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  1. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Ich war wochenlang krankgeschrieben.
    Jetzt beginnt das zweite Jahr und die Endgültigkeit, obwohl nie unklar, wird nochmal klarer.

    Es war mein Vater mit 83 und nicht mein Lebenspartner.
    Es ist nochmal um Dimensionen schwerer, wenn ein junger Mensch geht.

    Ich kann mir nur vorstellen, dass sich Frauen in ähnlicher Situation stützen können. Daher der Link.

    Ich hab mich die ersten Wochen und Monate ganz viel mit Literatur von Kübler-Ross u.a. dieser Art beschäftigt.

    Das hat mir durch die tiefsten Täler etwas geholfen. Hab nächtelang gelesen.

    Auch der Tod eines Elternteils wird unterschiedlich verkraftet.

    Kürzlich Kollegen getroffen, der nach 2 Wochen wieder im Büro war. Und sogar stabil.
    Ihm helfe sein Sport.....

    Jeder Mensch ist anders.

  2. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hm schwerer...ich weiß nicht. Ich hab mir überlegt was schlimmer wäre: den Partner nach 2 Jahren (wenn der Himmel immer noch recht voller Geigen ist) oder nach 50 Jahren (wo man sich immer mehr eingespielt hat) zu verlieren. Es gibt keine Antwort, außer der, dass man einen wesentlichen Eckpunkt im Leben einfach verliert. Oder besser gesagt: die Hauptperson.

    Ich hatte auch Diskussionen über das, was man sich wünschen würde, als Überlebender. Dass der geliebte Mensch leidet und man ihn deswegen besser gehen lassen kann oder was plötzliches, was für den geliebten Mensch wiederum so viel gnädiger wäre. Ersteres wünsche ich dem Mensch nicht, letzteres mir nicht.

    Also gibt es kein besser oder schlechter, das Prinzip des Sterbens war mir immer verhasst und ich habe es zeitlebens geleugnet/vermieden so gut es geht. Die Menschen ziehen eben auf eine Insel ohne Post, Telefon und Internetanschluss. Basta. Ich erwähnte schon, dass ich mitunter sehr kindlich im Gemüt bin, oder?

    Und so, wie es für den geliebten Partner nie die richtige Zeit ist, ist das für jede andere Bezugsperson genau so. Was der "Lauf der Natur" ist, ist dabei für mich irrelevant. So, wie meine Freundin nicht blutsverwandt, aber meine Familie ist. Mehr als meine echte.
    Ich habe mal deinen Strang angelesen und ich denke du verstehst mich sehr gut, auch wenn es nicht deinen Partner, sondern deinen Papa betrifft.

    Ich schätze deine Anregungen sehr und würde dir gerne die Hand reichen, den Weg in dein 2. schweres Jahr zu teilen. Erleichtern würde ich es gern, aber ich weiß ja, dass das nicht wirklich geht

  3. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Heute ist wieder ein ganz dunkler Tag. Ich räume ein Glas in die Spülmaschine und denke daran, dass er immer umräumte, wenn ich das früher mal machte. Bis ich es eben gar nicht mehr probiert habe. Ich räume das Glas ein und denke: nie mehr wird mir jemand sagen, dass ich es falsch mache. Und die Sehnsucht und Trauer lassen mich nicht mehr los. Ich heule und sage: diese Wohnung habe ich für UNS gekauft. Für uns. Nicht für mich. Ich hätte kein 3. Zimmer gebraucht, war so froh, dass trotz der bescheidenen Finanzmittel ein kleines Reich nur für ihn drin war. Für uns, nicht für mich.

    Spatzl, wo bist du nur? Ich mag mein Leben so nicht. Ohne Dich. Das geht gar nicht, Du fehlst mir so sehr. Wer wird wissen, welche Spiele mir gefallen? Wer wird versuchen mich aufzuheitern, wenn ich auf die Arbeit schimpfe und es noch viel zu lang bis zum Wochenende ist?
    Du warst der Feieranteil am Feierabend. Deine Umarmungen, deine Küsse, deine Anwesenheit. Nun sind es nur Abende. Job, Hausarbeit und Schlafen. Diese andere Welt ist einfach Dreck.

