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  1. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Um mal von dem speziellen Einzelfall ein bisschen wegzukommen...ich hätte da auch eine Beerdigungsgeschichte.

    Meine Mutter ist bzw. war das einzige Kind meiner Großeltern.
    Ich bin das einzige Kind meiner Mutter.
    Daraus folgt ziemlich messerscharf, dass ich auch das einzige Enkelkind meiner Großeltern war.

    Zu meiner Mutter habe ich unterdessen seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr. Sie ist der bösartigste Mensch, den ich in meinem Leben je kennengelernt habe. Ich hadere nicht damit.

    Meine Oma hat diesen Konflikt für sich persönlich gelöst, indem sie allen Protagonisten immer zum Munde geredet hat. Mir hat sie erklärt, sie verstünde ihre Tochter gar nicht, die wäre so gar nicht mütterlich und ihrer Tochter hat sie Ähnliches in die andere Richtung versichert.
    Schwierig wurde es immer dann, wenn es sehr selten eine gemeinsame Schnittmenge gab.

    Vor 15 Jahren starb mein Opa.
    Meine Mutter holte die Oma zu sich, zumindest schloß ich das aus der Tatsache, dass ich sie nicht in ihrem Zuhause erreichte.
    Ich rief dann ganz tapfer bei meiner Mutter an, um nach der Oma zu fragen und telefonierte auch mit ihr.

    Meine Oma sagte bei diesem Telefonat wortwörtlich zu mir:

    "Du darfst auch zur Beerdigung kommen...ich hab schon gefragt!"


    Ich klebte spontan an der Decke. Mit welcher Berechtigung meine Mutter darüber verfügen durfte, ob ihre Tochter/die einzige Enkelin zu der Beerdigung ihres Großvaters darf oder eben nicht...für mich eine Ungeheuerlichkeit.
    Während des Telefonats habe ich natürlich nichts gesagt, die Oma war unter den herrschenden Umständen gebeutelt genug. Nachträglich habe ich das nochmal thematisiert.
    Meiner Oma war das nicht erklärbar, die fand sich wahnsinnig lieb damit - hatte sie doch extra gefragt! Und ich durfte ja kommen, über was also beklagte ich mich da schon wieder??

    Wir (mein Mann und ich und das damals ältere der beiden Urenkelkinder) waren dann dort zur Beisetzung und ich wurde von meiner Oma direkt am offenen Grab verabschiedet.
    Ich stand gemeinsam mit meiner Tochter am offenen Grab, schluchzte - und meine Oma kam zu mir, um mir zu sagen, der Opa sei doch gar nicht mehr da drin, der sei doch hier irgendwo über uns - und setzte hinzu "Aber war schön, dass ihr da wart, ne! Tschüss!!"

    Wir sind dann auch nicht mehr mit zum Kaffee gegangen.

    Ich habe nicht besonders gelitten, ich bin tendenziell emotionsarm bei solchen Sachen. Aber der ganze Ablauf und die offensichtliche Panik meiner Oma, dass ihre Tochter ihr die Hölle heiß macht, falls sie versehentlich zu nett zu mir ist, das stimmt mich bis heute fassungslos.
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

  2. Avatar von luftistraus
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Liebe TE,

    ich denke, das jeder ein anderes Empfinden hat was den Tod allgemein betrifft.

    Du hast im anderen Strang geschrieben, das sich der verstorbene freuen würde...

    Meine Meinung , wenn tot dann tot. Da ist nix mehr, das Leben ist vorbei und keine Seele fliegt davon und schaut uns zu. Der verstorbene "lebt" durch dir Erinnerungen der verbliebenen weiter.


    Ich gehe davon aus, das du das ganze ganz anders siehst. Das ist für mich völlig in Ordnung.
    Über sowas und Religion sollte man nicht streiten und jedem seine Meinung lassen.


    Ich glaube wenn man so Unterschiedliche Ansichten über den Tod hat, bewertet man auch das Beerdigungsthema ganz anders.

    Aber den Austausch der vielen Meinungen finde ich sehr interessant


  3. Registriert seit
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Ich habe dazu eine andere Ansicht als die meisten von euch. Mein Mann ist mit 41 Jahre plötzlich verstorben. Unsere Kinder waren 8 und 12 Jahre alt. Andreas war ein angesehener Geschäftsmann (angestellt in einer Baufirma), der sehr beliebt war.
    In der Kirche war die Trauerfeier mit Übertragung nach draußen. Ich habe festgelegt, dass nur die engsten Verwandten - unsere Eltern und Brüder mit Familien - mit zum Friedhof, der nicht an der Kirche ist, dürfen. Dies habe ich zum Schutz meiner Kinder bestimmt. Auch ich hätte nicht mit 250 anderen am Grab stehen wollen. Es hat mich so schon ohne Energie gekostet. Auch stark für meine Kinder zu sein.
    Diese Entscheidung konnten Verwandte und Freunde meiner Schwiegereltern nicht verstehen. Ich habe für mich und meine Kinder richtig entschieden.
    Geändert von 16102018 (13.07.2019 um 13:39 Uhr) Grund: noch nicht fertig

  4. Avatar von Hillie
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Zitat Zitat von carassia Beitrag anzeigen
    Leute, die nur zu Beerdigungen auftauchen, Kaffee trinken und dummschwätzen, sich zu Lebzeiten aber kaum bzw. gar nicht gekümmert haben.
    Zum anschließenden Leichenschmaus läd man doch immer noch persönlich ein, oder?

