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Thema: Schmerz


  1. Registriert seit
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    Schmerz

    Hallo,

    mich hat der Schmerz gerade so in der Hand. Ich habe gegoogelt, Trauer Schmerz und bin dabei auf dieses Forum gestoßen. Ich muss irgendwie weitermachen, ich weiß aber nicht wie. Ich muss den Schmerz in die Welt schreiben. Mein Sohn ist im März 2017 gestorben. Er war in den mittleren Jahren, hatte gerade alles so weit geschafft, dass er sich hätte entspannen können.

    Seit Montag überrollt mich der Schmerz wie am ersten Tag. Seit ich gesehen habe, dass seine Frau einen neuen Partner hat, habe ich das Gefühl verrückt vor Schmerz zu werde. Dabei gönne ich es ihr. Sie ist glücklich und das sollte auch mich glücklich machen. Eine glückliche Mutter ist die beste Mutter für die Kinder meines verstorbenen Sohnes.

    Aber es zerreißt mich. Es fühlt sich an, als wäre er gerade jetzt wieder gestorben. Ich habe mich seit seinem Tod von allem zurückgezogen. Arbeit und Enkelkinder, das wars an sozialen Kontakten. Das heißt, ich habe auch jetzt niemanden, mit dem ich reden könnte. Ich möchte auch keinen Kontakt zu anderen Menschen. Ich habe überhaupt keine Kraft für etwas anderes als Überleben.

    Dieser Schmerz ist so vernichtend.

    Danke, dass ich hier reinschreiben darf.

  2. Avatar von Tabea57
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    AW: Schmerz

    Patricius,

    es tut mir sehr leid, dass Du Dich so schlecht fühlst.
    Erst mal nur: diese Hoffnungsblume .

    Dein Verstand sieht, dass es okay ist mit dem neuen Partner, Dein Gefühl kommt nicht mit.
    Darf es auch.

    Ich wünsche Dir Zuversicht!!
    Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
    Aber macht!


    ausgeborgt von Uli_F-2009


  3. Registriert seit
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    AW: Schmerz

    Danke für Deine Worte. Ich habe den Verdacht, dass dieser Horror-Schmerz auch daher kommt, dass ich die ganze Zeit meinen eigenen Schmerz, meine eigene Trauer zurückgehalten habe. Ich war die ganze Zeit so stark, für seine Familie. Alles war aus dem Umfeld an Trost, Beistand und Hilfe kam, war für die Kinder, für seine Frau. Auch für mich war es das Allerwichtigste, für seine Familie stark zu sein. Mitleid habe ich nur für meinen Sohn und seine Familie verspürt. Er hat alles verloren, sie haben alles verloren.

    Jetzt geht es ihnen besser. Anscheinend kommt jetzt mein ureigenster Schmerz zum Vorschein. Ich muss nicht mehr für sie stark sein, ich darf jetzt auch leiden. Aber das interessiert niemanden mehr. Nach einem Jahr hat man wieder einigermaßen zu funktionieren.

    Es zerreißt mich. Dieser Schmerz ist unerträglich. Ich versuche ihn rauszuschreiben.

    Seine Familie, die 15 Monate lang meine Gefühle beherrscht hat, braucht mich jetzt auch nicht mehr. Sie wollen jetzt ihr Glück genießen. Freude, Frühling, Leben. Und diese Oma, die noch immer nicht den Verlust ihres Sohnes überwunden hat, zieht runter. Erinnert an unerträgliche Schmerzen, Verlust. Irgendwie habe ich jetzt auch meine (seine) Familie verloren.
    Geändert von Patricius (07.06.2019 um 08:24 Uhr)

  4. Avatar von Scooter2
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    AW: Schmerz

    Patricius,ich schicke Dir einen Arm voll Karft und Zuversicht.
    Ich kann es verstehen,dass es Dich trotzdem schmerzt wenn sich Deine Schwiegertochter jemand anderem zuwendet,aber weisst Du:wir sind fähig mehrere Lieben zu leben,ohne jemals die vorangegangenen zu vergessen.Sie trägt ihren verstorbenen Mann für immer im Herzen.
    Gibt es in Deiner Umgebung kein Angebot für trauernde Hinterbliebene das Du in Anspruch nehmen könntest?!
    Recherchen haben ergeben,dass manche Leute gar keine Laktose brauchen um intolerant zu sein


  5. Registriert seit
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    4

    AW: Schmerz

    Danke

  6. Avatar von Tabea57
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    3.835

    AW: Schmerz

    Ja,weggedrückte Gefühle neigen dazu, umso stärker wiederzukommen.
    Zeit, dass Du dich um dich und deine Trauer kümmerst.
    Du hast dein Kind verloren, das schmerzhafteste, was vorstellbar ist.
    Kannst Du dich jemandem anvertrauen?
    Bist Du allein?
    Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
    Aber macht!


    ausgeborgt von Uli_F-2009

  7. Avatar von Opelius
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    AW: Schmerz

    Zitat Zitat von Tabea57 Beitrag anzeigen
    Ja,weggedrückte Gefühle neigen dazu, umso stärker wiederzukommen.
    Zeit, dass Du dich um dich und deine Trauer kümmerst.
    Du hast dein Kind verloren, das schmerzhafteste, was vorstellbar ist.
    Kannst Du dich jemandem anvertrauen?
    Bist Du allein?
    Es gibt in nahezu allen Städten Trauergruppen, manchmal in Kirchengemeinden, aber auch im Netz findest Du die nächste Trauergruppe oder Trauercafe z.B. unter Trauergruppe.de.