  4. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Vorgestern hatte ich noch die winzige Hoffnung, dass bis zum Anfang des nächsten Tages das Licht am Ende des Tunnels erreicht habe. Vielleicht neue Erkenntnisse, wie in der Woche davor.

    Gestern merkte ich aber, ich seh ja nicht mal welches. Letzte Woche empfand ich, dass das Leben wieder in mich zurückkehrte. Jetzt fühlt es sich an, als hätte die Trauer eine Woche gebraucht das Schlupfloch zu finden, das das Leben benutzt hat. Sie klebt an mir und erstickt mich fast. Ich funktioniere in meinem Rahmen, aber diese plötzlichen Heulanfälle häufen sich. Nicht weinen, nein heulen. Ich rede dann immer laut, weil es aus mir raus muss, aber nichts wird leichter. Wenn ich sage: Schatz, ich will das nicht, ich ertrag das nicht, nicht ohne dich. Dann fühle ich das in jeder Zelle meines Körpers. Wieso klappt das nicht, wenn ich sage: Ich weiß, dass ich glücklich sein soll. Du hast ja recht. Das fühle ich nicht. Nicht außerhalb meines rationalen Verstandes. Es berührt mich nicht. Das hat es aber doch schon. Nicht oft, aber es berührte mich spürbar.
    Und was ist dieses Phänomen, dass ich total zusammenklappe, wenn mir jemand Beileid ausspricht? Ich meine, mir ist in jeder Sekunde bewusst, dass er nicht mehr da ist. Wieso zerreist es mich, wenn mir jemand dazu etwas sagt/schreibt?
    Ich muss dazu sagen, dass meine Umwelt da nix falsch macht, oder unsensibel ist. Überhaupt nicht. Ich bekomme auf allen Wegen ehrliche Unterstützung angeboten. Virtuell, telefonisch, Messenger und sogar echte Briefpost. Heute werde ich erst meine Mutter, dann meine Freundin besuchen. Gestern wurde ich auch ganz lieb getröstet, habe sogar zugesagt, im August auf ein Konzert zu gehen. Habe mich getraut mal wieder Musik zu hören. War eine ziemlich nasse Angelegenheit.

    Trotzdem sitze ich auch heute wieder in diesem Karussell der Erinnerungen: das Fleischthermometer, das wohl niemals ausgepackt wird und das er mir Tage zuvor gezeigt hat; die Art und Weise, wie wir an die gleichen Szenen aus Simpsons oder den Bundys dachten, wenn das passende Thema aufkam und wie wir darüber lachten. Mein Brötchen. Und ganz schlimm: wie wir immer das Aufstellen des Christbaums vor uns hergeschoben hatten, nachdem wir jedes Jahr im November sagten: dieses Jahr aber früher. Dann wurde es trotzdem wieder der 20. oder später. Es wird doch eh im Dezember weh tun, wieso drängen sich die Erinnerungen jetzt schon auf?
    Und kaum habe ich eine Erinnerung "weggespült", kommt die nächste. Es kommt mir vor, als ob wirklich jedes Ding solche Erinnerungen weckt derzeit. Als ob das Leben nicht in mich, sondern in meine Trauer gekrochen wäre. Auch der Anblick seines Fotos bewirkt Sturzfälle an Tränen. Das war schon viel besser, da war ganz oft Wärme statt Schmerz zu spüren. Jetzt bewirkt es nur eine Sehnsucht, die sich so lang steigert, bis es weh tut. Weinen wird zu Heulen, Heulen zur Verzweiflung und das mehrmals täglich. Wie lang kann das ein Mensch ertragen, bis er zerbricht? Ich fühle schon echte Risse, also düstere Gedanken, die auch in "guten" Zeiten bleiben. Naja, das Thema Trauergruppe und Therapie ist ja noch offen. Vielleicht hilft das ja.

    Für dich mein Schatz: YouTube
    Geändert von Midyu (27.04.2018 um 13:55 Uhr)

  5. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Ach Midyu,



    Es ist doch alles noch so frisch und Du bist keine Maschine, die einfach weiterläuft. Gib Dir Zeit!