    Bei der Beerdigung meines Schwagers hörte ich dann, als wir vom Grab zu den Autos gingen, wie einige Nichtverwandte sich gegenseitig fragten: "Wo findet denn nun der Leichenschmaus statt?" Zum Glück hatten wir das niemandem gesagt. Die Geschwister und nächsten Verwandten wollten unter sich sein und nicht das halbe Dorf dabei haben.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz




  5. Registriert seit
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Es geht um "Ausladungen bei Beerdigungen"- wenn Angehörige nicht möchten, dass jemand an der Beerdigung teil nimmt.
    Wie ist eure Meinung dazu?
    Ich finde, dass es ganz sicher Umstände gibt, die den Besuch einer Beerdigung ausschließen- aber das doch sicher nicht so oft vorkommt.
    öhm doch?! sowas kommt vor. herrn dekomaus, samt seinen eltern wurde mal knallhart gesagt "wir wollen im kleinen kreis trauern, ihr braucht nicht kommen". das war ausladung genug. meine böse denke dabei war, "die wollen/müssen sparen, nicht das da noch zuviele zum anschliesenden geplanten Essen mitkommen". man hat sich immer gut verstanden mit dem verstorbenen, da war nix zerrüttet, aber die allernächsten Hinterbliebenen wollen eben nur im kleinsten Kreis die Beerdigung haben

  6. Avatar von Enya1963
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    Wie seht ihr das?
    Gibt es ein Mitspracherecht für die Angehörigen (hier geht es um den Neffen)- und wie weit darf das gehen?
    lg kenzia
    Ich finde es gibt ein Mitspracherecht der nächsten Angehörigen, da die vielleicht vom Verstorbenen genau wissen, was er / sie sich für seine / ihre Beerdigung wünschte.

    Beerdigungen sind Geldmacherei, wenn man sich schon vorstellt, in Deutschland gibt es einen Friedhofszwang / -pflicht, nur in Mecklenburg und Bremen ist es unter komplizierten Umständen möglich die Asche mit nachhaus zu bekommen und selbst zu verstreuen.

    So was in der Art stelle ich mir für mich vor.

    Meine Kinder wissen Bescheid, wie ich mir meine Beerdigung vorstelle, sehr bescheiden, ohne drum herum, kein Zeitungsinserat, einfach nichts. Ich möchte, dass meine Asche an einem schönen Ort im Winde verstreut wird; das gibt mir ein gutes Gefühl und keiner braucht mein Grad pflegen und sogar noch Geld dafür bezahlen obwohl ich längst tot bin.
    Ich mag diese Art Geldverschwendung nicht, anstatt dieser Blumenkränze und immensen Kosten für eine Beerdigung wäre es doch wesentlich vernünftiger, das Geld dort anzubringen, wo es gebraucht wird unter den Lebenden.

    Wenn ich mal gestorben bin wird keiner ausgeladen oder eingeladen werden müssen, da keiner Bescheid bekommt, außer die aller Nächsten und da gibt's bei mir nicht viele, außer 3 Freundinnen, 1 Freund, meine Kinder und meine Schwester mit Familie.

    Sollte eine große Beerdigung veranstaltet werden mit allem drum und dran und kitschigem Aufwand, dann finde ich sollte jeder teilnehmen dürfen, warum auch nicht, ist ja sowieso eine riesen Veranstaltung, da kommts auf fünfe mehr oder weniger nicht an.

  7. Avatar von Hillie
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Zitat Zitat von Enya1963 Beitrag anzeigen
    anstatt dieser Blumenkränze und immensen Kosten für eine Beerdigung wäre es doch wesentlich vernünftiger, das Geld dort anzubringen, wo es gebraucht wird unter den Lebenden.
    Kannst du ja bestimmen!
    Sollte eine große Beerdigung veranstaltet werden mit allem drum und dran und kitschigem Aufwand
    Es gibt auch große Beerdigungen ohne kitschigen Aufwand.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz



  8. Avatar von Enya1963
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Zitat Zitat von Hillie Beitrag anzeigen

    Es gibt auch große Beerdigungen ohne kitschigen Aufwand.
    Das mag sein Hillie, aber als Geldverschwendung betrachte ich das dennoch, der Tote hat doch überhaupt nichts davon.

  9. Avatar von Hillie
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Ich war erst letzte Woche wieder bei einer Urnenbeisetzung. Da war absolut nix von Kitsch oder Brimborium (etwa 40 Trauergäste). In der Aussegnungshalle stand die Urne inmitten eines kleinen Blumenkranzes, Kerzen brannten, das war dann aber auch schon alles.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz




  10. Registriert seit
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    AW: von der Beerdigung "ausgeladen"

    Zitat Zitat von Enya1963 Beitrag anzeigen
    Das mag sein Hillie, aber als Geldverschwendung betrachte ich das dennoch, der Tote hat doch überhaupt nichts davon.
    Wer hat denn behauptet, eine Beerdigung sei für die Toten?
    Das war schon immer ein Ritual, das den Hinterbliebenen hilft, mit der Akutsituation fertig zu werden.
    Ein fester Ablauf, was im Todesfall zu tun ist (auch sozial), einfach!
    Sollte man das Denken wirklich den Pferden überlassen -
    nur weil die größere Köpfe haben?

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