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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Yvonne
    ich fühl mit dir, ich hab kein einziges Trauergefühl vergessen ... ...

    die Verzweiflung, die Ungerechtigkeit, das Entsetzen, das Nichtwissen, wie es weitergeht, das Zögern, ob es sich überhaupt lohnt, dass es weitergeht ...und etliche viele Dinge, die gar nicht zu artikulieren sind einschliesslich der physischen und psychischen Schmerzen.

    Vielleicht hilft es auch dir ein bisschen, deinen Gefühlen in diesem Strang freien Lauf zu lassen?
    Das wünsch ich dir von Herzen und die Kraft, diese Zeit durchzustehen
    Es ist immer JETZT

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Lyanna
    Mir fehlen die Worte, aber es tut gut, von dir zu lesen.
    Zwinge mich gerade zum Allerallernötigsten.

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo Ivonne,

    ich fühle mit dir

    Danke für deine Nachricht. Ich bin die letzte Zeit recht leicht angegriffen, daher weiß ich nicht, wann ich das nächste Mal hier gelesen hätte.

    Es gibt keine Worte, die trösten können, das ist mir klar. Alles was möglich ist, ist zu sagen: ich höre/lese dich. Auch wenn jede Geschichte eine ganz eigene ist, wirst du verstanden mit all dem, was du nun durchmachst. Schreib, was und wann du willst und ....ach es tut mir einfach so leid.

    Im Grunde macht mich das sprachlos und ich will auch nix Doofes schreiben aus der Hilflosigkeit heraus.

    Ganz viel Kraft (auch wenn du dir nicht vorstellen kannst, woher die nun kommen sollte)

    Midyu

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo Midyu,
    was meinst du mit angegriffen? Bist du doch hoffentlich nicht krank?

    Mir wünschten das lange Jahr dieser schrecklichen Krankheit viele Menschen Kraft. Ich wusste gar nicht, was sie meinten. Ich funktionierte mehr recht als schlecht, achtete nicht mehr auf mich selber, aber ich funktionierte, nur für meinen Mann, zu 100%, Tag und Nacht, wenn er meine Hilfe brauchte. Er brauchte mich ständig. Ich wollte ihn unbedingt behalten. Ich dachte, mit Liebe und bester medizinischer Unterstützung sei das zu schaffen. Was mit Kraft gemeint ist weiß ich erst jetzt.

    Weitermachen, weiterleben, nicht zerbrechen.
    Er hätte das nicht gewollt, dass ich zugrunde gehe. Oft hat er gesagt, ich soll auf mich schauen, an mich selber denken und nicht immer nur an ihn.

    Er starb ja nicht plötzlich.
    Er dachte, er schafft es.
    Wir hatten ausreichend Zeit.
    Ich hab während dieser langen Zeit selber gemerkt, dass es so mit mir nicht weitergehen kann. Ab dem Punkt achtete ich wenigstens wieder auf meine Ernährung. Krank wäre ich ihm keine Hilfe gewesen.

    Sein körperlicher Verfall war deutlich sicht- und spürbar.
    Der Tod war dennoch nie Thema, er wollte ja gesund werden und schob alles weg von sich.

    Jedes Symptom kann man anders auslegen.

    Es gibt nix Doofes. Nur Schweigen find ich persönlich doof.

    Als mein Vater starb war der Tod vorher auch nie Thema. Aber ich wusste, dass wir unser Leben genießen sollen. So war mein Vater.

    Mein Mann hat das mehrmals gesagt....ich soll mal weggehen z.B.
    Ich fragte ihn, ob ich jetzt alleine in ein Restaurant gehen soll und anschließend alleine ins Kino.....ich wich praktisch nie von seiner Seite.

    Daher weiß ich, dass er sich das jetzt für mich wünscht. Wenn auch nicht über den Tod, aber über solche Dinge hatten wir die Gelegenheit zu sprechen.

    Alleine geh ich zwar jetzt auch nicht weg. Wir lebten sehr zurückgezogen.
    Waren uns selber genug.
    Jetzt kann ich nicht mal mehr fernsehen.

    Bin aber fest entschlossen, noch ein wenig aus meinem Leben zu machen.
    Auch weil ER sich das wünscht.

    Er war mutig und ich versuche es auch zu sein.

    Ich fühle mich gerade, als wenn ich pfeifend vor Angst durch die Dunkelheit gehe.

    Glaube, Hoffnung, Liebe...
    Es ist die Liebe zu meinem Mann, die mir Kraft gibt.
    Irgendwann, ganz bestimmt.

    Ivonne

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen

    Glaube, Hoffnung, Liebe...
    Es ist die Liebe zu meinem Mann, die mir Kraft gibt.
    Irgendwann, ganz bestimmt.

    Ivonne
    Noch nicht, Yvonne, aber irgendwann ganz sicher ...das kann ich bestätigen!
    Es ist alles noch viel zu frisch, und ich habe damals sehr gehofft, dass mir jemand sagt, wasnn die Schmerzen aufhören.
    Keiner konnte es mir sagen ...aber irgendwann werden sie weniger und irgendwann tuts nicht mehr so weh ...
    das kann ich aus eigenem Erleben bestätigen.
    Jetzt wirst du wahrscheinlich nur funktionieren?
    Alles andere, was du schreibst, kann ich nur bestätigen.