    Der spitze akute Schmerz wird irgendwann nachlassen. Etwas anderes wird bleiben. Erinnerungen. Sie tun auch manchmal weh, auch oder gerade weil sie schön sind.

    Im Frühjahr, wenn die ersten Krokusse rausspitzen, wenn die ersten Tulpen kommen, wenn die Hunde (es ist inzwischen eine neue Generation) Blödsinn machen, wenn ein modernes Ballett besonders spannend ist, eine tolle Inszenierung eines Theaterstücks, eine neue astronomische Entdeckung, ein spannender Wein ... Das flasht mich nach fast 17 Jahren. Kürzlich habe ich eine neue Küche gekauft. In der Planungsphase habe ich mir überlegt, ob sie meinem Lebensmenschen gefallen würde. Weil er ein geniales Händchen und viel Leidenschaft in der Küche hatte, habe ich ein paar Geräte gekauft, die ich eigentlich nicht brauche.

    Ich finde immer noch kleine Zettel in manchen Büchern ...

    Ich habe die Wohnung umgebaut, mich beruflich nochmal ganz anders orientiert, mein ganzes Leben anders aufgestellt.

    Trotzdem ...
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  6. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Ach ihr Zwei......ich weiß gar nicht was ich schreiben kann, was nicht doof und flach klingt.

    Es gibt nichts und Midyu KANN jetzt nichts trösten.
    Deshalb gibt es kaum Antworten. Weil es nichts gibt außer stumm mitleiden.

    Ich glaube in den ersten Wochen geht es ums wie Weiterleben.

    Ich empfinde es schon als Gemeinheit, dass sich die Welt weiterdreht und die Natur in voller Pracht steht.
    Ausgerechnet jetzt.

    Ein "besonderes Bild" meiner Oma konnte ich erst nach 20 Jahren aufhängen.
    Morgen hat mein Papa Todestag.

  7. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Liebe Midyu,
    hab deine anderen Postings gelesen.
    Mir schoss dabei das Wort "lebensmutig" durch den Kopf. Dachte erst, dass es das Wort nicht gibt. Das Wort gibt es tatsächlich.

    Das bist du. Weshalb ich das denke weiß ich nicht. Das ist eher so ein Gefühl.

    Zum Schreiben:

    Mir hilft das Schreiben beim Sortieren meiner Gedanken und Gefühle. Über mein vergangenes Jahr konnte ich allerdings in mein Tagebuch keine einzige Zeile schreiben, nur hier.

    Manchmal denke ich, ohne das Schreiben wäre ich auf diesen oder jenen Gedanken gar nicht erst gekommen.

    Nochwas: Mir hilft oft, wenn es mir nicht gut geht, wenn ich vor die Tür gehe. Es gibt dort immer etwas. Immer!

    Einen Hund streicheln, drei Sätze mit der Besitzerin wechseln. Über ihren schönen tollen Hund...nur so als Beispiel.

    Ob das für dich zu früh ist kann ich nicht sagen. Ich schreib das einfach weil ich denke, dass alles besser ist als nichts.

    Ausprobieren.

    Alles Liebe.
    Geändert von Ivonne2017 (28.04.2018 um 07:33 Uhr)

  8. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo katelbach,

    danke für das Teilen deiner Gedanken, mich interessiert es sehr, wie die Menschen nach langer Zeit nach dem Tod zurechtkommen. Womit arrangiert, was hinter sich gelassen und wie sehr noch verbunden. Klar ist jeder anders, geht anders mit um und so, aber ich finde das interessant. Wie war die Gefühlslage beim Kauf der Küche? Kam der Kauf der Zusatzgeräte spontan, tat es vorher weh oder hast du innerlich eher gelächelt?