    Du wirst Dir dort nicht nur den Schmerz anderer Leute anhören müssen, Du kannst dort über Deine Gefühle reden und wirst auf Verständnis treffen. Versuchs, es kann nicht schaden. Trauer kann sehr lange dauern, insbesondere wenn man eigene Kinder beerdigen muss.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. Avatar von overknee
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    AW: Schmerz

    Ich wünsche Dir viel Kraft um richtig trauern zu können. Es kostet so viel an Kraft, weil es nie richtig besser wird.
    Nach Zeiten, wo man es erträgt, kommen wieder die Wellen, die einen wegspülen wollen.
    Mein Bruder ist vor 6 Jahren gestorben. Ganz unerwartet.
    Und meine Mama lebt seitdem nicht mehr richtig. Sie wird es nie wieder. Ich muss es so akzeptieren, meine Trauer ist ja auch überwältigend.
    Ich kann auch verstehen, dass Du nicht in Trauergruppen gehen willst. Das kann eben nicht jeder.

    Ich habe noch heute Bilder von ihm zu stehen, ich mache immer eine Kerze an, ich rede mit ihm und ich weine. Immer noch.
    Das könnte mein Mama nicht, es würde sie zerreißen.
    Ich denke, jeder Mensch trauert anders. Manch einer kann vergessen, andere niemals. Manchen hilft weinen, andere werden dadurch total heruntergerissen.
    Ich kenne auch den Zwiespalt, wenn die Witwe einen neuen Partner findet. Der Verstand sagt, dass das in Ordnung ist. Das Herz sagt es nicht.
    Hast du es ihr schon gesagt, wie zwiegespalten du da bist? Meine Schwägerin wusste es und sie nimmt sehr Rücksicht. Sie ruft noch nach diesen 6 Jahren wöchentlich bei meiner Mama an, das Band ist stark geblieben, trotz neuen Partners.

    Es hilft vielleicht, den neuen Partner anzunehmen. So hat man mehr Kontakt zu den Enkeln, die einem ja doch viel Trost spenden.

    Er hat Spuren hinterlassen!


  9. Registriert seit
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    4

    AW: Schmerz

    Ich danke euch für Eure Worte.

    Ich war einmal die stärkste Frau, die ich kannte. Ich habe ALLES geschafft.

    Jetzt bin ich auf den Knien. Das ist neu für mich. Und es ist mir so absolut egal. Früher hätte ich mir so etwas nicht durchgehen lassen. Jetzt spielt nichts mehr eine Rolle.

    Ich war in einer Trauergruppe. Dort wurde großen Wert darauf gelegt, dass es einem besser geht. Sport, Entspannungsübungen, Ausflüge, Wanderungen. Das hat mich nicht interessiert. Tut es auch heute noch nicht. Ich wollte von meinem Sohn erzählen, von meinen Gefühlen erzählen. Aber dort liegen die Prioritäten auf Genesung. Davon bin ich Lichtjahre entfernt.

    Ich habe auch direkt nach dem Tod meines Sohnes Psychotherapie gemacht. Aber es hilft nix. Mein Sohn war 35 Jahre lang das Wichtigste in meinem Leben. Mit seinem Bruder. Ich bin Vollblutmutter. Es gibt für mich nichts Wichtigeres als meine Kinder, meine Kindeskinder. In dieser Reihenfolge. Familie.

    Dass ich hier meine Gefühle reinschreiben konnte, hat mir gutgetan. Jetzt ist es wieder der normale Schmerz. Heute früh wollte ich nur noch sterben, um das nicht mehr fühlen zu müssen.

    Ich habe den "normalen" Schmerz als Teil meines Lebens akzeptiert. Mein Sohn ist diesen Schmerz wert.

    Vielen Dank noch mal für das Lesen und Eure lieben Worte.
    Ich habe zu Hause leider keinen Computer und verabschiede mich fürs Erste.

  10. Avatar von Scooter2
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    4.275

    AW: Schmerz

    Bei aller Trauer,vergiss Deinen Dir verbleibenden Sohn nicht,auch er braucht Dich,auch er trauert um seinen Bruder!Nicht dass er verloren geht und ihn niemand mehr beachtet und sieht
    Recherchen haben ergeben,dass manche Leute gar keine Laktose brauchen um intolerant zu sein

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