    Bleib mutig und tapfer FÜR dich selbst und deinen Mann ...

    Es ist immer JETZT

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Liebe Yvonne,
    mein Beileid

    Dein Post hat mich sehr berührt.
    Auch ich weiß noch sehr gut, wie ich mich in den ersten Wochen und Monaten fühlte.

    Ich glaube Lyanna schrieb das Wort "Entsetzen".

    Ich kann dir nur von meiner Erfahrung berichten, dass es zum Glück immer auch wieder friedvolle Momente gibt.
    Mit schöner Erinnerung und gefühlter Nähe. Diese haben es für mich erträglich gemacht, weiter zu leben.

    Trotzdem kommt natürlich auch der Schmerz wieder. Jetzt nach gut zwei Jahren ist er milder. Als ob ich eine Schutzschicht aufgebaut habe.
    Habe ich auch "gebaut". Aber es braucht Zeit.

    Nimm dir deine Zeit, Yvonne. Kein Trost, aber meiner Meinung nach eine Möglichkeit.


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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Danke euch.

    Ich zitiere Lyanna
    die Verzweiflung, die Ungerechtigkeit, das Entsetzen, das Nichtwissen, wie es weitergeht, das Zögern, ob es sich überhaupt lohnt, dass es weitergeht ...und etliche viele Dinge, die gar nicht zu artikulieren sind einschliesslich der physischen und psychischen Schmerzen.

    Zum Entsetzen kommt noch das Grauen.

    Es lohnt sich für mich eigentlich gar nicht.

    Für die jetzige Zeit hatten wir uns so viele schöne Dinge vorgenommen.
    Pläne gemacht...alles auf JETZT aufgeschoben.

    Die Natur genießen, nichts Großes.

    Wie gemein ist das denn, dass ich lange schöne Sachen träumte? Noch in der Klinik, als ich bei ihm übernachtete...träumte, wir beide seien in Urlaub! Das Grauen beim Aufwachen kann ich nicht in Worte fassen.

    Ich stehe an der Schwelle zur Rente, mein Lebensmensch war schon eine kurze Weile daheim. Wartete auf mich. Jeden Tag holte er mich von der Arbeit ab, strahlend. Wartete darauf, genau wie ich, dass meine Rentenjahre (mit Abstrichen, so war es geplant) erfüllt sind.

    Seit der Diagnose vor einem Jahr blieb ich ganz bei ihm. Der Job war mir egal. Wir hatten keinen einzigen guten Tag mehr, er hatte unfassbare Schmerzen.

    Jetzt wartet er im Himmel oder wo auch immer auf mich.

    Der Platz neben ihm mit meinen sterblichen Überresten ist gekauft. Hab schon gebucht.

    So hab ich wenigstens ein wenig Sicherheit, eines Tages wieder bei ihm zu sein. Die Grabpflege, wenn ich mich nicht mehr kümmern kann, weil ich dann tot sein werde, zahle ich im voraus.

    Die kleinen Projekte, auf die wir uns freuten, werde ich alleine definitiv nicht machen.

    Ich will keinen Hund, will keinen Urlaub mehr und auch keine Reha.

    Die Wohnung werde ich ein wenig herrichten und darauf warten, bis ich 80 bin oder mich schon vorher eine Krankheit tötet.

    Für meine engste Familie, die ich sehr liebe, halte ich das noch aus.
    Geändert von Ivonne2017 (18.08.2020 um 09:08 Uhr) Grund: Ergänzung

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    [..]

    Die kleinen Projekte, auf die wir uns freuten, werde ich alleine definitiv nicht machen.

    Ich will keinen Hund, will keinen Urlaub mehr und auch keine Reha.

    Die Wohnung werde ich ein wenig herrichten und darauf warten, bis ich 80 bin oder mich schon vorher eine Krankheit tötet.
    Ivonne,

    ich kann dich gut verstehen.

    Wir hatten ja schon zwischendurch geschrieben, aber jetzt ist es für dich konkret. Die Pläne, die ihr nch zusammen hattet, genauso wie wir, die laufen jetzt ins Leere. Die Welt, die eigene, steht still, es gibt keine Töne, während draußen Bohei ist.

    Ich habe mit als erstes gesagt: "Und wenn ich vielleicht 60 werden muss? Oder sogar 70?" Die Vorstellung, den Schmerz so lang aushalten zu müssen, die hat mich zerrissen. Ich bin in den ersten Monaten täglich mindestens einmal zur Bank gegangen. Irgendwie hatte ich die Vorstellung, dass ich mich bei einem Überfall freiwillig als Geisel melde, weil eh alles wurscht ist. Ich habe anfans jede Nacht von einer Sturmflut geträumt, die Menschen wie kleine Puppen an die Felsen donnert - alle, nur mich nicht. Und ich hab von eisernen Klauen geträumt, die meinen Brustkorb aufreißen, aber ich bin nie gestorben im Traum. Vor dem Weiterleben hatte ich schreckliche Angst.