    Hallo Ivi,

    mir hilft das Schreiben auch. Allein schon, dass ich versuche, es auch dann zu tun, wenn ich eigentlich denke: ich hab nix zu sagen. Steht alles schon da. Und dann tu ich´s trotzdem und es ist gut. Und man lernt nette Leute kennen

    Ich war gestern ein paar Stunden bei meiner Freundin, wir redeten über Potentiale und Chancen und ich merkte, wie egal mir das war. Lust auf nix, Vertrauen in nix. Nichtmal wenn ich nun ALLE Möglichkeiten der Welt hätte, wüsste ich damit nix anzufangen.
    Davor, bei meiner Mutter, war es eher religiös. Ich solle beten, dann würde es leichter; Gott lässt dich nicht allein. Aha, soso. Erst nimmt er mir das Wichtigste und dann soll ich darum bitten, er möge mir die Stärke des Ertragens schenken. Na wenn es sonst nichts ist?! Naja, ich versicherte ihr, ich würde kein Satanist, weil der ja auch nix dagegen gemacht hat, aber mit Gott ist mein Frieden noch lange nicht gemacht.
    Diese 2 Sichtweisen zusammen haben mir klar gemacht: nein, ich bin in diesem Leben nicht angekommen. Ich will zwar keine Schmerzen haben, aber ich bin irgendwie nicht bereit, mich in diesem Leben einzurichten. Irgendwie ist es für mich noch zu sehr Übergangslösung in das ich keine Mühen und erst recht keine Liebe dazu investieren will.
    Dabei ist es egal, ob ich so lange bete, bis ich Engel sehen kann und mich erwählt fühle; oder meine Potentiale mehr anzapfe, in Sachen Hobbies, Ehrenamt, Reisen etc. Alles wäre ein Versuch, das Leben in dem ich mich jetzt wiederfinde selbst zu gestalten. Ein Riesen-IKEA für das Lebenshaus.
    Da ich da aber niemals einziehen wollte, ist mir das Haus egal und einrichten will ich es auch nicht. Ich will da eben gar nicht wohnen. Ist mir zu gross, zu teuer und viel zu viel Arbeit, alles sauber zu halten.
    Mein Verstand sagt: guck, du hast ein Haus. Es ist groß, aber nur deshalb, weil du so viel hast. Ein Zimmer für Freunde, eins für die Familie, eins für deine Talente, ein Gästezimmer, eine Bibliothek für deine Intelligenz, einen riesigen Keller für Erinnerungen. Darum würden dich viele beneiden.
    Aber ich steh davor und denke: will dieses Haus nicht, will UNSERE Wohnung. Da ist mein Platz und wenn ich das nicht haben kann, schlaf ich eben draussen. Mir doch egal, wenn ich Rückenschmerzen hab vom auf dem Boden schlafen, es kalt und feucht um mich rum ist und meine Gesundheit so in Gefahr. Ich geh da nicht rein, das ist nicht meins. Und ich will es nicht.
    Vielleicht poste ich eines Tages hier den Link zu "Bring me back to life" von Evanesence, derzeit wäre es gelogen. Das ist mir nun klar geworden.

    Muss eben Farin ran: YouTube

  9. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Ohne dich, hätte ich diese Spiele wohl nie gespielt. Ich hab es wiedergefunden YouTube

  10. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    So langsam glaube ich, die letzten Tage sind so übel, weil ich ein Akzeptanzproblem habe. Aber ein anderes, als ich erwartet hätte. Ich will einfach nicht akzeptieren, dass ich NICHT mit ihm gestorben bin. Diese innere Abwehr gegen gut durchdachte Denkweisen und Ratschläge. Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, welchen Sinn man aus der Situation ziehen könnte, weil ich vehement bestreite, dass da ein Sinn sein könnte/sein DÜRFTE.
    Ich stehe immer noch vor dem Haus und ich hasse es noch immer. Und fühle mich dumm, weil davon keiner etwas hat. Er nicht (oh Mann, wenn er mich echt sehen könnte, dann wäre mein Verhalten die Hölle für ihn) und für mich erst recht nicht, oder was ist so toll daran zu heulen und zu leiden? Meine Umgebung dürfte auch wenig Freude an der Situation haben.

    Da steh ich nun mit meiner Erkenntnis, dass nur ich was ändern kann und wenn ich es nicht tu, dann muss ich es wohl so wollen.

    Puh.

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