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  1. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von _vorbei Beitrag anzeigen
    Inhaltlich bin ich da zwiegespalten: ich denke tatsächlich, der Tod gehört zum Leben... .
    Ich auch. Aber Trauer gehört auch zum Leben. Warum gibt es wohl in fast allen Kulturen Trauerrituale?


  2. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Auch von mir erst mal mein Beileid.

    Zitat Zitat von _vorbei Beitrag anzeigen
    Inhaltlich bin ich da zwiegespalten: ich denke tatsächlich, der Tod gehört zum Leben... und je größer das Umfeld, desto mehr ist man eben auch im Jobumfeld damit konfrontiert. Da muss man auf den Einzelnen Rücksicht nehmen, das mein ich schon auch - aber mit allzuviel Mitgefühl würd ich nicht rechnen, eben weil es auch irgendwo normal ist, dass mal jemand stirbt. Da kann man als Kollege doch nicht jedesmal mittrauern.

    Ist vielleicht auch ein Unterschied ob man sein Kind verliert oder den Ehepartner, oder Eltern oder Großeltern. Bei letzterem tu ich mir wirklich manchmal auch schwer, weil ich das irgendwo als den normalen Lauf der Dinge sehe.

    Ich finde es wichtig, da gut für sich zu sorgen, aber bei sich zu bleiben und versuchen zu verstehen, dass es für Außenstehende halt irgendwo Normalität ist, die meinen das ja nicht böse. Tu, was dir guttut, dafür musst du dich nicht rechtfertigen, und zieh dich zurück, wenn du das brauchst, egal wie lang.
    Diesem Posting stimme ich voll zu.
    Gerade im Büro muss ich sagen, möchte ich in die Trauerarbeit von Kollegen nicht näher hineingezogen werden. Trauern ist etwas ganz Spezielles, da bin ich für meine Freunde da, aber im Job hat das m.M.n. nichts zu suchen.
    Dass du nicht die Fröhliche gibst und dich mehr zurückziehst, halte ich für selbstverständlich, aber wenn du nicht krankgeschrieben bist, können die Kollegen erwarten, dass du deine Arbeit machst, ohne zu erwarten, dass die anderen auf Zehenspitzen um dich herumschleichen - ich unterstelle dir das nicht, ich möchte nur ausdrücken, dass man als Trauernder auch immer bedenken muss, was man von anderen erwarten kann oder eben nicht.


  3. Registriert seit
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von Killeshandra Beitrag anzeigen
    Ich auch. Aber Trauer gehört auch zum Leben. Warum gibt es wohl in fast allen Kulturen Trauerrituale?
    Ich hab mich jetzt mehr auf den Job bezogen.

  4. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich bin da eher der Typ Ablenkung. Als mein Vater starb, war ich trotzdem im Büro. Alles war besser als sitzen und grübeln.

    Ich persönlich tue mich auch schwer, bei anderen damit umzugehen. Dann sag ich lieber nichts.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  5. Inaktiver User

    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich trauere lange aber für mich allein.

    Im Job war ich nur als meine Mutter starb eine Woche krank geschrieben. Bei meinem Vater 6 Wochen später nicht.

    Ich will im Job aber auch nicht darüber sprechen.

    Bei Kollegen kann ich das schon ansprechen aber wenn Tränen kommen bin ich raus. Da muss ich mitweinen.

    Ansonsten: was genau erwartet die TE im Job? Da geht das Leben auch weiter.

  6. Avatar von Klecksfisch
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Trauer kann einem keiner abnehmen, da muß man selber durch, für andere geht das Leben weiter, wenn dann im Leben der anderen jemand stirbt, dann müssen sie auch selber durch und so geht es immer weiter. Man kann von anderen nicht erwarten, daß sie auch trauern. Vor allen Dingen dann nicht, wenn sie die Person nicht kennen. Wenn jemand stirbt ist das ein sehr persönliches Erleben, wie so viele andere Dinge.

    Reflektieren und ehrlich mit sich sein, aus welchen Motivationen heraus man bestimmte Handlungen ausführt.
    Sei wie die stolze Rose: selbstbewusst, glücklich und frei, und nicht wie das Veilchen im Moose, so dämlich, bescheuert und scheu.
    „Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch“ (Dalai Lama)

    Geändert von Klecksfisch (01.07.2019 um 13:41 Uhr)

  7. Avatar von Actaea
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Zitat Zitat von FrauSnuggles Beitrag anzeigen

    Ich war 10 Tage nach dem Tod meiner Mutter nicht arbeiten. Anders wäre es nicht gegangen ............
    Seitdem ist nichts mehr wie vorher.

    . In mir drin sieht es furchtbar aus.

    .
    Mein herzliches Beileid. Ich drücke dich ganz lieb.

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe es auch so empfunden. Ich kam mir mit 46 Jahren vor, wie ein Waisenkind, das in einer Nusschale auf dem Meer ausgesetzt wurde und die Wellen um mich herum wurden immer höher.

    Damals bin ich zu meinem Arzt gegangen und habe ihm gesagt, ich bin am Ende und brauche eine Kur .

    Die bekam ich dann auch. Das hat zwar Wochen bis dahin gedauert, aber an diesen Strohhalm könnte ich mich klammern

    Danach war zwar nicht alles anders, aber ich habe durch die Hilfe dort, ganz langsam meine Kraft wieder bekommen.

    Momentan würde ich mir Hilfe suchen, wo auch immer du dir vorstellen kannst, sie zu finden.

    Alles Liebe. Pass gut auf dich auf.

