren Eltern und andere, denen Geschwister zumindest ebenso nahe stehen wie der Partner.
    Es ist individuell verschieden und es gibt keine Vorgaben das man um die eine Person mehr trauern muss, als um die andere, nur weil sie einem ev. verwandschatlich näher stand.
    Ich glaube auch nicht das man Trauer aus dem beruflichen Umfeld gänzlich raushalten kann. Trauer lässt sich nicht für acht Stunden beim Pförtner abgeben.
    Seit ich selbst vor vielen Jahren einen Trauerfall im engsten Familienkreis hatte, fällt mir der Umgang mit Trauernden zumindest etwas leichter, einfach weil ich mich besser in sie hineinversetzen kann.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -

  6. Avatar von huppsi
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Es geht hier aber drum, dass die TE sich im Job unverstanden fühlt, also von Menschen, die ihr nicht besonders nahestehen. Die können nicht wissen, wie eng das Verhältnis war und wie sie trauert und das kann man im Job auch nicht erwarten. Es gibt ja auch andere private Probleme, die man aus dem Job raushält. Es geht ja nicht darum, dass die TE ihre Trauer beim Pförtner abgeben soll, aber sie erwartet dass Andere von sich aus anders mit ihr umgehen. Ein wenig Rücksichtnahme sollte es geben, aber ansonsten ist Job eben Job. Besonders schwierig stelle ich mir das vor in Jobs, in denen man ständig präsent und gut drauf sein muss wie Verkauf oder Lehramt, puh.

    Bei mir kam übrigens ständig die Bemerkung „lass dir Zeit, mach langsam“, aber das lässt sich in unserem Job nicht realisieren


  7. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Mein Beileid zum Tod der Mutter. Ich wünsche einen guten Weg zur Verarbeitung des Verlustes.

    Bei uns werden keine allgemein geltenden Trauerrituale mehr praktiziert. Das ist in anderen Kulturen noch anders, da gibt ganz feste Zeiträume und Gedenktage, an denen die Trauer zelebriert wird. Das kann helfen, die Trauer zu kanalisieren und damit für die Umgebung besser lebbar zu machen.
    Manchmal denke ich, dass feste Rituale in den Ausnahmesituationen im Leben ganz gut sein können. Aber bei uns wurden diese eben abgelegt und wahrscheinlich gibt es dafür ebenso gute Gründe.

    Bei uns ist die Trauer individualisiert. Das heißt einerseits, jeder kann sie nach seinen Bedürfnissen verarbeiten, der eine vielleicht über kürzere Zeit sehr intensiv, der andere verarbeitet in kleinen Portionen über einen längeren Zeitraum. Damit wird aber auch der Umgang für Außenstehende komplizierter. Und da der Tod in unserem Leben längst nicht mehr so präsent ist wie in früheren Zeiten, hat man oft eben auch wenig Erfahrung und Wissen über Trauer. Das macht unsicher.

    Die Individualisierung heißt aber auch, dass man sich den Raum und die Zeit für die Trauer nehmen bzw. sie einfordern muss, da es hierfür eben keine Vorgaben mehr gibt. Das braucht Kraft und auch den Mut, den Anderen die eigene Trauer zuzumuten. Dafür wünsche ich ausreichend Kraft. Die Kollegen werden es schon aushalten, wenn man mal eine Runde am Arbeitsplatz weinen muss oder die Gedanken mal abschweifen.

  8. Avatar von Brausepaul
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von huppsi Beitrag anzeigen
    Es geht hier aber drum, dass die TE sich im Job unverstanden fühlt, also von Menschen, die ihr nicht besonders nahestehen. Die können nicht wissen, wie eng das Verhältnis war und wie sie trauert und das kann man im Job auch nicht erwarten. Es gibt ja auch andere private Probleme, die man aus dem Job raushält. Es geht ja nicht darum, dass die TE ihre Trauer beim Pförtner abgeben soll, aber sie erwartet dass Andere von sich aus anders mit ihr umgehen. Ein wenig Rücksichtnahme sollte es geben, aber ansonsten ist Job eben Job. Besonders schwierig stelle ich mir das vor in Jobs, in denen man ständig präsent und gut drauf sein muss wie Verkauf oder Lehramt, puh.
    Na ja, wenn ich erfahren habe das ein Elternteil gestorben ist, gehe ich vorsorglich erstmal davon aus das es ihr nicht gut geht, einfach sicherheitshalber.
    Klar, man muss nicht auf leisen Sohlen durch die Gegend schleichen, aber z.B. auf ein lautes Radio mit Partymusik kann man sicher auch mal eine Weile verzichten.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -


  9. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von coryanne Beitrag anzeigen
    Ich finde auch nicht, dass man das Ausmass der Trauer am Verwandtschaftsgrad abmessen kann. Das ist doch eher vom Verhältnis abhängig, dass man zum Verstorbenen hatte.
    Hm. Es ist doch aber normaler, dass die Eltern vor einem sterben, das weiß man ja nun auch und man könnte sich auch damit auseinandersetzen bevor es soweit kommt, das ist doch ein erwartbarer Loslösungsprozess, auf den man mit einiger Wahrscheinlichkeit zusteuert - anders als wenn man ein Kind verliert, oder den Partner in jungen Jahren?


  10. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Brausepaul Beitrag anzeigen
    Wie eng die Beziehung zu einem Menschen ist hat nicht automatisch etwas mit dem Verwandschaftsgrad zu tun. Ich kenne Menschen, die zu ihren Großeltern einen größeren Bezug haben, als zu ihren Eltern und andere, denen Geschwister zumindest ebenso nahe stehen wie der Partner.
    Das mag sein. Aber dass Großeltern oder Eltern mit Ü80 sich dem Tod nähern ist für mich eben etwas mit dem ich bewußt umgehe.

    Auch wenn der Verlust schmerzt, man kann sich damit befassen, anders als wenn jemand wirklich mitten aus dem Leben gerissen wird und eigentlich noch viel Lebenszeit hätte haben können. Das find ich schon deutlich tragischer als wenn jemand in hohem Alter stirbt.

    Mir sind diese Beziehungen zu sehr alten Menschen auf eine spezielle Art kostbar, aber gerade weil man um diese Endlichkeit weiß. Von meinen Eltern fahre ich jedes Mal weg im Wissen, es könnte gut das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie sehe. Das empfinde ich bei meinen Kindern nicht, obwohl es da genauso sein könnte ist die Wahrscheinlichkeit doch eine andere, und eben auch das Bewußtsein darum.

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