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  1. AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Mein Vater ist im Krankenhaus verstorben. Er hatte Lungenkrebs und dann kam eine Lungenentzündung dazu und irgendwann waren die Schmerzen so schlimm, dass sie das Morphium so hochgesetzt haben, dass es klar war, dass es sich nur noch um Stunden, maximal 1-2 Tage handeln würde. Meine Stiefmutter war die ganze Zeit bei ihm, eine der letzten Dinge, die er noch ordnete, war - in seiner unnachahmlichen stoischen norddeutschen trockenen Art: „Ich will nicht verbuddelt werden - ich möchte Wasser um mich herum“. Meine Stiefmutter rief dann meinen Bruder und mich an, dass wir kommen sollen - ich bin ca. 500 km weit weg, mein Bruder 800 km. Wir sind dann beide gekommen und haben den Tag dort verbracht, während mein Vater langsam wegdämmerte. Sind dann nachts ins Hotel, morgens wieder hin und haben dann irgendwann am Vormittag uns über Quizsendungen unterhalten, die die beiden immer gerne zusammen geschaut haben, das war trotz der Umstände irgendwie ein fast heiterer, gelöster Moment - und da wurde es dann still und er war fort.
    Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan

    Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.

  2. Avatar von Leonie
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Etwas, an das ich heute noch oft denke: die Tante wollte den Onkel vom Krankenhaus abholen, er wurde entlassen (er war 89 Jahre alt). Im Krankenzimmer räumte der Onkel noch sein Geschirr zusammen, verabschiedete sich von seinen "Kumpels" und ging mit seiner Frau zum Fahrstuhl.
    Dann kippte der Onkel um und war wohl sofort tot!
    Für die Tante war das ein Schock fürs Leben! Es kamen noch Schwestern, Ärzte usw...und untersuchten den Onkel, aber es war nichts mehr zu machen. So musste die arme Tante, die ihren Mann nach Hause holen wollte, ohne ihn nach Hause gehen.
    Sie hat sich nie mehr davon erholt und starb auch bald darauf.
    Leonie
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  3. Registriert seit
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    @Leonie … das hört sich traurig an. Andererseits war die Tante sicherlich auch schon alt - und irgendwie denke ich ja, dass man sich in dem Alter - wenn man auf die 90 zugeht - auch irgendwie mit dem Tod und Abschied beschäftigen müsste … !?
    Das war aber bei meinen Eltern auch nicht so - mein Vater, 90, meinte nach dem Tod meiner Mutter, 87, (und sie war lange Jahre sehr schwer krank und zum Schluss war es sehr schlimm und aussichtslos) - "der Tod war nie ein Thema". Tja, weiß ich auch nicht, was man dazu sagen soll ….


    Jedenfalls finde ich es einen sehr segensreichen Tod - einfach umzufallen oder einzuschlafen und tot. Kein langer Todeskampf. Das sollte die Angehörigen trotz aller Trauer irgendwie trösten können.
    Liebe Grüße ... von der Nase ...

  4. Avatar von Leonie
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Ja, liebe Nase, das sehe ich ähnlich, der Onkel hatte immer Respekt vor dem Tod, mied früher Krankenhäuser, Bestattungsläden und Ähnliches..., er sorgte jedoch vor für seine Frau (Kohlen im Keller usw...).Die Frau war 13 Jahre jünger, aber auch eben älter. Kinder hatten sie auf seinen Wunsch hin keine.

    Ich denke auch, dass Derjenige, der plötzlich weg ist, hoffentlich kaum zu leiden hat.
    Leonie
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  5. Avatar von Lady_Emelia
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Einen ganzen Blumenstrauß an Euch alle, die ihr vom Sterben Eurer Eltern und Vorfahren erzählt und erzählt habt! Die Berichte sind bewegend, interessant und tröstlich zugleich!

    Wenn ich bisher gelesen habe: "Im Kreise der Familie verstorben" konnte ich mir nur eine, tja, "Versammlung" um das Sterbebett oder eine Floskel vorstellen.

    Meine Oma Josefa war (im Jahr 1979) schon seit einigen Monaten bettlägerig. Meine Mama (ihre Schwiegertochter) war in dieser Zeit Hausfrau und hat sie "wie selbstverständlich" gepflegt. In beiden Ursprungsfamilien (katholisch) gibt es jahrzehntealte Traditionen als Ministranten (in den Fünfzigern und Sechzigern), Mesner und Mesnerinnen, Pfarrgemeinderäten und Ministrantinnen (aktuell).

    Oma war eine fleißige Kirchgängerin und Beterin, die in den letzten Jahren von Alzheimer oder Demenz betroffen war. Wenn man mit ihr den Rosenkranz betete, konnte sie ruhig werden. Als sie an diesem Tag oder vielleicht schon am Tag davor nichts außer einigen Löffelchen Wasser zu sich genommen hatte, setzte sich meine Mutter wie gewohnt an das Krankenbett und betete den "glorreichen" Rosenkranz. Sie hat mir dann berichtet, dass Oma sie beim "Gesätzchen": "Der Dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat" noch einmal meine Mama dankbar angeblickt hat und dann sanft verstorben ist.

  6. Avatar von Timipu
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    @Lady: als ob sie genau darauf gewartet hätte. Schön und tröstlich irgendwie. ..