  8. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Von mir auch noch herzliche Anteilnahme (bitte entschuldige, dass das nicht gleich kam)

    Zitat Zitat von FrauSnuggles Beitrag anzeigen
    Ich war 10 Tage nach dem Tod meiner Mutter nicht arbeiten. Anders wäre es nicht gegangen weil es mich total aus der Bahn geworfen hat. Ich hatte auch körperliche Sympthome und wäre überhaupt nicht arbeitsfähig gewesen.
    Eine Krankschreibung ist manchmal wirklich zunächst das Beste, so ein plötzlicher Todesfall wirft einen ja wirklich körperlich wie seelisch aus der Bahn.

    In ein paar Tagen ist beispielsweise ein Kollegenabendessen, allerdings privat abends nur ein kleiner Kollegenkreis. Ich hab vorsorglich abgesagt. Fühle mich momentan so schnell überfordert. Ich kann es einfach noch nicht.
    Das ist doch auch völlig normal und verständlich. Dass Du abgesagt hast, zeigt mE nur, dass Du Deine Bedürfnisse erkennst und danach handelst. Die "guten Tips" sind halt, wie so oft, gut gemeint und das Gegenteil von gut gemacht. Da hilft wohl wirklich nur, auf Durchzug zu schalten, wenn Du keine Lust auf Diskussionen hast.

    Es stimmt schon, was zuvor geschrieben wurde, die Welt dreht sich weiter, auch wenn sie für Dich zusammengebrochen scheint. Das ist manchmal schwer zu ertragen, ganz klar, und das Radiogedudel oder belangloses Geplauder oder auch so mancher Arbeitsauftrag wirkt dann nervig und sinnlos. Leider muss man durch diese Zeit durch, so schwer es ist.

    Hast Du denn Familienmitglieder oder Freunde, bei denen Du Dich mit Deiner Trauer "fallen lassen" kannst?
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner


  9. Registriert seit
    23.11.2012
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Jeder trauert ja anders. Ich habe das jetzt schon bei einigen Arbeitskollegen mit bekommen, die nahe Angehörige verloren haben. Der eine wollte überhaupt nicht darauf angesprochen werden, auch schon nicht während der Krankheit seiner noch recht jungen Mutter. Also fragten wir auch nicht mehr nach ihrem Befinden, was wir aber sonst schon getan hätten.

    Als sie tot war, schrieben wir eine Trauerkarte mit Gedicht, er war sehr gerührt, bedankte sich herzlich und fortan wurde darüber nicht mehr geredet, wir hatten nicht den Eindruck, dass er es gewollt hätte.

    Ein anderer Kollege erfuhr am Arbeitsplatz vom Tod seiner Mutter, war aber schon 2 Tage später wieder auf Arbeit, er sagte, er hielte es zu Hause nicht aus, da wären nur dauernd Angehörige, er würde sich unter uns wohler fühlen. Einige von uns, sie seine Mutter auch gekannt hatten, gingen mit zur Beerdigung, wofür er sich sehr bedankte.

    Noch eine andere Kollegin ist sehr pragmatisch, ihr Spruch ist immer: "Ja, ist halt so!" Genauso war es beim Tod ihres Vaters, der lange krank gewesen und schon älter war. "Das ist schon alles gut so! Ich komme damit zurecht, war ja nicht plötzlich und unerwartet, außerdem hatte er sein Alter."
    Wir konnten nicht zur Beerdigung, da sie am anderen Ende von Deutschland stattfand, machten aber wiederum eine Trauerkarte mit persönlichen Worten. Das war´s dann.

    Natürlich geht es mir nahe, wenn ein guter Kollege (wir sind wirklich ein tolles Team) einen lieben Menschen verliert, aber die Arbeit bleibt ja nicht aus und die Welt dreht sich weiter. Wenn man merkt, dass jemand drüber sprechen möchte, dann ist das bei uns schon möglich. Aber ich glaube auch, die meisten erzählen halt mal kurz und machen den Rest mit sich aus.

    Auch mit einer Kollegin, die bevor sie bei uns anfing, ihr Kind mit 6 Jahren verlor, reden wir ganz frei darüber und akzeptieren, wenn sie mal einen schlechten Tag hat, das ist doch klar.
    Ansonsten muss man sehen, dass es natürlich, so traurig das alle finden, für uns niemals die Relevanz haben kann wie für den Betroffenen selbst.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

  10. Avatar von huppsi
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    AW: Gibt es keine Trauerzeit mehr?

    Ich finde auch, dass man da erstens differenzieren muss: der Tod eines Kindes oder Partners ist was Anderes als eines Elternteils, und zweitens hat für mich Trauer auch nichts bei der Arbeit zu suchen. Als mein Vater bzw meine Mutter starben war ich jeweils knappe 2 Wochen nicht arbeiten, die Kollegen haben mir eine Karte geschrieben und persönlich knondoliert als ich zurück war. Danach war aber Business as usual und das finde ich völlig okay. Wenn ich Zeit zum trauern brauche, muss ich mir die ausserhalb der Arbeit nehmen oder mich krankmelden. Ich fände es unpassend, wenn Kollegen darauf Rücksicht nehmen müssten. dass man mal fragt, wie es dem Trauernden geht, okay, aber mehr finde ich im beruflichen Kontext unpassend.
    Zur Frage des Threads: Gab es beruflich betrachtet denn früher Trauerzeit? das ist doch etwas privates. Dass man am WE nach einem Trauerfall nicht zu einer Party geht und auch die ersten Weihnachten behutsam behandelt werden möchte, ja, aber im Job?

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