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Thema: Mein Bruder


  1. Registriert seit
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    AW: Mein Bruder

    Man hört über Depressionen sehr viel. Zu viel, würde ich sagen, denn nicht alles ist richtig, was man da so hört oder liest. Nicht einmal dann, wenn es von Fachleuten kommt.

    Sehr vielen Menschen mit Depressionen kann geholfen werden, z.B. mit einer guten Psychotherapie.
    Vorausgesetzt, man findet einen Menschen, der weiß, was er tut.
    Und darin liegt nicht selten die Schwierigkeit (nicht nur, aber auch).

  2. Moderation Avatar von Anemone
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    AW: Mein Bruder

    Ich habe vor mehreren Jahrzehnten meinen Vater durch Selbstmord verloren. Vor dem endgültigen Suizid hatte er mindestens einen Versuch, über den er auch mit meiner Mutter sprechen konnte.
    Ich möchte der Auffassung vehement widersprechen, dass man so klar und einfach die Möglichkeit wählt, nicht mehr leben zu wollen. Jemand, der dem Suizid nah ist und drauf zu geht, empfindet nur Qual und Schmerz und wünscht nur, dass "es" aufhören möge. Sieht keinen Ausweg mehr, alle Angehörigen und andere Menschen sind völlig ausgeblendet, man ist nur verzweifelt auf sich bezogen und will nicht mehr.
    Alle anderen Vorstellungen (der sozusagen freien Willensäußerung) kommen aus der Sicht derjenigen, die so etwas noch nie nahe bei sich (damit meine ich auch eigene Depressionen oder die von Angehörigen, mit denen man im Vorfeld schon sprechen konnte) zu tun hatten.
    Wer tief drin steckt, ist nicht erreichbar. Und hat schon gar nicht die Kraft, Hilfe zu suchen. Und überhaupt ist jede Depression anders. DEr eine zieht sich wenigstens teilweise aus dem Sumpf und sucht therapeutische Hilfe, die meist nur mit Unterstützung von entsprechenden Antidepressiva gelingt, der andere zieht sich völlig passiv in sich und sein Elend zurück.
    Jemandem die "Schuld" zu geben, Angehörige, Kinder oder Schulden zurückzulassen, geht völlig an dieser Krankheitsrealität vorbei.
    Und ja, ich weiß genau, wovon ich rede.
    Und führe mich nicht in Versuchung -
    ich finde den Weg allein (Mae West)


    Wir glauben Erfahrungen zu machen,
    aber die Erfahrungen machen uns. (Eugène Ionesco)
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    Moderation 60+, Kochen für Feinschmecker, BRIGITTE-Diät,
    Essen - Genuss oder Frust? Rücken


  3. Registriert seit
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    226

    AW: Mein Bruder

    Liebe Anemone, Deine Worte unterschreibe ich.
    Viele Grüße von einer, die auch weiß, wovon sie schreibt.


  4. Registriert seit
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    AW: Mein Bruder

    Viel Kraft Dir, liebe Woelkeline.
    Für eine Trauergruppe ist es noch zu früh, oder?
    Hast Du Dich schon mal umgehört, ob es in Deiner Nähe etwas gibt?

    Liebe Grüße
    Kaffeewasser
    Geändert von kaffeewasser1 (25.01.2019 um 23:55 Uhr)


  5. Registriert seit
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    AW: Mein Bruder

    Da ist ein Mensch so verzweifelt und es kann ihm keiner helfen.
    Nach dem Leben aber zu sagen,,was hat er den anderen angetan... warum eigentlich nach dem Leben dem Menschen noch Vorwürfe machen. Mit so einer Art komme ich nicht zurecht.
    Depressive können nicht wollen in sehr schweren Zeiten.


  6. Registriert seit
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    22

    AW: Mein Bruder

    Liebe Anemone, vielen Dank, Du schreibst meine Gedanken auf.


  7. Registriert seit
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    AW: Mein Bruder

    Zitat Zitat von Veranoazul Beitrag anzeigen
    Es muss keine Verzweiflung sein, sondern eine klare Entscheidung gegen das Leben...

    Eines sollte jedem Menschen bewusst sein, ich denke auch dass viele Suizid Menschen das auch wissen.

    Ich kann nur mich ändern, aber nicht die anderen Menschen....

    Sie wollen sich nicht ändern im Hinblick auf den Umgang mit Problemen, sie wollen aussteigen, somit eine klare Entscheidung, ich will nicht leben.

    In diesem Fall eine klare Entscheidung mit großem letzten Abgang in der Öffentlichkeit um letztmalig für Aufmerksamkeit der eigenen Person zu sorgen, von der man nichts mehr hat....

    Das Mitleid für die Menschen die sich selbst töten ist mir nicht gegeben aber sehr wohl für die Angehörigen und Freunde die einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden und einen geliebten Menschen schmerzlich in ihrem Leben vermissen. Die mit Schuldgefühlen zurück bleiben obwohl sie alle nichts für diese Entscheidung können.
    Ich Habe Deinen Post mehrfach gelesen und immer wieder denke ich beim Lesen: "neben Dir erfriert man ja..." Und das, obwohl ich Dich nicht kenne und nichts von Dir weiß.

  8. Moderation Avatar von Anemone
    Registriert seit
    02.07.2004
    Beiträge
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    AW: Mein Bruder

    Man kann !! es sich einfach nicht vorstellen. Aber man sollte den Menschen glauben, die wissen, wie es sich wirklich anfühlt. Diese "Kälte" ist in sofern verständlich, wenn auch nicht nachvollziehbar.
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  9. Registriert seit
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    AW: Mein Bruder

    Nicht umsonst gibt es den Begriff „suizidal eingeengt“.


  10. Registriert seit
    26.01.2009
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    AW: Mein Bruder

    Zitat Zitat von Woelkeline Beitrag anzeigen
    Ich Habe Deinen Post mehrfach gelesen und immer wieder denke ich beim Lesen: "neben Dir erfriert man ja..." Und das, obwohl ich Dich nicht kenne und nichts von Dir weiß.
    Neben mir erfriert niemand, aber jeder Mensch darf ein selbst bestimmtes Leben führen und auch diesem sein Ende setzen, wenn er es will.

    Wenn die Verzweiflung so groß ist, man für sich entscheidet ich will das nicht mehr aushalten, ich will mir nicht helfen lassen, es ist mir zu anstrengend mich so zu verändern dass mein Leben wieder besser wird, dann darf er gehen!
    Es bleibt seine Entscheidung und er weiß was er tut !!! Ein Suizid ist geplant und benötigt Hilfsmittel, somit macht der Mensch sich Gedanken....
    Das Leben macht was es will und ich auch!

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