    Ich hab noch eine eher "andere" Geschichte zu diesem Thema. Meine Stiefoma war überhaupt nicht religiös und auch eine eher unwirsche Frau, der die ganzen Familienangehörigen, die da um ihr Bett herumstanden, auf den Keks gingen. Ganz besonders der Pfarrer war ihr ein Dorn im Auge. Und so waren ihre letzten Worte: " leckt mich doch alle mal an. A. . . " Und dann schlief sie für immer ein. Der Pfarrer weigerte sich, diese letzten Worte niederzuschreiben und wählte einen Psalm :-)
    It will be fine in the end - if it's not fine, it's not the end!

  7. Avatar von Leonie
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    @Lady Emilia das finde ich wunderschön. Ich bin nicht katholisch, habe aber zum Rosenkranz auch eine besondere Beziehung. In unseren Familien gibt es kaum katholische Menschen.

    @Timipu da musste ich schon grinsen. Wir hatten in der Familie eine Dame, die aufgrund ihrer Krankheit sehr barsch wurde und uns auch anmaulte, als wir sie im Krankenhaus besuchten- zum Ende hin. Sie schickte uns weg- wollte das nicht. Allerdings hatte diese Frau sich vor ihrem Tod mit den Religionen allgemein beschäftigt.

    Wir haben auch teilweise nicht religiöse Menschen in den Familien, wie das bei einigen Menschen endet, wird man sehen. Leonie
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  8. Avatar von Marl54
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Meine Mutter starb vor 4 Jahren zu Hause. Der Sterbeprozess hat 5 Tage gedauert. Alle Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel und andere Verwandte begleiteten sie, wobei sie nicht bei Bewusstsein war.

    Meine Schwester und ich hielten Tag und Nacht Wache, die anderen kamen und gingen. Wir sind tatsächlich 5 Tage nicht ins Bett gegangen, haben nur immer mal ein bisschen abwechselnd auf dem Sofa geschlafen. Meine Schwester war manchmal verzweifelt, weil sie nicht mir einem so langen Prozess gerechnet hatte. Aber es war ein friedlicher Prozess.

    Wir hatten Glück, dass zum einen die Palliativ-Ambulanz regelmäßig kam und zum anderen eine Freundin meiner Nichte, die vom Beruf Altenpflegerin mit Spezialisierung auf diese Phase, gerade eine Woche Urlaub hatte. Sie hat uns besonders nachts zur Seite gestanden, gab die erforderlichen Injektionen und klärte uns über den Verlauf auf. Meine Schwester hat meine Mutter dann noch angezogen, nachdem sie verstorben war und erst dann haben wir den Bestatter angerufen. Wir konnten sie aber noch den ganzen Tag bei uns behalten und so kam wieder einer nach dem anderen, um sie noch einmal zu sehen.

    Abends wurde sie dann abgeholt. Dafür wurde sie im Wohnzimmer aufgebahrt, die meisten Verwandten erschienen und die Pastorin war ebenfalls anwesend. So wurde sie noch im Haus ausgesegnet. Ich bin nicht besonders religiös aber das Ganze hatte viel Würde.

    Drei tage später fand die Trauerfeier statt und anschließend haben wir das Leben unserer Mutter zu Hause mit allen Verwandten gefeiert. Wir haben die Räume mit Flieder geschmückt, den sie so liebte und es wurde gelacht und erzählt. Das passte und hätte der Mutter gefallen.
    Ich bin mein eigenes Projekt!

  9. Avatar von Leonie
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    @Marl54 Danke!
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  10. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: "Im Kreise seiner Familie sanft entschlafen..."

    Meine Mutter ist vor kurzem gestorben. Ihr Sterbeprozess dauerte auch ungefähr 5 Tage. Am ersten Tag hat sie mich noch erkannt (ich kam an dem Tag nach D), danach war sie erst wenig, dann gar nicht mehr bei Bewusstsein.

    Meine Patentochter und ich haben 5 Tage und Nächte bei ihr verbracht, erst zwei Nächte auf der Beobachtungsstation, dann auf der Palliativstation. Wir bekamen ein Bett mit ins Zimmer und konnten uns immer im Aufenthaltsraum Essen, Getränke und auch Gespräche holen.

    Die ersten Tage hatte sie auch noch viel Besuch, aber das habe ich dann zum Schluss bis auf eine Ausnahme nicht mehr zugelassen, da sie ihre Ruhe haben sollte.

    Sie starb mit uns beiden am Bett. Ich hatte bemerkt, dass die Atmung sich veränderte, hab meine Patentochter geweckt und wir haben beide je eine Hand gehalten. Wir hatten dann noch so gute 20 Minuten. Es war alles ziemlich friedlich und sanft.
    Sie wurde dann etwas zurechtgemacht und wir konnten noch den restlichen Tag (sie starb mittags) mit ihr verbringen. Ich war dann die letzte, hab noch eine Tasse Kaffee am Bett getrunken, mit ihr geredet und bin dann gegangen.

    Die Bestattung war im Ruheforst, und ich bin sehr, sehr froh, es so gemacht zu haben. Ganz in ihrem Sinn.


    Meine Urgrossmutter ist damals auch zuhause bei uns, in ihrem Bett gestorben. Wir waren alle im Haus, aber sie ist einfach über Nacht gestorben, mit Ankündigung ein paar Tage vorher, dass sie keine Lust mehr habe (sie war 97).
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
    Geändert von frangipani (03.07.2019 um 00:49 Uhr)

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