    Und jetzt sind es schon 19 Jahre und ich bin 63. Morgen ist unser 21. Hochzeitstag und unser 46. Juiläum.
    Es hat sich schon viel verändert in den Jahren, glaub mir. "Es" ist auch leichter geworden, aber es bleibt der SuperGAU in meinem Leben.

    Ich kann dir auch gar nichts Gscheites sagen. Nur: Gib und nimm dir die Zeit, die du brauchst. Mach das, was dir gut tut, lass dich nicht zu Ablenkungen schleppen, wenn du nicht willst (ich Depp hab das gemacht, furchtbar), geh aus, wenn dir danach ist. Rede und schreib von deinem Mann, dann ist er da.

    Und vielleicht möchtest du doch einen Hund - irgendwann. Mich haben die Hunde gezwungen, aus dem Bett zu kriechen. Sie wollten raus, Action, Zuwendung und was zu essen. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich gegangen.


    Ivonne, ich hab soviel an euch gedacht. Diese Schei**krankheit.
    Ich wünsche dir Ruhe.

    Uns anderen hier auch.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen


    Ivonne, ich hab soviel an euch gedacht. Diese Schei**krankheit.
    Ich wünsche dir Ruhe.
    Liebe katelbach,
    ich weiß, dass du an uns gedacht hast. Du wusstest, was die Diagnose bedeutet und das Tumorstadium, das G3.....deine Gedanken, auch wenn du nichts geschrieben hast, ahnte ich.

    Ich war seit 11/18 zerfressen vor Angst.

    Jetzt fühle ich mich nur noch taub und erstarrt.
    Wegen meiner kleinen Familie bleib ich hier.

    Aber zugegebenermaßen bin auch ich leichtsinnig geworden. Mir wurde viel egal. Neuerdings fahre ich mit dem Rad auf einer stark befahrenen Straße. Das war mir bisher viel zu gefährlich.

    In unserer mittelgroßen Stadt fürchte ich, hab ich wenig Chancen, als Geisel genommen zu werden. Überfallen werden bei uns hauptsächlich Tankstellen.

    Es ist auch MEIN Supergau meines Lebens.

    Mein Mann war mein Hafen, mein Anker, er rettete fast jede Situation mit Besonnenheit. Nie wollte er Streit. War immer derjenige, der anderen Brücken baute.

    Heute Nacht träumte ich, dass er uns vor einem gefährlichen Verkehrsunfall auf der Autobahn durch seine umsichtige Fahrweise und schnelle Reaktion bewahrte.

    Er tat alles für mich, erinnerte mich an jeden Arzttermin, fuhr mich hin und holte mich ab, wenn er die Gelegenheit dazu hatte.
    Nur auf sich selber konnte er nicht aufpassen.

    Träumte. dass er mich wachküsste.

    Er kam aus einer lieblosen Familie und hatte ein Herz aus Gold. Er war fähig, uns zu lieben.

    Das war es, was mir meine Therapeutin heute nahelegte, das zu sehen....in diesem Jahr werden es 42 Jahre, dass wir uns kennen. Wir waren immer zusammen, hielten zusammen, nie war einer allein. Bei euch weniger Jahre, aber sicher nicht weniger intensiv wie du schreibst.

    Das gilt als großes Glück.

    Ich bin jetzt 62.

    Eine Reha soll ich nur machen, wenn ich dazu bereit bin. Bin ich nicht, weil ich mich dort verloren fühlen würde.

    Niemand, der mich anruft, von seinem Tag erzählt, mich freudestrahlend besucht und abholt.

    Eine treue Seele waren wir beide.

    Ich könnte mir höchstens eine Trauergruppe vorstellen. Der Kontakt zu Menschen in ähnlicher Situation ist mir wichtig. Könnte ich mir zumindest vorstellen.

    Die Ruhe, die haben unsere lieben Verstorbenen.

    Vielleicht hat ja jeder eine Aufgabe im Leben. Jeder bekommt die, für die er die Kraft aufbringen kann. Ich wünschte, das Schicksal hätte mich - und euch - für weniger stark gehalten. Das Schicksal hat sich geirrt.

    Ja, ich gehe unter Leute, plaudere mit Nachbarn. Das war's aber schon.
    27.7.2020

  10. Moderation

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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Guten Morgen,

    ich bin seit April 2019 Witwe.
    Der Schmerz ist immer noch groß.

    Einerseits hat mir der Besuch einer Trauergruppe gut getan - andererseits haben mich einige Berichte der anderen Trauernden belastet.
    Aber es ist "gut, darüber zu sprechen".

    Schlimm fand ich, dass Hilfe gesucht werden muss. Ich hatte eher die Frage und das Gefühl: "wer kümmert sich jetzt um mich?"
    Ich war bis zuletzt "pflegende Angehörige" und seelisch und körperlich ziemlich kaputt.
    Nein, es kam niemand auf mich zu.
    "Sie hätten sich melden müssen", hörte ich später.
    Dazu hatte ich gerade in der Anfangszeit keine Kraft.

    Herzliche Grüße
    cpeg
    Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!

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