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  1. Avatar von Sunnya
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    294

    Wie können wir ihm helfen?

    Hallo liebes Forum,

    ich wende mich an Euch, da mein Bruder und ich so langsam verzweifeln.
    Vor einem Monat verstarb unsere Mutter nach gerade einmal 10 Monaten Kampf gegen den Krebs. Es wurde einfach zu spät festgestellt und da der Krebs zu aggressiv wuchs, konnte man leider nichts mehr machen. Sie verstarb zu Hause, dort wurde sie zum Ende von unserem Vater gepflegt. Die letzte Zeit, aber besonders die letzten beiden Wochen waren sehr schlimm.
    Letztlich ist für uns tröstend, dass sie nun nicht mehr leiden muss und keine Schmerzen mehr hat.

    Nun zum eigentlichen "Problem".
    Während mein Bruder seine Familie/Arbeit als Ablenkung hat und ich ebenso gerade erst Ende Juni Nachwuchs bekommen habe und dementsprechend gefordert bin, steht mein Vater nun alleine da. Nachdem der ganze Trubel mit Beerdigung etc. vorbei ist, fällt uns auf, dass er etliche Sachen vergisst und generell sehr durcheinander ist. Wir erkennen unseren Vater kaum wieder. Verabredungen braucht man mit ihm gar nicht mehr eingehen, er kommt nicht. Ruft man ihn dann an, sagt er das er es vergessen hätte. Er kriegt die Wochentage ebenso nicht mehr zusammen. Er schläft scheinbar sehr viel, er sagt er muss viel Schlaf nachholen. Seine Gedächtnislücken reichen bis teilweise 3 Jahre in die Vergangenheit.
    Er hat viel mitgemacht, da besteht kein Zweifel. Wir haben gestern auch mit ihm gesprochen, dass wir gemeinsam zum Arzt gehen um das abklären zu lassen. Wir machen uns wirklich große Sorgen. Er hat auch stark abgenommen und wir wissen nicht ob er regelmäßig isst. Er beteuert es zwar immer aber wir können uns da ja nicht sicher sein. Wir versorgen ihn auch mit essen aber können uns ja schlecht immer daneben stellen und gucken was er macht.
    Hat jemand von euch ähnliches erlebt oder schon mal von so einer Art der Amnesie gehört, die scheinbar trauerbedingt ist?
    Manchmal braucht man etwas Schwachsinn, um den Ernst des Lebens besser zu verkraften.

  2. Avatar von lux
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    260

    AW: Wie können wir ihm helfen?

    Ich denke, was Euer Papa braucht, ist einfach Zeit. Ich habe mehrere Verluste im engen Umfeld erlebt und ein Monat ist wirklich keine Zeit. Ihr habt da einen Vorteil, mit Job und Familie gut eingespannt und abgelenkt zu sein, während Euer Vater ohne seine Frau und den "Pflegejob" erstmal nichts mehr hat. Wie man mit Trauer umgeht, ist darüber hinaus auch etwas Typsache. Es gibt welche, die ganz energetisch werden und welche, die erstmal gar nichts mehr mit sich anfangen können. Und ja, ich habe schon alle möglichen schrulligen Verhaltensweisen an Trauernden - mich eingeschlossen - erlebt. Vergesslichkeit ist da noch das Harmloseste. Mein Tipp wäre, erstmal viel Verständnis zu haben und nicht panisch zu werden. Gut wäre auch, wenn Ihr ihn zu Euch holen könntet, so er das zulässt. So könnt Ihr schauen, dass er isst, sich nicht vernachlässigt. Vielleicht hilft ihm auch der Kontakt zu seinen Enkeln - die "neue Generation" - wieder schneller ins Leben zu finden.
    Und der Mensch heißt Mensch, / weil er erinnert, weil er kämpft / und weil er hofft und liebt, / weil er mitfühlt und vergibt. / Und weil er lacht. / Und weil er lebt. / Du fehlst. - H. Grönemeyer

  3. Avatar von starsandstripes
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    1.687

    AW: Wie können wir ihm helfen?

    Beim Opa meiner Cousine war es leider ganz genauso als seine Frau verstarb. Leider hat sich das nicht geändert - alle Einladungen wurden abgesagt, wenn er doch mal gekommen ist, ist er nach einer Stunde wieder gegangen. Er hat die Wohnung kaum noch verlassen und ist bis zu seinem Tod in seiner Trauer "versunken".

    Ich denke, das einzige, was ihr tun könnt, ist ihm anzubieten, für ihn da zu sein. Hat er denn auf den Arztbesuch positiv reagiert, also möchte er dort hin gehen? Das wäre ja schon mal ein sehr guter Schritt. Oft lassen sich Menschen eher auf den Rat eines Außenstehenden ein.

    Ich wünsche euch allen viel Kraft und mein herzliches Beileid.

  4. Inaktiver User

    AW: Wie können wir ihm helfen?

    Zitat Zitat von Sunnya Beitrag anzeigen
    Hat jemand von euch ähnliches erlebt oder schon mal von so einer Art der Amnesie gehört, die scheinbar trauerbedingt ist?
    erst mal mein Beileid zum Tod Deiner Mutter!

    ja, ich habe das erlebt vor einem Jahr, bei meiner Mutter und war auch aufs Äußerste besorgt...
    es hat sich inzwischen wieder gegeben und ich bin heilfroh darüber- es war definitiv der Schock über die ganze Situation und der Verlust
    und die Trauer und die immense Erschöpfung in den Wochen/Monaten vorher.....und das Alter...
    und jetzt die völlig neuen Lebensumstände.....

    unvorstellbar für jemanden, der so etwas noch nicht erlebt hat....

    Ja, es braucht Zeit,
    wichtig: genug Flüssigkeit/Trinken
    Tagesstruktur/Kontakte/Besuche/Telefonate....

    ich wünsche Euch allen viel Kraft in der nächsten Zeit!

  5. Avatar von taggecko
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    1.856

    AW: Wie können wir ihm helfen?

    Sunnya- herzliches Beileid. Bei Eurem Vater könnte natürlich jetzt eine Demenz auffällig werden, wo vorher Deine Mutter viel kompensiert und organisiert hat.
    Ihr solltet dem Hausarzt Deines Vaters Eure Beobachtungen mitteilen, dass er dann diesbezügliche Untersuchungen veranlassen kann.
    Wie alt ist er denn? Hat er Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes?

  6. Inaktiver User

    AW: Wie können wir ihm helfen?



  7. Registriert seit
    06.04.2011
    Beiträge
    13.652

    AW: Wie können wir ihm helfen?

    Bei meiner Schwester war das so, sie hatte keine Flüssigkeit aufgenommen. Nachdem die dehydration geregelt war, hat das Gehirn wieder normal funktioniert. Ich denke dein Vater ist deprimiert und braucht Unterstützung.
    Mckenzie

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